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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
28. Sonntag im Jahreskreis
Die Einladung Gottes
Lesejahr A
Beitrag zum Evangelium

Einführung


An den Sonntagen der Corona-Zeit spüren wir einen deutlichen Widerspruch zwischen Zahl und Zusammensetzung der Gottesdienstbesucher und dem Anspruch, der in den Texten der Heiligen Schrift zum Ausdruck kommt, die in diesen Gottesdiensten verlesen werden. Das ist auch heute der Fall. Viel zu groß scheint der Mantel für die Gemeinde zu sein, wenn sie Trägerin der universalen Botschaft vom Heil Gottes für alle Menschen sein will.

Selbstsicher aber sind wir als Kirche, wenn wir vergessen, dass wir Zeichen und Werkzeug Gottes zu sein haben in dieser Welt. Vor dem Anspruch der universalen Sendung Christi versagt der Einzelne und versagt die Gemeinde. Wir haben Grund, um Vergebung zu bitten.

Kyrie-Ruf
GL 163/6 »Herr Jesus, du bist unser Friede«

Tagesgebet

Messbuch – 28. Sonntag im Jahreskreis

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 146 »Du rufst uns, Herr, an deinen Tisch«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 37/1 »Der Herr ist mein Hirt« mit 37/2 (Psalm 23) und GL 175/2 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 186 »Was uns die Erde Gutes spendet«
Gesang zur Kommunion
GL 492 »Jesus, du bist hier zugegen« oder
GL 873 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Sei gegrüßt, du edle Speis«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 427 »Herr, deine Güt’ ist unbegrenzt«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mt 22,1–14 (Evangelium)

Wissen wir Menschen heute noch, was es heißt, ein Fest zu feiern? Was haben Partys und Events mit einem Fest im ursprünglichen Sinn zu tun? Im Fest, von dem in den Evangelien die Rede ist, wird greifbar und anschaubar, worauf wir Menschen hoffen, wenn wir auf das Reich Gottes hoffen.

Das Fest ist ein Angebot, das das ganze Leben verwandeln kann. Mahlgemeinschaft als Ausdruck engster Lebensgemeinschaft. Reich Gottes meint freudige und herzliche Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch, wobei der Mensch an der Fülle des Lebens Gottes teilnehmen darf. Gott bietet den Menschen seine Liebe und seine Gemeinschaft immer an. Keiner ist zu gering, keiner zu armselig, um von der Einladung ausgeschlossen zu sein. Er tut dies durch Jesus Christus und Christus lässt durch die Kirche seine Einladung ergehen. Das Gleichnis steht in der Tradition der alttestamentlichen Verheißungsrede der Propheten.

Predigt


Das Wesentliche dieses Gleichnisses lässt sich kurz zusammenfassen: Ein wohlhabender Mann, ein König, lädt zu einem festlichen Hochzeitsmahl. Aber die Eingeladenen verweigern sich. Darauf holt der Beleidigte statt ihrer andere, Arme an seinen Tisch.

Schon beim Hören machen wir uns unsere Gedanken: Jesus, der da redet, ist der Einladende oder der im Namen Gottes Einladende. Das Volk Israel will nicht hören; so werden andere eingeladen, die Heiden. Also ein Gleichnis, das von der Predigt Jesu erzählt und wie das Christentum über den Bereich des Judentums hinaus sich auf andere Völker ausgeweitet hat. – Oder es sind die Reichen, es sind die Wohlhabenden und Angesehenen, die eingeladen sind. Sie aber sind beschäftigt mit ihren Angelegenheiten. Also werden die, die im Leben zu kurz gekommen sind, die Armen, die Ausgestoßenen durch Jesus eingeladen. Sie werden entschädigt durch die Güter des Reiches Gottes. Aber wir könnten das Gleichnis auch so auslegen, da es ja für uns hier und heute gelten soll: Alle Menschen sind eingeladen, aber sie haben andere Sorgen, als an Gott oder an Jesus Christus zu denken; viele kümmern sich nicht um die Einladung …

Die Ablehnung


Jesus redet von einer Hochzeitsfeier, von einem Fest. Einladungen sind für gewöhnlich eine erfreuliche Sache; wir lernen dabei Menschen kennen oder wir bewegen uns in schon vertrauter Umgebung und freuen uns an den Begegnungen und Gesprächen. Einladungen können auch eine Ehre sein. Immer noch wird ausführlich in den Medien über die Traumhochzeiten der Stars berichtet. Da interessieren alle Einzelheiten, von den Kleidern bis zum Ambiente des Festes. Wir würden also erwarten, dass die Geladenen des Königs im Gleichnis auf die mit größtem Aufwand betriebene Festlichkeit der Hochzeit ganz positiv reagieren. Aber ein kurzer, harter Satz zerreißt den schönen Gedanken: »Sie aber wollten nicht kommen.« Zum zweiten Mal eilen die Boten, schildern die Dringlichkeit der Einladung, wie schon alles bereitet sei zum Mahl und zum Fest. Stumme Opposition, provokatives Desinteresse, sogar Feindseligkeit und Hass, der sich an den Boten auslässt.

Der Heilswille Gottes

Jetzt müssen wir aus dem Bild heraustreten. Die Unstimmigkeit reißt Fragen auf. Es ist keine allgemeine und unverbindliche, dem orientalischen Geschmack für Fest und Pracht angepasste schöne Geschichte, wenn Jesus vom königlichen Hochzeitsmahl spricht. Die Einführung lautet ja: Mit dem Himmelreich, mit der Königsherrschaft Gottes verhält es sich so. Die Hörer waren eingeübt: Die Propheten hatten oft in diesem Bild der Lebensfülle und des Glücks, im Bild der Hochzeit und des Mahles die Herrschaft Gottes angekündigt. Alle Menschen und Völker sollten in die Wahrheit geführt werden: Gott ist der Herr und er allein schafft Heil, nicht die Menschen selber und nicht ihre Interessen und nichts auf der Erde als sein gnädiger Wille. Dieser Wille lädt immer schon ein, immer, auch jetzt bietet er die Güter der Heilszeit an, immer will er die Heilszeit eröffnen. Diesen Willen Gottes anzusagen und sichtbar zu machen, ihn in den Gütern des Reiches Gottes anzubieten, das ist Jesu Auftrag. Er ruft Gottes Herrschaft aus und beruft in Gottes Reich.

Die Tragik des Menschen


Das Reich Gottes soll aber nicht aufgerichtet werden durch das Gericht, sondern durch die Gnade. Alle sind eingeladen. Und wenn es da heißt: Sie wollten nicht kommen, sie gingen fort zu ihren Geschäften, sie misshandelten und töteten sogar die Knechte des Königs, dann ist dieser Widersinn in der Bilderzählung des Gleichnisses nach Matthäus nicht einfach die Tragik der Geschichte Israels, sondern ganz allgemein die Tragik des eingeladenen Menschen zum Angebot Gottes. Die Einladung wird nicht angenommen. Damit wird das Leben in Fülle ausgeschlagen. Das Fest steht ja für den Sinn und das Glück des Lebens. Es ist voll Zukunft und Hoffnung. Das Leben ist mehr als Ochsen und Äcker, als Läden und Geschäfte. Es ist mehr: Glück, Freude, Gemeinschaft, Zukunft. Davon redet Jesus. Diese Wirklichkeit des Menschen, die ihn glücklich machen soll, die ihn umgreifen will und die ihm volles, gelingende Leben verheißt, die weiß Jesus bei Gott, in seiner Macht: Reich Gottes. Deshalb redet er vom Reich Gottes und deshalb redet er gegen jede Sattheit und Sicherheit des Menschen, die auf sich selbst baut, die sich über andere erhebt, die keinen Blick hat für eine andere Wirklichkeit. Gnade oder Gericht – sind die unweigerlichen Alternativen. Ein anderer Horizont ist nicht offen. Das Angebot gilt und geht weiter und ist universal für alle Welt – ohne Ausnahme. Und immer ist Heilszeit.

In diesem Gleichnis redet Jesus als Prophet. Der Prophet will die Menschen aufrütteln und umstimmen. Deshalb führt Jesus einen Angriff gegen alle Sicherheit des Menschen. Er will das Vertrauen und den Glauben der Menschen aufrufen. Er verkündet neu und unmittelbar, dass alle Menschen zum Fest, zur Feier des Lebens, gerufen sind; dass alle heil und glücklich sein sollen; und dass dies nicht die Wirklichkeit dieser Welt ist, sondern die Wirklichkeit Gottes für diese Welt und für die Menschen. Solange es aber noch so viele gibt, die an den Straßen stehen, so lange ist dieses Gleichnis eine ernste Mahnung für jeden, der es hört.

Fürbitten
Herr Jesus Christus, du lädst alle Welt zur großen Hochzeit im Reiche Gottes. Wir bitten dich:

- Das Fest deiner Liebe will viele zu gemeinsamer Freude versammeln:
Gib allen Verkündern deiner Einladung Überzeugungskraft und Hoffnung.
- Die Fülle deiner Gaben wird nur wahrgenommen von denen, die sich deiner Einladung öffnen: Schenke den Menschen Offenheit und Bereitschaft, dein Angebot von Freiheit und Sinn zu hören.
- Noch ist die Hochzeit nicht gekommen, aber die Zeit der Bereitung ist immer: Lass alle erkennen, wie sehr ihr Mühen um Frieden und Gerechtigkeit in dein ewiges Fest münden.
- Einst wirst du Mitte und Bräutigam des Hochzeitsmahles sein: Sei jetzt die Mitte unserer Gemeinschaft, sei der Herr unseres Lebens heute und morgen.

Denn solange unser Leben währt, sind wir unterwegs zu dir. Dich feiern wir mit dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Johannes Kreidler

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