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Leseprobe 3
Siebter Sonntag im Jahreskreis
Christlicher Glaube in der jeweiligen Zeit, damals und heute
Lesejahr A
Beitrag zur Lesung

Einführung

Wir haben die heilige Messe »im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes« begonnen. Gott Vater und Jesus Christus, das weckt in unserem Glauben sicher Kenntnis und Erfahrungen. Aber wie ist das mit dem Heiligen Geist? Hat unser Glaube ebenso Erfahrungen mit ihm wie mit den anderen Personen des Dreifaltigen Gottes?

Predigt

Zum Text: 1 Kor 3,16–23 (2. Lesung)

Die Gemeinde in Korinth

Auf seinen Missionsreisen kam Paulus von Athen aus nach Korinth. Er verkündete dort in der jüdischen Synagoge im Sabbatgottesdienst Jesus als den Messias. Es war eine ganze Reihe von gläubigen Juden und gottesfürchtigen Menschen, die sich ihm anschlossen und taufen ließen. Eine nächtliche göttliche Vision bestärkte Paulus, hier den Glauben weiter zu verkünden. Das können wir im 18. Kapitel der Apostelgeschichte nachlesen. So entstand die Christengemeinde in Korinth, einer Stadt, die alle Annehmlichkeiten den Bürgern bot. Einen Tempel der heidnischen Göttin Aphrodite gab es dort mit Hunderten von Tempeldienerinnen, wie man das damals nannte. Außerdem Theater, Schwimmbad und Einkaufsmeile. Einrichtungen also, wie sie auch heutige Großstädte den Bürgern bieten. Korinth war eine multikulturelle und multireligiöse Stadt mit einer Bevölkerung unterschiedlicher ethnischer Herkunft, heute sagen wir: mit Migrationshintergrund.

Leben als Christ und als christliche Gemeinde

Doch das alles machte es den neubekehrten Christen nicht leicht, nach Jesu Wort und Gebot als Gemeinde zu leben. So gab es im Gemeindeleben Probleme und Fragen der christlichen Lebensführung stellten sich. Paulus war als Seelsorger auch in der Ferne gefordert. Nach 18 Monaten hatte er Korinth wieder verlassen. In Ephesus, wo er nun war, erreichten ihn Fragen aus der Gemeinde und Nachrichten, die ihm persönlich von Reisenden aus Korinth mitgeteilt worden waren. Andere christliche Wanderprediger hatten Korinth besucht und galten dort nun ebenfalls als Gewährsleute des Glaubens. Jedoch hat dies auch eine Spaltung mit sich gebracht. Die einen beriefen sich auf Paulus, andere auf Apollos, wieder andere auf Petrus. Keiner jedoch von denen steht in einer anderen Autorität und in keiner anderen Botschaft als der Jesu Christi.

Der Briefabschnitt der Lesung

Drei Jahre nach seinem Aufenthalt in Korinth schreibt Paulus nun den ersten der beiden Briefe an die Gemeinde. Und worauf er darin eingeht, kann auch viele Jahrhundert später uns als Christen beschäftigen. Allein schon der erste Satz der heutigen Lesung: »Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?« Mich würde es wundern, wenn uns als Christen heute dieser Satz nicht beschäftigen würde
und man sich sagte: »Ich, ein Tempel Gottes, der Heilige Geist in mir? – Noch nichts gemerkt.«
Mit der Taufe und Firmung ist uns Gottes Geist übertragen worden wie jedem Christen. In Korinth wie in anderen christlichen Gemeinden hatten sich durchaus besondere Gaben des Heiligen Geistes gezeigt und Paulus geht darauf auch später in seinem Brief ein. Doch bleiben wir bei uns.

Der Geist Gottes und wir selbst


Gottes Geist in uns. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, was alles an Leben in unserem Geist und unserer Seele ist und doch haben wir es zunächst nicht wahrgenommen? Warum brauchen wir in der Regel ziemlich lange zu einer realistischen Selbsterkenntnis? Warum sind wir oft überrascht, wie wir seelisch auf manche Erfahrung reagieren? Warum träumen wir gelegentlich so seltsame Dinge, wo wir fragen: Woher kommt das? Dies und vieles dieser Art überrascht uns und doch ist es in uns selber und gehört zu uns, ohne zuvor uns dessen bewusst zu sein. Unsere Seele ist weit mehr als nur unser Ich und sie tut an uns und mit uns etwas. Im Störungsfalle ist es oft eine jahrelange Psychotherapie, bis sich uns und dem Therapeuten etwas erhellt. Allerhand von dem also, das uns sehr nahe und in uns ist, ist uns dennoch lange nicht bewusst und schwer fassbar. Manchmal geht uns aber auf, dass wir manches nicht getan, nicht ertragen oder bewältigt hätten, sondern uns Gottes Geist, Gottes Hilfe, Gottes Begleitung es ermöglicht hat. Immer wieder sind Menschen auch überrascht, verschiedene Gaben in sich zu erfahren, ohne dies vorher von sich gewusst zu haben. Der Geist Gottes macht lebendig! Er belebt. Er gibt Impulse! Was er anregt und wozu er antreibt, dient dem Leben und ermöglicht Leben. Das ist eine wichtige kollektive Erfahrung in den christlichen Gemeinden. Von dieser Erfahrung spricht der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Christen in Korinth im 13. und 14. Kapitel, ebenso in Briefen an andere Gemeinden wie zum Beispiel der in Galatien (Gal 5,22): »Die Frucht des Heiligen Geistes ist Liebe, Friede, Freude, Geduld, Freundschaft, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.«
Dies sind alles lebensfördernde und lebensdienliche Kräfte und wichtige Haltungen. Der Heilige Geist hilft zum Leben des einzelnen Menschen und der Menschen untereinander. Und er hilft dazu, dass wir Menschen so leben können aus freiem Willen heraus.

Menschliche und göttliche Weisheit


In den großen griechischen Städten gab es auch ein bedeutendes Geistesleben. Unterschiedliche philosophische Richtungen gehörten zur öffentlichen Diskussion. Natürlich kam so etwas auch durch die Neuchristen in die Gemeinden und ins Gespräch über den Glauben. Denen sagt Paulus nun im Brief, sie sollen sich nichts vormachen lassen. Der Glaube sagt uns: Wer sich einbildet, in den Augen dieser Welt besonders klug und weise zu sein, der muss den Mut aufbringen, diese Weisheit anhand der Offenbarung Gottes als minderwertig anzusehen. Denn diese Weisheit hat Gottes Wirken in der Welt nicht begriffen.
Das gibt uns heute den Anstoß dazu, die intellektuellen Modeströmungen in der Gesellschaft genauer unter die Lupe zu nehmen und auf dem Hintergrund des christlichen Glaubens nach ihrer Stimmigkeit zu prüfen.

Fürbitten

Dreifaltiger Gott, du hast uns deinen Beistand und deine Begleitung in unserem Leben versprochen. Dich bitten wir in unseren Anliegen:

– In Taufe und Firmung hast du uns deinen Heiligen Geist geschenkt: Schenke uns die Gnade, dass wir ihn in unserem Innern wahrnehmen.
Gott, unser Vater: (Wir bitten dich, erhöre uns.)

– Unterschiedliche Gaben sind ein Geschenk für unser Leben: Gib uns, dass wir sie für den Glauben und das Leben unserer Mitmenschen einsetzen.
Gott, unser Vater:

– Wir müssen erleben, dass manchen Mächtigen in der Welt die Weisheit in ihren Ämtern fehlt: Sende ihnen deinen Heiligen Geist und gib ihnen die Bereitschaft, auf ihn einzugehen.
Gott, unser Vater:

– Der Zwist zwischen Völkern und Stämmen hat in unserer Welt wieder zugenommen: Schenke den Menschen dort den Willen zur Versöhnung und den Geist der Achtung eines jeden Mitmenschen.
Gott, unser Vater:

– Viele unterschiedliche Einstellungen unserer Mitmenschen fordern auch uns heraus: Dein Heiliger Geist helfe uns zur Unterscheidung, was dem Leben wirklich dient und was es behindert.
Gott, unser Vater:

So beten und bitten wir, heute und alle Tage. Amen.

Johannes Jeran

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