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Liebe Leserinnen und Leser,

»Die Ansprache macht den Unterschied«
– diese Überschrift im F.A.Z Newsletter: Themen des Tages machte mich neugierig und ich besorgte mir die Ausgabe der Zeitung vom 23.8.2021. Ich vermutete einen Bericht oder Kommentar zur aktuellen kirchlichen Situation oder einen Beitrag über die immer weniger werdende Gemeinde, die sich zum Gottesdienst und der sonntäglichen Predigt versammelt.

»Der kleine Unterschied« stand dann über dem Gesamtartikel von Kim Björn Becker. Zu meiner Überraschung schrieb er aber über mögliche Ursachen im Blick auf die insgesamt immer noch fehlende Akzeptanz der Corona-Impfung in der Gesamtbevölkerung. Seine These: Um mehr Impfbereitschaft zu erreichen, kommt es auf die Ansprache an! Becker berichtete von einem wissenschaftlich unterstützten Feldversuch in der Stadt Bad Nauheim. Dort wurden zwei unterschiedliche Fassungen eines Impfbriefes an die Haushalte geschickt. Insgesamt gingen fast 27.300 Schreiben in die Post. Die Hälfte der Empfänger bekam die erste Fassung, die andere Hälfte die zweite. Die Versionen unterschieden sich nur in sprachlichen Details, nicht in Aufbau oder Intention des Textes. Doch diese Details hatten einen messbaren Einfluss auf das Impfverhalten der Menschen, wie die Wissenschaftler herausgefunden haben.

Der Unterschied bestand darin, wie sehr die Verwaltung (an der Spitze der Oberbürgermeister und der Direktor der Klinik) die Impfung auf den jeweiligen Bürger bezogen hat – vor allem durch Possessivpronomen. In der ersten Fassung war zum Beispiel lediglich »von der COVID-19-Impfung« die Rede, in der zweiten wurden die Bürger direkt angesprochen, die Behörde sprach von »Ihrer« Impfung. So zog sich das durch alle Absätze. In einer Version war vom »Schutz durch die Impfung« die Rede, in der anderen von »Ihrem Schutz«, nüchtern vom »Impftermin« oder eben von »Ihrem persönlichen Impftermin«. Das Ergebnis: die Sprache hatte einen deutlichen Einfluss auf die Impfbereitschaft, sie ließ sich um mehr als ein Drittel steigern. Zur Gruppe, die das personalisierte Schreiben erhalten hatte, gehörten 1.400 Personen, zur anderen Gruppe 1.000 Personen. Die Wissenschaftler berechneten, dass mit einer personifizierten Ansprache bei der erwachsenen Gesamtbevölkerung in Deutschland etwa 2,8 Millionen Menschen zusätzlich für eine Impfung gewonnen werden könnten. Die Hypothese: »Menschen treten stärker für Dinge ein, wenn sie sich mit ihnen identifizieren. Das kann für Produkte und Marken gelten, aber vor allem für sogenannte öffentliche Güter wie die Gesundheit einer Gemeinschaft.« Der Zeitungsartikel schließt mit einem Hinweis auf Joe Biden, der über den Fortgang der Impfungen in Amerika informierte und sich an die Amerikaner wandte: »Jetzt ist die Zeit, damit Sie Ihre Impfung bekommen.«

Die Ansprache macht den Unterschied – manchmal ist mir die Ansprache in Spenden- und Werbeaufrufen zu »personifiziert«, zu nahe, zu vereinnahmend. Aber für meine nächste Predigt will ich mir doch wieder einmal die Prüffrage stellen: Wie nehme ich die Menschen, die mir interessiert zuhören, wahr, was weiß ich von ihnen und dem, was sie beschäftigt, bedrückt und hoffend stärkt? Wie spreche ich sie in ihren oft so ganz unterschiedlichen Situationen an, damit sie sich angesprochen, persönlich gemeint fühlen? Denn auch in meiner Predigt und in unserer Gottesdienstgemeinde kommt es auf die An-sprache an.

Meint mit den besten Grüßen und Wünschen in den Herbst und das Ende des Kirchenjahres hinein
Wolfgang Tripp

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