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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 3
32. Sonntag im Jahreskreis
Glaubwürdig – weil wir Gott Raum geben
Lesejahr B
Beitrag zum Evangelium

Einführung


Wenn wir uns hier zum Gottesdienst treffen, treten wir für eine kurze Zeit aus der alltäglichen Umgebung heraus. Wir begegnen Jesus Christus. Wir hören seine Botschaft vom Reich Gottes und von den Maßstäben, die dort gelten.
Und wir kommen nicht daran vorbei, das Leben in unserer Glaubensgemeinschaft und unser Alltagsverhalten kritisch zu hinterfragen, wie es das Evangelium heute tut, mit den herausfordernden Worten, die Jesus an die geistlichen Leiter seines Volkes richtet.
Doch begrüßen wir zuerst den Herrn in unserer Mitte und bitten ihn um seine Zuwendung.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, die Liebe des Vaters ist durch dich unter uns gegenwärtig.
Herr, erbarme dich.
Die Gerechtigkeit Gottes hast du uns verkündet.
Christus, erbarme dich.
Die Barmherzigkeit deines und unseres Vaters wird in dir spürbar.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Herr unser Gott,
du willst uns neu machen, aber wir bleiben so gerne die Alten. Du willst unser Herz, aber wir ehren dich oft nur mit den Lippen.
Wir bitten dich: Komm uns entgegen mit der Kraft deiner Liebe, entzünde unser Herz mit der Glut deiner frohen Botschaft und lass uns mit Leib und Seele daraus leben.
Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Bruder und Herrn.

Liedvorschläge

Gesang zur Eröffnung
GL 485 »O Jesu Christe, wahres Licht«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 58/1 »Lobe den Herrn meine Seele« mit Versen aus Psalm 146,6–7.8–9b.9c–10 und GL 176/1 »Halleluja« mit Vers Mt 5,3
Gesang zur Gabenbereitung
GL 481,1–2.5 »Sonne der Gerechtigkeit«
Gesang zur Kommunion
GL 458 »Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 233 »O Herr, wenn du kommst«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mk 12,38–44 (Evangelium)

Warnend sind die Worte Jesu in seiner letzten, öffentlichen Rede, die uns das Evangelium nach Markus übermittelt. Jesu Angriff gilt den Schriftgelehrten, die mit ihrem Lebensstil, ihrer Eitelkeit und ihrer Geltungssucht der Gottesbotschaft, die doch ihr eigentlicher Auftrag wäre, im Wege stehen. Ihnen fehlt die Glaubwürdigkeit. Ihre Worte sind »gottvoll«; ihr Leben ist »gottlos«. Die Erzählung über die arme Witwe verschärft die Attacke Jesu noch, aber sie weist zugleich auch einen Weg. Die arme, unbeachtete Witwe hebt sich von den geistlichen Lehrern des Volkes in ihrem einfachen Handeln ab, das voller uneigennütziger Liebe ist. Darin wird ihre Herzensweite, aber auch ihr tiefes Vertrauen auf Gott sichtbar. Gerade sie, die zu den Kleinen im Volk gehört, ist mit ihrem Leben und Glauben ganz nahe bei Gott und auch nahe bei Jesus Christus. In dieser Gegenüberstellung steckt für mich die Antwort auf die Frage, wie wir als Christinnen und Christen heute, als Kirche und Gemeinde, glaubwürdig die Botschaft Jesu Christi bezeugen können.

Predigt

Glaubwürdigkeit ist gefragt

Mehr als 500.000 Christinnen und Christen verlassen derzeit jährlich die großen Kirchen in der Bundesrepublik Deutschland. Das können wir nicht nur nebenbei zur Kenntnis nehmen. Das schmerzt. Das stellt Fragen. Ja, das stellt uns selbst als Kirchen und Gemeinden in Frage. Die Motive des Austritts sind vielfältig, wie auch die Lebensgeschichten, die dahinterstehen. Diese große Zahl der Austritte hängt aber ganz sicher auch daran, dass wir die großartige Botschaft des Glaubens nicht überzeugend genug übermitteln. Wir sind nicht glaubwürdig. Woran liegt es?

Da lohnt der Blick auf unser heutiges Evangelium! Den Schriftgelehrten Israels wirft Jesus vor, dass sie unglaubwürdig seien; dass sie die Botschaft des Gottes Israels wohl hervorragend kennen, dass ihr Lebenszeugnis aber nicht dazu passt.

Die Worte Jesu sind ein Sprengsatz bis heute. Ich höre, was Jesus auch uns in den christlichen Gemeinden und vor allem ihren geistlichen Leitern ins Stammbuch schreibt: »Auch eure Glaubwürdigkeit ist gefährdet! Die Versuchungen sind vielfältig: Die Versuchung der Scheinheiligkeit; die Versuchung, die eigene Größe zur Schau zu stellen; die Versuchung, sich mit seiner eigenen Klugheit oder der eigenen Frömmigkeit, mit der Menge der Gebete und der wohltätigen Leistungen zu brüsten; die Gefahr der inneren Unehrlichkeit, wenn die Worte und das gelebte Leben auseinanderklaffen. Das raubt euch alle Glaubwürdigkeit! Ihr verdunkelt die Botschaft des Glaubens!«

Mir wird es da richtig heiß! Trifft Jesus nicht einen ganz kritischen Punkt und hält uns den Spiegel vor? Zuvörderst den »Schriftgelehrten« unserer Tage, den Theologinnen und Theologen, der Kaste der Amtsträger, die manchmal so erhaben wirkt! Aber auch dem Gottesvolk, das sich bequem einrichtet und den gewohnten Trott mitgeht? Scheuen wir uns nicht, in den Spiegel zu schauen, den Jesus uns hinhält! Selbstkritisch! Wohlwissend, dass wir dafür Verantwortung tragen, wenn unsere Zeitgenossen, auch die eigenen Freunde und Familienmitglieder, zur Glaubensbotschaft keinen Zugang mehr finden und die Glaubensgemeinschaft verlassen.

Worauf es ankommt

Jesus bleibt im heutigen Evangelienabschnitt nicht stehen bei seinen kritischen Worten. Er zeigt uns auch, worauf es ankommt, indem er von der armen Witwe erzählt. Was ist das Besondere an dieser namenlosen Frau? Sie ist arm! Sie kann nicht aus dem Vollen schöpfen. Doch wenn sie zum Tempel geht, dann scheut sie sich nicht, großzügig das wenige wegzugeben, das sie besitzt. Sie gibt nicht nur etwas. Sie gibt sich vielmehr selbst in die Hand Gottes. Sie überlässt sich seiner Sorge und vertraut, dass Gott ihre leeren Hände füllen wird. Sie tut es in aller Einfalt und mit rückhaltlosem Vertrauen. Ihre Haltung lässt Gott in seiner Größe und Güte aufleuchten. Das unterscheidet sie ganz und gar von den gescheiten, eingebildeten, selbstgewissen Lehrern des Volkes.

Und zudem: Gerade mit ihren leeren Händen, mit ihrer Schwäche und mit ihrem Vertrauen ist die arme Witwe ganz nahe bei dem »schwachen« Jesus, den uns der Evangelist gleich anschließend auf seinem Leidensweg vorstellen wird. Jesus wird im Garten von Getsemani zu seinem Vater sagen: »Nicht wie ich will, sondern wie du willst.« Er verzichtet auf alle Selbstbehauptung. Er übergibt sich der Führung seines Vaters. So legt er Zeugnis für Gott ab und lässt ihn groß sein.

Eine heilsame Spur?

Ob wir auf dieser Spur als Christinnen und Christen, als Gemeinde und Kirche Glaubwürdigkeit wiedergewinnen könnten? Durch ein Leben, das sich nicht selbst groß macht und das so auf Gott hin durchsichtig ist?

Ich gestehe: Manchmal fällt mir die Hoffnung schwer. Ich erlebe uns in unserer Kirche so mit uns selbst beschäftigt, vor ungelösten Fragen: die Stellung der Frauen in ihrer geistlichen Sendung; die Beteiligung des Gottesvolkes am Leben der Kirche; das Zukunftsbild des Priesters in der Glaubensgemeinschaft; die Überwindung der Einbrüche durch die Pandemie. Aber dann höre ich wieder Jesus Christus, sein herausforderndes Wort und seine Erwartung an uns.

So kann Glaubwürdigkeit wachsen

Und ich entdecke bei Gesprächen in unserer Gemeinde doch manche, die gerade jetzt in der Pandemiezeit begonnen haben, ihr Leben aus dem Glauben neu zu sortieren. Sie haben in den zurückliegenden Monaten die Zerbrechlichkeit ihres Lebens hautnah gespürt. Sie sagen: Wir sind an Grenzen gekommen und haben Demut gelernt. Wir haben dabei entdeckt, wie wertvoll der Glaube für uns ist und dass wir im lebendigen, liebenden Gott eine wirkliche Kraftquelle finden. Einige sagen aber auch: Wir sind in dieser Zeit kritischer geworden gegenüber den »Experten Gottes« in den Leitungsämtern der Kirche, gegenüber aller Selbstüberhebung und unguter Machtausübung. Je mehr wir Gott Raum gaben, desto wacher wurden wir für alles, was ihm in unserer Glaubensgemeinschaft im Weg steht. Ich frage mich: Kann die erlebte Krise eine Chance sein, in der Tiefe und Glaubwürdigkeit zu wachsen?

Und dann sehe ich auch Theologen, Glaubenslehrer, Priester, Bischöfe, die offensichtlich verstanden haben, dass ihre Bildung, ihre Weihe, ihre Stellung im hierarchischen Gefüge ihnen kein Vorrecht gibt; die gestehen, dass sie ebenso Lehrlinge des Glaubens sind; die um Rat fragen und es gelernt haben, zuzuhören. Das ist ein neuer Ton.

Und ich erlebe Frauen und Männer, die sagen: »Eine gescheite, theologische Rede, eine feine Liturgie in einer kraftvollen Kirche mögen wichtig sein. Doch wir fühlen uns Gott viel näher in der Begegnung mit den Kleinen und Schwachen, im gemeinsamen Aushalten von Schmerz und Not, im überraschenden Angebot der herzlichen Nähe, von Tür zu Tür, von Haus zu Haus.« Sie entdecken, worauf es ankommt. So wird ihr Leben durchsichtig auf Gott hin.

Ich freue mich an diesen Zeugnissen, also an Christinnen und Christen, die offensichtlich gespürt haben: Jetzt geht es nicht mehr um große Auftritte und ein glanzvolles Erscheinungsbild unserer Kirche, sondern darum, dass wir Gott Raum geben, dass wir mit den Suchenden zusammen auf der Suche sind nach den Antworten auf die Fragen des Lebens – in einer Kirche, die auch selbst ständig neu auf der Suche nach ihrem Weg ist.

Ja, es gibt sie: Die Menschen, in deren Leben Glaubwürdigkeit aufleuchtet. Und das beflügelt mich.

In Hoffnung

Ich weiß nicht, wie es mit unserer Glaubensgemeinschaft weitergehen wird. Die Fragezeichen sind groß. Die Veränderungen führen zu einer neuen Gestalt. Ich vertraue, dass Gott unter uns aufleuchten wird, wo wir uns als Christinnen und Christen, als Amtsträger und Verantwortliche, als Kirche insgesamt der Herausforderung Jesu stellen und wo wir uns durch sein Wort reinigen lassen. Und darum geht es: Nicht, dass unsere Kirche als »Haus voll Glorie« dasteht, sondern dass in ihr etwas von Gottes Ehre und liebevoller Nähe spürbar wird.

Fürbitten
Guter Gott, du hast in Jesus Christus zu uns gesprochen und du
hast uns deinen Heiligen Geist verheißen, der uns auf deinen
Weg führen wird. Wir kommen zu dir mit unseren Bitten:

- Für die Kirche, die Gemeinschaft der Glaubenden, die gerade heute sehr angefochten ist und stets der Erneuerung bedarf.– Treuer Gott:
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
- Für unsere Kirche in Deutschland, die auf ihrem synodalen Weg um ein glaubwürdiges Zeugnis ringt. – Verlässlicher Gott:
- Für die Theologinnen und Theologen, die Schriftgelehrten unserer Tage, die den Auftrag haben, geisterfüllt von dir Zeugnis zu geben. – Guter Gott:
- Für alle Glieder unserer Gemeinde, die sich redlich mühen, nach deinem Wort zu leben und ihre Gaben zu teilen. – Barmherziger Gott:
- Für die Menschen auf den rauen Straßen dieser Erde, für die Heimatlosen in den Flüchtlingslagern und für ihre Helferinnen und Helfer. – Leben spendender Gott:
- Für unsere Verstorbenen und alle, die sich in diesen Tag auf den Weg machen, dir entgegen. – Ewiger Gott:

Barmherziger Gott, lege dein Wort in unser Herz und gib uns die Kraft, daraus wahrhaftig zu leben. Der du lebst und in Liebe wirkst, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.

Wolfgang Schrenk

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