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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
Dritter Adventssonntag
Der Geschmack des Täufers
Lesejahr B
Beitrag zum Evangelium

Einführung


»Wer bist du?« Dieser Frage muss sich Johannes der Täufer im heutigen Evangelium gleich mehrfach stellen. Offenbar war es nicht leicht, sich ein Bild von diesem sperrigen Menschen zu machen. »Wer bist du?«, ist aber auch eine Frage, die an jeden von uns gerichtet ist. Johannes beantwortet sie, indem er sich selbst zu Jesus in Beziehung setzt, dem menschgewordenen Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist, damit auch wir Mensch werden. Begrüßen wir ihn, der jetzt mitten unter uns steht.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du kommst in unsere Welt, um uns zu retten.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du bist allen nahe, die auf dich hoffen.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du bist das Licht, das unsere Finsternis erhellt.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Allmächtiger, ewiger Gott,
du begleitest uns durch diese Zeit, in der wir voll Zuversicht dem Fest der Geburt deines Sohnes entgegensehen.
Mache uns bereit, damit wir freudig das Geheimnis unserer Erlösung begehen, auf dass diese Freude unser ganzes Leben erfüllt.
Durch Christus, unseren Herrn.

Liedvorschläge

Gesang zur Eröffnung
GL 221 »Kündet allen in der Not«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 650/2 »Mein Geist jubelt über Gott« mit GL 634/4 »Magnificat« und
GL 175/6 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 188 »Nimm, o Gott, die Gaben, die wir bringen«
Gesang zur Kommunion
GL 385 »Laudate omnes gentes«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 228 »Tochter Zion«

Vorüberlegungen


Zum Text: Joh 1,6–8.19–28 (Evangelium)

Die Perikope des heutigen Sonntags ist ein Zusammenschnitt des Johannes-Prologs mit der Erzählung über das Auftreten des Täufers. Während der Prolog dem Leser den entscheidenden Schlüssel zum Verständnis der Person und Sendung des Jesus von Nazaret als Gottes ewigem und nun Fleisch gewordenen Logos gibt, ist die Szene am Jordan von der Unkenntnis der religiösen Experten bestimmt, die den Täufer in ihren Wissensbestand einzusortieren suchen. Johannes antwortet ihnen zunächst nur indirekt, indem er sagt, wer er nicht ist, um sich dann als Rufer in der Wüste vorzustellen, der dazu auffordert, den Weg für den Herrn zu ebnen. Die Predigt setzt bei den bohrenden Fragen der Priester, Leviten und Pharisäer an, die zwischen Neugier, dienstbeflissenem Verantwortungsbewusstsein und gesunder bzw. ablehnender Skepsis changieren.

Predigt

Was der Bauer nicht kennt …


Die Redensart »Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht« ist vermutlich in allen Regionen Deutschlands fest etabliert und gewinnt zusätzlich, wenn man sie im lokalen Zungenschlag verwendet. Gemeint ist die Skepsis gegenüber etwas Neuem, die beim Kulinarischen anfangen, aber alle Bereiche des privaten und öffentlichen Lebens einschließen kann: vom Insekt auf dem Menüplan eines Sternekochs über die vollmundigen Versprechungen der Werbeindustrie, die uns immer neue Gadgets als lebensnotwendig verkauft, bis hin zu öffentlichen Debatten, wie die gesellschaftlichen Spielregeln im Umgang mit der Corona-Krise zu gestalten sind.

Nun ist diese Skepsis mitnichten immer Ausdruck von Rückständigkeit. Ein natürliches Misstrauen ist gesund. Es hat oft mehr mit Bauernschläue als mit Hinterwäldlerei zu tun. Warum auch sollten wir das, was sich bislang als gut und sinnvoll bewährt hat, leichtfertig zugunsten von etwas Neuem und Unbekanntem aufgeben? Je tiefer und grundlegender etwas in unser Leben eingreift, desto gründlicher gehört es auf den Prüfstand, und je reiflicher muss es überlegt sein, bevor wir es annehmen können. Das hat zu tun mit Lebenserfahrung und mit Traditionen und Werten, die Halt und Orientierung geben. Man muss nicht, um ein letztes Mal die bäuerliche Welt zu bemühen, jeder Sau hinterherlaufen, die durchs Dorf getrieben wird.

Lohnt es sich, ihm zuzuhören?

Aus dieser investigativ-skeptischen Haltung heraus war auch der Spähtrupp des Jerusalemer religiösen Establishments zu Johannes hinaus in die Wüste geschickt worden. Sie sollten in Erfahrung bringen, was dieser seltsame Eigenbrötler mit dem großen Mundwerk für einer war. Ein Prophet oder ein Spinner? Ein Visionär oder ein Betrüger – in jener an politisch-religiösen Scharlatanen nicht gerade armen Zeit (was sie unserer Zeit nicht unähnlich macht). Jemand, den man ernst nehmen muss oder den man getrost in die Wüste schicken bzw. dort lassen kann? Jemand, der Hoffnung macht oder der nur wirres Zeug erzählt, das im besten Fall der Unterhaltung dienen kann, im schlimmsten Fall aber die Leute irre macht und verführt?

Nun sind die Priester, Leviten und Pharisäer nicht misstrauisch, weil das, was Johannes den Leuten am Jordan predigt, komplett neu wäre. Sie sind misstrauisch, weil seine Botschaft für sie in die Kategorie »zu schön, um wahr zu sein« gehört. Daher klopfen sie, ganz redlich, seinen Anspruch ab und fragen nach seiner Berechtigung: Ist er der Messias, Elija oder ein anderer Prophet? – alles Figuren, die für eine oder gar die Zeitenwende stehen. Wird er es sein, der das wahrmacht, worauf sie selbst – entsprechend der Prophezeiung Jesajas aus der ersten Lesung – so sehnlich hoffen: eine Gesellschaft, die nach Gottes Regelwerk funktioniert und die allen gerecht wird? Solch ein Anspruch wird den Status quo herausfordern; und den Römern kommt man besser nicht in die Quere, jedenfalls nicht leichtfertig. Die Priester, Leviten und Pharisäer wissen, dass Johannes mit dem Feuer spielt. Bevor man sich auf solch ein gefährliches Spiel einlässt, fragt man besser zweimal nach – und dreimal und viermal und dutzendfach, wie die das weitere Evangelium zeigen wird.

Neues wagen: zwischen dem, was wir kennen, und dem, was wir hoffen

Wo finden wir uns in dem Ganzen wieder? Wohl kaum eine(r) unter uns wird von sich sagen können, dass wir die Botschaft des Johannes nicht »fressen« können, weil wir sie nicht kennen. Das Problem ist eher ein umgekehrtes. Johannes ist uns so vertraut, dass sein Name schon lange nicht mehr nach Wüste, sondern nach Weihnachtsstollen schmeckt. Was aber, wenn wir ihn heute noch einmal auf den Prüfstand stellen würden? Was, wenn wir seine Botschaft, wie die Priester, Leviten und Pharisäer damals, mit unseren Hoffnungen und Erwartungen abgleichen würden? Kann es sein, dass plötzlich wir zu den Gefragten würden? Und müsste die Frage an uns dann lauten: Was ist es, das wir uns am sehnlichsten wünschen?

»Gaudete« – »Freut euch« heißt dieser Sonntag. Wir sollen und dürfen uns freuen, weil Weihnachten, das Fest, an dem sich uns der Himmel öffnet, so nahe ist. Nehmen wir uns die Zeit, die Botschaft des Johannes neu zu hören, uns herausfordern zu lassen, uns selbst und die Menschen um uns herum wahrzunehmen und kritisch und ungeduldig auf Kirche und Welt zu schauen, wo sie Gottes Gerechtigkeit hinterherhinken. Hanns Dieter Hüsch spricht vom Wunsch, »die Kunst des Zusammenfühlens und Zusammendenkens«1 wieder zu lernen: der Kunst, die Dinge auf der Erde mit den Möglichkeiten des Himmels zu sehen und daraus Neues zu wagen. Wir wissen alle, wie viel Kraft und Überwindung es kostet – und wie lohnend es ist, wenn es uns gelingt. Nehmen Sie den Schwung des Gelingens und die Freude des heutigen Sonntags mit in die kommende Woche und lassen Sie die Worte des Täufers nachhallen, die man, noch einmal ausgeliehen von Hüsch, vielleicht auch so ausdrücken könnte: »Mach dich fein / Jesus kommt.«2

Fürbitten

Gott, unser Vater, an diesem Sonntag, der ganz unter dem Zeichen der Freude über das nahe Weihnachtsfest steht, bringen wir die Not und Hoffnung unserer Welt vor dich. Wir bitten dich:– Für alle Christen, die sich auf der ganzen Welt auf Weihnachten vorbereiten und die, wie einst Johannes der Täufer, berufen sind, Zeugnis für dich abzulegen.
(Komm, o Herr.)

- Für alle, die sich nicht auf Weihnachten freuen können, die sich einsam fühlen, die durch die Corona-Pandemie besonders schwer getroffen sind, die unter Krankheit leiden oder um einen geliebten Menschen trauern.
- Für die Regierenden, die herausgefordert sind, ihre Entscheidungen und ihr Handeln für die Menschen an deiner größeren Gerechtigkeit zu messen.
- Für alle, die unter Hunger und Armut leiden, weil ihnen verwehrt ist, was sie zu einem guten Leben brauchen.
- Für unsere Verstorbenen, die wir in deinen Armen geborgen wissen.

Denn du, Herr, du trägst dein Volk durch die Zeit und nimmst uns mit Erbarmen an, wo wir uns selbst als hilflos und schwach erfahren. Wir preisen dich und danken dir durch Christus, unseren Herrn. Amen.



1 Hanns Dieter Hüsch, Im Übrigen meine ich, in: Das kleine Buch zwischen Himmel und Erde, Düsseldorf 5/2006, S. 36.
2 Hanns Dieter Hüsch, Dezember-Psalm, in: Das kleine Weihnachtsbuch, Düsseldorf 3/1998, S. 6.

Sabine Schratz

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