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»Dienst am Wort«
Herausgeber
Unsere Autoren
Leseprobe 2
Fest der Darstellung des Herrn
Warten auf den Trost
Lesejahr A – B – C
Beitrag zum Evangelium

Einführung


Die Tage werden länger – haben mehr Licht, wie der alte Name »Mariä Lichtmess« sagt. Manche unter uns mögen in der Winterzeit darauf gewartet haben. Das Evangelium erzählt uns von Simeon, der auf den Trost Israels wartete und das kleine Kind im Tempel als Licht und Heil für die Völker erkannte. Feiern wir jetzt miteinander Gottesdienst und lassen uns von Jesus Christus, Trost und Licht für die Menschen, beschenken.

Kyrie
Ruf Jesus Christus, Trost und Hoffnung für die Wartenden.
Herr, erbarme dich.
Jesus Christus, Licht und Heil für die Völker.
Christus, erbarme dich.
Jesus Christus, Anstoß und Widerspruch für viele Menschen.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Ewiger und treuer Gott,
du hast den Erlöser, den Trost der Welt als ein kleines Kind uns gesandt. Lass uns ihn als deinen Sohn erkennen, lass uns mit ihm gehen und mit ihm dich preisen alle Tage unseres Lebens.

Liedvorschläge

Gesang zur Eröffnung
GL 258 »Lobpreiset all zu dieser Zeit«
Antwortgesang mit Ruf vor d em Evangelium
GL 448 »Herr, gib uns Mut zum Hören« und GL 544 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 549 »Es wird sein in den letzten Tagen«
Gesang zur Kommunion
GL 209 »Du teilst es aus«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 543 »Wohl denen, die da wandeln«

Vorüberlegungen

Zum Text: Lk 2,22–40 (Evangelium)

In dieser Predigt habe ich Lk 2,25 als Ausgangspunkt genommen. Dieses Warten Simeons beeindruckt, weil es eine große Offenheit einschließt. Das scheint mir an vielen Stellen im Gegensatz zu heute zu stehen, wo Erwartungen mit festgelegten Erfüllungsvorstellungen verknüpft werden und oft genug Enttäuschungen vorprogrammiert sind.

Ob Simeon ein kleines Kind erwartet hat? Jedenfalls war er bereit, sich auf Gottes Sohn einzulassen. Er nahm Jesus in die Arme und erkannte, dass dieses Kind der Trost Israels ist, auf den er gewartet hat.

Predigt


Simeon wartete auf den Trost Israels


Gerecht, fromm, der Heilige Geist auf ihm ruhend und wartend – so wird Simeon beschrieben. Er »wartete auf den Trost Israels«, was auch immer das bedeuten mag. Wie könnte dieser Trost Israels aussehen? Wie spürt man ihn? Und wenn Simeon auf Trost wartete: weshalb oder worüber war er traurig? Wir können es allenfalls vermuten und ein wenig aus der Zeitgeschichte ableiten. Vielleicht war Simeon traurig darüber, dass sein Volk beherrscht wurde von Machthabern, die nicht an den Gott Israels glaubten. Vielleicht hatte er auch gehofft, dass Gott sein Volk aus dieser Herrschaft befreit. Oder er war traurig, weil sich manche mit den Eroberern arrangierten, sich das Überleben sicherten und dabei religiöse Grundsätze und Praktiken aufgaben. Oder beobachtete er, dass sein Volk die Hoffnung verlor und gar nicht mehr auf Gott vertraute – letztlich nichts mehr erwartete? War sein Volk stumpf und gleichgültig geworden? Hatte die Erinnerung an die Befreiung aus der Sklaverei nichts mehr mit der Gegenwart zu tun und war zur bloßen Erinnerung geworden, ohne Kraft und Bedeutung? Wir wissen nichts Sicheres über Simeons Traurigkeit und doch möchte ich ihn gerne verstehen.

Meine Vorstellung von Simeon …

Ich stelle mir diesen alten Mann vor als einen, der genau hinhörte, der hinschaute, beobachtete und dann überlegte, wie all das zu verstehen sei. Einer, dem die Worte der Schrift halfen, seine Überlegungen zu ordnen. Ein Mann, der sein Leben und all das, was ihm begegnete, in die Beziehung zu Gott stellte und daraus seine innere und äußere Haltung, seine eigene Verstehensweise entwickelte. Simeon war »empfangsbereit«. Sein Herz, sein Ohr, seine Seele, sein Verstand waren offen, erwartend im ureigentlichen Sinn: nämlich nicht zu wissen, was oder wann es kommen wird, sondern hoffend, mit allen Sinnen bereit, achtsam, hörend – wie schon sein Name sagt. Shimon bedeutet »er, der zuhört, gehört hat«.

… hilft mir zu verstehen


Manchmal geht es mir wie Simeon. Ich bin traurig, oder besser gesagt, eine Traurigkeit erfasst mich, meine Seele. Keine Verzweiflung, sondern eine Art Hoffnungslosigkeit, eine grundlegende Enttäuschung, wenn ich erkennen muss, wie böse, wie hasserfüllt, ja, wie Gott-los Menschen sein können. Oft genug gerade die, die Macht haben und das Weltgeschehen bestimmen. Oder wenn ich keine Perspektive auf Veränderung zum Guten mehr entdecken kann. Wenn nicht einmal Pandemien, unvorstellbare Kriegsverbrechen oder Klimakatastrophen ein Umdenken initiieren. Wenn ich zusehen muss, wie die Menschen nicht nur sich selbst, sondern auch die Erde immer mehr zerstören und positive Beispiele schlichtweg zu wenige zu finden sind. Dann befällt mich tatsächlich eine große Resignation.

Worauf warte ich?

Aber – warte ich wie Simeon auf einen Trost? Hoffe ich allen Ernstes, dass es einen solchen Trost gibt, der allen Völkern Licht und Heil ist? Oder habe ich mich schon mit meiner Traurigkeit arrangiert, mich gar in ihr eingerichtet? Anders gesagt: wäre diese Erwartung nicht sogar ein Störenfried, weil sich dann nicht mehr so einfach jammern ließe? Ich weiß es nicht. Aber es fällt mir schwer, auf die Frage »Worauf wartest du wirklich, ganz tief und voller Sehnsucht?« zu antworten.

  • Wie geht es Ihnen mit einer solchen Frage: Worauf warten Sie? Welchen Trost erhoffen Sie mit ganzem Herzen?
  • Ich lade Sie ein, in der Stille darüber nachzudenken.
  • Wenn Sie vielleicht eine Antwort gefunden haben, möchte ich Sie gerne zu einer zweiten Überlegung einladen: Wie konkret sah oder sieht Ihre Erwartung aus? Sind Sie festgelegt in Ihrer Vorstellung?

Ohne Festlegung: Der Moment der Erkenntnis


Das Evangelium erzählt von dem Moment des »Wahrwerdens«, lange von Simeon herbeigesehnt und erhofft. Vom Heiligen Geist in den Tempel geführt, erblickt er das kleine Kind und spürt: Das ist er. Dieses Kind ist der Trost Israels, das Licht für alle Völker. Auf dieses Kind habe ich ein Leben lang gewartet. Simeon weiß, dass seine Worte für die anderen unverständlich klingen. Zumal ihm bewusst ist, dass Jesus Anstoß und Widerspruch erregen wird. Es wird nicht alles gut werden. Er ist kein billiger, kein oberflächlicher Trost, sondern einer, der aus der Lähmung und Resignation befreien kann. Das aber geht nicht ohne Schmerz, nicht mit einem einfachen »dann halt ein bisschen anders«, sondern mit einer klaren Entscheidung für Jesus einher.

Die Prophetin Hanna


Auch die Prophetin Hanna bezeichnet dieses Kind als den Erlöser Israels und verkündet allen: Das ist der, auf den ihr wartet, auf den ihr hofft. Ob die Menschen damals sich so den Erlöser Israels vorgestellt haben? Ein kleines Kind! Ein Kind, wie es viele gegeben hat und geben wird. Das klingt nicht sehr beeindruckend. Was sollte es denn von all den anderen Kindern, die in den Tempel gebracht wurden, unterscheiden? Hat das Volk nicht seit Jahrhunderten auf einen mächtigen Retter gehofft?

Hanna und Simeon waren in ihrer Vorstellung, wie der Trost Israels aussehen wird, nicht festgelegt, auch nach vielen Jahren des Wartens nicht. Immer noch sind sie Hörende und Sehende. Hanna und Simeon lehren mich den Unterschied zwischen der Erwartung und der Festlegung, wie die Erfüllung der Erwartung aussehen soll. Sie zeigen, dass Gott unsere Wünsche und unsere Hoffnung in ganz anderer Weise erfüllen kann. Beide sind Vorbilder, an meiner Hoffnung festzuhalten und gleichzeitig achtsam und hörend zu bleiben. Dann kann das Überraschende in die Hand genommen werden. Dann kann ich spüren: Ja, darauf habe ich gewartet. Das ist der Trost, der aus der Traurigkeit befreien kann.

Fürbitten

Gnädiger und großer Gott, mit Simeon und Hanna werden wir in den Tempel geführt, um Jesus Christus als Licht für die Völker zu erkennen. Sie zeigen uns, welche Kraft in der Hoffnung steckt.

- Simeon war gerecht und fromm. Die heiligen Schriften gestalteten sein Leben.
Wir bitten: Öffne Herz und Verstand der Herrscher für dein Wort, dass es zur Richtschnur ihres Handelns wird und Gerechtigkeit dem Unrecht Einhalt gebietet.
(GL 264/2 »Du bist das Licht, die Völker zu erleuchten«)
- Simeon und Hanna ließen sich von Gottes Geist führen
Wir bitten: Erfülle die Menschen mit deinem Geist, damit Ungeist, Verschwörungsfantasien und menschenverachtende Vorstellungen erkannt und bloßgestellt werden.
(GL 264/2 »Du bist das Licht, die Völker zu erleuchten«)
- Simeon und Hanna erkennen Jesus als Erlöser und Licht für die Völker.
Wir bitten: Lass uns erkennen, dass Jesu Botschaft die Welt verändern kann, weil sie ein Leben in Freiheit und Würde für alle fordert und Menschen bewegt, nicht nur in ihrem eigenen Interesse zu handeln.
(GL 264/2 »Du bist das Licht, die Völker zu erleuchten«)
- Simeon wartete auf den Trost Israels.
Wir bitten: Lass unsere Sehnsucht und unsere Hoffnung nicht verkümmern. Schenke uns Geduld und Dialogbereitschaft
(GL 264/2 »Du bist das Licht, die Völker zu erleuchten«)
- Hanna preist Gott für dieses Kind. Wir bitten: Lass uns die Stimme erheben, um unseren Glauben zu verkünden und von unserer Hoffnung zu erzählen.
(GL 264/2 »Du bist das Licht, die Völker zu erleuchten«)
- Simeon und Hanna lehren uns, an unserer Hoffnung festzuhalten.
Bitten wir – laut oder in der Stille – um das, wonach wir uns sehnen und worauf wir hoffen.
(GL 264/2 »Du bist das Licht, die Völker zu erleuchten«)

Gnädiger und treuer Gott, du schenkst und Trost und Zuversicht. Du befreist uns aus unserer Traurigkeit und Resignation. Du rettest uns aus unserer Not. Dafür danken wir dir und preisen dich durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Barbara Janz-Spaeth

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