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Leseprobe 3
Osternacht
Letzte Ehre – erste Ahnung
Lesejahr A – B – C

Beitrag zum Evangelium

Einführung


»Sing nicht so schnell dein Glaubenslied, sing nicht so laut, so grell. Der Glaube trägt ein schweres Kleid aus Gnadenglück und Sterbeleid. Vielleicht kommt er dir nahe, vielleicht bleibt er dir fern.«

So lautet die erste Strophe eines modernen Liedes.1 Es passt gut zu dieser Nacht, wo wir behutsam beginnen, im Dunkeln, mit zurückhaltendem Gesang, bevor das Gloria und das große Halleluja erklingen. Es passt gut zu den Ostergeschichten, die von Enttäuschung, Ratlosigkeit, Verwunderung erzählen und erst dann von dem Geschenk der Begegnung mit dem Auferstandenen. Es passt gut zu uns, die wir Nächte des Zweifelns und des Ringens kennen, aber auch das Glück, in Gott Halt und Geborgenheit und im Auferstandenen eine Hoffnung zu finden, die uns, wie es in der dritten Strophe des Liedes heißt, »viel weiter sehn« lässt.

Tagesgebet
Messbuch – Osternacht
oder
Gott des Lebens und Vater des Lichtes,
du erleuchtest diese Nacht
durch die Auferweckung deines Sohnes.
In ihm erfährt die Welt,
was von Ewigkeit her dein Wille ist.
Was alt ist, wird neu,
was dunkel ist, wird licht,
was tot war, steht auf zum Leben,
und alles wird wieder heil in dem,
der der Ursprung von allem ist,
Jesus Christus, unser Bruder und Herr,
der mit dir in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes
lebt und Leben schafft von Ewigkeit zu Ewigkeit.2

Liedvorschläge

Gesänge zum Wortgottesdienst
GL 395 »Den Herren will ich loben«
EH (3) 21 »Meines Herzens Dunkel«
EH 120 »Sing nicht so schnell dein Glaubenslied«
Gloria
GL 169 »Gloria, Ehre sei Gott«
EH 15 »Ehre sei Gott und Friede«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 337,1–2.5–7 »Freu dich, erlöste Christenheit«
Gesang zur Kommunion
GL 209 »Du teilst es aus mit deinen Händen«
GL 800 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Seht, der Stein ist weggerückt«
Dankhymnus
GL 322,1–2.5–6 »Ihr Christen, singet hoch erfreut«
GL 328 »Gelobt sei Gott im höchsten Thron«
Schlusslied
GL 326 »Wir wollen alle fröhlich sein«
GL 797 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Christus ist erstanden«

Vorüberlegungen


Zum Text: Lk 24,1–12 (Evangelium)

Die Frauen im Evangelium kommen zum Grab, um mit der Salbung des Leichnams Jesu ihrem Herrn die letzte Ehre zu erweisen. Sie sind damit allen nahe, die auf ganz unterschiedliche Weise auf Friedhöfen und an Gräbern ihre Toten betrauern. Den Frauen wird es allerdings verwehrt. Nicht, wie in Zeiten der Pandemie immer wieder geschehen, durch Vorschriften zum Infektionsschutz oder irgendein Verbot, sondern dadurch, dass sie den Leichnam des Herrn nicht finden. Zudem werden sie durch die Worte der Engel vom Grab zurückgeschickt: »Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?« Sie begegnen ihm noch nicht. Aber beim Abschiednehmen, als sie ihm die letzte Ehre erweisen wollen, erwacht eine erste Ahnung, was geschehen ist. So wie Menschen heute, die sich von ihren Verstorbenen verabschieden, mitten in der Trauer eine erste Ahnung bekommen können vom Leben, das stärker ist als der Tod. Die Hoffnung auf Auferstehung lässt Menschen damals wie heute vom Grab zurückkehren in ihr Leben.

Predigt


Abschied mit Einschränkungen

Wer in den letzten zwei Jahren von einem Verstorbenen Abschied nehmen musste, hat unter Umständen schmerzliche Erfahrungen gemacht. Nicht nur, weil eben ein lieber Mensch gestorben ist, sondern auch, weil die Möglichkeiten, von ihm Abschied zu nehmen, eingeschränkt waren. Ich erinnere mich an viele Geschichten. An Angehörige, die einen Sterbenden im Krankenhaus nicht begleiten konnten. An Familien, die nicht mehr am offenen Sarg trauern durften. An Trauerfeiern im kleinsten Kreis zu Beginn der Pandemie mit der schwierigen Frage, wer nun teilnehmen darf. An Großfamilien, denen es verwehrt war, das Totenmahl zu halten. An all die Trauergottesdienste, bei denen die Gemeinde kein Osterlied anstimmen durfte. Viele von Ihnen werden solche Situationen auch erlebt haben. Die Bestatterinnen und Bestatter, die pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Musikerinnen und Musiker haben sich bemüht, aus der Situation das Beste zu machen und den Trauernden dennoch einen würdigen Abschied zu ermöglichen.

Als sie Jesus die letzte Ehre erweisen wollen …

Um einen würdigen Abschied geht es auch den Frauen im Evangelium. Von Jesus Abschied nehmen können auch sie nur unter erschwerten Bedingungen. Als er wie ein Verbrecher am Kreuz stirbt, bleiben sie mutig dabei. Sie sehen, wie Jesus bestattet wird, nachdem Josef aus Arimathäa bei Pilatus um den Leichnam des Hingerichteten gebeten hat. Dann bereiten sie wohlriechende Salben und Öle zu. Wenn der Sabbat vorbei ist, wollen sie Jesus die letzte Ehre erweisen. Sie wollen seinen Leichnam salben, ihn nochmals sehen, nochmals berühren. Sie wollen so ihre Beziehung, ihre Liebe zu ihm über den Tod hinaus zum Ausdruck bringen. Wie so viele Menschen, die ihre Toten waschen, am offenen Sarg verweilen, Blumen, Lieder, Texte für die Trauerfeier auswählen, Gräber schmücken und Gedenkorte in ihren Häusern einrichten.

… erwacht eine erste Ahnung …


Den Frauen im Evangelium wird der letzte Schritt verwehrt. Nicht durch ein Verbot des Pilatus. Nicht durch Soldaten, die den Zugang versperren. Nicht einmal durch den Stein, der das Grab verschließt. Im Grunde ist es Gott selbst, ist es der Auferstandene, der sie diesen letzten Dienst nicht mehr vollziehen lässt. Es sind die »zwei Männer in leuchtenden Gewändern «, die ihren Abschiedsritus unterbrechen und sie vom Grab zurückkehren lassen. Was für eine Ostergeschichte! Sie lässt ratlose Frauen zurück. Was sie erzählen, halten die Apostel »für Geschwätz«. Und selbst Petrus, der zur Vergewisserung zum Grab läuft und auch »nur die Leinenbinden « sieht, ist nur »voll Verwunderung«. Noch keine Gewissheit. Noch keine Begegnung mit dem Auferstandenen. Aber eine erste Ahnung, als sie Jesus diese letzte Ehre erweisen wollen.

… wie bei vielen, die von Verstorbenen Abschied nehmen


Damit sind diese Frauen allen, die von einem Menschen Abschied nehmen müssen, ganz nahe. Allen, die ihre Verstorbenen in Ehren halten und deshalb den Abschied bewusst und schön gestalten wollen. Allen, die den Verlust spüren, den Schmerz ertragen, das Fragen nach dem Warum aushalten müssen. Uns, die wir wohl schon an manchem Sarg und vor manchem Grab gestanden sind. Mit der Botschaft des Glaubens im Ohr, mit einer ersten Ahnung im Herzen. Nein, sie oder er ist nicht hier. Auch wenn unsere Gräber nicht leer sind, erwacht diese Ahnung, kann zu einer starken Hoffnung wachsen und zu einem festen Glauben. Zur Gewissheit, dass unsere Lieben über den Tod hinaus leben, dass sie auferstehen, dass sie bei Gott geborgen sind und dass sie deshalb auch uns nahe bleiben.

… und vom Grab zurückkehren mit der Botschaft der Engel


»Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?« Was die beiden Männer, die Engel, den ratlosen Frauen am Grabe sagen, klingt wie ein Vorwurf. Weil sie sich nicht an Jesu Worte erinnern, die Ankündigung seines Leidens und seiner Auferstehung. Aber ist es nicht eher ein heilsamer Impuls für die Frauen? Nein, die letzte Ehre, die sie Jesus erweisen wollen, die Einbalsamierung mit den wohlriechenden Salben, ist kostbar, ein zärtliches Zeichen ihrer Beziehung zu ihm, aber eben nicht das Ende. Um diese Gewissheit zu bekommen, müssen sie zurückkehren vom Grab, zurückkehren in ihren Alltag, weitergehen mit Jesu Worten im Ohr und seinen Taten vor Augen. Dann werden sie ihm sogar begegnen, sagt Lukas, der dieser Ostergeschichte die Erzählung von den Emmaus-Jüngern und der Erscheinung Jesu in Jerusalem folgen lässt. Am Grab muss diese Gewissheit noch nicht sein. Am Grab dürfen die Frauen – und wir alle – auch ratlos, verwundert und vor allem traurig und enttäuscht stehen. Aber am Grab kann schon diese erste Ahnung erwachen. Deshalb ist es so wichtig, dass Abschied möglich ist und wir ihn bewusst gestalten. Und dass die Botschaft der Engel von der Auferstehung Jesu als Verheißung auch die Ohren und Herzen der Trauernden heute erreichen kann: »Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden.«

Fürbitten

»Er ist auferstanden.« Diese Botschaft lässt die Frauen vom Grab zurückkehren. Sie lässt auch uns dort, wo Leben erloschen ist, hoffen und vertrauen. So bitten wir Jesus Christus in dieser Nacht:

- Für die Kirche in unserem Land, die durch sexualisierte Gewalt in ihren Reihen Glaubwürdigkeit verloren hat und die durch mühsame Strukturdebatten an Lebendigkeit einbüßt. –
Stille – Du Auferstandener:
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
- Für die Frauen und Männer in unseren Parlamenten, die immer wieder Entscheidungen treffen müssen zum Schutz der Gesundheit, in Fragen des vorgeburtlichen Lebens, im Blick auf das Sterben und in Fragen der Bestattung der Toten.
- Stille– Du Auferstandener:
- Für Menschen, die an Lebendigkeit verloren haben durch eine Krankheit, eine psychische Belastung, durch das Zerbrechen einer Beziehung oder die Überforderung im Beruf.
- Stille – Du Auferstandener:
- Für jene, die in der letzten Zeit von einem Verstorbenen Abschied nehmen mussten, für die, die Sterbende begleiten, und für unsere Toten. – Stille – Du Auferstandener:

Auferstandener Herr Jesus Christus, du schenkst und erhältst das Leben, hier in dieser Zeit, an der Schwelle des Todes und in der Auferstehung, die uns verheißen ist. Dir sei Lob und Dank in Ewigkeit. Amen.

Anmerkungen

1 Sing nicht so schnell dein Glaubenslied (T: Arnim Juhre, M: Detlev Jöcker), in: Erdentöne  Himmelsklang, Nr. 120.
2 Die Feier der Eucharistie im Katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, Bonn 2006,134.
3 Erdentöne – Himmelsklang


Klaus Kempter

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