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Leseprobe 3
Christi Himmelfahrt
Geht hinaus!
Lesejahr B
Beitrag zum Evangelium

Einführung

Seit dem Osterfest sind nun schon 40 Tage vergangen. Am heutigen Tag feiern wir Christi Himmelfahrt und werden daran erinnert, dass Jesus sich nach seiner Auferstehung nicht beliebig lange den Jüngern gezeigt hat, sondern ihren Augen und ihrem Zugriff entzogen und in den Himmel aufgenommen wurde. Die Jünger waren spätestens von diesem Tag an herausgefordert, das innere Feuer am Brennen zu halten und den Menschen die Frohe Botschaft zu verkünden. Der Heilige Geist als Beistand wurde ihnen zugesagt. Auch wir benötigen diesen Beistand und bitten heute und in den kommenden Tagen in besonderer Weise um das Wirken dieses Geistes in unserem Leben.

Kyrie-Ruf
Jesus Christus, deine Jünger haben deine Fürsorge und Menschennähe erfahren.
Herr, erbarme dich.
Du hast nicht nur ihnen, sondern uns allen den Heiligen Geist als Beistand zugesagt.
Christus, erbarme dich.
Wir wollen unser Herz öffnen, um dem Heiligen Geist in uns Raum zu geben.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Guter Gott,
du hast deinen Sohn in die Welt gesandt und durch ihn den Menschen deine Liebe und Menschenfreundlichkeit offenbart. Er hat mit den Menschen gelebt und vor seiner Himmelfahrt seinen Jüngern verheißen, dass sein Geist in ihnen weiterleben wird.
Lass uns offen sein für den Empfang und das Wirken des Geistes in uns, damit wir die Fülle des Lebens und der Freude erfahren und an andere weitergeben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Liedvorschläge

Gesang zur Eröffnung
GL 339 »Ihr Christen hoch erfreuet euch«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 345 »Veni Sancte Spiritus« und GL 174/2 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 184 »Herr, wir bringen in Brot und Wein«
Gesang zur Kommunion
GL 344 »Komm herab, o Heilger Geist«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 525 »Freu dich, du Himmelskönigin«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mk 16,15–20 (Evangelium)

Die heutige Perikope Mk 16,15–20 bildet den Schluss des Markusevangeliums, der nach übereinstimmender exegetischer Einschätzung nicht vom Evangelisten selbst stammt, sondern erst im zweiten Jahrhundert von Verfassern aus der jungen Christengemeinde ergänzt wurde. Der hinzugefügte Schluss schlägt in verdichteter Form den Bogen von der Entdeckung des leeren Grabes (dem ursprünglichen Ende des Markusevangeliums in Mk 16,8) über die Zusammenfassung verschiedener Erscheinungsberichte aus anderen Evangelien (Mk 16,9–14) bis hin zu der Perikope, die der vorliegenden Predigt zum Himmelfahrtstag zugrunde liegt. Zentral ist hier – auch wiederum in äußerst verdichteter Form – die Sendungsrede des Auferstandenen an die Jünger vor seiner Aufnahme in den Himmel. Neben der Thematisierung der finalartigen Verdichtung sollen in der Predigt vor allem drei Aspekte hervorgehoben werden: Der unbedingte Sendungsauftrag, die Erfahrung von Wirkmächtigkeit und schließlich die Zusage von Beistand – auch im Kontext der Vorbereitungen auf das Pfingstfest und der Bitte um den Heiligen Geist. Die entscheidende Bewegung ist das Hinausgehen, auch als Weckruf an die heutigen Christen, die »Selbstbespiegelung« (Papst Franziskus) aufzugeben und ihren Auftrag als Getaufte und Gefirmte aufrecht und selbstbewusst wahrzunehmen – mitten in der Welt in all den Fragen, die sich heute stellen und die Antworten von jedem und jeder Einzelnen fordern.

Predigt

Wie ein Feuerwerk

Das heutige Evangelium mutet an wie das große Finale eines Feuerwerks. Erinnern Sie sich für einen Moment an das letzte Mal, als Sie so etwas erlebt haben – zum Beispiel am Ende eines Festivals, einer Kirmes oder eines Heimatfestes. Man steht da im Dunkeln und wartet gespannt auf den Beginn des Spektakels. Mit dem ersten Böller geht es los. Unweigerlich richtet sich der Blick nach oben zum faszinierenden Lichterspiel am Nachthimmel. Unzählige glitzernde Funken in unterschiedlichen Formen und Farben. Eine Inszenierung in Wellen – mal schnell und dicht getaktet, dann auch wieder ruhiger in der Abfolge der Leuchtkörper, oft auch dramaturgisch untermalt durch die passende Musik. Augen und Ohren folgen den Eindrücken und nehmen einen ganz gefangen – bis es zum großen Finale kommt. Wie Paukenschläge wird das Feuerwerk zum Ende hin in immer kürzerer Abfolge gezündet. Man kommt kaum mehr nach. Die Luft ist erfüllt von Nebelschwaden, die Böller knallen laut und pochend. Und dann ein letzter Schlag, die letzte große, oft spektakuläre Formation. Schnell verglühen die restlichen Funken im Nachthimmel. Was bleibt, ist die Erinnerung an eine eindrucksvolle sinnliche Erfahrung.

Das große Finale

Wie solch ein eindrucksvolles Finale wurde auch der heutige Text des Evangeliums verfasst und dabei sehr bewusst und sorgfältig komponiert. Es sind die allerletzten Verse aus dem Markusevangelium, die allerdings nicht vom Evangelisten selbst stammen, sondern nach übereinstimmender bibelwissenschaftlicher Einschätzung erst im zweiten Jahrhundert als Nachtrag hinzugefügt wurden. Ursprünglich endete das Markusevangelium nämlich mit der Entdeckung des leeren Grabs durch die Frauen. »Sie fürchteten sich« waren da die letzten Worte – was als finale Botschaft wohl nicht sehr rund und motivierend wirkte. Deshalb also die späteren redaktionellen Ergänzungen, basierend auf den Erfahrungen der jungen christlichen Gemeinde, so wie sie auch in der Apostelgeschichte beschrieben wurden. Der heutige Text fasst diese Erfahrungen stakkato-artig zusammen und vermittelt sie als zentrale Botschaften aus dem Munde Jesu. Da ist zunächst der Sendungsauftrag an die Jünger: »Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!« Taufen sollen sie und den Glaubenden ihre Rettung zusagen. Quasi als Beweis für die Legitimität ihres Auftrags werden dann auch die Zeichen beschrieben, an denen die Jünger zu erkennen sind: Dämonen werden sie austreiben, in fremden Sprachen reden, giftigen Tieren und Substanzen trotzen und durch Handauflegung Kranke heilen. Finale Worte, große Knaller sozusagen vor dem allerletzten Akt: »Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.« Was für eine dichte Abfolge, was für eine Dramaturgie und was für ein Ende des Evangeliums. Ganz zum Schluss heißt es dann: »Sie aber zogen aus und verkündeten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte das Wort durch die Zeichen, die es begleiteten.«

Sendung, Wirkung, Beistand

Eine Textkomposition mit viel Dramaturgie und Pathos, wie wir heute sagen würden. Aber es wäre zu kurz gegriffen, bei dieser eher oberflächlichen Betrachtungsweise stehen zu bleiben. Was ist die tieferliegende Botschaft und was bedeutet sie auch für uns, 2000 Jahre später? Drei zentrale Inhalte betreffen Christen damals wie heute: die von der Sendung, der Wirksamkeit und vom himmlischen Beistand.

Da ist ganz grundlegend die Sendung zu den Menschen. »Geht hinaus!«, heißt es unmissverständlich. Die Christen sollen heraustreten aus ihren vermeintlich sicheren Räumen und die Frohe Botschaft von Heil und Rettung verkünden. Christentum ist keine Wohlfühlreligion nur für mich selbst und es geht auch nicht primär um meine individuelle Frömmigkeit oder mein eigenes »Seelenheil«. Was ich glaube, soll ausstrahlen auf andere und soll zum Ausdruck kommen – in meinen Worten, aber vor allem auch in meinem Tun. Jeder Gottesdienst, den wir feiern, endet genau damit: dass wir, genährt durch das Wort und das geteilte Brot, wieder hinausgehen, dorthin wo wir leben und arbeiten. »Gehet hin in Frieden!«, lautet die Entlassungsformel, die zugleich auch beinhaltet: Gehet hin und bringt Frieden, bringt Freude, gute Worte, Perspektive und neue Hoffnung zu den Menschen. Und seid dadurch Verkündiger und Verkündigerinnen des Evangeliums, der frohen Botschaft von einem Gott, der zu uns steht und mit uns geht. Nicht nur, aber auch in dieser schwierigen Zeit der Pandemie, die Menschen hier und weltweit so viel abverlangt.

Ein zweiter Aspekt: die Wirksamkeit unseres Handelns. Spektakulär ist das, was im Evangelium beschrieben wird: Dämonen werden die Jünger austreiben, andere Sprachen sprechen, Kranke heilen und immun sein gegen Gift. Zu schön, um wahr zu sein, mag man da schnell denken, zumal Christsein ganz sicher nicht schützt vor Leid und Krankheit. Um was geht es? Ganz grundlegend wohl darum, dass unser Handeln als Christen auch eine Wirkung entfaltet. Als Getaufte sind wir gesalbt mit Würde und zugerüstet für ein Leben, das nach außen strahlt. Und einen Unterschied macht. Jede und jeder ist herausgefordert, an seinem Ort und in seinem Umfeld aufrecht zu stehen und wirkmächtig zu handeln. Das mag sich äußern in sozialem Tun, im konkreten Einsatz für Gerechtigkeit, in der politischen Mitgestaltung demokratischer Prozesse, im Engagement für die Bewahrung unserer Schöpfung und vielem mehr. Mein Einsatz ist wichtig – aufrecht, mutig und mit Wirksamkeit. Zumal dann vielleicht mehr geschieht, als ich mir selbst zugetraut hätte.

Denn das ist der dritte, entscheidende Aspekt: Wir sind und wir handeln nicht allein. Am heutigen Himmelfahrtstag ist dies eine wichtige Botschaft, dass Jesus Christus zwar in den Himmel aufgenommen wurde, zugleich aber den Beistand des Heiligen Geistes zugesagt hat. Um diesen Geist beten wir in besonderer Weise in den kommenden Tagen bis zum Pfingstfest. Geistbegabt und gefirmt dürfen wir aber auch schon jetzt darauf vertrauen, dass unsere Schritte begleitet werden und dass eine Kraft in uns wirksam ist, die über uns hinausweist. Und die uns zum Handeln treibt – in der Verbundenheit mit Christus, aber auch in der Verbindung mit allen Glaubenden und den unzähligen Menschen guten Willens. Lassen wir uns immer wieder ermutigen, dem göttlichen Geist in uns Raum zu geben, damit er ausstrahlen kann und wir gemeinsam am Reich Gottes in dieser Welt bauen. Dabei mag vieles im Verborgenen bleiben, aber vielleicht auch an der einen oder anderen Stelle große und eindrückliche Erfahrungen ermöglichen. Wie ein Feuerwerk von Licht und gutem Geist. Als Hoffnungszeichen für unsere Welt!

Fürbitten
Guter Gott, dein lebendiger Geist ist uns verheißen. Er will uns von innen her erfüllen und zum Handeln ermutigen. Wir bitten dich:

- Um den Geist der Liebe für alle, deren Herz sich nicht mehr berühren lässt von der Not anderer Menschen.
- Um den Geist der Wahrheit für alle, die Menschen mit verschwörerischem Gedankengut negativ beeinflussen und Zwietracht säen.
- Um den Geist der Lebendigkeit für alle, die sich in ihren Lebensmöglichkeiten eingeengt und erstarrt fühlen.
- Um den Geist des Mutes für alle, die durch Krankheit oder die Erfahrungen in der Pandemie resigniert haben und keine Kraft mehr spüren zum Weiterleben.
- Um den Geist des Trostes für alle, die trauern um den Verlust eines geliebten Menschen.

Guter Gott, wir brauchen deine Nähe und deinen Beistand. Stärke unser Vertrauen, dass du mit uns auf dem Weg bist, heute und alle Tage unseres Lebens. Amen.

Annegret Hiekisch

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