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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
16. Sonntag im Jahreskreis
Gastfreundschaft – eine urchristliche Tugend
Lesejahr C
Beitrag zum Evangelium

Einführung

Zu jedem größeren Ausflug gehört die Einkehr, zu jeder längeren Wanderung die Rast auf dem Weg. Auch auf unserem Lebensweg braucht es regelmäßig solche Raststationen, wo Leib und Seele Energie tanken können. Für den Evangelisten Lukas sind wir Christen »Leute des Weges« – Menschen, die mit einer Verheißung und einer Botschaft unterwegs sind. Unsere Wegzehrung ist die Eucharistie – nicht erst am Übergang in ein neues Leben, sondern schon hier und heute. Am Sonntag kehren wir ein und halten Rast, um Nahrung zu empfangen und Kraft zu schöpfen aus Gottes Wort und dem Mahl des Herrn.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, wie die ersten Jünger hast du auch uns als deine Weggefährten berufen.
Herr, erbarme dich.
Du sendest uns aus, um das Evangelium in Wort und Tat zu verkünden.
Christus, erbarme dich.
Du bist selbst der Anfang und das Ziel unseres Weges.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Gott, so hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch sind deine Wege über unseren Wegen. Und doch bleibst du uns nicht fern. Du begegnest uns auf unseren Wegen, du kehrst ein in unser Leben und unseren Alltag. Sei du in unserer Mitte, wenn wir uns um dich versammeln, um das Wort der Liebe hören und das Brot des Lebens zu empfangen durch Jesus Christus.

Liedvorschläge

Gesang zur Eröffnung
GL 148,1–3 »Komm her, freu dich mit uns, tritt ein«
Antwortgesang mit Ruf vor d em Evangelium
GL 429,1–2 »Gott wohnt in einem Lichte« und GL 175/2 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 378,1–3 »Brot, das die Hoffnung nährt«
Gesang zur Kommunion
GL 213,1–4 »O heilge Seelenspeise«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 456,1–2 »Herr, du bist mein Leben«

Vorüberlegungen


Zum Text: Lk 10,38–42 (Evangelium)


Mit der Einkehr Jesu bei Maria und Martha hat Lukas ein eindrückliches Erinnerungsbild geschaffen, das festhält, was Leben in der Nachfolge Jesu bedeutet. »Der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann« (Lk 10,58). Aber er findet in dieser Welt Menschen, die ihm ihr Haus zur Verfügung stellen, damit er auf seinem Weg Rast machen und das Reich Gottes verkünden kann. Jesus bleibt nicht zurück, wenn er seine Jünger ohne alles aussendet, um die frohe Botschaft zu verkünden (Lk 9,1–6; 10,1–16). Er geht seinen Jüngern voran und lebt ihnen vor, was sie ihm nachleben sollen. Jünger Jesu sind aber nicht nur die, die alles verlassen und Jesu bettelarme Lebensweise teilen. Seine Jüngerinnen sind auch Maria und Martha und alle, die es ihnen nachtun, das heißt, alle, die die Künder des Reiches Gottes bei sich aufnehmen, sie versorgen und auf ihre Botschaft hören. Ohne diese alltägliche Gastfreundschaft wäre das Evangelium bald am Ende. Es braucht, um bei den Menschen anzukommen, Aktion und Kontemplation. Es braucht konkrete Wege und Mittel, um sich in der Welt Gehör zu verschaffen. Es darf aber nicht in der Geschäftigkeit untergehen, die anderen predigt, was man selbst nicht mehr hören will. Dabei gibt es keine Erfolgsgarantie. Auch Jesus ist nicht überall erfolgreich gewesen, im Gegenteil: Die meisten Menschen wollten nichts von ihm wissen, und er hat sie gelassen. Er hat allen seinen Frieden entboten, aber er hat ihn keinem Menschen aufgezwungen. So sollten es auch seine Jünger und Jüngerinnen halten.

Predigt

Ein Ärgernis


Was Lukas uns hier von Jesus erzählt, ist und bleibt ein Ärgernis: ein Ärgernis für alle, die ihr Haus Tag für Tag bestellen, und – wenn wir das einmal verallgemeinern dürfen – ein Ärgernis für alle, die sich oft unter großen Anstrengungen bemühen, ihr Leben auf die Reihe zu kriegen: all das mehr oder weniger Notwendige immer rechtzeitig zu erledigen, sich um die eigenen und fremden Belange verlässlich zu kümmern oder – um es schlicht und preußisch zu sagen – ihre Pflicht zu erfüllen. Es ist Martha, die den heimatlosen Jesus bei sich aufnimmt, anscheinend hat sie im Haus das Sagen. Doch kaum ist Jesus einmal da, drängt sich Maria an ihn heran und verdrängt ihre Schwester in seiner Gunst. Wo wäre Jesus denn geblieben, wenn Martha nicht gewesen wäre? Was hätte Maria denn von ihm erfahren, wenn ihre Schwester sich nicht zuerst des müden Pilgers angenommen hätte? Sollen wir es damit bewenden lassen, dass Jesu Anspruch nun einmal dem Gerechtigkeitsempfinden der meisten Menschen widerspricht? Sollen wir darauf gar so etwas wie eine Kontrastgesellschaft gründen, die sich den anderen zwar nicht mehr erklären, dafür aber umso besser ihre exklusive Andersartigkeit pflegen kann?

Aktion und Kontemplation


Einen anderen Weg sind die Dominikanerinnen gegangen, die sich im oberschwäbischen Sießen von Dominikus Zimmermann eine barocke Klosterkirche errichten ließen. Der Freskenzyklus seines Bruders Johann Baptist Zimmermann aus dem Jahre 1729 stellt die Szene unseres heutigen Evangeliums in den Mittelpunkt: In einem luftigen Raum sitzt Jesus am Tisch und spricht mit Martha, die ihrerseits auf Maria verweist. In der Bildmitte steht Martha größer als die beiden anderen Figuren. Ohne sie wären sich Jesus und Maria gar nicht begegnet, ohne sie hätten der Meister und seine Schülerin nicht zueinander gefunden. Im Bild wird augenfällig, was eigentlich auch im Text steht: Ohne Martha und ihre dienstfertige Gastfreundschaft geht es nicht, ohne sie erreicht das Wort Jesu seine Adressaten nicht. Indem der Maler die Belobigte an den Rand drängt und die Getadelte ins Zentrum rückt, schafft er einen gerechten Ausgleich zwischen den beiden Frauen. Die Dominikanerinnen sahen darin den Ausgleich zwischen Kontemplation und Aktion, die sie als unaufhebbare Pole ihres geistlichen Lebens begriffen. Ein aktives Leben in rastloser Umtriebigkeit verliert Sinn und Ziel aus den Augen. Ein kontemplatives Leben in immerwährender Versenkung vergisst, dass sich bewähren muss, was nicht nur reine Nabelschau sein soll, sondern für das Leben als Ganzes an Wert gewinnen will. Beide zusammen, Maria und Martha, Kontemplation und Aktion, bilden eine spannungsvolle Einheit. Beide zusammen stehen für das, was christliches Leben ausmacht: gespannte Aufmerksamkeit im Hören auf das Wort des Herrn und freudige Hilfsbereitschaft im Dienst am Menschen.

Der gute Teil und das eine Notwendige

Schön und gut, könnte man sagen, ein gelungener Ausdruck dominikanischer Frömmigkeit! Aber wird mit dieser Sicht auf unser Evangelium nicht sein alles entscheidender Zug übermalt, nämlich dass Jesus – und mit ihm der Erzähler Lukas – für Maria Partei ergreift, während er Marthas Verhalten und Ansinnen zurückweist? Im griechischen Text wird das noch viel deutlicher als im deutschen. Martha war keineswegs nur »ganz davon in Anspruch genommen zu dienen«, wie es in der Einheitsübersetzung heißt. Vielmehr wurde sie durch ihren Diensteifer vom Wesentlichen abgelenkt und abgezogen. Schon in der Wortwahl gibt Lukas zu verstehen, dass er Marthas Eifer für fehlgeleitet hält. Sie reibt sich für etwas auf, das es nicht wert ist. Ihr Einsatz ist umsonst, weil er sie vom Eigentlichen abhält. Dieser Eindruck wird durch das Wort Jesu noch verstärkt: »Martha, Martha, du machst dir viele Sorgen und Mühen.« Auch hier bleibt die Einheitsübersetzung merkwürdig blass. Nicht dass Martha sich abmüht, wirft Jesus ihr seufzend vor. Die Mühe gehört zum menschlichen Leben. Nein, sie lässt sich beunruhigen von den vielen Dingen, um die sie sich kümmert. Ablenkung und Unruhe kennzeichnen ihr Leben statt Konzentration auf das Wesentliche und heiterer Gelassenheit in ihren täglichen Geschäften. Dabei ist nur eines notwendig. Im näheren Zusammenhang ist klar, was das ist: Hören auf das Wort des Herrn. Freilich wird das nicht ausdrücklich gesagt, und dadurch entsteht eine Leerstelle, die je nach Situation auch anders aufgefüllt werden kann. Das eine Notwendige ist nicht immer dasselbe, es ist in jeder Situation etwas anderes; oder wenn es im Grunde auch immer dasselbe ist, so konkretisiert es sich doch je nach Situation auf ganz unterschiedliche Weise. Es kann sogar sein, dass das eine Notwendige einmal darin besteht, genau das zu tun, was Martha getan hat, nämlich sich bekümmern und beunruhigen zu lassen von dem, was andere von uns brauchen. Maria hat in ihrer Situation »den guten Teil gewählt«, das heißt: das Richtige getan. In anderen Situationen kann anderes angemessen und richtig sein. Gott weiß ja, dass wir Nahrung und Kleidung, ein Dach über dem Kopf und was sonst noch alles brauchen; uns aber soll es in allem zuerst um sein Reich gehen, wie es Jesus nur zwei Kapitel weiter im Lukasevangelium formuliert (Lk 12,29–31). Das ist das eine Notwendige, das wir immer brauchen, auch wenn es sich zu verschiedenen Zeiten auf ganz unterschiedliche Art und Weise realisiert.

Gelebte Gastfreundschaft


Aufs Ganze gesehen wird also nicht erst der Barockmaler, sondern auch schon der Lukasevangelist beiden Frauen gerecht. Das tritt noch deutlicher hervor, wenn wir die heutige Perikope im größeren Zusammenhang lesen. Der freundliche Empfang, den die beiden Schwestern dem Wanderprediger Jesus bereiten, ist im Grunde nichts anderes als eine Illustration seiner großen Rede, mit der er die Jünger am vorletzten Sonntag zur Mission ausgesandt hatte (Lk 10,5–12). Das Erste und Wichtigste – erfahren wir dort – ist, dass die Missionare auf ihrer Wanderschaft bei den Menschen Aufnahme finden. Ohne gelebte Gastfreundschaft hat das Evangelium vom Reich Gottes keine Chance, bei den Menschen anzukommen. Das vergessen wir oft, weil unsere steuerfinanzierte Kirche auf die Gastfreundschaft ihrer Sympathisanten nicht mehr unmittelbar angewiesen ist. Es gerät uns aber auch aus dem Blick, weil wir uns die urchristliche Mission meist so vorstellen, wie Lukas sie in der Apostelgeschichte gerne schildert: Da sprechen die Missionare auf den großen Plätzen der Städte und sorgen gehörig für Aufsehen, auch wenn sich nicht immer gleich Scharen bekehren. Lukas ist ein gewiefter Erzähler, der seine Missionare eindrucksvoll in Szene zu setzen weiß. Tatsächlich müssen wir uns die Ausbreitung des Evangeliums in den Anfängen wohl meist viel unspektakulärer vorstellen: als Hausmission, die gesprächsweise und im kleinen Kreis erfolgt und nur dort ermöglicht wird, wo ein Hausvater oder eine Hausmutter die Tür öffnet und den Tisch deckt. Es braucht also beides, damals wie heute, damit das Evangelium zu den Menschen kommt: die helfende Hand und das offene Ohr, Martha und Maria. Beides kommt zusammen in der urchristlichen Tugend der Gastfreundschaft, die wir als solche meist gar nicht mehr wahrnehmen. Zwar wurde sie nicht erst von Christen erfunden, sondern gilt in der gesamten Antike – neben der Gottesfurcht – schlechthin als Ausweis eines rechtschaffenen Lebens. Aber schon Jesus hat seine Reich-Gottes-Verkündigung und sein ganzes Leben auf die Gastfreundschaft gegründet und Gleiches auch seinen Jüngern zur Regel gemacht. Dadurch wurde die gelebte Gastfreundschaft zum eigentlichen Vehikel der urchristlichen Mission.

Der Weg Jesu

Freilich kann man Gastfreundschaft durch nichts in der Welt erzwingen, sie muss einem aus freien Stücken gewährt werden. Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb sie in den Evangelisierungsbemühungen der späteren Kirche bis heute oft kaum eine Rolle gespielt hat. Bei Jesus hingegen ist sie das Erste und das Letzte, ohne das seine ganze Mission ins Leere gelaufen wäre. Leider verschweigt uns die Leseordnung gleich zu Beginn unseres heutigen Evangelienabschnitts ein wichtiges Detail. Da heißt es nicht einfach lapidar: »In jener Zeit kam Jesus in ein Dorf«, sondern: »Als sie aber unterwegs waren, kam Jesus in ein Dorf«. Dieser Hinweis ist wichtig; denn er erinnert uns daran, dass Jesus mit seinen Jüngern nun schon den vierten Sonntag in Folge – nach unserer Leseordnung – auf dem Weg nach Jerusalem ist. Er verliert sein Ziel nicht aus den Augen, und der Evangelist erinnert uns immer wieder daran; denn an dieser klaren Ausrichtung scheiden sich die Geister. Es ist ja keineswegs so, dass Jesus sich mit seiner Botschaft angebiedert hätte, um nur ja überall eine Anlaufstelle zu haben. Er geht seinen eigenen Weg, auch auf die Gefahr hin, dass die Menschen ihn ablehnen und ihm die Gastfreundschaft verweigern. Gleich zu Beginn musste er das erfahren, als er mit seinen Jüngern in einem samaritischen Dorf keine Unterkunft bekam, weil sie auf dem Weg nach Jerusalem waren, das die Samariter als religiöses Zentrum der Juden ablehnten (Lk 9,52–54). Im Verständnis des Lukas ging es dabei freilich um mehr: Die Samariter lehnten nicht nur den Juden Jesus ab, sondern den Sohn Gottes, der mit seinem Gang nach Jerusalem auf dem besten Wege war, vom Vater im Himmel aufgenommen zu werden (Lk 9,51). Im Unterschied zu seinen Jüngern reagiert Jesus darauf nicht mit Zorn, sondern geht einfach weiter seinen Weg. Schließlich ist er von Geburt an, als in der Herberge kein Platz für ihn zu finden war, heimatlos in dieser Welt (Lk 2,7). Wo man ihn einlässt, da kehrt der Friede ein, und das Verlorene findet sich beim Hören auf sein Wort (Lk 19,10). Wo man ihn aber abweist, da ist selbst er machtlos und kann nicht mehr tun als seiner Sendung treu bleiben und sie anderswo erfüllen. Muss nach all dem noch einmal gesagt werden, wie wichtig Martha dabei ist? Nicht nur ihre Schwester, auch sie hat zu ihrer Zeit das eine Notwendige getan, ohne das Maria niemals in den Genuss gekommen wäre, Jesus überhaupt zu hören: Sie hat ihn aufgenommen und ihm den nötigen Raum gegeben.

Fürbitten
Gott, wir sind Fremde und Pilger in dieser Welt. Doch du bist bei uns und gehst mit uns. So bitten wir dich:

- Für die Menschen, die durch Kriege und Naturkatastrophen ihre Heimat verloren haben.
(Herr, sei du ihnen Zuflucht und Hilfe.)
- Für die Menschen, die sich von ihrer Familie und ihren Freunden entfremdet haben und ganz auf sich gestellt sind.
- Für die Menschen, deren Leben durch Krankheit, beruflichen Misserfolg oder schlimme Erfahrungen zerbrochen ist.
- Für die Menschen, die durch den Tod aus dem Leben gerissen wurden und die wir schmerzlich vermissen.

Gott, auf dich vertrauen wir. Steh uns bei mit deiner Kraft durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Wilfried Eisele

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