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Leseprobe 3
Erntedank
Das Prinzip Wachstum
Beitrag zum Evangelium

Einführung


Wir feiern Erntedank. Mit diesem Fest holen wir ins Bewusstsein, dass wir Tag für Tag reich beschenkt sind mit dem, was wir zum Leben brauchen: mit Nahrung, aber auch mit Beziehungen zu Menschen, mit Freiheit, mit Heimat, mit vielen Anlässen zur Freude. Heute wollen wir Gott für alles, was unser Leben erfüllt, von Herzen danken. Gleichzeitig dürfen wir Gott in diesem Gottesdienst alles bringen, was uns schmerzlich fehlt im Leben. Bitten wir ihn, dass er uns heilend und helfend nahe ist.

Kyrie-Ruf
Du bist bei uns, wenn wir voller Hoffnung unsere Gaben aussäen, damit unser Leben Frucht bringt.
Herr, erbarme dich.
Du bist bei uns, wenn uns die Hände gebunden sind, wenn wir warten müssen, was uns zuteilwird.
Christus, erbarme dich.
Du bist bei uns, wenn wir ernten von der Fülle der Gaben, die du uns schenkst.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Gott, Mutter und Vater,
du schenkst uns das Leben. Du begleitest uns an jedem Tag, damit wir unsere Gaben einbringen und uns entfalten können. Du hältst mit uns aus, wenn der Erfolg ausbleibt, wenn unser Leben stillsteht. Und du freust dich mit uns, wenn uns die Fülle zuteilwird.
Nähre in uns Geduld, Hoffnung und Liebe, damit wir aus dir leben und mit anderen teilen, was wir von dir empfangen.
Darum bitten wir dich, Gott, Mutter und Vater.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 140 »Kommt herbei, singt dem Herrn« oder
Erdentöne – Himmelsklang 16 »Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 37/1 »Der Herr ist mein Hirt« mit 37/2 (Psalm 23) oder
EH 218 »Herr, du bist mein Hirte« mit 218.1 (Psalm 23) und
EH 24 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 184/EH 32 »Herr, wir bringen in Brot und Wein«
Gesang zur Kommunion
GL 456 »Herr, du bist mein Leben« oder
EH 118 »Von allen Seiten umgibst du mich«
Segenslied
GL 451 »Komm, Herr, segne uns« oder
EH 237 »Mögen sich die Wege«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mk 4,26–29 (Evangelium)

An Erntedank liegt der Fokus auf der Schöpfung und ihren Gaben, aus denen wir leben. Das Fest stärkt das Bewusstsein für unseren Reichtum und die Dankbarkeit für das, was wir oft als selbstverständlich ansehen. Gleichzeitig zeigt der Kreislauf der Natur auf, wie auch in unserer persönlichen Entwicklung Dinge wachsen, heranreifen und am Ende dankbar geerntet werden können. Das Wichtigste dazu bewirken wir nicht selbst – es wird uns geschenkt. Die Predigt legt auf diesen Aspekt den Schwerpunkt. Anhand des Gleichnisses von der »selbstwachsenden Saat« sollen die verschiedenen Phasen des inneren Wachstums deutlich werden. Jede Phase hat ihr Recht. Wo auch immer die Zuhörenden in ihrem Leben gerade stehen, dürfen sie auf das »Prinzip Wachstum« vertrauen, dass Gottes helfendes Wirken zu einer guten Lebensernte führen wird.

Predigt

Früchte im Garten – Früchte im Leben

Es ist Herbst geworden. Viele von uns mögen diese Zeit, in der die Sonne tiefer steht, in der das Laub sich bunt färbt und die Früchte gereift sind. Ich vermute, auch unter Ihnen haben einige einen Garten, der das ganze Jahr über eine Menge Arbeit macht. Aber jetzt dürfen wir ernten: Äpfel und Zwetschgen, Kartoffeln und Rote Bete, Lauch und Kohlrabi. Und vielleicht lohnt es sich, ab und zu neu zu entdecken: Was schmeckt mir eigentlich besonders gut? Welches Gericht, welches Rezept möchte ich schon längst einmal wieder genießen, weil es den Geschmack einer Frucht so gut zur Geltung bringt, jenseits von Fertigpizza und Geschmacksverstärkern? Wir sind am Erntedankfest eingeladen, die Gaben der Natur wieder bewusst zu schätzen.

Ernte. Es gibt sie in der Natur, und es gibt sie in unserem Leben. Im Evangelium hören wir vom Kreislauf des Säens und Erntens, der auch für uns Menschen gilt, wenngleich sicherlich nicht Jahreszeiten-abhängig. Schauen wir nochmals genau hin, was der Evangelist Markus uns beschreibt.

Das Säen

Es fängt immer mit dem Säen an. Entwicklungen beginnen, wenn wir etwas einbringen: unsere Ideen, unsere Kraft, unseren Willen zur Veränderung, unsere Neugier, was noch kommen könnte.

Vielleicht ist das ja bei manchen von uns gerade dran: Etwas Neues entsteht. Ein neues Schuljahr fordert uns heraus. Eine neue Beziehung macht Hoffnung. Eine neue Arbeitsstelle schafft neue Möglichkeiten. Eine neue Gemeindestruktur will mit Leben gefüllt werden. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

So ein Anfang ist spannend, und oft ist er auch anstrengend. Zunächst müssen wir investieren. Wir säen. Und wir wissen meist noch nicht, was am Ende herauskommen wird.

Die Mühe

Das Zweite dann ist der Alltag. Nach dem Anfang ist Disziplin gefragt. Wer einen Garten hat, weiß das. Pflege ist notwendig: Erde lockern, gießen, Schnecken fernhalten, vor allem, solange die Pflänzchen noch zart sind. So ist es auch bei uns Menschen. Nach dem Schwung des Anfangs folgt die Normalität. Was immer in unserem Leben wachsen will, muss gehegt und gepflegt werden, und das braucht langen Atem. Denn nicht immer ist sofort sichtbar, dass unser Mühen Erfolg hat.

Auch das könnten manche unter uns gerade erleben: dass sie ackern und schuften. Dass sie fleißig und redlich versuchen, den Alltag zu bestehen, und dafür ihre ganze Kraft brauchen.

Das Zuwarten

Im Evangelium wird diese Mühsal des Alltags unterschlagen. Stattdessen geht es gleich über zur dritten Phase. Diese Phase heißt: Wachsen lassen. Mir ist es sehr sympathisch, dass der Evangelist Markus viel Wert darauf legt, dass der Mensch für das Entscheidende gar nichts tun muss. Er schläft und schaut ab und zu nach, was sich tut, das ist alles. Und er weiß gar nicht, warum die Frucht wächst und heranreift.

Es ist klug, so denke ich, diese Phase des Loslassens und Abwartens herauszustellen. Wir Menschen neigen dazu, dass wir alles selbst machen müssen. Dass alles durch unsere Leistung entsteht. Für vieles ist das sicherlich richtig. Aber es ist eben auch eine tiefe Wahrheit, dass wir das Entscheidende nicht selbst vollbringen können. Das Entscheidende ist Geschenk, ist Gnade.

Was könnte nicht alles in unserem Leben leichter gehen, wenn wir das nie vergessen würden: Wir müssen nicht alles selbst machen. Wir dürfen auch abwarten und nichts tun. Wir dürfen aus der Hand geben. Wir dürfen vertrauen, dass noch ein anderer mitwirkt, der gute Gott des Lebens, der das Wachstum will und schenkt.

Gras wächst nicht schneller, wenn wir daran ziehen, sagt ein Sprichwort. Das gilt auch für manche innere und äußere Entwicklung, die einfach Zeit braucht. Gut, wenn wir die Geduld dazu haben und das Vertrauen behalten, dass es schon gut werden wird.

Die Ernte

Und dann ist sie da: Die Zeit der Ernte. Oder anders gesagt: Immer wieder gibt es Zeiten der Ernte in unserem Leben – Gott sei Dank! Dann dürfen wir genießen, was durch unserer Hände Arbeit und durch Gottes Gnade gewachsen ist. Dann dürfen wir uns zurücklehnen und uns reich beschenken lassen. Und wir dürfen dankbar sein für das erfüllte Leben, das wir in Händen halten.

Das Prinzip Wachstum

Wir feiern Erntedank. Wir feiern, dass die Natur uns immer wieder mit ihren Gaben beschenkt. Und wir feiern, dass unser Leben wie die Natur immer wieder Neues hervorbringt und uns wachsen lässt. Wo stehen wir gerade im Kreislauf des Wachsens und Werdens? Sind wir gerade am Säen? Sind wir am Hegen und Pflegen? Was möchte reifen in uns? Was muss noch wachsen, was braucht noch Zeit? Und was wird uns ab und zu einfach geschenkt, ohne unser Zutun, was fällt uns in den Schoß, unverdient?

Wo immer wir gerade stehen mögen in unserem Leben: Heute dürfen wir Gott danken, dass er das Prinzip Wachstum in uns hineingelegt hat. Gott glaubt an unsere Möglichkeiten. Ja noch mehr: Er setzt auf uns, wenn er sein Reich in dieser Welt beginnt. In einer Zeit, in der schlechte Nachrichten die Überhand zu gewinnen scheinen, dürfen wir diese frohe Botschaft laut weitersagen: Es gibt die Entwicklung zum Guten – und viele Gründe, jeden Tag dankbar zu sein!

Fürbitten
Gott, Mutter und Vater unseres Lebens, dankbar blicken wir auf alles, was wir täglich von dir empfangen. Zu dir rufen wir:

Wir danken dir, dass unsere Erde genug Nahrung für alle Menschen bereithält. Hilf uns zu teilen und mahne alle Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, dass sie sich unermüdlich für eine gerechte Verteilung der Güter einsetzen.
- Wir danken dir für die Menschen, die die Felder, Wälder und Wiesen bebauen und pflegen. Bewahre sie vor Unwetter und Missernte. In uns alle aber pflanze die tiefe Achtung vor deiner guten Schöpfung, damit wir sie behüten und ihrer Ausbeutung ein Ende machen.
- Wir danken dir für dein lebendiges Wort, das Nahrung ist für unsere Seele. Gib, dass dieses Wort in unserer Kirche glaubwürdig verkündet wird und Anstoß ist zum Frieden unter den Menschen und zum Respekt vor allen Geschöpfen.
- Wir danken dir für unsere persönliche Entwicklung, die uns zu denen gemacht hat, die wir heute sind. Lass uns in allen Phasen unseres Lebens deine Nähe erfahren und vertrauen, dass du uns das Leben in Fülle schenken willst.

Gott, Mutter und Vater unseres Lebens, lass uns dankbar bleibenfür alle Gaben, die wir aus deiner Hand empfangen. Du führst unser Leben zum Guten. Dafür loben wir dich heute und alle Tage bis in Ewigkeit. Amen.

Claudia Schmidt

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