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Leseprobe 3
Karfreitag
Gott ist da, auch wenn wir uns verlassen fühlen
Lesejahr A – B – C
Beitrag II zum Evangelium (Passion)

Liedvorschläge

Antwortgesang I
GL 292 »Fürwahr, er trug unsere Krankheit« oder
GL 308/1 »Vater, in deine Hände« und Psalm
Antwortgesang II
GL 287 »Christus war für uns gehorsam«
Zur Passion
Nach Joh 18,27: GL 290 »Herzliebster Jesu«
Nach Joh 19,16a: GL 289,1–3 »O Haupt voll Blut und Wunden«
Nach Joh 19,42: GL 295 »O Traurigkeit«
Zur Kreuzverehrung
GL 300 »Heiliger Herre Gott«
GL 291 »Holz auf Jesu Schulter«
GL 294 »O du hochheilig Kreuze«

Vorüberlegungen

Zum Text: Joh 18,1 – 19,42 (Evangelium)


Der Karfreitag eröffnet den Raum, wo wir die Leiden unserer Zeit mit dem Leiden und dem Kreuz Jesu in Verbindung bringen dürfen. Wo sollenwir sie hinbringen, die Not von Einsamkeit und Krankheit in der Zeit der Pandemie oder das Ungewisse der Zukunft und die Aussichtslosigkeit der Menschen weltweit? Wo sollen wir sie hinbringen, wenn nicht vor das Kreuz Jesu Christi? Wem sollen wir sie sagen, die eigenen Lebens enttäuschungen, das erschreckende Hereinbrechen von Krankheit, die Schatten von Angst und das Elend von Ohnmacht an ganz unterschiedlichen Lebenspunkten, wem sollen wir sie hinhalten, wenn nicht dem Herrn am Kreuz? Unzählige Menschen bekennen, dass sie im Nachgehen des Kreuzweges Jesu und dem Betrachten seines Kreuzes Trost und Ermutigung haben finden können. Gott selbst ist ihnen da für ihr Leben aufgeschienen. Aber für viele Menschen ist dieser Gott – gerade an den Karfreitagen ihres Lebens – auch verdunkelt geblieben.

Predigt

»Wer, wenn ich schrie, hörte mich denn?« – fragt der Dichter. Ja, wenn einer unser Schreien hörte, wenn wir unser Leid jemandem entgegenhalten könnten, vielleicht auch entgegenschleudern, und wir mit unseren Kreuzen nicht absolut allein wären! – Gott sagt heute am Karfreitag zu uns: Kommt, wagt es, mich als DU anzureden, kommt und bringt eure Zweifel, eure Fragen mit!

Kann nicht der Kreuzweg Jesu selbst für ein ermutigendes Mitsein Gottes stehen? Jesu Leiden steht jedenfalls mit dem ganzen Leben Jesu in engstem inneren Zusammenhang. Mit seiner Art zu leben wollte Jesus zeigen, wie Gott ist, wollte er zeigen, dass Gott Liebe ist und wie weit er in seiner Liebe geht. Wie weit Gott in seiner Liebe geht, das hat Jesus am eindrücklichsten am Kreuz gezeigt. Im Bild Jesu, der das Kreuz auf sich nimmt und am Kreuz einen erschütternden Tod stirbt, in diesen letzten Lebenswegstationen, da kommt es ans Licht, wie weit Gott geht, da stellt sich heraus: Es ist gar keine Grenze in seiner Liebe gesetzt. Wenn Jesus zum Kreuz ja sagt, dann nicht aus Leidensverliebtheit, sondern »für« die Menschen, um ihnen die Wahrheit, die Wahrheit der Liebe, die sich bis zum Letzten hingibt, zu zeigen.

Die Leidensgeschichte nach Johannes zeigt, dass Jesus bis in die Todesstunde hinein innerlich mit seinem Gott unterwegs war und an ihm als lebendigem Gegenüber festgehalten hat.

Macht und Ohnmacht

Eindringlich und ergreifend haben wir es gehört: Jesus geht den langen Weg zum Kreuz und stirbt am Kreuz. Macht und Ohnmacht! Kraftvoll, voller Stärke wird Jesus in der Bibel geschildert, wie er sich in der Verkündigung seiner Botschaft so entschieden an die Seite der Ausgesetzten und Ohnmächtigen gestellt hat. Und jetzt erlebt er selber abgrundtief, was es heißt, Demütigungen ausgesetzt und ohnmächtig zu sein. Macht und Ohnmacht, beides zugleich: Stärke und Kraft im Auftreten, in der Verkündigung und kraftloses Sterben und Scheitern am Kreuz.

Jesu letzte Worte lauten: »Es ist vollbracht.« Meine Sendung ist erfüllt. Ich bin dort angekommen, wo ich immer gesagt habe, dass gläubiges Vertrauen ankommt. Gottverlassenheit und Gottvertrauen stehen also, besonders wenn man alle Evangelisten zusammen liest, unvermittelt nebeneinander. Wenn es etwas gibt, das unseren Fragen Trost schenkt, dann ist es das Jesusbild der letzten Stunde, das die Evangelisten zeichnen, als Jesus alle unsere quälenden Fragen in seiner Frage hinausgeschrien hat, als er tiefe Gottverlassenheit gespürt – und trotzdem an Gott festgehalten hat.

An Gott festhalten

Machen wir uns, wenn wir trotz allem an Gott festhalten, etwas vor? Ich glaube nicht. Zwar müssen wir zugeben: Es gibt Fragen, auf die wir keine Antwort finden werden – auch im Glauben nicht. »Es gibt Fragen, die nicht eigentlich gelöst werden wollen, sondern gelebt« (Romano Guardini). Wir können – um der unzähligen unschuldigen Opfer willen – das Dunkel des Karfreitags nicht wegretuschieren; der Karfreitag ist nicht einfach leichte Durchgangsstation zu lichtvollem Ostern, er bleibt wuchtige, schwer drückende Anfrage an unser Leben. Was wir aber dürfen, ist: Das Licht von Ostern auf den Karfreitag fallen lassen als Ausdruck eines letzten Vertrauens, dass Jesus in seiner Hingabe am Kreuz in die Hände seines verborgen anwesenden Gottes hineingestorben ist, als Ausdruck eines letzten Vertrauens, dass Gott den Ohnmächtigen nahe ist.

»Wer, wenn ich schrie, hörte mich denn?« Vor dem Gekreuzigten brauchen wir unsere Klagen und Fragen nicht verschweigen und in uns verschließen. Der Gott Jesu Christi, der im Kreuzweg Jesu verborgen gegenwärtig und mit seinem Sohn war, wiederholt in alle unsere Fragen hinein seine Einladung: Kommt, bringt vor mich, was auf eurer Seele lastet.

Fürbitten
(als Ergänzung zu den Großen Fürbitten)

Für die Not der Pandemie

Lasset uns beten für die Menschen auf der ganzen Welt, die unter der Pandemie leiden, für die Erkrankten und Einsamen, für die Toten und die Trauernden und für alle, die in Angst und Armut leben.
Beuget die Knie – Erhebet euch.

Barmherziger, ewiger Gott, dein Sohn Jesus Christus hat die Kranken geheilt und alle Schmerzen und Nöte der Welt getragen. Schau auf das Elend, die Not und die Leiden der Menschen und richte sie auf. Schenke Heilung und Trost. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Johannes Kreidler

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