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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 3
Christkönigssonntag
Wer regiert die Welt?
Lesejahr A
Beitrag zur Lesung

Einführung


Ist ein Leben ohne zu atmen möglich? Ebenso wenig, sagt Romano Gaurdini, könne ein Christ ohne zu beten auf Dauer existieren. »Betet ohne Unterlass!«, ermahnt Paulus die Christen in Thessaloniki. Wie soll das gehen? Nur dann, wenn wir unser ganzes Leben als Gebet verstehen. Gebet ist mehr als das gesprochene Wort, es umfasst alles, was wir in christlicher Hoffnung tun. Möge Gott zu Beginn dieser neuen Woche im Brechen des Brotes unseren Glauben, unsere Hoffnung und unsere Liebe stärken.

Predigt

Zum Text: Ez 34,11–12.15–17 (1. Lesung)

Geld regiert die Welt


Christus ist der König, so lautet die Botschaft des heutigen Christkönigssonntags. Doch sieht die Realität nicht ganz anders aus? Spontan kommt mir die alte Frage in den Sinn: Wer regiert die Welt? Wer hält eigentlich die Fäden in der Hand und hat das Sagen? Sicherlich kennen Sie alle den Spruch, das Geld regiert die Welt und ich denke, an dieser Redewendung ist nach wie vor manch Wahres dran.

Freilich werden wir in unserem Land nicht einfach vom Kapital beherrscht, schließlich haben wir eine soziale Marktwirtschaft und leben in einer Demokratie. Aber steht nicht jede Demokratie in der Gefahr, um des Profits und des Geldes willen manipuliert und ausgehöhlt zu werden? Machen Lobbyismus und Korruption nicht immer wieder von sich reden?

Letztendlich regieren eben doch nur Menschen die Welt und Machtbesessenheit, Habgier und Bestechlichkeit erscheinen da oft als nur allzu menschliche Schwächen. Wie anders ist es sonst zu erklären, dass etwa in Syrien ein Friede so lange Zeit auf sich warten lässt oder in Europa sich gelebte Solidarität oft genug als schwierig erweist und nationale Tendenzen immer wieder überwiegen, ja selbst in unserem Land Menschen fremder Herkunft als Gefahr für Wohlstand und Besitz angesehen werden?

Nächstenliebe regiert die Welt

Wer regiert die Welt? Diese Frage scheint einfach zu sein; je genauer man sie betrachtet, umso schwieriger aber wird sie. Denn ist es nur das Geld? Ist es nur das Streben nach Reichtum und Einfluss? Ich glaube nicht, denn mit dieser Antwort würde man all denen Unrecht tun, die sich aus wirklich aufrichtigen Motiven heraus für die Menschenrechte, für mehr Humanität und soziale Gerechtigkeit in dieser Welt einsetzen. Wer sich im sozialen und karitativen Bereich engagiert, auch der prägt das Gesicht dieser Welt, nicht aber durch eigennütziges Streben, sondern durch seine Selbstlosigkeit, Hilfsbereitschaft und Menschenliebe.

Wer regiert die Welt? Um eine ehrlich Antwort zu geben, müssen wir wohl beides zugleich sagen: Gewinnmaximierung und Machtbesessenheit, ebenso aber auch Solidarität und Nächstenliebe. Dabei spüren wir jedoch, dass die Gefahren, die vom Streben nach Besitz und Macht ausgehen, nicht zu unterschätzen sind. Letztlich sind wir eben doch nur Menschen, die allzu oft der Verführung unterliegen.

Israels Königtum als gescheitertes Experiment

Eben dies hatte auch der alttestamentliche Prophet Samuel vor Augen, als er dem israelitischen Volk ausmalte, welche Möglichkeiten des Machtmissbrauches einem König zur Verfügung stehen. Denn nachdem die Israeliten ihr Land in Besitz genommen hatten, da genügten ihnen ihre Richter nicht mehr, die bis dahin in Streitfällen für gerechte Urteile sorgten. Ein König sollte über sie herrschen, so wie bei den anderen Völkern ringsum auch. Von Anfang an warnten die Propheten vor der Gefahr einer solchen Position. Sie könnte vergessen machen, dass der eigentliche König Israels Gott ist und er auch in Zukunft der eigentliche Herr der Israeliten sein soll. Die Propheten sahen die Verführung, die ein solch irdisches Königsamt in sich birgt – und das mit Recht. Denn das israelitische Volk machte harte Zeiten durch. Ungerechte und raffgierige Könige unterdrückten sie, brachten sie ins Exil und setzen sie der Demütigung aus, unter fremder Herrschaft leben zu müssen.

Im babylonischen Exil trat nun der Prophet Ezechiel auf und sprach, wie wir in der Lesung hörten, seinem Volk Trost und Hoffnung zu: Fasst Mut und habt Vertrauen. Alles wird sich ändern. Ausbeutung, Unterdrückung und Verschleppung werden ein Ende haben. Denn: »So spricht Gott, der Herr: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern.« Gott will nun also selbst für sein Volk der gute Hirt sein und für sein Volk sorgen. Wie ein guter Hirte wird er die Deportierten und in fremde Länder Zerstreuten wieder sammeln und heimführen. Er wird dem Unrecht und der Ausbeutung für immer ein Ende setzen und den Schwachen zu ihrem Recht verhelfen.

Christus der wahre König

Die Prophetie des Ezechiel hat sich erfüllt, Gott hat Wort gehalten in seinem Sohn Jesus Christus. »Ich bin der gute Hirte«, sagt Jesus im Johannesevangelium, »ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich.« Und vor Pilatus bekennt er: »Du sagst es, ich bin ein König.« Ja, Jesus Christus ist der gute Hirt, der wahre König. Denn ein Regierungsprogramm wie das seine hat die Welt noch nie gesehen. Gab es jemals einen König außer Christus, der sich als Diener aller verstand? »Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen.« Das ist sein Lebensmotto, vorbehaltlos für den anderen da zu sein, und so ist er der allein wahre König, der sich selbstlos in den Dienst der Mensch stellt: der Blinde wieder sehend macht, Lahme zum Gehen ermächtigt, Aussätzige in die Gemeinschaft ruft, Gefangene in die Freiheit führt, Verlorene sucht, Verletzte verbindet und Zerschlagene wieder aufrichtet. Seine Krone ist ein Dornengeflecht, sein Zepter sein eigenes Leben: »Ich gebe mein Leben hin für die Schafe« und das Kreuz wird schließlich zu seinem Königsthron, denn für seine Art zu regieren wurde er ans Kreuz genagelt.
Indem Jesus die Spottrufe und die an ihm geübte Gewalt nicht mit Hass und Drohworten beantwortete, sondern mit dem Schweigen in Liebe, stellte er erst recht unter Beweis, wer in Wirklichkeit die Welt regiert: die Güte und Liebe Gottes. Durch seine Auferstehung strafte er alle anderen Antworten ein für alle Mal Lügen. Weder Macht noch Geld haben einen solchen Einfluss wie die Liebe. Wie viele Königreiche, Regierungen und Regime, die ihre Untertanen für sich sterben ließen, hat diese Welt schon gesehen? Alle sind vergangen außer dem Königreich der Liebe. Denn das Kreuz Jesu war nicht das Ende, sondern erst der Beginn seiner Herrschaft. Christus wirkt überall, wo Menschen das Brot brechen und zu teilen beginnen, wo Menschen, die obdachlos sind, ein Zelt aufgespannt wird, entgegen rassistischen Entgleisungen für die Würde aller Menschen das Wort erhoben wird, anstatt Wunden aufzureißen, verbunden wird oder anstelle des Pochens auf Recht Versöhnung geübt wird.

Mein Beitrag?


Wer regiert die Welt? Vordergründig wohl der Mensch in all seiner Schwachheit und der Gefahr zur Verführung, letztlich aber ist Christus der König. Letztlich, so sagt uns der heutige Christkönigssonntag, hat allein die Liebe Zukunft. Ja, die Liebe, Christus selbst, ist im Kommen und er wird kommen, um sein Reich zu vollenden. Wie er am Pfingsttag durch die verschlossenen Türen kam, so warten wir auf sein Kommen in Herrlichkeit, auf dass Gott alles in allem werde. Bis dahin sind wir eingeladen, am Reich Christi mitzuarbeiten, am Reich der Liebe, der Gerechtigkeit und Freiheit, des Friedens und der Versöhnung.

In der Taufe wurde mit Chrisam gesalbt. Jede und jeder von uns besitzt eine königliche Würde. Diese Würde ist Gabe und Aufgabe zugleich, denn die Teilhabe am Königsein Jesu Christi lädt uns ein zur Ausübung seiner Herrschaft, zum Dienst der Liebe. Jesus hat einmal zu den Jüngern gesagt: »Bei den Machthabern dieser Welt ist es so, dass sie die Völker unterdrücken. Bei euch soll es nicht so sein. Wenn einer bei euch der Erste, der Führende sein will, dann soll er der Diener aller sein.«

Jetzt wird der Christkönigssonntag auch zur Anfrage an uns: Wovon lasse ich mich leiten? Wo bin ich mir mein eigener König und missbrauche meine Position zur Herrschaft über andere? Wo bin ich zum Dienst bereit und wofür setze ich meine Lebenskraft ein? Diesen Fragen müssen wir uns in aller Offenheit stellen, soll der Christkönigssonntag nicht spurlos an uns vorübergehen.

Fürbitten

Aus unserer Schwachheit und Not rufen wir voll Zuversicht zu dir, unserem Gott:

- Für alle in unserem Umfeld, die sich einsetzen für Frieden und Freiheit und ihre Stimme mutig erheben gegen Unrechtund Ungerechtigkeit. – Stille – Gott, unser Vater:
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
- Für jene aus unserer Gemeinde, die verunsichert sind und deren Glaube dem Zweifel gewichen ist. – Stille – Gott, unser Vater:
- Für die Menschen, mit denen wir uns schwertun und mit denen wir nicht mehr auskommen. – Stille – Gott, unser Vater:
- Für die Entrechteten und Entmündigten, mit denen wir mitfühlen und mitleiden. – Stille – Gott, unser Vater:
- Für unsere Verstorbenen. – Stille – Gott, unser Vater:

Gütiger Gott, wir vertrauen auf deine Hirtensorge, darauf, dass deine Liebe alles zum Guten wendet. Doch nicht unser, sondern dein Wille geschehe. Dir sei Dank und Lobpreis in Zeit und Ewigkeit. Amen.

Christoph Böttigheimer

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