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Leseprobe 2
Fronleichnam
Fronleichnam – das kostbare Erbe Jesu
Lesejahr B
Beitrag zum Evangelium

Einführung


Wir feiern Fronleichnam, ein altes Wort, heute kaum mehr verständlich. Wir feiern dieses Fest nicht nur aus Tradition. Es ist Ausdruck dafür, wasuns wichtig geworden ist und was wir gegenwärtig setzen: Jesu Hingabe für uns. Rückblickend sind wir für seine Hingabe dankbar. Wir blicken nicht nur zurück. Vorausschauend blicken wir auf eine Zukunft, die uns Gott durch Jesus bereithält. Rückblick und Ausblick sind die Dimensionen des Fronleichnamsfestes.

Kyrie-Ruf

Herr Jesus Christus, du bist das Brot, das wir empfangen.
GL 154 »Kyrie, Kyrie eleison«
Die Kommunion mit dir ist Nahrung für unsere Zukunft.
GL 154 »Kyrie, Kyrie eleison«
Kostbar ist das Geheimnis unseres Glaubens.
GL 154 »Kyrie, Kyrie eleison«

Tagesgebet
Guter Gott, in der Feier der Eucharistie gedenken wir des Bundes, den Jesus Christus in deinem Namen mit uns geschlossen hast. Dabei blicken wir nicht nur zurück. Wir feiern auch unsere Hoffnung, dass dieser Bund eine Brücke in die Ewigkeit ist, die uns verheißen ist.
Stärke diesen unseren Glauben an deine bleibende Gegenwart. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 642 »Zum Mahl des Lammes schreiten wir«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 493 »Preise Zunge das Geheimnis« und GL 175/1 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 282 »Beim letzten Abendmahle«
Gesang zur Kommunion
GL 498,2–3 »Hier ist das wahre Osterlamm«
Dankhymnus
GL 492 »Jesus, du bist hier zugegen«
Schlusslied
GL 495 »Sakrament der Liebe Gottes«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mk 14,12–16.22–26 (Evangelium)

Sehr knapp schildert Markus das letzte Paschamahl Jesu mit seinen Jüngern, das zum letzten Abendmahl wird. Er schildert die Deuteworte Jesu zu Brot und Wein. Und dann folgt der Hoffnungssatz, dass er von der Frucht des Weinstocks nicht mehr trinken wird, bis er im Reich Gottes ist. Keine lange Abschiedsrede wie bei Johannes. Keine Aufforderung, diese Gesten und die Deutung Jesu immer wieder zu wiederholen wie bei Lukas 22,19: »Tut dies zu meinem Gedächtnis.«

Jesus hinterlässt uns eine Geste und ein Deutewort als immaterielles Erbe. In der Eucharistie greifen wir auf dieses immaterielle Erbe zurück, aber nicht nur als dankbarer Blick in die Vergangenheit. Die Eucharistie eröffnet eine Verheißung auf die Zukunft: Der von Jesus erneuerte Bund ist unsere Zukunft.

Dass immaterielle Erbschaften wichtig sind, kennen wir Menschen aus dem eigenen Leben. Oft sind eine Haltung oder das Verhalten der Eltern oder Großeltern oder auch ein Wort von ihnen wichtig geworden.

Es lässt uns dankbar zurückblicken auf unsere Vorfahren, aber daraus erwächst manchmal auch eine Kraft oder eine Verheißung für die Zukunft.

Die Eucharistie als Geschenk Jesu an uns hat eine doppelte Dimension: die Anknüpfung an die Geschichte Jesu vor 2000 Jahren und eine Verheißung für die Zukunft. Die Predigt geht dieser doppelten Dimension nach.

Ein zweiter Gedanke entfaltet die Predigt mit dem Wort »Lebensmittel«. Dabei sind nicht nur Getränke und Speisen wichtige Mittel, um zu leben, sondern auch die Beziehung zu Menschen. Gerade in der Pandemie erleben wir, wie die angeordnete Distanz und die Kontaktverbote das Leben negativ beeinflussen. Wir vermissen wichtige »Lebensmittel«.

Fronleichnam ist ein Fest der Dankbarkeit für die Liebe Jesu zu uns und eine Nahrung für die Hoffnung, die der Bund Jesu mit uns Menschen nährt.

Predigt

Die Kommunion als Lebensmittel

Fronleichnam – ein Fest zur Verehrung der Eucharistie. Wir sind dankbar, dass dieses kleine Stück Brot der Eucharistie uns Christen ein wichtiges »Lebensmittel« geworden ist. Das wenige Brot, das wir in der Messe empfangen, sättigt uns nicht im leiblichen Sinn. Aber es sättigt uns, wie eine Beziehung nur sättigen kann. Eine echte, tragende, treue Beziehung ist ein wichtiges Lebensmittel. Es lässt uns nicht nur leben, sondern bereichert unser Leben. Lebensmittel sind nicht nur Speisen und Getränke. Lebensmittel sind auch im übertragenen Sinn die Beziehungen zu Menschen. Gerade in der Pandemie (die wir langsam hinter uns haben, haben wir erkannt)1 erkennen wir, wie lebenswichtig Beziehungen und Kontakte sind. Wir leben nicht vom Brot allein. Selbst die herrlichste Mahlzeit ist fade, wenn wir sie alleine genießen müssen. Die Eucharistie ist ein Lebensmittel, weil es die Beziehung zu Jesus, die Kommunion mit ihm vertieft. Die Eucharistie ist übersetzt »Danksagung« für unsere bisherige Geschichte mit Jesus. Sie ist aber auch Ausdruck unserer Hoffnung, dass wir durch Jesus eine Zukunft haben, über den Tod hinaus.

Die Hinterlassenschaft Jesu


Das heutige Festevangelium hat uns Markus geschrieben. Er schreibt vom letzten Paschamahl Jesu mit seinen Jüngern vor seiner Verhaftung und Hinrichtung. Im Wissen um dieses letzte Mahl des Beisammenseins macht Jesus ein Geschenk. Es ist wie eine Hinterlassenschaft. Es sind nur einige Worte und zwei Gesten, die er seinen Jüngern und uns als heutige Jüngerinnen und Jünger hinterlässt. Das sieht aus wie eine magere Hinterlassenschaft.

Immaterielles Erbe


Manchmal ist das immaterielle Erbe genauso wichtig, wenn nicht wichtiger als die geerbten Dinge. Wir bringen das zum Ausdruck, wenn wir sagen: Mein Vater hat gesagt … und ich muss oft daran denken. Es ist sehr hilfreich. Oder: An meiner Oma habe ich immer bewundert, dass … und ich möchte gerne etwas von dieser Art meiner Oma haben. Immaterielles Erbe kann unser Leben bereichern, es sind kostbare Geschenke.

Was Jesus uns hinterlässt


Jesus hat materiell nichts zu vererben. Er war bei seiner Geburt schon arm und ist es als junger Mann geblieben. Auch hat er keine Lehre verfasst, sie aufgeschrieben oder diktiert und als Nachlass seinen Jüngern gegeben. Er ist den Menschen begegnet, hat sich auch ihren schwierigen oder kranken Situationen gestellt. Diese Begegnungen und seine Gespräche und Auseinandersetzungen mit den Menschen haben Markus und die anderen Evangelisten aufgeschrieben. Was kann er seinen Jüngern mitgeben als Hinterlassenschaft, die dann weitergereicht wird bis zu uns heute?

Er hinterlässt uns eine Geste und ein Wort. Sie sind wie eine Art Zusammenfassung seines Lebens. Mit Blick auf das Brot: Nehmt, das ist mein Leib. Jesus war belebend, stärkend, tröstend für viele Menschen. Er hat Menschen eine lebenswerte Zukunft eröffnet. Er hat Schuld nicht schöngeredet, sondern sie angesprochen und durch Vergebung einen Lebensweg ermöglicht. Er war wirklich wie ein Lebensmittel für viele. Und er ist es im Namen Gottes für uns heute auch.

Und dann nimmt er beim letzten Mahl den Kelch mit Wein und sagt: Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird. Er besiegelt seine Verkündigung mit seinem Blut. Für die Erneuerung des Bundes zwischen Gott und Mensch gibt er sein Leben.

Diese beiden Worte zu Brot und Wein sind nicht nur rückblickend wie eine Zusammenfassung des Lebens Jesu. Sie sind auch Worte, die Zukunft ermöglichen. Es steckt eine Verheißung in diesen Worten: Dieser Bund verbindet uns mit der Ewigkeit Gottes. Die Eucharistie ist die Brücke zwischen Zeit und Ewigkeit.

Geschenke verbinden Vergangenheit und Zukunft

Wenn wir einem geliebten Menschen, einem guten Freund, dem Enkelkind oder wem auch immer ein Geschenk machen, dann soll das Geschenk ausdrücken, wie wichtig und kostbar der oder die Beschenkte für uns ist. Es soll den Dank ausdrücken für die gute Beziehung. Es ist der dankbare Blick in die Vergangenheit. Aber in dem Geschenk steckt auch eine Hoffnung, dass die Beziehung in Zukunft bereichernd für unser Leben bleibt und auch tragend. Ein Geschenk hat diese beiden Dimensionen: Dank für die Vergangenheit und Hoffnung für die Zukunft.

Fronleichnam – Dankbarkeit und Hoffnung

Die Eucharistie, das Geschenk Jesu an uns, nehmen wir dankbar an als Ausdruck seiner Liebe. In der Eucharistie steckt auch die Verheißung einer großen Zukunft bei Gott. Der Bund, den Jesus erneuert hat, verbindet unsere Zeit mit Gottes Ewigkeit. In der Eucharistie feiern wir diesen Bund, der unser Leben in die Ewigkeit Gottes weitet. So ist Fronleichnam ein Fest der Dankbarkeit und der Hoffnung: Dankbarkeit für das immaterielle Erbe, das Jesus uns hinterlassen hat. Und Hoffnung, die Jesus uns macht auf die Kommunion im Reich Gottes.

Fürbitten
Unsere Augen sehen Brot und Wein, unser Glaube sagt: In diesem Brot und diesem Wein ist Jesus Christus unter uns gegenwärtig. Seine Gegenwart aber reicht über den heutigen Festtag hinaus in unseren Alltag hinein. Zu Jesus Christus rufen wir:

- Dein Geist wecke in uns die Dankbarkeit, dass wir in der Eucharistie Kommunion mit dir feiern können aus unserem Alltag in Gottes Ewigkeit hinein.
(Christus, höre uns. – Christus, erhöre uns.)
- Deine Liebe zu uns Menschen entzünde uns, damit wir Freude und Leid mit den Menschen in unserer Umgebung teilen.
- Deine Lebenshingabe forme unsere Gottesdienstgemeinden zu gastfreundlichen Gemeinschaften, in denen sich die verschiedensten Menschen willkommen fühlen.
- Deine Gegenwart im eucharistischen Brot sei allen Trost und Hoffnung, die sich in allen Teilen der Erde um den Altar versammeln.
- Besonders beten wir für die vielen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen, die sich rund um unsere Kirchtürme für deine Gemeinden einsetzen.
- Deinen Verheißungen gemäß lass unsere Verstorbenen im Reich deines und unseres Vaters Frieden finden.

Denn du schenkst dich uns selbst in der Gestalt von Brot und Wein. Durch diese Gaben sei verherrlicht und gepriesen in Ewigkeit. Amen.

Karl-Heinz Sülzenfuß

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