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Leseprobe 2
Allerheiligen
Menschen, durch die die Sonne scheint
Lesejahr A – B – C
Beitrag zum Evangelium

Einführung


Allerheiligen ist ein großes und wichtiges Fest in unserer Kirche, ein Gedenktag für all jene Menschen, die ihren Glauben auf besonders eindrücklicheWeise bezeugt haben. Oft denken wir, dass Heilige perfekt und vollkommen gelebt haben – mit großem Charisma, Überzeugungskraft und einem makellosen Lebenswandel. Doch wer sich mit den Lebensgeschichten dieser Menschen näher beschäftigt, entdeckt schnell: ein abgehobenes Leben ohne Ecken und Kanten gibt es nicht. Auch Heilige waren und sind immer ihrer jeweiligen Zeit verhaftet, mit Stärken, aber auch Begrenzungen, Strahlkraft, aber auch Schattenseiten. Was sie von anderen unterscheidet, ist ihre leidenschaftliche Suche nach Gott undihre Berufung, als Zeugen des Evangeliums in die Welt gesendet zu sein.

Kyrie-Ruf

Herr Jesus Christus, du bist in die Welt gekommen und hast das Leben von uns Menschen geteilt.
Herr, erbarme dich.
Du hast uns gezeigt, wie gutes und erfülltes Leben möglich ist.
Christus, erbarme dich.
Du machst uns Mut, im Vertrauen auf dich unseren je eigenen Weg zu gehen.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Barmherziger Gott,
am Fest Allerheiligen haben wir uns vor dir versammelt. Wir denken heute an die vielen Menschen, die voller Leidenschaft und Vertrauen ein Leben in der radikalen Ausrichtung auf dich gewagt haben. Auch wir möchten uns auf dich hin ausrichten und deinem Ruf folgen.
Hilf uns dabei und erfülle unsere Herzen mit Sehnsucht.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 543,1.4–5 »Wohl denen, die da wandeln«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 548,1–2.5 »Für alle Heilgen« und GL 174/4 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 457,1–3 »Suchen und fragen«
Gesang zur Kommunion
GL 458,1–4 »Selig seid ihr«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 405 »Nun danket alle Gott«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mt 5,1–12a (Evangelium)

Die Seligpreisungen stellen eine fulminante Eröffnung der Bergpredigt im Matthäusevangelium (Kap. 5–7) dar. Auch wenn die Seligpreisungen von Duktus und Inhalt her Vorbilder im Alten Testament haben, sind die überlieferten Worte aufgrund ihrer Art der Komposition und vor allem ihres inhaltlichen Gehalts herausragend. Zentrale Aspekte der Botschaft Jesu werden in intensiver Form und in dichten Worten zusammengefügt: die Rede von einem Gott, der tröstet und nahbar ist, und die Andeutung einer erfahrbaren Wirklichkeit von Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Frieden. All diese Inhalte waren nicht nur immer ein integraler Bestandteil der Verkündigung Jesu, sondern wurden von ihm auch selbst authentisch bezeugt durch die Art seines Lebens – bis hin zu seiner Hingabe am Kreuz. Die Gefahr bei den Seligpreisungen liegt darin, dass sie in ihrer umfassenden Radikalität für viele Christen nicht umsetzbar erscheinen und deshalb in die gedankliche Ecke eines unerreichbaren Ideals gestellt werden. Oder auch, dass sie als Vertröstung für ein besseres Leben im Himmel gedeutet werden.

Die nachfolgende Predigt versucht, die Bedeutung des Lebens und Handelns im Hier und Jetzt hervorzuheben. Dabei geht es um ein authentisches Reagieren auf die Situationen, in die ich gestellt bin. Und noch mehr: gerade darin zu leuchten und das göttliche Licht zu reflektieren. Hier wird auch der Konnex von den Seligpreisungen zum Fest Allerheiligen gezogen, in dem der biblische Text als Ermutigung gedeutet wird, auf Gottes Dasein, Trost und Beistand zu vertrauen und dies in allen Situationen des Lebens und Alltags sichtbar zu machen. Die Definition »Heilige sind Menschen, durch die die Sonne scheint« aus einer katechetischen Geschichte für Kinder (zu finden unter https://www.pfarrbriefservice.de/file/heilige-sind-menschen-durch-die-die-sonne-scheint) bildet den Leitfaden der Predigt.

Predigt

Von guten und bösen Mädchen …

»Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin: Warum Bravsein uns nicht weiterbringt«, so lautet der provokante Titel eines Bestsellers der Psychologin Ute Ehrhardt. Vor mehr als zwanzig Jahren erschienen und bis heute millionenfach verkauft, geht es darin nicht nur allgemein um die Stärkung von Frauen, sondern auch um ein grundlegendes Selbstbewusstsein und den Mut, zu sich selbst und zu den eigenen Wünschen zu stehen. Denn dies halten viele Menschen häufig zurück, aus Angst, anzuecken oder aus der Norm herauszufallen. Auch deshalb also das Credo des Buches: Traut euch, geht aus euch heraus, folgt euren Sehnsüchten, sucht das erfüllte, vielleicht bisweilen auch verrückte Leben! Denn das Ideal des Bravseins mag zwar tugendhaft daherkommen und gesellschaftlich respektiert sein, verhindert aber oftmals Entfaltung und Lebendigkeit. So weit, so gut, mögen Sie jetzt vielleicht sagen – aber was ist der Preis solcher Entfaltung? Ist das nicht ein impliziter Aufruf zu Zügellosigkeit und ungebremstem Egoismus, von dem wir in unserer Gesellschaft sowieso schon genug erleben? Und überhaupt: Warum wird der Himmel hier als ein Ort für brave Langeweiler dargestellt? Lassen Sie uns im Folgenden diesen Fragen etwas nachgehen.

Ausgespannt zwischen Erde und Himmel


»Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich …«, so beginnen die Seligpreisungen, die wir soeben gehört haben. Sie zählen zu den bekanntesten Versen aus dem Neuen Testament und bilden den Auftakt zur sogenannten Bergpredigt im Matthäusevangelium. Bei der kurzen, aber sehr dichten Aufzählung, wer alles »selig« ist, wird der Bogen gespannt zwischen der konkreten irdischen Erfahrung und der weiten Dimension des Himmels. Was ich hier erlebe und wie ich mich auf der Erde verhalte, wirkt weiter in der himmlischen Welt – bis hin zu einem »himmlischen Lohn«, wie es im Text heißt. Dieser ist all jenen zugesagt, die während ihres Lebens Not, Trauer, Schmähungen und Verfolgung erfuhren, aber auch jenen, die durch ihr Verhalten einen Unterschied gemacht und sich eingesetzt haben für Barmherzigkeit, Frieden und Gerechtigkeit. Dies alles aber nicht, indem sie einfach nur harmlos und »brav« waren, sondern treu in der Nachfolge Jesu, die in der Konsequenz immer herausfordernd und existentiell ist. Leuchtende Beispiele dieser kompromisslosen Nachfolge feiern wir am heutigen Allerheiligentag.

Das Fest Allerheiligen

Die Anfänge des Festes Allerheiligen reichen bis in das 4. Jahrhundert n. Chr. zurück und standen ursprünglich im direkten Kontext von überzeugtem Glauben und Märtyrertum. Damals, als zahlreiche Christen in der frühen Kirche für ihren Glauben ihr Leben ließen, überlegte man sich, wie dieser Menschen gedacht werden könne. Statt unüberschaubar vieler Einzelgedenktage entschied sich die Kirche für einen jährlichen Gedenktag, der ursprünglich auf den ersten Sonntag nach Pfingsten, im 8. Jahrhundert dann auf den 1. November festgelegt wurde und bis heute an diesem Tag gefeiert wird. Zunehmend veränderte sich der inhaltliche Fokus dieses Festes: Nicht mehr nur ein Gedenktag für alle Märtyrer, sondern auch für die vielen Menschen, die ihren Glauben besonders überzeugend und heiligmäßig gelebt haben – die öffentlich Bekannteren, aber auch die unzähligen Namenlosen, um die letztlich nur Gott weiß.

Menschen, durch die die Sonne scheint

Den Glauben überzeugend und heiligmäßig leben, was bedeutet das? In einer Geschichte, die Kindern oft im Rahmen der Erstkommunionvorbereitung erzählt wird, gibt es eine einfache, aber treffende Erklärung. Ein kleiner Junge staunt bei einem Besuch der Kirche über die schönen Farben eines Kirchenfensters, die ein Bild des heiligen Martin zeigen. Als dann für einen Moment die Sonne direkt durch dieses Fenster scheint, leuchten die Farben besonders strahlend und kräftig. Nach dieser Erfahrung erkennt er für sich: »Heilige, das sind Menschen, durch die die Sonne scheint.« Eine schöne und zugleich tiefe Einsicht. Menschen, durch die die Sonne scheint, sind berührbar und durchlässig für Stimmungen, für Farben, für Wärme und Helligkeit und reagieren auch auf spontane Anfragen und Situationen. Diese Durchlässigkeit macht den kleinen, aber entscheidenden Unterschied zu einem abgeklärt aufgesetzten Dauerlächeln oder zu frömmelndem Bravsein. Denn es geht darum, dass alle Facetten des Lebens, alle Farben, Fähigkeiten und Leidenschaften wahrgenommen und ins Licht gestellt werden. Ich als Mensch bin durchlässig auch für Göttliches und bereit, meinen Beitrag zu leisten, damit das Reich Gottes schon in dieser Welt unter uns leuchtet.

Ich seh dich – mit all deinen Farben!

Die Seligpreisungen beschreiben die Realität und die Herausforderungen des Lebens sehr realistisch und auch die Biographien all der großen, aber auch kleinen Heiligen der Kirche erzählen davon. Heilige waren keine braven Langeweiler, deren Leben nur aus frommer Andacht bestand. Ganz im Gegenteil. In den Lebensgeschichten erfahren wir von Berufung, Überzeugung und Standhaftigkeit, aber auch von manchem Schmerz, Anfechtung, Verfolgung, Zweifel, Not … Und doch war da eben auch dieses ganz andere, das den Unterschied machte: das Vertrauen in die Strahlkraft des Geistes und die Vision eines Himmels, in dem alle aufgehoben sind. »Wie schön du bist« ist der Titel eines berührenden Liedes von Sarah Connor, in dem sie dieses innere Strahlen selbst von gebrochenen Menschen wahrnimmt und mit folgenden Worten besingt: »Ich seh’ dich / Mit all deinen Farben und deinen Narben / Hinter den Mauern / Ja, ich seh’ dich. Lass dir nichts sagen / Nein, lass dir nichts sagen / Weißt du denn gar nicht / Wie schön du bist?« Nehmen wir einander in dieser Weise wahr als strahlende Menschen und nehmen wir vor allem den Auftrag an, zu leuchten mit all unseren Farben, mit und trotz all der Narben. Indem wir uns einsetzen mit unseren Fähigkeiten, dort wo wir gebraucht werden, nahbar, hilfsbereit und solidarisch. Und indem wir auch in all den aktuellen und oft sehr komplexen Krisen dieser Welt den Wert von Dialogfähigkeit, Respekt und Mitmenschlichkeit hochhalten und aktiv zum Frieden unter den Menschen beitragen. Dies alles nicht brav, blass und langweilig, sondern als aufrechte und strahlende Menschen, durch die die Sonne scheint!

Fürbitten

Guter Gott, du verheißt allen Menschen Seligkeit, die aufrecht und im Vertrauen auf dich ihren Weg durchs Leben gehen. Viele Sorgen und Probleme beschweren diesen Weg. Deshalb bitten wir:

- Für Menschen auf der ganzen Welt, die durch das Coronavirus ihre Existenzgrundlage verloren haben und nicht wissen, wie es weitergeht: Um Mut, Hoffnung und die Erfahrungkonkreter Hilfe.
- Für alle Menschen, die unter unlösbar erscheinenden Konflikten und Kriegen leiden: Um kreative und beharrliche Ideen auf einem Weg zum Frieden.
- Für alle, die Opfer von Ungerechtigkeit und korrupten Strukturen werden: Um Solidarität und gemeinsames Aufstehen für Gerechtigkeit.
- Für alle, die unter Armut, Krankheiten und der Einschränkung ihrer Lebensmöglichkeiten leiden: Um neue Perspektiven für die Zukunft.
- Für alle, die besonders auch am heutigen Tag trauern um den Verlust geliebter Menschen: Um Trost und Kraft zum Weiterleben.

Gott, du blickst voll Liebe auf das Leben der Menschen und bist uns nahe, selbst wenn wir dich nicht spüren. Lass uns vertrauen, dass du auf unserem Weg mitgehst, heute und alle Tage unseres Lebens. Amen.

Annegret Hiekisch

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