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Leseprobe 2
26. Sonntag im Jahreskreis
Trennlinien
Lesejahr C
Beitrag zum Evangelium

Einführung


Reich und arm – bleibt das ein ewiges Gesetz auf der Erde, das nicht einmal der Tod überwinden kann? Warum gelingt es nicht, die Trennlinie zu überwinden und aufeinander zu schauen? Wie gehen wir in einem reichen Land mit der Armut vor unserer Haustür, aber auch global, um?

Kyrie-Ruf

Herr Jesus Christus, du rufst uns zur Umkehr.
Herr, erbarme dich.

Herr Jesus Christus, du nimmst dich der Armen an.
Christus, erbarme dich.

Herr Jesus Christus, du lehrst uns Gerechtigkeit.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Messbuch – 26. Sonntag im Jahreskreis

Liedvorschläge

Gesang zur Eröffnung
GL 422 »Ich steh vor dir mit leeren Händen«

Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 349 »Komm, o Tröster« und GL 174/5 »Halleluja«

Gesang zur Gabenbereitung
GL 417 »Stimme, die Stein zerbricht«

Gesang zur Kommunion
GL 428.1–3 »Herr, dir ist nichts verborgen«

Dankhymnus/Schlusslied
GL 385 »Nun saget Dank«

Vorüberlegungen


Zum Text: Lk 16,19–31 (Evangelium)

Die Gleichniserzählung im Evangelium beinhaltet zwei Teile, die eng miteinander verbunden sind. Der eine Teil ist irdisch und schildert ohne irgendeine moralische Verurteilung das Leben des Reichen und des armen Lazarus. Der zweite Teil ist ein längeres Gespräch zwischen dem Reichen und Abraham in der Welt des Todes. Thematische Bindeglieder und Gegensätze verknüpfen die beiden Erzählungen: das Tor zwischen dem Haus des Reichen und Lazarus und das Tor zwischen dem Totenreich und der Welt der Lebendigen sind unüberwindbar. Das Thema Armut und Reichtum, das bereits in den dem Evangelium vorausgehenden Perikopen erörtert wird, ist ein bleibendes, das in vielen Facetten erfahrbar wird. Den Rahmen der Gleichniserzählungen bildet die Diskussion Jesu mit Pharisäern und Schriftgelehrten über die Auslegung der Tora. So endet auch dieser Text: Wer Mose und die Propheten kennt, weiß, wie Gerechtigkeit so praktiziert werden kann, dass die Menschen gut leben können.

Predigt

Trennlinien im Alltag

Es gibt Menschen, zu denen finden wir keinen Zugang. Zu verschieden sind die Lebensstile, die Einstellungen zu bestimmten Themen, die Antworten, mit denen auf Lebensfragen reagiert wird. Im besten Fall finden wir einen höflichen Umgang miteinander, bleiben aber möglichst auf Distanz und sind froh, wenn kein Streit entsteht.

Es gibt Gesellschaftsschichten, deren Lebenswelten so weit auseinanderliegen, dass keine von der anderen mehr weiß, außer dass es sie gibt. Alle bewegen sich in ihrer eigenen Welt; es gibt keine oder nur ganz wenige Berührungspunkte. Selbst wenn ich aufmerksam durch die Stadt gehe, könnte ich nie beschreiben, wie Menschen aus einer anderen Schicht leben, was sie kochen, was sie essen, wie sie ihre Freizeit verbringen, wo sie ihre Kleider kaufen und was für sie bedeutsam ist. Vermutlich würde es mir auch schwerfallen, von mir Entsprechendes zu erzählen, weil das schale Gefühl, entweder als arrogant oder als bemitleidenswert betrachtet zu werden, bliebe.

Es gibt Völker, deren Traditionen wir trotz aller Globalisierung nicht kennen. Ihre Umgangsregeln, ihren Witz, ihren Humor, ihre Rituale, ihre Höflichkeitsformen – das sogenannte informelle Wissen, kann nicht einfach wie die Grammatik einer Sprache gelernt werden. Es erschließt sich immer mehr im gemeinsamen Zusammenleben und trotzdem wird es selbst dann noch zu Missverständnissen kommen.

Trennlinien, Unterschiede – wir haben sie vielfach akzeptiert und leben mit ihnen ganz selbstverständlich. Manchmal werden wir durch Irritationen auf sie aufmerksam, manchmal staunen wir darüber, manchmal ist uns dann unser Verhalten unangenehm und manchmal machen wir uns darüber lustig.

Arm und reich …

Arm und reich ist eine starke und schmerzhafte Trennlinie, mitten unter uns und – wie das Evangelium erzählt – auch mitten in der Gesellschaft zur Zeit der Evangelien. Der reiche Mann, der Feste feiern kann, in vornehmste Kleider gehüllt, lebt hinter seiner Tür in seiner Welt. Der Arme, der vor dessen Tür liegt und hofft, wenigstens vom Abfall etwas abzubekommen, kann die Trennlinie genauso wenig durchschreiten. Eine riesige Distanz trennt die beiden voneinander, obwohl es nur ein paar wenige Schritte zueinander wären. Lazarus wird in das Reich des Reichen nicht hineingelangen und dem Reichen fehlt der Zugang zu ihm.

Wie in Stein gemeißelt scheint die Trennlinie zwischen arm und reich. Ich denke, dass wir darum wissen. Wir sind ein reiches Land und trotzdem gibt es in unserem Land große Armut. Es gibt unter uns und in unserer Stadt Menschen, denen ihr Geld zum Leben nicht reicht und dies nicht deshalb, weil sie damit nicht umgehen könnten. Manchmal kommen zu viele Dinge zusammen, dass man plötzlich in die Armut rutscht. Dort wieder herauszukommen, ist auch bei uns trotz all der Sozialsysteme nur schwer möglich. Es braucht Unterstützung. Wenn ich ganz ehrlich bin, dann meide auch ich diesen Blick, schaue lieber nicht hin oder an Menschen vorbei, die betteln müssen. Wie viele aber mag es geben, denen ich die Armut nicht ansehe? Die sie zu verbergen suchen, weil in einer Leistungsgesellschaft oft Faulheit und eigene Schuld als Grund angenommen wird. Armut ist bei uns ein Tabu-Thema; über Geld spricht man nicht. Und wenn, dann gibt es Ämter dafür.

Die Armen nicht zu sehen – das gilt weltweit. Unser Reichtum gründet zu einem großen Teil darauf, dass wir Rohstoffe aus armen Ländern günstig kaufen können. Dass wir die Arbeitsbedingungen lieber nicht so genau überprüfen oder uns damit beruhigen, dass sie mit dem wenigen Geld dort immer noch besser als vorher leben können. Dafür muss man nicht einmal nach Afrika oder Lateinamerika reisen. Es genügt schon, den Blick auf einige europäische Länder zu richten. Wenn wir dort mit offenen Augen unterwegs sind, dann wird uns die Trennlinie von reich und arm sehr deutlich bewusst.

Nun mag man meinen, dass der Tod alle gleich macht. Keiner kann etwas mitnehmen! Dazu erzählt der zweite Teil des Evangeliums …

… ein Gespräch zwischen Himmel und Hölle

Der Tod verkehrt die Verhältnisse komplett: Der Reiche darbt elend im Feuer der Unterwelt und kann jetzt den armen Lazarus im Schoß Abrahams sehen. So wie vorher die Hunde an Lazarus’ Geschwüren leckten, so möchte der Reiche am nassen Finger des Lazarus lecken, um Linderung seiner Qualen zu bekommen. Doch er hat keine Chance. Ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund liegt zwischen den beiden Welten. Eine Trennlinie, wie sie radikaler nicht sein kann. Nicht einmal die Fürbitte für die noch Lebenden wird sie durchdringen können.

Hören auf das Gesetz und die Propheten


Was dann? Ein einziger Hinweis muss genügen: »Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören«, sagt Abraham zu dem Reichen. Mose und die Propheten: Wer sich daran orientiert, der kann lernen, wie Reichtum und Armut zu Gerechtigkeit zusammengeführt werden können. Der kann die Weisungen zum Erlassjahr befolgen, in dem alle sieben Jahre geschaut wird, dass die Armen genug zum Leben haben und gegebenenfalls Schulden erlassen und Besitz zurückgegeben wird. Alle 7 x 7 Jahre ist es Vorschrift, die Rechts- und damit die Gerechtigkeitsverhältnisse wiederherzustellen. Dazu kommen die vielen Weisungen für den Alltag: die Sorge für Witwen und Waisen, für Kranke und Bedürftige, das Recht des Fremden auf Aufnahme, die Pflicht, Reichtum zum Wohl aller einzusetzen – zusammengefasst: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.«

Auf das Gesetz und die Propheten zu hören, verhindert, dass unsere selbstgemachten Regeln sich durchsetzen, die nicht dem Wohl aller dienen. Es sind Regeln, die Armut nur soweit beseitigen, solange sie den Reichtum nicht gefährden. Das Gesetz und die Propheten hinterfragen dies radikal; ja, sie verurteilen solches Denken in aller Schärfe. Sie akzeptieren die Trennlinie nicht. Gerechtigkeit kommt von Gott her. Wenn wir das beherzigen, dann wird das unser Leben, unsere Gesellschaft und unsere Welt verändern. Weil wir endlich einander ansehen und aufeinander zugehen. Zu Lebzeiten.

Fürbitten


Gerechter Gott, du siehst auf die Not der Menschen und mahnst Ungerechtigkeit unter den Völkern an. Um deinen Beistand bitten wir:

- Für die Regierenden, die dem Schrei armer Völker Gehör schenken und sich für Gerechtigkeit einsetzen.
- Für die Kirche, die ihre Stimme für die Armen erhebt und versucht, Menschen das Nötige zu geben.
- Für Männer und Frauen, die ihren Reichtum zum Wohl aller verwenden, indem sie Arbeitsplätze schaffen, Bildung fördern und soziale Projekte unterstützen.
- Für alle, die Familien, Frauen, Männern und Kindern Teilhabe trotz Armut möglich machen.
- Für die Sterbenden, die dem Tod mit Angst entgegengehen und auf Gerechtigkeit hoffen.

Dir, Gott, danken wir für dein Wort, das unser Herz und unseren Blick wachhält. Wir danken dir für deinen Sohn, der uns lehrt, Armut zu überwinden.
Amen.

Barbara Janz-Spaeth

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