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Leseprobe 3
Fronleichnam
Die göttliche Fülle weitergeben
Lesejahr C
Beitrag zum Evangelium

Einführung


Fronleichnam, das heißt: »Leib des Herrn«, feiern wir heute! Dass wir in einem einfachen Stück Brot Gottes Sohn selbst empfangen, ist uns zur lieben Gewohnheit, ja Selbstverständlichkeit geworden in jeder Heiligen Messe.
Fronleichnam soll ein Anlass sein, uns wieder bewusst zu machen: Das ist ganz und gar nicht selbstverständlich. Gott gibt sich in unsere menschlichen Hände. Mehr noch: Er will in uns sein, in uns leben, lieben, wirken. So sehr, dass wir davon auch den Mitmenschen weitergeben können, ohne zu kurz zu kommen.
Begrüßen wir unseren Herrn Jesus Christus, Gastgeber und Speise zugleich, in dieser Stunde, und bitten ihn um sein Erbarmen.

Kyrie-Ruf

Herr Jesus Christus, du lädst uns an deinen Tisch.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du gibst dich uns als Brot zur Speise.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du schenkst uns Leben in Fülle.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Gott, unser Vater.
Voll Freude feiern wir, dass er auch uns Brot sein will, dass er unseren Hunger stillt in der Feier der Eucharistie.
Öffne unsere Herzen für dieses Geschenk und stärke unseren Glauben, damit wir aus der Fülle deiner Liebe leben und sie den Mitmenschen weiterschenken können, die hungern nach Brot, Barmherzigkeit und guter Gemeinschaft.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 146 »Du rufst uns, Herr, an deinen Tisch«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 493 »Preise, Zunge, das Geheimnis« oder
GL 365 »Meine Hoffnung und meine Freude« und
GL 174/8 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 378 »Brot, das die Hoffnung nährt«
Gesang zur Kommunion
GL 498 »Das Heil der Welt, Herr Jesus Christ«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 380 »Großer Gott, wir loben dich«

Vorüberlegungen


Zum Text: Lk 9,11b–17 (Evangelium)


Von der Brotvermehrung wurde in der jungen Christengemeinde schon früh die Verbindung zur Eucharistie hergestellt. Das gilt auch für den Evangelisten Lukas, der mit vielen Übereinstimmungen von der Brotvermehrung und vom Mahl des Auferstandenen mit den Jüngern bei der Emmaus-Erzählung (Lk 24) berichtet: Jesus ist Gastgeber, er bricht das Brot, schaut zum Himmel auf und reicht es den Jüngern. Im Austeilen wird er erkannt. Die Jünger werden gestärkt durch das Brot zu Glaubenszeugen: Auf die Brotvermehrung folgt das Messiasbekenntnis des Petrus (Lk 9,18–22), die Emmausjünger werden zu Osterzeugen in Jerusalem. Das gebrochene Brot wird geteilt und wirkt, weit über das aktuelle Mahl hinaus.

Auch diese Predigt stellt den engen Zusammenhang zwischen Brotvermehrung und Eucharistie heraus: Gemeinsam ist beiden die Gabe der göttlichen Fülle, gemeinsam ist beiden Mählern – und darauf liegt der Fokus dieser Predigt –, dass diese Fülle weitergetragen und ausgeteilt werden will. Den Hörern wird die Frage gestellt, wie sie sich in der Eucharistie als Beschenkte erleben, und wie, mit wem sie diese Gabe mitnehmen und teilen können.

Predigt


Es bleiben zwölf Körbe Brot – Zeichen für die göttliche Fülle

Zwölf Körbe Brot übrig. Was im Leben unserer Gemeinden klingen würde wie: Falsch kalkuliert beim Gemeindefest, was machen wir jetzt nur damit? Das bedeutet im Evangelium dieses Fronleichnamsfestes etwas ganz anderes: Wo Gott im Leben der Menschen wirkt, da kommt Fülle ins Leben. Wo Mangel war, fünf Brote und zwei Fische, mühsam zusammengetragen und doch niemals ausreichend für tausende Menschen, da ist nun mehr als genug für alle da.

Und damit ist diese Erzählung von der Brotvermehrung auch ein Schlüssel zum Verstehen für das, was Eucharistie bedeutet: Gott kommt in unser Leben und macht mit dem wenigen, was wir bringen, viele satt. Erstkommunionkinder bringen es manchmal auf den Punkt: »Das schmeckt ja gar nicht besonders«, hört man sie etwas enttäuscht sagen, haben sie doch so lange auf dieses Stück Brot gewartet. Und ja: Was wir Menschen auf den Altar stellen, ist klein, unscheinbar, der Nährwert ist gering. Die Kraft dieses Brotes liegt darin, dass Gott es mit seinem göttlichen Leben, seiner göttlichen Liebe erfüllt, wenn wir es teilen. Und so wurden und werden unzählige Menschen gestärkt, ermutigt, gesättigt durch die Eucharistie. Alle aßen und wurden satt – diese Erfahrung dürfen auch wir heute machen, wenn es uns gelingt, trotz aller Fragen und Zweifel uns mit Glauben und Vertrauen für das Wirken Gottes in unserem Leben, in dieser Mahlgemeinschaft zu öffnen.

Zwölf Körbe Brot – sie sind zum Weitergeben da

Die zwölf Körbe Brot, die am Ende des Mahles eingesammelt werden, sie stehen also für die göttliche Fülle. Sie stehen aber auch dafür, dass das, was Gott gibt, für viel mehr Menschen reicht als nur für die, die jetzt zum Mahl versammelt sind. Die biblische Geschichte erzählt nicht, was mit den zwölf Körben geschah. Ganz gewiss wurden sie nicht weggeworfen. Schließlich enthielten sie das, wonach nicht nur diese Fünftausend hungerten, sondern noch viele andere Menschen. Kann es also anders gewesen sein, als dass Jesus die Jünger mit diesen Broten fortschickte, um sie zu weiteren Hungernden zu bringen und ihnen auszuteilen? Es war ja schon beim Mahl mit den Fünftausend so gewesen: Jesus schaute zum Himmel, brach das Brot, stellte es zur Verfügung. Aufgabe der Jünger war dann, das Brot auszuteilen an die Hungrigen. Dazu braucht Gott die Menschen: dass sie weitergeben, was er ihnen schenkt, in Fülle, damit es für alle reicht.

Zwölf Körbe Brot – sie sollen auch heute verteilt werden

Und wiederum gilt: Nicht anders ist es heute. Wir dürfen Gast sein bei Jesus. Wir gehören zu den 5.000, auch wenn wir am Sonntag heutzutage oft nur wenige sein mögen. Aber auch für uns gilt: Wir empfangen das göttliche Brot, die Fülle der göttlichen Liebe und werden gestärkt für unser Leben, Lieben und Glauben. Und dann sind auch wir gefragt wie die Jünger damals, die Fülle dessen, was wir empfangen haben, mitzunehmen, hinauszutragen, denen zu bringen, die Hunger haben. Die Heilige Messe darf keine geschlossene Gesellschaft sein und sie endet nicht mit dem Segensgebet. Am Ende steht die Aufforderung, von der unsere Messe sogar ihren Namen hat: Ite, missa est, wörtlich: Geht, ihr seid gesendet!

Das Mahl geht weiter, wenn Mitfeiernde zu ihren Mitmenschen gehen und ihnen austeilen, was Gott in Fülle gibt. Wie geht das ganz konkret? Es geschieht immer dann, wenn ein Mensch, aus der Erfahrung, von Gott beschenkt zu sein, selbst bereit ist, ohne Gegenleistung zu schenken: Zeit, Hingabe, Arbeit, materielle Gaben, sein Glaubenszeugnis. Und wenn er dies tut, ohne sich von den sehr menschlichen inneren Fragen aufhalten zu lassen: Was ist das schon, das bisschen, was ich tun kann? Oder: Bin ich dafür überhaupt gut genug, können es nicht andere besser? Oder: Wird meine Kraft reichen? Überfordert mich das nicht? Das sind berechtigte Fragen für den, der im eigenen Tun nur die fünf Brote und zwei Fische sehen kann – viel zu wenig. Wer aber weiß, dass er mit seinen kleinen Kräften vom göttlichen Überfluss austeilt, kann mutig geben. Und dann wirkt die Fülle Gottes auch über unsere Kirchentüren hinaus.

Zwölf Körbe Brot – die Prozession zeigt uns die Richtung

Vielleicht kann es eine gute geistliche Übung sein, uns das einmal ganz bildhaft vorzustellen: Dahinten am Ausgang würden zwölf Körbe stehen, die einladen: Nimm mit für die, denen das fehlt, was du gerade empfangen hast. Fällt Ihnen da jemand ein? Wem würden Sie von den Broten bringen? Wer hat Hunger nach dem, was Ihnen Ihr Glaube gibt? Dann lassen Sie das Geschenk Gottes nicht in der Kirche zurück, nehmen Sie mit, gehen Sie hin, teilen Sie aus.

Nichts anderes tun wir an Fronleichnam, wenn wir nachher (oder, falls vor Ort keine Prozession ist: wenn heute an vielen Orten Menschen …) mit dem Brot der Eucharistie zur Prozession aufbrechen: Das Brot des Lebens wird am Altar gebrochen und ausgeteilt. Aber es soll nicht dort bleiben. Wir tragen es in unsere Straßen, unsere Dörfer und Städte, in unser Leben, zu den Mitmenschen. Wir tun es im Vertrauen: Es reicht für alle. Gott gibt nicht kleinlich, Gott gibt in Fülle.

Fürbitten
Jesus Christus, Bruder und Herr, im Brot der Eucharistie gibst du dich ganz für uns hin. Du gibst reichlich und in Fülle, so bitten wir dich voll Vertrauen:

- Für alle einsamen, alleingelassenen, für die von Krankheit undÄngsten gepeinigten Menschen.
(GL 181/1 »Lasset zum Herrn uns beten: Herr, erbarme dich«)
- Für die Opfer von Krieg, Vertreibung, Hunger und Naturkatastrophen.
- Für die verschiedenen christlichen Kirchen, die auf dem Weg zur Einheit und Eucharistiegemeinschaft so schwer vorankommen.
- Für alle Menschen, die sich nach Hoffnung, Liebe, neuem Leben sehnen, nach Halt und Orientierung.
- Für uns und alle Mahlgäste an deinem Tisch, die du brauchst, den Mitmenschen das Empfangene weiterzugeben.
- Für unsere Verstorbenen, die wir dir in der Hoffnung auf das ewige Leben anvertrauen.

Ja, Herr, du bist voll Erbarmen. Du bist gekommen, damit die Menschen das Leben haben, Leben in Fülle. Dir sei Dank und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

Stefan Möhler

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