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»Dienst am Wort«
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Einführung
Liebe Leserinnen und Leser,

als Predigerinnen und Prediger ist es unsere tägliche oder sonntägliche Aufgabe, Texte auszulegen, d. h. ihre Bedeutung auf unsere Gegenwart und unsere Erfahrung hin aufzuspüren. Wir wissen, dass unsere Predigt dann ankommt, wenn sie einen Anknüpfungspunkt an den Erfahrungen unserer Zuhörerinnen und Zuhörer hat, aber noch viel mehr, wenn sie deren Erfahrungen inspiriert und deutet. So gesehen sind wir Meisterinnen und Meister der Deutung oder könnten es sein! Oft habe ich in den letzten Wochen gehört und gelesen und bei mir selbst kritisch bedacht, dass wir Kirchenleute uns an der Deutung unserer Jetzt-Zeit vorbeigemogelt und versagt haben. Bei den Leuten ist nur die negative Abgrenzung angekommen – die Corona-Pandemie sei keine Strafe Gottes! Wer kann das eigentlich mit Sicherheit behaupten? In der Begleitung von Trauernden habe ich gelernt, dass eine falsche Deutung besser ist als gar keine, Letzteres entspricht nämlich der Erfahrung der Sinnlosigkeit. Und die »falsche« Deutung, z. B. beim frühen Tod eines nahen Angehörigen, bietet wenigstens einen kommunikablen Anknüpfungspunkt. Ich glaube auch nicht, dass die Pandemie und ihre – für alle Menschen bedrohliche oder für manche Menschen tödliche – Folge eine Strafe Gottes sind. Aber wenn ich das Prophetenwort des Jesaja auf die gegenwärtige Zeit anwende, das lautet »Du hast uns der Gewalt unserer Schuld überlassen« (Jes 64,6), liege ich dann verkehrt mit meinen Deutungsversuchen? Die Wirkung des COVID-Virus hat durchaus etwas mit den Lebensverhältnissen, den angeblich ökonomischen Zwängen, mit der Klimakatastrophe und den Umweltbedingungen zu tun. Die »Dreckschleuder Mensch muss sich zurücknehmen und die Natur atmet auf!« – das hat Gotthard Fuchs in »Christ in der Gegenwart« geschrieben. Wohl wahr! Trauen wir uns, es zu sagen? Wir alle wissen, dass der Tun-Ergehens-Zusammenhang als Deutungsmuster für das Verhältnis zwischen Gott und Mensch nicht stimmt und von Jesus vehement abgelehnt wurde. Aber wir kennen auch das Wort Jesu, das er seinen Zeitgenossen vorhält: »Ihr Heuchler! Das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten?« (Lk 12,56) Sicher dürfen wir Deutungen nicht behaupten, aber anbieten dürfen wir sie schon. Die biblischen Texte der Advents- und Weihnachtzeit bieten dazu eine Fülle von Anknüpfungspunkten.

Eine erfüllte und den Umständen entsprechend kreative Zeit wünscht Ihnen für die Herausgeber und den Verlag
Anton Seeberger

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