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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
Zweiter Adventssonntag
Wegbereitung für Gott
Lesejahr A
Beitrag zum Evangelium

Eröffnung mit Entzünden der zweiten Kerze

GL 223,2 »Wir sagen euch an den lieben Advent. Siehe die zweite Kerze brennt«

Einführung
Die hoffnungsvolle Freude, in die wir beim Entzünden der zweiten Kerze eingestimmt haben, wird zumal in diesem Jahr in Frage gestellt durch die »Zeitenwende«, die in der Weltpolitik stattgefunden hat: Tödliche Aggression, brutale Zerstörung, Lüge und Hass werden zu offen propagierten Mitteln der Politik. Weiter denn je sind wir entfernt vom Frieden, von dem, der »Heil und Leben mit sich bringt«. So wird der Freudenruf zum Notruf: »Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt ... in Finsternis wir alle sein.«

GL 231,1.4–5 »O Heiland, reiß die Himmel auf«

Kyrie-Ruf
GL 154 »Kyrie – Christe – Kyrie« (jeweils 1. Hälfte Kantor/in, 2. Hälfte alle)

Tagesgebet
Messbuch – Zweiter Adventssonntag oder

Treuer Gott,
wir kommen zu dir mit allem, was uns bewegt: Mit unserer Angst vor der Zukunft, mit unserer Unruhe und Sorge um den Frieden. Wir suchen Geborgenheit und Schutz. Berge uns in deinem Schatten. Stärke in uns die Hoffnung auf deine Ankunft mitten in unserer Welt und in unserem Leben. So bitten wir durch Jesus Christus.

Liedvorschläge

Gesang zur Eröffnung
GL 223,2 »Wir sagen euch an« (zum Entzünden der zweiten Kerze)
GL 231,1.4–5 »O Heiland, reiß die Himmel auf« (nach der Einführung)

Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 263 »Seht, unser König kommt« mit Versen aus Psalm 72 und GL 174/7 »Halleluja«

Gesang zur Gabenbereitung
GL 222,4–7 »O Aufgang, Glanz der Ewigkeit« oder
GL 752 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Mit Ernst, o Menschenkinder«

Gesang zur Kommunion

GL 225 »Wir ziehen vor die Tore der Stadt« oder
GL 218,1.3.5 »Macht hoch die Tür«

Dankhymnus/Schlusslied
GL 220,1–3 »Die Nacht ist vorgedrungen«

Vorüberlegungen
Zum Text: Mt 3,1–12 (Evangelium)

Das bewegende Trostwort (»Tröstet, tröstet mein Volk…«) an die Verbannten in Babylon vom Ende der Fron wird für die frühen Gemeinden die »Kron«-Stelle, um das Kommen Gottes in Jesus Christus als Erfüllung alter Prophetenverheißung zu markieren. Alle vier (!) Evangelisten identifizieren die »Stimme in der Wüste« (Jes 40,3) mit Johannes dem Täufer. »Bereitet dem Herrn den Weg!« In den Worten des Johannes wird das Trostwort aber zur scharfen Umkehrpredigt, ja zur Gerichtspredigt wider eine falsche Heilssicherheit.

Matthäus lässt auf die Umkehrpredigt des Johannes direkt den Bericht von der Taufe Jesu folgen und »korrigiert« damit auf seine Weise die Schärfe des Johannes: Jesus stellt sich in eine Reihe mit den Sündern und erfüllt so (auch für uns!) Gottes Gerechtigkeit! (Mt 4,15).

Was aber heißt für uns heute: Dem Kommen Gottes den Weg bereiten? In einer Zeit, da die Vision vom Frieden und der Ankunft Gottes, »der Heil und Leben mit sich bringt«, brutal überfahren wird vom offen erklärten Willen zur Zerstörung und Vernichtung von Leben und rücksichtsloser Aggression – und das (gotteslästerlicherweise) auch noch mit der brennenden Kerze in der Hand?

Gott den Weg bereiten in dieser Welt? Wie kann man die Hoffnung auf Gottes »heile Welt« in diesem Advent durchhalten? Es braucht eine Hoffnung, die nicht nur durchhält, sondern standhält, ja Widerstand leistet?! Oder ist das Wort von der »Wüste« heute in ganz neuer Weise zu deuten?

Predigt

Wo bleibst du – Gott?

Advent – Ankunft des Herrn! Gott ist im Kommen, »es kommt der Herr der Herrlichkeit!« singen wir wie gewohnt in diesen Tagen in unseren Kirchen. Aber wir tun es nicht mehr so selbstverständlich wie zu anderen
Zeiten – wenn wir in die Welt schauen, die weiter denn je entfernt scheint von Gottes »heil«samer Ankunft. Wo und wie kommt Gott? Was antworten wir skeptischen Zeitgenossen – sollten sie uns fragen –, was antworten wir uns selbst?

»Er kommt an Weihnachten« ist eine nicht falsche, aber doch etwas naive Antwort. Ja, an Weihnachten feiern Christen, dass Gott in Jesus von Nazaret in unsere Welt gekommen ist – und (werden die theologisch Versierten ergänzen) wir erwarten zugleich, dass er kommen wird am Ende der Zeiten. Aber heute, jetzt, in unserer Zeit? Ist Gottes Kommen nur entweder Vergangenheit oder Zukunft? Wir singen doch »O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat… wohl allen Herzen insgemein, da dieser König ziehet ein!« – singen also vom Kommen Gottes jetzt und heute, in unserer Gegenwart!

Wegbereitung

Es gibt allerdings eine Voraussetzung: »Bereitet den Weg des Herrn, macht gerade seine Straßen!« So hat der Prophet Jesaja seinem Volk zugerufen, das aus dem babylonischen Exil heimkehrt, und so ruft es Johannes
den Menschen zu, die sich von ihm im Jordan taufen lassen – und uns ruft es jetzt Matthäus mit seinem Evangelium zu. Es hängt also auch von uns ab, ob und wie Gott heute (an)kommt.

»Bereitet den Weg des Herrn!« Den Menschen der biblischen Antike war das Bild der Triumphstraße bekannt: Um den Herrscher des Landes etwa nach gewonnenen Schlachten gebührend zu empfangen, ließ man von berühmten Architekten Prachtstraßen errichten, um dem Sieger zu huldigen und natürlich Gunsterweise zu erwirken.

Nicht Prachtstraßen, sondern Wüstenwege

Sofort fällt der Kontrast zu diesem Bild ins Auge. Der Prophet spricht von der Wüste: in der Wüste soll das Volk Gott den Weg bahnen (Jes 40,7). Da geht es nicht um Triumphstraßen und es geht auch nicht um Siegesfeiern nach gewonnener Schlacht, vielmehr um die Heimkehr des gedemütigten Israel aus dem babylonischen Exil durch die Wüste ins Land der Väter, das inzwischen auch zerfallen und wie »zur Wüste« geworden ist. Und ausgerechnet in der Verbannung, im Verlust eigener Sicherheit und Macht, hat Israel zu seinem Glauben gefunden, wurden die biblischen Schriften grundgelegt. Erst durch Wüstenwege hindurch ist Israel zum
»Volk Gottes« geworden. Wie der Prophet Jesaja ist auch Johannes »Rufer Gottes in der Wüste«: Er ruft die Menschen zur Gottbegegnung in der Bußtaufe unten am Jordan in der Wüste Juda.

Die Wüstenstrecken unseres Lebens aushalten

Wir haben nach dem »adventus domini«, dem Kommen Gottes jetzt und heute, in unserer Gegenwart gefragt. Ob es nicht »Methode« Gottes ist, uns gerade auf den Wüstenwegen unseres Lebens und Glaubens zu begegnen?! »Bereitet dem Herrn den Weg, macht gerade seine Straßen« könnte dann für uns heißen: Die »Wüstenstrecken« unseres Lebens aushalten, eine Zeit der Krankheit, die mich plötzlich aus dem Rennen wirft,
als Chance erkennen, neu zu mir selbst und zu meinem Gott zu finden. Er will ja »den Stock des Treibers zerbrechen« (wie es in der Christmette heißt), den Be»trieb«, dem ich mich unterwerfe und der mich zum Getriebenen macht. »Dem Herrn den Weg bereiten« könnte also heißen: Stille nicht zustopfen, sondern sich mit ihr anfreunden; sich lösen vom Zwang, sich beweisen zu müssen, immer präsent, immer »online« zu sein.

Hoffnung, die standhält, ja Widerstand leistet

»Bereitet dem Herrn den Weg!« Ich denke an Menschen, die trotz so vieler Rückschläge und Enttäuschungen an der Vision vom Frieden festhalten (von der die Prophetenlesung in so wunderbaren Bildern spricht); die die Hoffnung nicht aufgeben, dass Gräben und Mauern zwischen Menschen überwunden werden können. Der Fall der Berliner Mauer ohne Krieg und Blutvergießen war ja wirklich ein Wunder – das aber kaum möglich gewesen wäre ohne die unbeirrbare Hoffnung und das Durchhaltevermögen so vieler Menschen. Ich bin überzeugt: Sie haben »dem Herrn die Wege bereitet!« Und erst recht jetzt, in der »Zeitenwende« aggressiver Konfrontation in der Welt braucht es diese unbeirrbare adventliche Hoffnung!

Wie und wo kommt Gott heute in unser Leben?

Es können überwältigende Momente des Glücks sein, in denen wir uns als Beschenkte erfahren: die Geburt des eigenen Kindes, das Gelingen eines verantwortungsvollen Auftrags, die Erfüllung eines großen Traumes.
Aber auch das Scheitern von Plänen, das Wegbrechen von gewohnten Sicherheiten, ja auch eine Niederlage oder unser eigenes Versagen kann mein Leben in die Spur Gottes bringen – wenn ich vom hohen Ross heruntersteige; wenn ich aufhöre, über andere zu urteilen, wenn ich meine eigenen Fehler erkenne und um Verzeihung bitte und auch anderen verzeihe.

Und indem ich so Gott den Weg bereite und ihm die Straßen ebne, werde ich erfahren, dass er mir schon längst entgegengekommen ist.

Fürbitten

Treuer Gott! In der Vorläufigkeit unseres Lebens schauen wir aus nach dir, der du unser Ziel und unsere Hoffnung bist. Wir rufen zu dir: »O Sonn, geh auf, ohn deinen Schein in Finsternis wir alle sein« (aus GL 231,5):

- Sieh auf die Welt, die doch deine Schöpfung ist. Lass sie nicht verkommen durch die Machtgier und Gewinnsucht der Menschen.
(GL 231,5 »O Sonn, geh auf«)

- Falle denen in die Arme, die in ihrem Wahn von Ehre und Macht sich gefallen im Töten und Zerstören und sich dabei auch noch auf dich berufen.

- Sieh auf die Christenheit – auf die Kirche: dass sie vor allem anderen dein Reich sucht und deine Gerechtigkeit.

- Erbarme dich der Kranken und aller, die an den Rand des Lebens gedrängt sind, und stärke ihre Hoffnung und ihr Vertrauen.

- Nimm dich derer an, die am Sinn ihres Lebens zweifeln und doch das Suchen und Fragen nicht aufgegeben haben.

Biete auf deine Macht, unser Gott, und komm, uns zu erlösen!
So bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Thomas Keller

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