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Leseprobe 2
17. Sonntag im Jahreskreis
Vielfalt in der Einheit
Lesejahr B
Beitrag zur Lesung

Einführung

Wir sind ganz unterschiedliche Menschen und kommen doch am Sonntag als christliche Gemeinde zusammen. Wir haben uns nicht gesucht und finden uns doch als Schwestern und Brüder, weil Jesus uns berufen hat, aus seinem Evangelium zu leben. Er lehrt uns, auf Gott zu vertrauen, seinen und unseren Vater. Er sendet den Geist in unsere Herzen, der für uns betet, wo uns die Worte fehlen.

Predigt

Zum Text: Eph 4,1–6 (2. Lesung)

Mehr Fragen als Antworten Im Epheserbrief wird die Einheit der christlichen Gemeinde so nachdrücklich beschworen, dass man misstrauisch wird. Das heftige Pochen auf die Einheit lässt vermuten, dass es harte Zerreißproben gab. Anscheinend sind die Fliehkräfte so stark geworden, dass man allen Beteiligten einhämmern wollte, was die Grundlage ihrer gemeinsamen Berufung ist: ein Leib, ein Geist und eine Hoffnung; ein Herr, ein Glaube und eine Taufe; und alles in allem ein Gott. So ist ein Formelkompromiss herausgekommen, der keinen festen Zusammenhalt garantiert, weil er mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Welche Gestalt muss die Gemeinde als Leib Christi annehmen, damit sie das Evangelium zu verschiedenen Zeiten glaubwürdig verkörpert? Wo ist der Geist Gottes am Werk und wo sind es vielleicht ganz andere Geister? Wann wird die Hoffnung zur Vertröstung und wann macht sie die Welt hier und heute wirklich besser? Die Liste der Fragen ließe sich beliebig verlängern. Aber schon die wenigen Beispiele zeigen: Sobald es konkret wird, fangen die Schwierigkeiten an, weil sich dann auch die Unterschiede zeigen. Aufkommende Fragen werden verschieden, ja gegensätzlich beantwortet, und die Fronten verhärten sich, je mehr der eine Herr Jesus auf eine Seite gezogen wird. Ist die vielbeschworene Einheit der christlichen Kirche und Gemeinde also nichts als eine leere Formel? Nein, aber die Einheit ist nicht einfach gegeben, sie muss immer wieder errungen werden. Wenn einer der Gott und Herr aller ist, der alle mit dem einen Geist begabt, dann bestimmen auch alle mit, wohin die eine Kirche und Gemeinde steuert. Das wird ohne Streit und Auseinandersetzung nicht gehen. Aber wo der Geist Gottes wirkt, da herrscht nicht eintönige Grabesruhe, sondern das quirlige Leben aufgeweckter Menschen, die sich in Gottes Namen zusammenraufen müssen.

Ein Geist und viele Berufungen


Die Gemeinde Jesu Christi hat zwar eine gemeinsame Berufung: Sie muss die christliche Hoffnung leben und bezeugen, dass wir zusammen mit der ganzen Schöpfung aus den Leiden dieser Zeit befreit werden sollen zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes (vgl. Röm 8,18–30). Aber diese Hoffnung wird in ganz verschiedenen Berufungen konkret gelebt, vor allem dort, wo wir einander in schwierigen oder aussichtslosen Situationen Beistand leisten. Wo das Leben an seine natürlichen Grenzen stößt, ist diese Hoffnung bitter nötig: in schwerer Krankheit, im Angesicht des Todes, in tiefer Trauer, in existentieller Not und Sorge um das tägliche Überleben. Da braucht es Helferinnen und Helfer, die von einer starken Hoffnung getragen sind – einer Hoffnung, die das Menschenmögliche übersteigt und die deshalb auch als göttliche Tugend bezeichnet wird. Man muss nicht gläubig sein, um aus dieser Hoffnung zu leben. Aber man muss eine Ahnung davon haben, dass es eine Kraft im Leben gibt, die unsere menschlichen Kräfte übersteigt und ohne die wir rettungslos verloren wären. Der Glaube gibt dieser Kraft einen Namen: Es ist der Geist Gottes selbst, der für uns eintritt, wo wir nicht mehr weiterwissen noch weiterkönnen.

Ein Herr und viele Glaubensweisen


Als Christen anerkennen wir Jesus als unseren Herrn. Sein Wort und Beispiel ermutigt uns zu einem Leben aus dem Glauben, das heißt aus dem unbedingten Vertrauen auf Gottes Fürsorge und Liebe. Wie Gott Jesus im Tod nicht alleingelassen, sondern ihn zum neuen Leben auferweckt hat, so dürfen auch wir im Angesicht des Todes noch Hoffnung auf neues Leben haben. Aus dieser Zusage leben wir als getaufte Christen alle gleichermaßen, aber zugleich jeder auf seine Weise. Das Christentum hat in verschiedenen Regionen und Kulturen unterschiedliche Formen angenommen. Es hat sich nicht nur in unterschiedliche Konfessionen ausgeprägt, sondern auch innerhalb dieser Konfessionen eine bunte Vielfalt von Gruppierungen hervorgebracht. Schließlich lebt jede und jeder Einzelne von uns sein Christsein ganz individuell, entwickelt seine eigenen Formen des Gebets und der Nächstenliebe, der Feier und des Glaubenszeugnisses. Das alles bedroht die Einheit nicht, sondern bringt das Evangelium in seiner ganzen Vielfalt zum Ausdruck, solange einer den anderen als Bruder oder Schwester im Glauben erkennt und anerkennt.

Ein Gott und viele Menschen

Als christliche Gemeinde und Kirche leben wir nicht auf einer Insel, sondern sind Teil der großen Menschheitsfamilie, deren Gedeih und Verderb uns nicht egal sein kann. Gott ist Vater und Mutter aller Menschen, der sie erschaffen hat und liebt. Alle Kulturen und Religionen verdienen unseren aufrichtigen Respekt. Demut und Bescheidenheit, die Jesus uns gelehrt hat, sind gerade gegenüber Andersdenkenden und Andersglaubenden am Platz. Das Evangelium Jesu, der sein ganzes Leben in den Dienst an den hilfsbedürftigen Menschen gestellt hat, kann nicht im Gestus des Triumphs und der Besserwisserei verkündet werden. Vielmehr kann jeder Mensch in seiner Art, zu leben und vielleicht auch zu glauben, uns etwas über Gott und seine schöpferische Liebe zur Welt lehren. Wie die Natur an Lebensformen unfassbar reich ist, so ist auch die Kultur des Menschen in ihren Ausprägungen unerschöpflich. Der eine Gott hat all dem Verschiedenen Raum gegeben und hält es zusammen als Anfang, Grund und Ziel der Welt. Diese Welt gilt es zu hegen und zu pflegen, diese Menschheit gilt es durch Menschlichkeit zu kultivieren.

Fürbitten
Zu Gott, dem Schöpfer der Welt und Vater aller Menschen, lasst uns beten:

- Für die Menschen auf der Suche nach der Berufung ihres Lebens: Leite und stärke sie durch deinen Geist.
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
- Für die Kirche in den verschiedenen Konfessionen: Lass sie ihrem Herrn Jesus Christus treu bleiben und zusammen die Vielfalt des Evangeliums bezeugen.
- Für die Menschheit in den verschiedenen Kulturen und Religionen: Flöße uns Ehrfurcht ein vor jedem menschlichen Leben.
- Für die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft: Lass sie die Vielfalt pflegen und die Einheit suchen, damit wir gut zusammenleben.
- Für die Verstorbenen: Lass unsere Hoffnung wahr werden und schenke ihnen ewiges Leben.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist in Ewigkeit. Amen.

Wilfried Eisele

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