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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
Pfingstsonntag
Die Sprache der Liebe
Lesejahr A – B – C
Beitrag zum Evangelium

Einführung


Jedes Jahr ruft uns die Aktion Renovabis zur Solidarität mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa auf. »Renovabis« heißt übersetzt: »Du wirst erneuern«. Das ist die Zusage Gottes, die wir heute feiern: Gottes Geist kommt zu uns Menschen, um uns selbst, die Schöpfung und die ganze Welt zu erneuern!
Nehmen wir am Anfang dieses Gottesdienstes all das ins Gebet, was neuwerden soll in unserem persönlichen Leben. Und vertrauen wir Gottes Geistkraft an, was erneuert werden muss zwischen den Menschen der verschiedenen Völker unserer Erde.

Kyrie-Ruf

Herr Jesus Christus, deine Geistkraft wärmt, was in unserer Welt kalt und hart ist und unsere Herzen versteinert.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, deine Geistkraft löst, was in unserer Kirche gelähmt und erstarrt ist und neue Wege behindert.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, deine Geistkraft heilt, was in unserem Leben krank und verwundet ist und sich nach Rettung sehnt.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Gott der Liebe,
dein Geist verwandelt Angst in Vertrauen, Lähmung in neuen Aufbruch, Abschottung in lebendige Gemeinschaft.
Erfülle uns mit deiner Kraft und dring bis auf unserer Seele Grund. Lass unsere Herzen überfließen von deiner Liebesbotschaft, damit wir sie weitersagen an alle Menschen, die sehnsüchtig auf sie warten. Erneuere uns und das Antlitz der ganzen Erde.
Darum bitten wir dich, der du lebst und liebst in Ewigkeit.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 346 »Atme in uns, Heiliger Geist«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 344 »Komm herab, o Heil´ger Geist« und GL 174/1 »Alleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 342 »Komm, Heilger Geist, der Leben schafft«
Gesang zur Kommunion
GL 209 »Du teilst es aus mit deinen Händen«
Dankhymnus
GL 489 »Lasst uns loben, freudig loben«
Schlusslied
GL 347 »Der Geist des Herrn erfüllt das All«

Vorüberlegungen


Zum Text: Joh 20,19–23 (Evangelium)

In meinem Predigtvorschlag verbinde ich das Evangelium, in dem der Auferstandene der ängstlichen Jüngerschar begegnet, mit der bekannten Pfingstlesung aus der Apostelgeschichte. Die Jünger wachsen durch die Begegnung mit Christus von der Angst ins Vertrauen und damit in eine Liebesfähigkeit, die an Pfingsten in einem neuen Verstehen-können unter Menschen mündet.

Diese Bewegung veranschauliche ich einerseits durch den Erzählstrang des Musicals »My fair Lady«. In ihm wird deutlich, dass Sprachbarrieren zwischen Menschen nur überwunden werden, wenn sich alle als gleichwertig anerkennen. Andererseits greife ich einen Text von Christel Voß-Goldstein auf, in dem die Sprache beim Pfingstereignis als die »Ich-bin-dir-gut-Sprache« bezeichnet wird.

Beide Motive zeigen auf, dass es der universellen Sprache der Liebe bedarf, damit Menschen einander im Tiefsten verbunden sind. Dies wirdmöglich durch die Geistkraft Jesu Christi, in der sich alle als unterschiedslos geliebte Kinder Gottes begreifen.

Predigt

Sprache trennt

»Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen.« Kennen Sie diesen Satz aus dem Musical »My Fair Lady«? Mit ihm übt das mittellose Blumenmädchen Eliza Doolittle die feine englische Sprache. Sie will in die Londoner High Society aufsteigen. Angestoßen hat dieses Experiment der etwas schräge Professor Higgins. Er wettet, dass einzig die Sprache über die Gesellschaftsschicht eines Menschen entscheidet.

Sprache, die über Menschen entscheidet … Das kennen wir vielleicht auch aus eigener Erfahrung. Auch wir sortieren Menschen, je nachdem, wie sie reden. Wir registrieren sehr genau, ob jemand sächselt oder schwäbelt, ob jemand gebildet spricht oder keine Grammatik beherrscht, ob jemand einheimisch ist oder – wie wir sagen – in gebrochenem Deutsch redet. Und wir teilen ein, ob bewusst oder unbewusst, ob jemand zu uns gehört oder nicht.

Sprache verbindet

Aber wir kennen auch das andere: Menschen verstehen sich jenseits der sprachlichen Barrieren. Wann haben wir das zum letzten Mal erlebt? Dass ein Mensch uns blind und ohne viele Worte versteht, dass da Herzen übereinstimmen, ohne dass alles gesagt sein muss?

Vielleicht erinnern wir uns auch, dass wir – vermutlich vor Corona – in einem fremden Land Urlaub gemacht haben und uns nur mühsam mit Händen und Füßen verständigen konnten. Und wir haben trotzdem in freundlich lächelnde Gesichter geschaut und gespürt, dass die anderen uns unsere Bedürfnisse an den Augen ablesen.

Sprache kann trennen und Sprache kann verbinden, je nachdem, in welchem Geist wir Menschen uns begegnen. Doch was macht uns offen und was verschließt unsere Herzen? Ich behaupte, es hat vor allem mit Angst zu tun, wenn wir uns abschotten und gegen das Fremde abgrenzen.

Angst verschließt Herzen

Den Geist der Angst spüren wir auch bei den Jüngerinnen und Jünger, die uns im heutigen Evangelium begegnen. Sie haben die Türen verrammelt. Sie wollen mit niemandem sprechen, denn sie fürchten sich. Was ist übrig geblieben von ihrem Leben nach dem Tod Jesu? Was ist übrig von der Idee des Reiches Gottes, von der Leidenschaft ihrer Nachfolge? Wie soll es weitergehen inmitten von Menschen, die ihnen feindlich gesinnt sind? Sie wissen es nicht.

Manche von ihnen möchten am liebsten zurück nach Galiläa, um wieder das zu tun, was sie gelernt haben: Fische fangen. Andere sind noch unentschlossen. Sie warten sehnsüchtig auf – ja auf was eigentlich? Auf Ähnliches, so denke ich, wie wir selbst im Moment auch: Darauf, dass das Leben zurückkommt. Die Sicherheit. Das Selbstvertrauen. Darauf, dass irgendein Wunder geschieht.

Vertrauen öffnet Herzen

Und Gott wäre nicht Gott, wenn er nicht etwas Wunderbares auftun könnte. Jesus Christus kommt in ihre Mitte. Verschlossene Türen und Herzen können ihn nicht aufhalten. Er kommt in die Mitte der Jüngerinnen und Jünger und bringt ihnen Frieden. Der ist am nötigsten, damals wie heute. Denn Jesus weiß, dass die Angst ein schlechter Ratgeber ist. Angst macht eng. Angst lähmt. Angst grenzt aus. Und so pflanzt der Auferstandene Stück für Stück einen neuen Geist in die verwundeten, sehnsüchtigen Herzen seiner Freunde. Viele Male begegnet er ihnen, hört ihnen zu, schenkt ihnen sein Wort und seine Nähe, damit schließlich aus Angst Zuversicht, aus Trostlosigkeit neuer Mut, aus Verzagtheit neue Liebe wird. Davon erzählen uns die Ostergeschichten in den Evangelien ein ums andere Mal. Wie gut, wenn wir spüren, dass sie auch uns gelten, um in unseren Herzen für Vertrauen zu werben!

Das Wunder von Pfingsten

Und Pfingsten? In der Apostelgeschichte hören wir, wie der neue Geist Fahrt aufnimmt. Es ist unbeschreiblich, was es mit diesem Geist auf sich hat. Von Feuer und Sturm ist die Rede, von Herzenswärme und einem freien Geist. Wir spüren: Die Starre fällt plötzlich ab. Die Tür ist offen. Die unsichtbaren Barrieren sind wie weggewischt.

Doch das eigentliche Wunder von Pfingsten ist noch größer. Es besteht darin, dass alle sich verstehen. Mühelos. Über die Sprachgrenzen hinweg. Vor allem aber über die Grenzen der Angst hinweg, die Menschen zwischen sich errichten. Da gibt es keine Feinde mehr, nein, da verstehen sich Menschen unterschiedlichster Herkunft, weil ihre Herzen zueinander finden und sie eines Sinnes werden in der Geistkraft Jesu Christi.

Das macht trunken, das macht selig. Sich verstehen in einem umfassenden Sinn. Ich glaube, es ist eine der tiefsten Sehnsüchte in unserem Leben überhaupt: dass wir uns nicht mehr erklären und rechtfertigen müssen. Dass wir nicht Angst haben müssen, in Schubladen zu landen und gegen falsche Urteile anzukämpfen. Sondern dass wir unser Innerstes mitteilen dürfen und darin angenommen sind, ganz und gar.

Die Sprache der Liebe

»Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen.« Eliza Doolittle übt blütenreines Englisch und merkt doch, dass sie damit in der feinen englischen Gesellschaft noch lange nicht angenommen ist. Das ändert sich erst, als sie und Professor Higgins eine ganz andere Sprache miteinander lernen, die Sprache der Liebe. Christel Voß-Goldstein hat in einem Text über Pfingsten geschrieben: »Die Leute in Galiläa haben die Sprache der Liebe gesprochen, keine wohlgeformten Sätze, sondern die Ich-bin-dirgut-Sprache …«

Sie ist der Schlüssel: die Ich-bin-dir-gut-Sprache. Es ist die Sprache des Herzens, die jeder Mensch versteht. Was könnte diese Sprache nicht alles zum Guten verändern in unserer Welt, gerade jetzt! Wenn Hass und Hetze im Netz aufhörten und einer Sprache des Respekts wichen. Wenn Machthaber der Völker vom »Wir-zuerst« zum »Wir-sitzen-alle-in-einem-Boot!« zurückkämen. Wenn wir in unserer Kirche gut sprächen über alle, die durch unsere moralischen Raster fallen. Wenn Familien und Nachbarn, Freunde und Feinde und wir alle einander zusagten: Ich bin dir gut!

Es ist die Sprache Gottes, die bekennt, dass alle Menschen gleich sind und zusammengehören, weil wir alle Gottes Kinder sind. In dieser Zusage können wir uns festwurzeln. Dann fällt die Angst von uns ab, und wir sind geschwisterlich verbunden mit allen Menschen auf Gottes weiter Erde. Ich bin dir gut. Leben wir in dieser Geistkraft, nicht nur an Pfingsten.

Fürbitten
Gott der Liebe, wir brauchen dich und deinen heilenden Geist für unser Leben und für unsere Welt. Deshalb vertrauen wir dir unsere Bitten an:

- Wir bitten für die Menschen in Mittel- und Osteuropa, die noch immer in großer materieller Not leben müssen.
(GL 312/2 »Sende aus deinen Geist«)
- Wir bitten für die Menschen in den Kriegsregionen dieser Welt, die nicht zur Ruhe kommen und sich nach Frieden sehnen, und für die Menschen in den Flüchtlingslagern an den Grenzen Europas, die auf unsere Hilfe hoffen.
- Wir bitten für alle, die sich unermüdlich für die Verständigung zwischen Menschen, Völkern und Religionen einsetzen und dabei auf Barrieren der Angst stoßen.
- Wir bitten für alle, die nie erfahren haben, dass andere ihnen gut sind, und die darum in Angst und Unsicherheit gefangen bleiben.
- Wir bitten für uns selbst, die wir Sehnsucht haben, verstanden und geliebt zu sein.

Gott der Liebe, wir ersehnen, dass deine Geistkraft uns und diese Welt erneuert. Du bist bei uns und lässt uns nie allein. Dafür danken wir dir und wir preisen dich heute und an jedem Tag bis in Ewigkeit. Amen.

Claudia Schmidt

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