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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 3
12. Sonntag im Jahreskreis
Glaubensgeburt
Lesejahr B
Beitrag zur Lesung

Einführung


»Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.« Was ein bisschen wie der ersehnte Abgesang auf die Corona-Pandemie klingt, ist ein Zitat, das wir heute in der zweiten Lesung hören. Paulus, der zwar nichts von COVID-19, aber sehr viel von der Bedrohlichkeit des Lebens wusste, ermutigt uns, die Welt mit all ihren Stürmen – auch davon werden wir hören – unter einem neuen Blickwinkel zu sehen: dem Blickwinkel der Auferstehung. Begrüßen wir Christus in unserer Mitte, der gestorben ist, damit wir das Leben haben.

Predigt


Zum Text: 2 Kor 5,14–17 (2. Lesung)


Als Freunde von mir mit ihrem ersten Kind schwanger waren, nahmen sie spaßend und mit einem Augenzwinkern kurz vor dem Geburtstermin noch einmal alles mit, auf was sie in Kürze wohl würden verzichten müssen: Kinobesuche, Spieleabende, das Feierabendbier mit Kollegen – einmal mit und einmal ohne Alkohol. Auch wenn sie es sich noch nicht recht vorstellen konnten, waren sie sich doch im Klaren, dass die Ankunft des kleinen Menschen ihr Leben komplett auf den Kopf stellen würde. Die freien Abende werden bald auch wieder zurückkommen, aber die Geburt eines Kindes verändert das Leben radikal. Sie machen ein Paar zu Eltern. Und vom Moment der Geburt an werden sie Vater und Mutter sein – und bleiben bis an ihr Lebensende, sind die Kinder auch noch so erwachsen. Vater- und Muttersein lässt sich nicht rückgängig machen, und es hört niemals auf.

Im Licht der Auferstehung: Jesus


Vielleicht hilft der Vergleich mit der Geburt eines Kindes, um das zu verstehen, was Paulus in der zweiten Lesung aus dem Korintherbrief beschreibt. Er spricht von Jesus, den seine Zeitgenossen noch persönlich gekannt hatten: diesen Mann aus Nazaret mit seiner faszinierenden Persönlichkeit und ansprechenden Botschaft, mit dem die Jünger eine Weile unterwegs gewesen waren. Ein Mann, der aber auch sperrig und unbequem war und Dinge sagte, die sie nicht hören wollten oder permanent missverstanden: über niemanden zu urteilen, seinen Feinden zu verzeihen, alle gleich zu lieben. Und vielleicht das Schwerste: die eigenen Ambitionen und Erwartungen an das kommende Gottesreich aufzugeben. Als die Mutter (da haben wir es!) von Johannes und Jakobus Jesus bittet, ihren Söhnen im Himmelreich die besten Plätze zu geben, zieht dieser ihr gepflegt den Zahn. Und als Petrus ihn nach seiner Leidensankündigung so sympathisch vor allem bewahren will, schmeißt Jesus ihm das Wort »Satan« an den Kopf. Es ist beinahe tröstlich zu sehen, wie oft die Jünger danebenliegen. Unter dem Kreuz ist dann keiner von ihnen mehr zu finden. Wie soll man es auch anders als Scheitern und Ende verstehen?

Dann jedoch passiert etwas, das alles zusammenbringt und alles verändert. Und wie bei der Geburt eines Kindes hat auch dieser Moment mit neuem Leben zu tun: Jesus bleibt nicht im Tod, sondern wird von Gott auferweckt. Er zeigt sich den Jüngern, und diese Begegnung »gebiert« und löst etwas in ihnen aus, was sie Jesus und sich selbst neu verstehen lässt. Denn von diesem Augenblick an ist nichts mehr wie vorher und es gibt auch kein Zurück mehr. Aus den ängstlichen Jüngern mit der langen Leitung sind mutige Väter und Mütter im Glauben für uns alle geworden.

Im Licht der Auferstehung: alle anderen

Jesu Tod und Auferstehung heißt aber nicht nur, den Mann aus Nazaret in neuem Licht zu sehen. Paulus sagt, dass wir von nun an niemanden mehr nur »dem Fleische nach kennen«: Wir sollen alle Menschen als von Christus geliebt sehen. Vor einigen Wochen sah ich ein Programm über Obdachlosigkeit im Fernsehen. Eine Frau, die alles verloren hatte, sprach unter Tränen von der Gleichgültigkeit, die sie erfährt. Und schließlich sagte sie einen Satz, der mich mitten ins Herz traf: »Wissen die Leute denn nicht, dass auch ich eine Mutter habe?« Mit anderen Worten: Wissen sie denn nicht, dass auch ich geliebt bin? Das ist der Blick, zu dem Paulus uns drängt: Seht eure Mitmenschen als von Christus geliebt an – und dann hört auf, sie zu beurteilen; vergebt ihnen; helft ihnen. »Solange wir Menschen nicht mit Barmherzigkeit betrachten«, schreibt der englische Dominikaner und frühere Ordensmeister Timothy Radcliffe, »sehen wir sie nicht richtig [… Liebe] ist aufmerksam für die Besonderheit und Einzigartigkeit der Menschen.«1

Der offensichtliche Ort, an dem wir diesen Blick einüben, ist die Eucharistiefeier. Wir kommen mit Menschen zusammen, die nicht wir uns ausgesucht haben, sondern die von Christus eingeladen sind. Und dazu gehören alle: die, die uns nahestehen, genauso wie vollkommen Fremde; die, die wir mögen, genauso wie die, gegen die wir eine gepflegte Abneigung haben; die Frommen genauso wie die Sünder (oder die, die wir dafür halten). Durch die lange Zeit der Corona-Pandemie haben uns Online- und Fernsehgottesdienste geholfen. Ich hoffe dennoch sehr, dass sie nicht zum neuen Normalzustand werden. Wir müssen uns wieder gegenseitig sehen: uns ins Gesicht schauen, unsere Stimmen hören und uns die Hände zum Friedensgruß reichen – gemeinsam im Angesicht dessen, der jeden von uns und uns alle in gleicher Weise liebt.

Der Glaube verändert die Art und Weise, wie wir als Menschen in der Welt unterwegs sind, radikal. Dabei werden wir unsere glaubensstarken und -schwachen Momente haben. Aber haben Eltern die nicht auch?

Fürbitten

Im Vertrauen auf die Liebe Gottes lasst uns beten:

- Für die Christen in aller Welt, die ihr Leben aus dem Glauben an die Auferstehung gestalten.
- Für die Regierenden, die in der Unübersichtlichkeit der Welt nach den richtigen Entscheidungen suchen.
- Für werdende Eltern, die sich mit Freude oder auch Sorge auf die Geburt ihres Kindes vorbereiten.
- Für alle Notleidenden und Kranken, die sich als vom Leben abgeschnitten erfahren.
- Für unsere Verstorbenen, dass sie in dir das ewige Leben finden.

Denn du, allmächtiger Gott, bist unsere Stärke, unser Schutz und unser Heil. Wir loben dich und danken dir durch Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen

Anmerkung:
1 Timothy Radcliffe OP, Warum Christ sein. Wie der Glaube unser Leben verändert, Freiburg i. Br. u. a. 2014, 208.

Sabine Schratz

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