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Leseprobe 1
Dritter Fastensonntag
Wasser in der Wüste – kein Glaube ohne Durststrecken
Lesejahr A
Beitrag zur Lesung

Einführung

»Meine Augen schauen stets auf den Herrn …« – »Oculi« (»Augen«) heißt dieser dritte Fastensonntag traditionellerweise.
Doch die »Ausschau« nach Gott kann sich eintrüben, wenn wir – wie die aus der Sklaverei entronnenen Israeliten – Durststrecken zu durchwandern haben. Ist auf »den Herrn« wirklich Verlass? Können wir seinen Verkündern noch trauen?
Lassen wir uns jetzt, in dieser Stunde, ermutigen! Unser Weg zum Glauben ist noch längst nicht zu Ende.

Predigt


Zum Text: Ex 17,3–7 (1. Lesung)

Unterwegs zur Taufe


Seit dem 4. Jahrhundert wurde die Liturgie der österlichen Bußzeit immer mehr auf die Taufbewerber – die »Katechumenen« – ausgerichtet. Schritt für Schritt sollten diese auf ihre Taufe zugeführt werden, die in der Osternacht bevorstand. Die übrigen Gläubigen konnten dabei ihren eigenen Taufglauben erneuern.

Spuren davon erkennen wir auch heute noch in der gezielten Auswahl der Schriftlesungen. Darum wundert es uns nicht, dass an diesem dritten Fastensonntag alles um das Thema »Wasser« kreist.

Das gilt für die Erzählung von der Samariterin am Jakobsbrunnen, die nach »lebendigem Wasser« sucht und deren »Durst« von Jesus auf eine Weise gestillt wird, die sie nicht erwartet hatte.

Etwas genauer muss man aufpassen, wenn man die Lesung aus dem Römerbrief hört; doch an die Wirkung von Wasser erinnert auch Paulus, wenn er sagt, dass »die Liebe Gottes ausgegossen (!)« sei »in unsere Herzen«.

Eine ausgesprochene Wasser-Geschichte ist aber vor allem die erste Lesung aus dem Buch Exodus, denn sie stammt aus einem Kapitel, das in unserer neuen Einheitsübersetzung die Überschrift trägt: »Wasser aus dem Felsen«.

Mangelware Wasser

Wasser hat viele Funktionen: Es reinigt. Es erfrischt. Es löscht den Durst.

Manchmal löst es freilich auch Ängste aus. Eine Ahnung davon bekommen wir in den Hochwasserkatastrophen und Tsunamis von heute. Früher beschwor das wilde Wasser des Meeres Vorstellungen von Schrecken erregenden Ungeheuern herauf, die in den Tiefen hausten – weshalb nur die Mutigsten sich mit Booten und Schiffen auf dieses Element hinauswagten. Und wie viele kehrten nicht zurück!

In den Flüssen und Bächen ist das Wasser gewissermaßen gezähmt und tränkt das Land; aber auch in dieser Form ist es für den Täufer Johannes noch ein Bild des Untergangs, wenn er die Menschen darin untertaucht, damit sie beim Emporsteigen für das kommende Gericht gerüstet sind. Auch Christen nehmen das Wasser nicht ohne vorherigen Segen in ihren Dienst, betonen dann aber doch – auf den Spuren des Apostels – vor allem seine positive Seite. »Wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, sind auf seinen Tod getauft worden«, heißt es in der Epistel der Osternacht. »Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln« (Röm 6,3f.).

Wir ahnen kaum mehr, was es noch für unsere Vorfahren bedeutete, das ungeordnet vom Himmel regnende oder von den Bergen herabströmende Wasser in Zisternen zu sammeln oder das in der Tiefe schlummernde kostbare Gut in einem Brunnen zu erschließen. Noch heute kämpfen auf dieser Erde Menschen um den Zugang zum Wasser und erst, seit uns bewusst wird, wie unverantwortlich wir bisher mit diesem hohen Gut umgegangen sind, wie wir es vergiftet und vergeudet haben, ahnen wir, was mit dem alten Wort gemeint war: »Wasser ist Leben!« Eine UNOStudie formuliert: »Wasser wird kostbarer als Gold.« »Schon heute«, heißt es dazu auf einer Internetseite, »sterben täglich etwa 10.000 Menschen an Wassermangel, davon 5.000 Kinder an Infektionskrankheiten, die durch unsauberes Wasser hervorgerufen werden. Das Hungerproblem ist primär ein Wasserproblem. Das 20. Jahrhundert war ein Jahrhundert der Kriegsflüchtlinge. Das 21. Jahrhundert wird ein Jahrhundert der Umwelt- und Wasserflüchtlinge. Ohne Wasser ist Leben nicht möglich.«*

Wer sich also heute mit Wasser taufen lässt (oder es seinen Kindern gönnt), sollte zunächst einmal auch die Kostbarkeit des natürlichen Wassers empfinden. Die Exodus-Lesung bringt es zu Bewusstsein: Da ist vom Wassermangel die Rede, mit dem das Flüchtlingsvolk Israel in der Wüste gleich mehrmals heimgesucht wurde.

Massa und Meriba

Schon kurz zuvor, in Mara, hatten die Israeliten mit »Bitterwasser« zu tun gehabt. Hätte Gott dem Mose nicht die Fähigkeit gegeben, es »süß« zu machen, wäre schon hier der Auszug aus Ägypten zu Ende gewesen (Ex 15,22–26). Am Ende hörten sie die großartige Zusage: »Ich bin der Herr, dein Arzt!« – und gelangten nach Elim, wo es plötzlich reichlich Wasser gab: »zwölf Wasserquellen und siebzig Palmen« (Ex 15,27). Was für ein Glück!

Doch schon kurze Zeit später geraten sie in die Gefahr zu verhungern – und erhalten das Manna, ein eigenartiges Wüstenbrot, das wieder ein Stück Leben und Überleben (Ex 16,1–23) garantiert. Kaum aus dieser Not gerettet, gelangen die Israeliten nach Refidim und leiden erneut unter Wassermangel (Ex 17,1–7) – aber sie sind schon so gewöhnt an die Wunderkraft ihres Anführers Mose, dass der Ort für sie zu »Massa und Meriba« wird, zu »Hader und Streit«. »Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?«, fragen sie ungeduldig; ohne Wasser sein heißt für sie ohne Gott sein – oder: Mose für einen unfähigen Gottesboten zu halten.

Das ist noch keine Tauf-Geschichte. Es geht um den ganz realen Durst nach natürlichem Wasser, um die aus der Not geborenen Zweifel an Gott und seinem Gesandten und um die wunderbare Geduld Gottes mit Menschen, die viel zu viel erwarten und viel zu wenig geben. Darum mahnt auch unser Antwortpsalm aus gutem Grund: »Würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören! Verhärtet euer Herz nicht wie in Meriba, wie in der Wüste am Tag von Massa! Dort haben eure Väter mich versucht; sie stellten mich auf die Probe und hatten doch mein Tun gesehen« (Ps 95,9).

Denkt also an die Wüstenzeit Israels. Durstphasen gehören mit dazu zu eurer Lebens- und Glaubensgeschichte. Rechnet mit »Massa und Meriba«, mit »Probe und Streit«. Bei vollem Bauch und schönem Wetter lässt sich leicht glauben (obwohl man gerade dann oft nicht daran denkt!). Entscheidender ist, ob der Glaube auch in der Not (die nicht immer automatisch Beten lehrt, wie der Volksmund behauptet!) tragfähig bleibt.

Durststrecken und Horeb-Wunder

Auf dem Weg zur Taufe also erfahren die Katechumenen durch diese Lesung, dass der Glaube, für den sie sich entscheiden, kein »Spaziergang« wird, sondern ein täglicher Kampf und ein ständiges Ringen. Auch heute können wir angesichts leerer werdender Kirchen das Christentum nicht rosarot anmalen und in beeindruckende Events verpacken, nur um neue Gläubige anzulocken. Wir wissen von uns selbst, dass es Höhen und Tiefen gibt, dass Dunkelheiten und Zweifel nicht ausbleiben und dass der Glaubensweg viel Frust beinhaltet – nicht nur über die kirchliche Wirklichkeit, sondern auch über Gott selbst, der nicht so »funktioniert«, wie wir uns das wünschen. Wir wissen aber auch – und können diese Erfahrung gerne mitteilen –, dass der Durst immer wieder gelöscht wird und wir in Gott (und in den Menschen, die ihn bezeugen) verlässliche Partner haben.

Und so zeigt die Wasser-Geschichte aus dem Buch Exodus einen Mose, der mit demselben Stab, mit dem er bereits in Ägypten auf den Nil geschlagen hat (zum Schaden des Pharao), jetzt an den Felsen am Horeb schlägt. »Es wird Wasser herauskommen und das Volk kann trinken«, heißt es. Und es ist schon hier mehr als nur Wasser gemeint. Denn der Ortsname »Horeb« gehört bereits zum »Sinai«, dem Ort, an dem Gott seine »Tora« geben wird, seine »Weisung« für ein gelungenes, geglücktes Leben. Gott bleibt uns nahe – im Durst nach Leben und zugleich im Durst nach einem guten, friedlichen, glücklichen Zusammenleben. Frust und Zweifel bleiben nicht aus, aber Gott ist da und schenkt alles, was nötig ist, zum Leben und Überleben.

»Würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören!« – »Massa und Meriba« warten auf uns – aber auch der Sinai und Gottes nie endende Sorge um sein Volk. Wenn das nicht eine ehrliche und zugleich nachhaltige Verheißung ist –
- für Menschen, die auf die Taufe zugehen;
- für Menschen, die aus ihrer Taufe leben;
- für Menschen, die sich in der Wüste ihrer Sinnsuche verloren haben!
Achten wir auf unsere Ressourcen, die natürlichen und die des Glaubens! Gefahren drohen immer. Doch Gottes Wasser fließen weiter – auch jenseits von Massa und Meriba.

Der Durst danach ist noch lange nicht vorbei.

Fürbitten
Lasst uns beten zu Gott, der am Horeb Wunder tut:

- Für unsere Kirche: Schenke ihr Ehrlichkeit und Überzeugungskraft im missionarischen Zeugnis.
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
- Für unsere Welt: Schenke allen Bemühungen im Umgang mit den natürlichen Ressourcen nachhaltigen Erfolg.
- Für alle Zweifelnden und Suchenden: Schenke ihnen deutliche Zeichen deiner Nähe und Treue.
- Für die Kranken und Sterbenden: Schenke ihnen deine Kraft und den Beistand liebender Menschen.
- Für uns alle: Schenke uns in dieser Fastenzeit lebendiges Wasser für unseren Glauben.

Herr, unser Gott. Wende dich uns zu und sei uns gnädig. Denn unsere Augen schauen aus nach dir, unserem Befreier und unserer Hoffnung. Dich loben und preisen wir alle Tage unseres Lebens durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

* (Franz Alt in: https://www.sonnenseite.com/de/zukunft/wasser-wird-kostbarer-alsgold.html (Download 01.12.2019).

Alfons Knoll

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