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Leseprobe 2
16. Sonntag im Jahreskreis
Eine besondere Art von Stärke
Lesejahr A
Beitrag zur Lesung

Einführung


Was ist stark? Was erleben wir als stark? Worte aus unserem Alltag zeigen, was wir mit Stärke verbinden. Es sind Kraft, Macht, Wirksamkeit, Begabung, Durchhaltevermögen, Standvermögen. – Wahrscheinlich haben Sie auch noch eigene Assoziationen, wenn Sie über das Wort Stärke nachdenken.
Denken wir an Gott und seine Stärke, dann gibt es auch da Schlüsselbegriffe. Im Glaubensbekenntnis bekennen wir uns zu Gott als dem Vater und Allmächtigen. Wir bekennen uns zu Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde. Gottes Stärke ist dabei eindeutig mit viel Macht verbunden. Aber haben wir damit schon alles erfasst und verstanden?
Wir wollen heute über Gottes Stärke nachdenken und schauen, welches Beispiel er uns damit gibt.

Predigt

Zum Text: Weish 12,13.16–19 (1. Lesung)

Stärke – was wir dafür halten und wo wir sie erleben

»Das war echt stark!« – Den Ausruf kann man oft hören und zwar immer dann, wenn uns etwas beeindruckt hat. Da hat einer beim Fußballspiel ein tolles Tor geschossen. Da haben wir ein beeindruckendes Konzert gehört. Da hat jemand auf irgendeine Weise eine herausragende Leistung erbracht und erntet dafür unsere Bewunderung.

Was wir dabei als stark/als Stärke empfinden, hat viel mit unseren Vorlieben zu tun und wofür wir uns interessieren. Fragt man 100 Leute, bekommt man wahrscheinlich 100 Antworten, was sie als stark empfinden.

Als stark sehen wir auch gerne Helden aus Geschichten und Filmen an. Wir folgen ihren Abenteuern, weil der Starke in der Regel siegt. Mit körperlicher Fitness und Geschick entkommt er oder sie dem Gegner und geht siegreich aus allen Auseinandersetzungen hervor. Solche Helden sind oft mit besonderen Gaben ausgestattet. Und natürlich ist es eine glückliche Fügung, dass das richtige Fahrzeug im richtigen Moment bereitsteht, dass irgendjemand im letzten Moment die rettende Hand ausstreckt. – Zum Glück kommen solche dramatischen Momente in unserem Alltag nicht so häufig vor. Denn dann müssten wir feststellen, dass diese Handlungsketten sehr schnell zu Ende sein können und sich eben nicht alles so schön ineinander fügt.

Stärke suchen wir auch bei Führungskräften und Politikern. Sie sollen schließlich dafür sorgen, dass die Firma läuft, dass die Lebensumstände komfortabel bleiben und es uns auch in Zukunft gut geht. Schaut man bei ihnen genauer hin, was wir als Stärke ansehen, zeigt sich, dass das sehr unterschiedliche Qualitäten sein können. Da gibt es die Führungskräfte, die mit hoher Gewissheit und großem Ego ihre Weltsicht verkünden. Andere beeindrucken durch Fachkompetenz und umfangreiches Wissen. Wieder andere sind große Motivationsverstärker. Sie inspirieren, wecken Ideen und halten die Menschen zusammen.

Stärke ist also nicht gleich Stärke. Zu jeder Form von Stärke gehören aber auch Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Trauen wir anderen nicht, bleibt vom Eindruck der Stärke nicht viel übrig.

Die Stärke Gottes zeigt sich in Macht und Milde

Die heutige Lesung aus dem Buch der Weisheit spricht auch von Stärke. Sie spricht von der Stärke Gottes. Was wird hier über die Stärke Gottes gesagt? Auch hier ist von Superlativen die Rede und zugleich wird eine Basis gelegt, die unser Leben überhaupt erst ermöglicht.

Dieser Teil des Buches der Weisheit ist in der Art eines Gebetes verfasst. Gott wird direkt angesprochen. Grundlage dieses Gebetes sind Erfahrungen mit Gott, Erfahrungen ganz unterschiedlicher Art:

Da ist zum einen das Bekenntnis, dass Gott für alles Sorge trägt. Er weiß, was Menschen brauchen. Er hat die Welt erschaffen und er ist größer als die Ordnung, die er gesetzt hat. Das Wort Sorge zeigt zugleich: Gott ist seinen Menschen emotional verbunden. Es ist ihm nicht gleichgültig, wie es uns geht. Er will, dass die Menschen ein glückliches, sinnvolles und gelingendes Leben führen.

Der Verfasser und Sprecher des Gebets glaubt an die unbeschränkte Macht Gottes. Worte wie Herrschaft, Macht und Stärke fügen sich für ihn nahtlos aneinander, wenn er von Gott spricht. Zugleich kennt er die Erfahrung, dass sich Menschen abwenden, anmaßend sind und sich gegen Gott auflehnen.

Dem Beter ist bewusst, dass Gott solche aufmüpfigen Menschen vernichten könnte. Aber dann bekennt er: Weil Gott so groß und mächtig ist, weil er so stark ist, deshalb kann er sich auch Milde erlauben. Deshalb schont er Menschen, die es eigentlich nicht verdient haben.

Es ist ein ambivalentes Bild, das das Buch der Weisheit hier von Gott zeichnet: Da ist der (All)Mächtige, der, für den Selbstbehauptung und Durchsetzungskraft kein Problem sind. Er ist Herrscher und übt Herrschaft aus. Er hat die Macht zu geben, die Macht zu richten und zu strafen.

Auf der anderen Seite preist das Buch der Weisheit Gott als den Milden und Schonenden. Er ist der treu Sorgende, der Schöpfer der Welt. Nachsicht und Menschenfreundlichkeit gehören genauso zu seiner Stärke wie die Kraft zu besiegen.

Stärke als Grundlage göttlicher Gerechtigkeit

Das Buch der Weisheit zeigt: Gottes Herrschaft ist keine maßlose Herrschaft. Ihre Grundlage ist seine Gerechtigkeit. Was ist damit gemeint?

Jedes Kind lernt schnell zu rufen: »Das ist nicht gerecht!« Meistens geht es dabei darum, dass ein anderer mehr erhalten hat als man selber. Unter Gerechtigkeit verstehen wir gemeinhin, dass jeder und jede den gleichen Anteil erhält. Wird ein Kuchen aufgeteilt, wird darauf geachtet, dass die Stücke gleich groß sind und jeder den gleichen Anteil erhält.

Diese Art von Gerechtigkeit verstehen wir alle. Aus ihr leiten wir auch ab, dass jeder vor dem Gesetz gleich ist und dass es keine Sonderrechte für jemanden geben kann, nur weil er oder sie reich oder schön ist.

Diese Form von Gerechtigkeit hilft uns, unseren Alltag zu regeln. Aber ist das die Gerechtigkeit Gottes? Lesen wir in der Bibel nach, merken wir schnell: Unsere Form von Gerechtigkeit deckt für Gott nur ein Minimum ab. Gottes Sinn für Gerechtigkeit geht noch weit darüber hinaus. Er ist eben nicht dieser Buchhalter, der für jeden Cent eine Gegengabe haben will. Er leistet sich Milde und Großzügigkeit. Sonst wären wir alle schon längst verloren. Wir könnten vor ihm nicht bestehen.

Zugleich wünscht sich Gott – und das ist wichtig –, dass auch wir uns seine Art der Gerechtigkeit aneignen: Milde walten lassen, Menschen eine zweite Chance geben, menschenfreundlich sein, Umkehr ermöglichen. Das Buch der Weisheit lobpreist Gott für diese Haltung.

Weisheitsliteratur als Vermittlerin von Lebensweisheit

Und damit sind wir bei dem Grundanliegen des Buches der Weisheit. Wie die ganze Weisheitsliteratur will das Buch der Weisheit den Menschen helfen, ein glückliches und sinnerfülltes Leben zu führen. Deshalb sammelt es Erfahrungsweisheit. Hier wird weitergegeben, was sich im Laufe von Generationen als sinnvoll erwiesen und als richtig gezeigt hat.

Weisheitsliteratur will Menschen Orientierung im Leben ermöglichen, auch jenseits von selbst Erlebtem. Sie zeigt Koordinaten für die menschliche Existenz auf und nimmt dabei auch das Verhältnis zu Gott in den Blick. So hebt das Buch der Weisheit hervor, dass Gott menschenfreundlich ist und dass es gut für uns ist, wenn auch wir seinem Beispiel folgen. Milde und Nachsicht sollen nicht nur eine göttliche Tugend sein, sondern auch eine menschliche.

Damit zeigt uns das Buch der Weisheit, dass Stärke nichts mit Kraftmeierei zu tun hat. Wahre Stärke blendet nicht durch Unnachgiebigkeit und große Worte. Sie zeigt sich im Umgang mit Schwäche und Nicht-Perfektion. Wie Gott den Menschen immer wieder eine Chance gibt, sollen auch wir einander immer wieder eine Chance geben. Echte Stärke schlägt die Tür nicht ein für alle Mal zu. Sie weiß, dass Menschen nicht perfekt sind. So ermutigt uns Gott zu dieser besonderen Form der Stärke: zu Menschenfreundlichkeit und zu Gerechtigkeit, die Barmherzigkeit kennt und lebt. Seien wir weise: Handeln wir aus dieser Stärke heraus.

Fürbitten

Guter Gott, wie der Betende im Buch der Weisheit bekennen wir: Es gibt keinen Gott außer dir, der für alles Sorge trägt. Dich bitten wir:

- Für alle, die als Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer von Unternehmen Stärke beweisen müssen, indem sie Arbeitsplätze erhalten und für den Fortbestand der Firmen Verantwortung tragen.
- Für alle, die in gleichgültiger oder sogar feindlicher Umgebung ihren Glauben leben und Zeugnis für Gottes Menschenfreundlichkeit geben.
- Für alle, die als Politiker Weichen stellen und für das Wohlergehen von vielen Menschen Verantwortung übernehmen.
- Für alle, die sich aufgrund ihrer persönlichen oder gesundheitlichen Verfassung am Ende ihrer Kräfte fühlen.
- Für alle, die vermeintlich schwach sind, die aber durch ihre Liebe und Zuwendung andere stark machen.
- Für alle, die für andere da sind und sich so für Gerechtigkeit und Menschenfreundlichkeit unter den Menschen einsetzen.

Guter Gott, lass uns teilhaben an deiner Stärke. Zeige uns Wege, wie wir deine Menschenfreundlichkeit leben können. Wecke unsere Lebenskräfte und unsere Hoffnung. Denn dein ist die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Beatrice Dörner

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