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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 3
27. Sonntag im Jahreskreis
An Gottes Rettung zu glauben, heißt nicht, passiv zu verharren
Lesejahr A
Beitrag zum Evangelium

Einführung


Viele Gemeinden begehen in diesen Tagen das Erntedankfest. Man kann auch den Altar festlich schmücken und dabei im Jahreskreis voranschreiten. Kirche ist nicht nostalgisch, sondern zukunftsgerichtet. Wie das? Weil unser Gott die Zukunft ist, weil er nach vorne schaut, weil er Großes mit uns vorhat. Das Danken und Innehalten will dabei nicht vergessen werden.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus, du hast uns die Liebe des Vaters gezeigt.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du schenkst uns die Liebe des Vaters im Heiligen Geist.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus, dein Geist vollende das gute Werk, das der Vater in der Schöpfung begonnen hat.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Messbuch – 27. Sonntag im Jahreskreis

Liedvorschläge

Gesang zur Eröffnung
GL 427 »Herr, deine Güt ist unbegrenzt«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 429 »Gott wohnt in einem Lichte« und
GL 175/4 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 477 »Gott ruft sein Volk zusammen«
Gesang zur Kommunion
GL 421 »Mein Hirt ist Gott«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 457 »Suchen und fragen« oder
GL 869 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »O heilger Leib des Herrn«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mt 21,33–43 (Evangelium)

Die Mahnung Jesu an seine Zeitgenossen ist bei Matthäus unüberhörbar geworden und zugleich weiß der Messias um die vergebliche Wirkung seiner Rede. Die Bedeutung seiner Sendung steht bei ihm jedoch außer Zweifel. Die Passionsthematik wird auf dem Gang nach Jerusalem nun unüberhörbar, dabei löst Jesus sie einerseits von seiner Person ab durch die Dokumentation entfesselter Gewalt gegenüber allen Mahnern. Zugleich aber gipfelt die menschliche Untat in ihrer Gottferne in der Tötung des göttlichen Erben. Erlösung im Sinne eines Sieges über den Tod kann indes nur der Auferstandene selbst bringen – nach Jerusalem, nach Gethsemane und Golgota, nach dem Ostermorgen.

Predigt

Eine aktuelle Auslegung gewünscht?

Das Gleichnis von den bösen Winzern ist in der Wucht seiner Aussage härter, als wir denken. Nicht seiner Brutalität wegen, sondern wegen seiner Bedeutung. Schnell denkt man religionsgeschichtlich bei dem Erben an Jesus und bei den Winzern an das treulose Volk Israel. Doch was ist, wenn sich diese Erzählung an uns richtet? Das Evangelium meint – in Anwesenheit des Auferstandenen gehört – immer die gegenwärtige Gemeinde. Was, wenn die Menschheit als Ganzes gemeint ist? Wir können ähnlich weit ausschreiten, wenn wir sagen: Der Weinberg ist die Schöpfung, ist die Erde!

Die Erlösung des Menschen hat einen hohen Preis

Gott hat uns die Schöpfung in unsere Verantwortung übertragen. Die Bibel sagt im ersten ihrer Bücher, der Mensch solle herrschen über die anderen Geschöpfe, die ihm wiederum untertan sein sollen. Doch trotz dieser Eindeutigkeit im Hinblick auf die Stellung des Menschen, lehrt die Bibel nicht, dass der Mensch im Zentrum von allem steht. Er bleibt selbst Untertan, bleibt selbst verwiesen auf den Ursprung aller Dinge, auf den Schöpfergott. Nur das vergisst er immer wieder und sie auch. Die Menschen sündigen bereits im Paradies und damit nicht aus einer Notlage heraus. Die Menschen ignorieren Gottes Ordnung, zumindest blenden sie sein Gesetz aus. Das Gleichnis von den bösen Winzern spitzt zu und erweitert die Paradiesgeschichte um die Dimension der Erlösung, besser: des Erlösers. Der Erbe in der Erzählung wird wie ein letzter Prüfstein gesetzt. Fast scheint sich der Besitzer des Weinbergs weniger Gedanken um die Unversehrtheit seines Kindes zu machen als um die Bekehrung der Winzer. Wir erinnern uns an die Osternacht: Um den Knecht zu erlösen, gabst du den Sohn dahin. Und auch Paulus lässt dieser Gedanke nicht los, wenn er Briefe an seine Gründungen schreibt auf seinen zahlreichen Missionsreisen. Der Vater gibt seinen Sohn dahin, Gott gibt sich hin

So hoch ist der Preis ohne Erlösung

Doch das Menschengeschlecht, exemplarisch vertreten durch die Winzer, bringt den Sohn um. Man kann sich vorstellen, wie diese Kriminellen den Weinberg in Zukunft bestellen. Es dreht sich hier ja nicht allein darum, künftige Erlöse nicht mehr abführen zu müssen. Ohne geschuldete Loyalität, ohne freie Selbstverpflichtung – was immer auch die Motivation der Moral sein mag – werden die Mörder ihre Gewalt gegeneinander richten. Der Weinberg wird ausgebeutet, aber nicht gehegt und gepflegt. Es ist schwer, nicht an die Situation des Ökosystems Erde zu denken, nicht an den Zustand der internationalen Beziehungen, nicht an den Weltfrieden und nicht an den Umgang der Menschen untereinander. Man möchte fast Gott anklagen, weil er so naiv sein Erbe aufs Spiel gesetzt hat, indem er solchen Pächtern vertraut hat. Von außen gesehen jedenfalls ist die Sache klar. Die Winzer gehören bestraft! Das Gut muss ihnen genommen werden. Ganz direkt kann man sagen: Wenn wir nicht besser mit der Umwelt vor der Haustür, in der Region und überall auf der Welt umgehen, werden wir unser Erbe und künftige Generationen aller Lebewesen ihr Leben verlieren.

Die Lage ist ernst


Wer findet, dass solche Worte zu hart sind, der kann sich vorstellen, wie das Winzergleichnis damals bei Jesu Zeitgenossenschaft ankam. Jesus deutet mit diesem Gleichnis seine Mission. Seinen Auftrag in und an der Welt. Das Bild vom Weizenkorn blitzt auf, das sterben muss. Wir erinnern ferner vielleicht auch das Wort des Auferstandenen vom Sterbenmüssen des Gottgesalbten auf der Wanderung nach Emmaus. Die Unumgänglichkeit der Gewaltanwendung an einem unschuldigen Opfer – nicht nur, aber sogar, wenn es Gottes Sohn ist – ist eben auch Thema aller Evangelien. Menschen erlitten und erleiden Gewalt, aber eben auch andere Lebewesen, die ganze Natur. Papst Franziskus beschreibt im Film, den der Regisseur Wim Wenders über seine Person und seine Botschaft gemacht hat, die Natur als das erbarmungswürdigste Subjekt unserer Zeit.

Wie kann der Ausweg gelingen?

Wenn wir an Erlösung denken, dann empfinden wir in unseren Erinnerungen das Ausbleiben des Schmerzes und das Abstellen des Leidens zuerst. Wir müssen, ohne Psychologen zu sein, feststellen, dass diese Erlösung von außen kommt. Ein Retter, eine glückliche Schicksalswendung, manchmal sogar der Tod.

An Erlösung zu glauben, heißt nicht passiv zu sein

Bei der Erlösung durch den Gottgesandten sind wir aber nicht passiv, sondern zu höchster Aktivität ermutigt. Oft wird gerade aus religiöser Perspektive heraus behauptet, von sozialen Verwerfungen ausgelösten Protesten oder lautstark vorgetragenen Umweltschutzanliegen wohne der Keim der Selbsterlösung inne. – Wir denken an den Kommunismus und andere totalitäre Systeme. – Das ist sicher zu bedenken, aber Gott braucht uns, um die Welt zu retten. Und wir brauchen Gott. Wir können nicht mehr dahinter zurück, uns selbst als Menschheit und der Natur Gewalt angetan zu haben. Wir können das Paradies nicht erzwingen und jeder Versuch macht alles nur noch schlimmer. Wir können uns aber an Gott wenden. Und er? Kommt uns längst entgegen. Aus dieser umfassenden Zuwendung Gottes, die selbst den Tod überwinden kann – so das Evangelium Jesu Christi –, folgt die Erlösung, Rettung und jeder Neuanfang. Insbesondere Christinnen und Christen stellen sich in den Dienst dieser umfänglichen Rettungsaktion. Das Große dürfen wir dabei Gott überlassen. Im Kleinen geht es nicht ohne uns.

Zum Schluss das Exsultet

Wahrhaftig, umsonst wären wir geboren, hätte uns nicht der Erlöser gerettet. O wahrhaft heilbringende Sünde des Adam, du wurdest uns zum Segen, da Christi Tod dich vernichtet hat. O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden!

Fürbitten

Für seine Sorge und seine Liebe, mit denen Gott uns ständig umgibt, erwartet er von uns die Frucht der Dankbarkeit und Treue. Ihn, der uns sein Reich bringt, rufen wir inständig an. Vater des Lebens:

- Lass alle, die den Menschen dein Erbarmen verkünden und bezeugen, bereitwillige Aufnahme finden.
- Bringe jene Menschen zur Umkehr, die sich aus Stolz oder Verbitterung gegen deine Forderung auflehnen.
- Hilf den Opfern von Gewalt, Willkür und Hass, an deine Gerechtigkeit zu glauben und ihren Gegnern zu verzeihen.
- Gib, dass wir nicht aus Gleichgültigkeit oder Selbstsucht deine Einladung übergehen und deshalb dem Gericht verfallen.

Gott des Erbarmens, du entziehst uns nicht deine Liebe, obwohl wir uns oft dir widersetzen. Mache uns den Ernst deiner Mahnung begreiflich, damit du uns als Retter, nicht als Richter begegnest. Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn. Amen.

Bernd Herbinger

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