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Leseprobe 3
Zweiter Sonntag der Osterzeit
Es war an einem Sonntag
Lesejahr C
Beitrag zur Lesung

Einführung

Der Weiße Sonntag, der Abschluss der österlichen Festwoche, lässt weiterklingen, was wir am Osterfest gefeiert haben: Das Leben hat besiegt den Tod. Was wir so in einem unserer Osterlieder singen und bekennen, das feiern wir Sonntag für Sonntag: die Auferstehung Jesu. Daraus schöpfen wir Kraft und Zuversicht für unser Leben.

Predigt


Zum Text: Offb 1,9–11a.12–13.17–19 (2. Lesung)

Es war an einem Sonntag


Es war an einem Sonntag, dem Tag des Herrn, an dem Johannes auf der Insel Patmos vom Geist des Herrn ergriffen wurde und in großen Visionen sah, was er dann im Auftrag des erhöhten Herrn Jesus Christus niedergeschrieben hat als Sendschreiben an sieben Gemeinden in Kleinasien, in der heutigen westlichen Türkei.
Mit diesen Informationen beginnt das letzte Buch der Heiligen Schrift, die Offenbarung des Johannes. Ein Buch, das für viele wahrlich ein Buch mit sieben Siegeln ist, ein rätselhaftes, schwer zu verstehendes Buch, ein Buch, das von nicht wenigen dazu benützt wird, immer wieder den baldigen Weltuntergang zu prophezeien und den Menschen damit Angst einzujagen.
Die Absicht des prophetischen Visionärs Johannes ist aber eine andere: Er will mit diesem Buch die Gemeinden, an die er es richtet, trösten und aufrichten mitten in der Bedrängnis, in einer für sie schwierigen, ja schweren Zeit. Er will sie ermutigen zum standhaften Ausharren in Jesus. Er ist mitten unter ihnen als der Auferstandene und Erhöhte. Die sieben goldenen Leuchter stehen für die sieben Gemeinden und mitten unter ihnen steht Christus.

Der Hintergrund

Was war der Hintergrund? Die sieben Gemeinden, die auch namentlich benannt werden, können wohl für alle damaligen Gemeinden stehen. Sie lebten in einer Zeit am Ende des ersten Jahrhunderts, in der es vor heidnischen Kulten und Religionen nur so wimmelte. Kleinasien war ein Kernland der frühen Kirche und ein Schmelztiegel der damaligen Zivilisation, von Kulturen, Kulten und Religionen. Die noch junge Christenheit war eine kleine Minderheit und erlitt das Schicksal vieler Minderheiten: Man hat sie argwöhnisch beobachtet, verdächtigt oder als Spinner abgetan. Sie wurden isoliert und erlitten vielerlei Nachteile. Sicherlich gab es auch schon Erfahrungen von regelrechter Verfolgung, die bereits in Rom unter Kaiser Nero eingesetzt hatte. Unsicherheit, Zweifel, Angst machten sich breit: Wo ist Gott? Warum greift er nicht ein durch die Wiederkunft Jesu Christi? – So werden sie gefragt haben. Und dazu kommt, dass das Feuer des Anfangs zu ersticken drohte in lauen Kompromissen, mit denen manche sich durchzulavieren versuchten. Das macht Johannes manchen der sieben Gemeinden zum Vorwurf.
In diese Situation hinein schreibt er das Buch in der damals nicht unbekannten Form einer Apokalypse. Darin geht es nicht um historische Abläufe und Chronologien des Weltuntergangs, sondern um die Frage: Wie sollen wir mit all dem, was heute passiert, auch an Schrecklichem, an unglaublich Schrecklichem und Bösem – wie sollen wir mit all dem umgehen? Worauf läuft das alles hinaus mit dieser Welt?
Diese Frage aber beschäftigte nicht nur die frühe Kirche, sondern genauso viele Menschen heute. Für eine Antwort ist aber die Perspektive, die ich habe, entscheidend. Denn die Perspektive, die ich habe, prägt mein Weltbild, meine Einstellungen, mein Verhalten in der Gegenwart. Da scheint mir eine wichtige Bemerkung in der Lesung die ausdrückliche Angabe des Wochentages zu sein, an dem Johannes diese Visionen hatte und niederschrieb: Es war ein Sonntag, der Tag des Herrn, also der Christus-Tag, wie die frühe Kirche diesen Tag nannte, der Tag der Auferstehung Jesu.
Und das ist keine nebensächliche Randbemerkung, sondern so etwas wie das entscheidende Vorzeichen für das ganze Buch. Vom Sieg Jesu über den Tod in seiner Auferstehung ist das ganze Buch getränkt: »Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, doch siehe, ich lebe in alle Ewigkeit« (Offb 1,17b.18a). Die Auferstehung Jesu ist der Dreh- und Angelpunkt des christlichen Glaubens. Von ihr bekommen Gegenwart und Zukunft ihre Deutung und Bedeutung.
Wir haben vor einer Woche festlich Ostern gefeiert und tun dies gewissermaßen jeden Sonntag. Der Sonntag ist sozusagen der Ankerpunkt christlichen Lebens und Glaubens, der Tag des Aufstandes des Lebens gegen den Tod. Denn jeder Sonntag ist Feier des Sieges des Lebens über den Tod und alle Mächte des Bösen und des Todes. Der Sonntag ist die Feier des Lebens, das auch der Tod nicht vernichten kann. Der Sonntag ist der erste Tag der Woche, also der erste Schöpfungstag, an dem Gott die Schöpfung ins Dasein rief. Und er ist als der Tag der Auferstehung der Beginn der neuen Schöpfung. So endet auch das Buch der Offenbarung des Johannes im großartigen Bild des himmlischen Jerusalem, der neuen Schöpfung. Nicht Untergang und Zerstörung ist das Ziel, sondern das Leben mit Gott.
Damit wird all das Böse und Schreckliche, das die Gemeinden damals erlebten und das wir heute erleben, nicht weniger schlimm. Dieser Glaube ist wahrlich keine billige Vertröstung auf ein besseres Jenseits. Dieser Glaube ist die Perspektive, die inmitten der Welt, wie sie ist, Hoffnung gibt und Mut macht, daran festzuhalten und daraus die Welt zu gestalten – nicht als ein hilfloser Tropfen auf den heißen Stein, sondern als Ausdruck einer Perspektive, die eben nicht Traum und Utopie ist, sondern zutiefst Wirklichkeit, die auch die Realitäten dieser Welt nicht auslöschen können.
Was wir an jedem Sonntag und an Ostern feiern, ist der Aufstand des Lebens gegen den Tod – kein menschlicher Aufstand, der müsste letztlich scheitern, sondern der Aufstand Gottes selbst, der Jesus von den Toten auferweckt hat.
Mit diesem Bekenntnis steht und fällt unser christlicher Glaube. Darum: Es war an einem Sonntag, als Johannes auf Patmos seine prophetischen Visionen den Gemeinden aufschrieb, als kritische Mahnung in einer Zeit voller Versuchungen, als Trost und Ermutigung in einer unsicheren, schwierigen Zeit.

Fürbitten

Gott hat Jesus Christus von den Toten auferweckt. Zu ihm rufen wir:

- Für alle, die durch die Taufe zu Christus gehören: Ermutige und bestärke sie im Glauben.
- Für die Menschen, die in ihrem Glauben unsicher geworden sind, die zweifeln und ratlos sind: Führe du sie durch deinen Heiligen Geist.
- Für alle, die durch schlimme Erlebnisse und Ereignisse verzweifelt sind und am Leben zu zerbrechen drohen: Richte sie auf.
- Für die Erstkommunionkinder, die heute und an den kommenden Sonntagen zum ersten Mal die heilige Kommunion empfangen: Sei du bei ihnen mit deinem Segen.
- Für unsere Verstorbenen: Gib ihnen Anteil am österlichen Sieg Jesu Christi, dass sie leben bei dir.

Lebendiger Gott, du Gott des Lebens, dir vertrauen wir, wenn wir mit unseren Bitten zu dir kommen. Dich loben und preisen wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Hans-Michael Schneider

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