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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
15. Sonntag im Jahreskreis
Gottes Stichwort suchen
Lesejahr A

Beitrag zum Evangelium

Einführung

Wie gut, dass wir hier sind, um gemeinsam Gott zu begegnen!
In diesen Wochen feiern wir, dass sich Menschen neu in den pastoralen Dienst unserer Diözese stellen. Es sind Frauen und Männer, die in besonderer Weise Gottes Ruf hören und ihm folgen. Gerne nehmen wir sie heute mit in unser Gebet hinein. Aber die Frage gilt zuallererst uns selbst: Haben wir ein offenes Ohr für Gottes Wort, das in uns fallen will?
Halten wir einen kurzen Moment inne und bitten wir dann Gott um seine Nähe und um sein Erbarmen.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, öffne unsere Ohren, dass wir dein Wort der Liebe hören können.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, öffne unsere Augen, dass wir dich im Nächsten mehr und mehr erkennen.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, öffne unser Herz, dass wir uns von dir ganz erfüllenlassen.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Gott der Fülle,
du säst jeden Tag dein Wort in unser Leben hinein. Es ist dein Wort der Liebe und des Trostes, dein Wort der Ermutigung und der Stärkung, aber auch dein Wort der Mahnung und der Sendung.
Mach uns jetzt wach und bereit, dir zu begegnen. Lass uns dich ersehnen und in uns aufnehmen. Fülle uns und heile uns.
Darum bitten wir dich heute und morgen und alle Tage bis in Ewigkeit.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 149 »Liebster Jesu, wir sind hier«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 449 »Herr, wir hören auf dein Wort« und GL 174/3 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 448 »Herr, gib uns Mut zum Hören«
Gesang zur Kommunion
GL 209 »Du teilst es aus mit deinen Händen«
Dankhymnus
GL 456 »Herr, du bist mein Leben«
Schlusslied
GL 450 »Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht« (Kanon)

Vorüberlegungen

Zum Text: Mt 13,1–23 (Evangelium)

Sonntag für Sonntag hören wir im Gottesdienst Gottes Wort, wie es uns aus der Bibel entgegenkommt. Doch oft hören wir und hören doch nicht.

Denn es geht beim Hören des Wortes Gottes nicht um den Verstand, der etwas intellektuell erfassen soll. Wirkliches Hören meint, dass wir das Wort Gottes in unser Leben einlassen, damit es uns verändert.

Davon handelt das Gleichnis vom Sämann. In meiner Predigt möchte ich durch den Satz »Die Bibel hundertmal gelesen und das Stichwort nicht gefunden …« diese Perspektive erschließen. Die Hörerinnen und Hörer sollen für sich erspüren, welches Stichwort gerade in ihr Leben hineinwirken will. Dabei ist mir wichtig, dass die Bibel als Wort Gottes einen großen Raum einnimmt, aber es auch andere Formen für Gottes Wort an uns gibt, so z. B. der Anruf unserer Nächsten oder eine Lebenssituation, die uns herausfordert.

Letztlich verdichtet sich das Wort Gottes in Jesus Christus. Mit ihm in Beziehung zu sein heißt, auf das Wort Gottes im heilsamen Sinn zu hören.

Predigt

»Die Bibel hundertmal gelesen und das Stichwort nicht gefunden …« Dieses Satzfragment habe ich vor vielen Jahren einmal gehört, und es klingt bis heute in mir nach. Denn es beschreibt ganz treffend, was uns allen leicht passieren kann: Wir können die Bibel zahlreiche Male lesen und über sie nachdenken. Wir können die Sätze hin und her wenden und ihren Ursprung ergründen. Wir können theologisch klug daherreden und einzelne Verse zerpflücken. Aber all das zählt nicht. All das ist nichts nütze, wenn nicht das Eine, das wirklich Wichtige passiert: Dass wir das Stichwort finden, das eine Wort, das uns meint, das in unser Leben hineinfällt und es verwandelt.

Vielleicht erinnern Sie sich an Momente, in denen Sie von einem Wort der Bibel im Innersten berührt waren: in einem Gottesdienst oder bei einer Predigt. Beim Bibelgespräch oder dem Spielen eines Bibliodramas. Oder auch bei der persönlichen Lektüre dieses vielschichtigen Buches, das so viele Geschichten von Menschen erzählt, die Gott suchten und fanden, die zweifelten und glaubten, die mit Gott ihre ganz eigene Lebens- und Liebesgeschichte durchlebten. Sie rühren uns an und machen es möglich, dass auch wir unser Leben als eine Geschichte mit Gott begreifen.

Gott sät reichlich aus

»Die Bibel hundertmal gelesen und das Stichwort nicht gefunden …« Im Evangelium heute wird dieser Gedanke aufgenommen. Es handelt von denen, die ihr Stichwort finden, und von denen, die es verpassen. Denn Jesus weiß, dass Hören nicht gleich Hören ist. Dass Verstehen nicht bedeutet, dass wir wirklich begriffen haben.

Deshalb erzählt Jesus das Gleichnis vom Sämann. Wir kennen es nur zu gut. Können wir es heute neu vor unserem inneren Auge lebendig werden lassen?

Wir sind in Israel, einem staubigen, heißen Land. Es ist gar nicht leicht, dass dort etwas wächst. Und trotzdem ist da ein Bauer, der seine Saat ausbringen will. Einen Beutel hat er um, in dem das Saatgut verstaut ist. So schreitet er über seinen Acker, langsam und stetig. Und bei jedem Schritt holt er weit aus und verstreut die Saat.

Dass manches daneben geht, scheint den Sämann nicht zu stören. Der Weg und die Dornen, das Gestrüpp und die Felsen, sie gehören in Israel dazu. Wer will die Körner schon einzeln auf der Erde platzieren? Der Sämann will es nicht. Er streut aus, denn er weiß, dass genug aufgeht, um reichlich zu ernten.

Ein ansprechendes Bild. Und Jesus sagt: So ist Gott. Gott ist der, der sät. Und Gott vertraut, dass die Ernte wächst. Mich macht dieses Bild froh. Da ist keiner, der kleckert. Der ängstlich abzählt. Nein, da ist einer, der reichlich austeilt, freigiebig und großzügig. Gott gießt mit Schwung sein Wort über uns aus, tröstlich und aufbauend, mahnend und korrigierend, nährend und stärkend, damit wir daraus leben können. Damit dürfen wir voller Hoffnung rechnen.

Die Frage ist, ob dieses Wort Gottes uns erreicht. Ob es uns im Herzen trifft. Die Frage ist, ob in uns ein Boden ist, der es aufnimmt und ihm Heimat gibt, der es wachsen und reifen lässt, damit unser Leben fruchtbar ist aus Gott heraus. Drei Dinge fallen mir ein, die dafür wichtig sein könnten.

Gottes Wort braucht Zeit

Zum Ersten: Das Wort Gottes braucht Zeit. Das klingt auf den ersten Blick banal, aber ich sage es trotzdem. Für alles, was in unserem Leben wichtig sein soll, müssen wir auch Zeit bereitstellen. Ob es Beziehungen sind, die Pflege brauchen, ob es ein Hobby ist, das Platz einfordert.

So ist es auch mit Gottes Wort. Wenn es uns erreichen soll, dann brauchen wir eine Zeit, die frei ist von anderen Verpflichtungen. Dann müssen wir einen Raum eröffnen, in dem wir hören und aufnehmen und ankommen lassen, was Gott in unser Herz legen will.

Gottes Wort verändert Das Zweite: Gottes Wort will uns verändern. Es bewirkt, was es will. Auch in der Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja haben wir davon gehört. Es ist wichtig, das vorher zu wissen. Manchmal möchten wir das Wort Gottes gerne einzäunen. Wir möchten bestimmen, was es uns sagen kann und was nicht. Aber das geht nicht.

Wenn ich dem Wort Gottes in meinem Inneren wirklich begegne, dann ist es völlig offen, wie es ausgeht. Einmal wird es mich beruhigen und einmal wachrütteln. Einmal wird es mich bestätigen und einmal infrage stellen. Einmal wird es Wunden schließen und einmal Wunden aufdecken. Immer aber wird es mich herausfordern, zu wachsen und zu reifen.

Gottes Wort kommt in vielerlei Gestalten

Und ein Drittes: Das Wort Gottes kommt in vielerlei Weisen auf uns zu. Es kommt im Wort der Bibel, die Teil unseres Lebens sein will. Es kommt aber auch durch andere Menschen auf uns zu. Gott spricht uns an im Schrei unserer Mitmenschen, im Elend unserer Welt, in der leisen Stimme der bedrohten Schöpfung. Was geschieht, wenn wir uns davon ansprechen lassen, wenn wir unsere Augen und Ohren und unser Herz öffnen und uns von dieser Not berühren lassen?

Und Gottes Wort kommt uns entgegen in unserer eigenen Lebenssituation. Gott spricht uns an in unserer Ohnmacht, in all dem, was uns ängstigt, in unserem Scheitern, in unseren Mühen und Sorgen, die uns oft so viel Kraft rauben. In all dem bittet Gott, dass wir ihm Anteil geben und ihm unsere Verletzlichkeit anvertrauen. Dann spricht er sein zärtliches Wort in unser Ohr, das wir seit so langer Zeit kennen und das wir doch immer wieder neu ersehnen: sein »Ich-bin-für-dich-da«.

Das Stichwort finden: Jesus Christus begegnen

Wie heißt heute das eine, das entscheidende Stichwort Gottes für mein Leben? Das Wort, das mich meint, das mich berührt und verwandelt und heilt? Ich darf es neu suchen und mich dabei an Jesus Christus wenden. In ihm, unserem Bruder aus Nazaret, verdichtet sich das gute Wort Gottes. Denn in ihm sagt Gott für immer aus, wofür er uns bestimmt hat. Mit Jesus Christus in Beziehung zu bleiben an jedem neuen Tag, an ihm zu wachsen und zu reifen, das ist auf jeden Fall das rechte Hinhören auf Gott. Nehmen wir uns jetzt eine Zeit der Stille, um ihm zu begegnen: vertrauend, liebend, gespannt und voller Hoffnung.

Fürbitten
Gott der Fülle, wir ersehnen dein gutes Wort für uns, für alle Menschen in Not und für diese Welt. Wir bitten dich:
- Um dein Wort der Liebe für alle, die ihr Inneres verschlossen haben, die auf sich selbst statt auf dich bauen.
(GL 448,1 »Herr, gib uns Mut zum Hören«)

- Um dein Wort der Vergebung für alle, die mit ihrem Scheitern kämpfen, die sich selbst und andere verletzt haben.
- Um dein Wort des Friedens für alle, die in Neid, Hass, Machtgier und Unversöhnlichkeit gefangen sind.
- Um dein Wort der Heilung für deine Schöpfung, die sich danach sehnt, von uns beschützt und bewahrt zu werden.
- Um dein Wort des Trostes für alle, die um einen lieben Menschen trauern.
- Um dein Wort des Lebens für alle, die durch die Pforte des Todes aufbrechen zu dir.

Gott der Fülle, dein Wort ist reich und voller Nahrung für unsere Seele. Erfülle uns und heile uns, jetzt und an jedem Tag bis in Ewigkeit. Amen.


Claudia Schmidt

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