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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
17. Sonntag im Jahreskreis
Gemeinsam mehr Glauben wagen
Lesejahr C
Beitrag zum Evangelium

Einführung


Wer sich auf Gott einlässt, geht Wagnis ein. Er setzt sein Leben auf diese Karte, und keiner garantiert ihm, dass er dabei gewinnen wird. Gläubige Menschen sind weder glücklicher noch gesünder, weder erfolgreicher noch wohlhabender. Aber darum geht es auch nicht. Wer sich von Gott angesprochen fühlt, kann diesem Anspruch nicht ausweichen. Er muss sich entscheiden, ob er dem Wort der Liebe vertraut, ob er das Freundschaftsangebot annimmt oder ob er lieber auf Distanz bleibt. Gott hat Zeit, er wartet auf uns.

Kyrie-Ruf
»Bittet, und es wird euch gegeben«, spricht Jesus. Zu ihm, der unseren Glauben stärkt, rufen wir:
Herr, erbarme dich.
»Sucht, und ihr werdet finden«, spricht Jesus. Zu ihm, der unsere Hoffnung festigt, rufen wir:
Christus, erbarme dich.
»Klopft an, und es wird euch geöffnet«, spricht Jesus. Zu ihm, der uns seine Liebe schenkt, rufen wir:
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Gott,
dein Sohn hat uns gelehrt, dich Vater zu nennen und zu dir zu kommen in unserer Not.
Sei bei uns, wo wir deine Nähe brauchen, und steh uns bei, wo wir allein verzagen. Halte in uns das Vertrauen zu dir und unseren Mitmenschen lebendig und lass nicht zu, dass Resignation und Mutlosigkeit uns befallen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 418,1–3 »Befiehl du deine Wege«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 422,1–3 »Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr« und GL 175/2
»Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 184,1–3 »Herr, wir bringen in Brot und Wein«
Gesang zur Kommunion
GL 378,1–3 »Brot, das die Hoffnung nährt«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 474,1–3 »Wenn wir das Leben teilen wie das täglich Brot«

Vorüberlegungen

Zum Text: Lk 11,1–13 (Evangelium)

Das Vaterunser (Lk 11,2–4) ist im Lukasevangelium in eine Gebetsunterweisung eingebettet, in der die dringliche Aufforderung zum Bitten, Suchen und Anklopfen aus der Logienquelle (Lk 11,9–13; vgl. Mt 7,7–11) durch das Gleichnis vom bittenden Freund aus dem lukanischen Sondergut (Lk 11,5–8) beispielhaft untermauert wird. Narrativer Auslöser des ganzen Stückes ist die Bitte eines Jüngers an Jesus, ihnen ein eigenes Jüngergebet beizubringen, mit dem sie den Jüngern Johannes’ des Täufers nicht nachstehen (Lk 11,1). Spezifisch ist am Vaterunser, das Jesus sie anschließend lehrt, nicht der Inhalt, sondern der Wortlaut, der zum Identitätsmerkmal der Jüngerschaft Jesu wird. Als solches taugt er freilich nur, wenn er auch wortwörtlich rezitiert wird, wie es in der kirchlichen Überlieferung seit frühester Zeit der Fall ist. Das Vaterunser ist somit nicht nur ein Beispiel für christliches Beten, sondern dessen unaufgebbarer Kern. Umso stärker fällt ins Gewicht, dass es aus lauter Bitten besteht. Nicht Dank oder Klage, sondern die Bitte stellt Jesus ins Zentrum des christlichen Betens. Denn nirgends steht das Gottvertrauen so unausweichlich auf dem Spiel, wie wenn der Mensch es wagt, Gott um das Nötige zum Leben zu bitten. Glauben und Zweifel, Hoffnung und Resignation, Liebe und Gleichgültigkeit offenbaren sich hier wie selten sonst, und es wird sich weisen, was stärker ist.

Predigt

Im Rhythmus

»Wer die Kirchen großer Städte als Gotteshäuser aufsucht, der macht – am ehesten in kleinen Andachten und Vespern – häufig folgende Beobachtung: Da sind viele, die die alten Lieder nicht mehr kennen oder die sich scheuen, die Psalmen im Wechsel mit dem Liturgen laut zu lesen. Aber wenn es zum Vaterunser kommt und alle aufstehen, dann geht auch durch diese Menschen ein Ruck, und sie beten hörbar mit. Sie kennen den Text von Kindheit an, sie kennen den Rhythmus des Sprechens, den Zeilenfall, die Pausen, die Neuansätze. Als Gestalteinheit von Sprache und Bewegung hat sich dieses Gebet bei ihnen abgesetzt wie ein motorisches Muster im Kleinhirn. Für manchen, der des Betens entwöhnt war, ist so eine Andacht die erste Gelegenheit, die Wortfindungsschwierigkeiten zu überwinden nach einer Lähmung des Glaubens.«

Die Erfahrung, die der Journalist Jan Brachmann schildert, haben Menschen zu allen Zeiten auf verschiedene Art und Weise gemacht. Wer betet, tut dies oft nicht allein, sondern in Gemeinschaft mit anderen Menschen. Indem wir Kontakt zu Gott aufnehmen, treten wir zugleich in Beziehung zu anderen Menschen, die sich ebenso wie wir im Gebet an Gott wenden. Damit wir zusammen beten können, brauchen wir gemeinsame Gebete und Rituale, die allen so vertraut sind, dass wir im eingeübten Rhythmus darin einstimmen können. Schon die ersten Jüngerinnen und Jünger Jesu wollten ein Gebet haben, das sie miteinander verbindet und zugleich von anderen unterscheidet. Ihr Vorbild waren die Anhänger Johannes’ des Täufers, die offenbar solche Gebete hatten. Das Vaterunser, das Jesus seine Jünger lehrt, unterscheidet sich inhaltlich nicht von anderen jüdischen Gebeten aus jener Zeit. Teilweise ist es dem sogenannten Kaddisch-Gebet sehr ähnlich, das fromme Juden bis heute regelmäßig beten. Das Besondere am Vaterunser ist nicht sein Inhalt, sondern sein Wortlaut. Deshalb gehört zum christlichen Unterricht seit frühester Zeit, dass man sich das Vaterunser wortwörtlich einprägt. Zum Christen wird man nicht durch einsame spirituelle Erfahrung und Einsicht, sondern dadurch, dass man in der Gemeinschaft der Christen mitmacht und im gemeinsamen Rhythmus lebt – einem Rhythmus, der nicht nur das Gebet, sondern auch die praktische Nächstenliebe miteinschließt.

Mach du!

Aufrichtig das Vaterunser beten kann nur, wer selbst bereit ist, an all dem mitzuwirken, worum er da betet. Als Christinnen und Christen müssen wir einen Beitrag dazu leisten, dass Gottes Liebe und Fürsorge konkret bei den Menschen ankommt. Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass unsere Liebesmühe vergeblich bleibt, wenn nicht Gott zuerst dafür sorgt, dass die Menschen seine Zuwendung und Nähe auch wirklich spüren. Wer das Vaterunser im Sinne Jesu betet, übernimmt selbst Verantwortung für sich und seine Mitmenschen. Er weiß sich durch die Worte Jesu aufgerufen, am Aufbau einer besseren Welt mitzuarbeiten. Um das zum Ausdruck zu bringen, hat der frühere Bundestagspräsident Norbert Lammert den ersten Teil des Vaterunsers einmal so umformuliert: »Groß ist dein Name und heilig. / Dein Reich kommt, / Wenn dein Wille geschieht, / Auch auf Erden.« Ob Gottes Wille auf Erden geschieht, ob sein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens sich durchsetzt, liegt nicht zuletzt an uns Menschen selbst. Aber bei allem Bemühen kommen wir täglich an unsere Grenzen: Was können wir noch ausrichten, wenn die Lüge überhandnimmt, wenn Hass und Menschenverachtung um sich greifen, wenn das Böse immer mächtiger wird? Als gläubige Menschen haben wir auch dann noch eine Zuflucht: Gott, an den wir uns wenden in unserer Not. Wo wir nicht mehr können, rufen wir immer noch zum ihm und sagen: Mach du! Mach du Mord, Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen durch Menschen ein Ende! Brich du den Stolz der Mächtigen und komm den Armen zu Hilfe! Rette du aus Krankheit und Tod!

Warum nicht?

Aber sind solche Bittgebete nicht naiv? Sind sie nicht ein schwacher Trost angesichts des millionenfachen Leids, das doch jeden Menschen ganz persönlich trifft? Sollte man es nicht endgültig sein lassen, von Gott überhaupt noch etwas zu erwarten? Wenn es besser ist zu verzweifeln als die Hoffnung zu nähren, dann ja. Wenn Gott für uns nur ein blasser Gedanke ist, den man aufgeben kann, sobald er stört, auch dann ja. Aber wenn Gott für uns eine Wirklichkeit ist, an der wir nicht vorbeikommen, dann nein. Wenn der Hilfeschrei in der Not immer noch Ausdruck des Urvertrauens ist, tief erschüttert zwar, aber im Schmerz lebendig, auch dann nein. So läuft es für den gläubigen Menschen auf die schlichte Frage hinaus: Warum nicht? Warum sollte ich Gott nicht von meinen Ängsten und Sorgen erzählen? Warum sollte ich nicht darauf bauen, dass er mich hört und mir beisteht, auch wenn mir dadurch nichts erspart bleibt? Es kommt auf den Versuch an! Anders kann man nicht erproben, wie tragfähig das Vertrauen ist, das man einer Person entgegenbringt. Man kann sich vieles denken und ausmalen. Aber was die ausgesprochene Bitte letztlich auslöst und bewirkt, das weiß man erst, wenn man es damit versucht hat. Der Philosoph und Psychotherapeut Paul Watzlawick veranschaulicht dies an einem zwischenmenschlichen Beispiel aus dem Alltag:

»Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht’s mir wirklich. – Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch noch bevor er ›Guten Tag‹ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: ›Behalten Sie sich Ihren Hammer, Sie Rüpel!‹«

Wer weiß, wie die Geschichte ausgegangen wäre, wenn der Mann einfach gefragt hätte. Natürlich ist Gott um etwas zu bitten nicht so banal, wie beim Nachbarn einen Hammer auszuleihen. Aber der grundlegende Impuls, es einfach auszuprobieren, anstatt endlos nach Grund und Gegengrund zu suchen, ist in beiden Fällen doch ähnlich. Das Leben kann nicht warten, bis alle Gründe ausgelotet sind. Man muss den Versuch wagen. Warum eigentlich nicht?

Fürbitten
Jesus spricht: »Wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet.« Durch dieses Wort ermutigt bitten wir:

– Für die Menschen in den Kriegsgebieten dieser Welt, die an Leib und Leben bedroht sind und oft alles verloren haben. (Steh ihnen bei.)
– Für die Menschen, die im Kreislauf von Hass und Gewalt gefangen sind und keinen Ausweg finden.
– Für die Menschen, die schwer erkrankt sind und zwischen Hoffen und Bangen ihren Alltag bestreiten.
– Für die Menschen, die Hunger leiden und denen das Nötigste zum Leben fehlt.
– Für die Menschen, die aufgrund von Seuchen und Kriegen verstorbene Angehörige beweinen müssen.

Gott, du schenkst uns jederzeit deine guten Gaben. Vor allem gibst du uns deinen Heiligen Geist, der uns in allem tröstet und hilft. Dir sei Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

Wilfried Eisele

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