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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Ostersonntag
Nächster sein
Lesejahr A – B – C
Beitrag I zum Evangelium

Einführung


Gute Nachrichten verbreiten sich wie ein Lauffeuer. Leise oft erst, aber dann wie ein Sturm und mit lautstarkem Jubel. Die gute Nachricht nicht nur des heutigen Tages: »Der Herr ist auferstanden.« Geben Sie sie weiter! Dazu eine kleine Übung im Stil der stillen Post. Auf mein Zeichen flüstern Sie, angefangen am rechten Ende jeder Bankreihe [variabel je nach Anzahl der Gottesdienstbesucher und Architektur der Kirche] die Osterbotschaft in das Ohr Ihres linken Nachbarn. Wenn Sie am linken Ende der Bank angekommen ist, rufen wir sie alle gemeinsam laut heraus. Und dann dürfen Sie lachen, weil es vielleicht in Ihrem Ohr gekitzelt hat, aber ganz bestimmt, weil die gute Nachricht eine Freudenbotschaft ist. Also los [flüstern]: »Der Herr ist auferstanden. Halleluja!«

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du bist auferweckt zum ewigen Leben.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, durch dein Kreuz hast du den Tod besiegt.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, im Glauben an dich werden auch wir leben.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Allmächtiger Gott,
durch deinen Sohn hast du heute den Tod besiegt und uns den Weg zum ewigen Leben eröffnet.
Erneuere uns, die wir seine Auferstehung zu feiern, durch deinen Geist, damit wir aufrecht im Licht des Lebens unseren Weg gehen können.
Durch Christus, unseren Herrn.

Liedvorschläge

Gesang zur Eröffnung
GL 318 »Christ ist erstanden«
Antwortgesang
GL 66/1 »Das ist der Tag, den der Herr gemacht« mit 66/2
(Psalm 118 (117),1–2.16–17.22–23)
Ostersequenz
GL 320 »Victimae paschali«
Halleluja-Ruf
GL 174 »Alleluja, Alleluja, Alleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 329 »Das ist der Tag, den Gott gemacht«
Gesang zur Kommunion
GL 321 »Surrexit Dominus vere« und GL 394 »Laudate Dominum«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 326 »Wir wollen alle fröhlich sein«

Vorüberlegungen

Zum Text: Joh 20,1–18 (Evangelium)

Die Perikope des heutigen Ostersonntags bildet den Auftakt der johanneischen Ostererzählungen. Maria Magdalena, Petrus und der »Jünger, den Jesus liebte«, treffen am Morgen des dritten Tages nach der Kreuzigung nacheinander an der Begräbnisstätte Jesu ein und sind mit der verblüffenden Realität der Leere des Grabes konfrontiert, die der Lieblingsjünger – in gewisser Konkurrenz zu Petrus – als erster glaubend erfasst. Die längere Form des Evangeliums (einschließlich Joh 20,11–18) umfasst die Begegnung Maria Magdalenas mit dem Auferstandenen, den sie in ihrer ganzen Trauer und Unruhe um das Verschwinden des Leichnams nicht erkennt. Die Wirklichkeit von Ostern ist so radikal neu und anders, dass sie aus allen menschlichen Kategorien herausfällt. Erst als Jesus Maria anspricht und seine Identität enthüllt, erkennt sie ihn und kommt auch sie zum Glauben an die Auferstehung.
Die Predigt greift diese beiden Erfahrungen – leeres Grab und Begegnung mit dem Auferstandenen – auf und fragt, was die Jüngerinnen und Jünger Jesu uns an diesem Ostermorgen wirklich voraushatten.

Predigt

tür auf
einer raus
einer rein
vierter sein

tür auf
einer raus
einer rein
dritter sein

tür auf
einer raus
einer rein
zweiter sein

tür auf
einer raus
einer rein
nächster sein

tür auf
einer raus
selber rein
tagherrdoktor

( Ernst Jandl, fünfter sein, in: der künstliche baum, Neuwied: Luchterhand, 1970, S. 65. Das gleichnamige Kinderbuch mit Illustrationen von Norman Junge ist erschienen bei Beltz (Weinheim) 1997.

Wenn Sie Kinder oder Enkelkinder haben, kennen Sie dieses Gedicht des Österreichers Ernst Jandl vielleicht aus dem wunderbaren Bilderbuch »Fünfter sein«. Erzählt wird die Geschichte eines Puppenpinocchios, der im Wartezimmer eines Spielzeugdoktors mit gebrochener Nase aufgeregt und ein wenig ängstlich auf seinem Stuhl sitzt, während seine vier Mitwartenden einer nach dem anderen aufgerufen werden, bis er schließlich selbst an die Reihe kommt.
Mir kam das Gedicht in den Sinn, als ich mir den Stafettenlauf vorzustellen versuchte, den Johannes in seinem Osterevangelium erzählt. Maria Magdalena, dann der Lieblingsjünger mit den schnellen Beinen und schließlich Petrus sind erste, zweiter und dritter am Grab, das sie völlig unerwartet leer vorfinden. Ich muss zugeben, dass ich wohl gern »nächster« gewesen wäre, von mir aus auch »fünfter«. Die Neugierde ist schon groß, versteckt unter dem Deckmantel des – natürlich rein wissenschaftlichen – Interesses, wie es denn nun wirklich gewesen ist. Der gläubige Mensch in mir wäre ergriffen von der Heiligkeit des Ortes: einmal Jesus so nahekommen – hier ist es gewesen! Und ich würde hoffen, ein Quäntchen Gewissheit zu erhalten. Und nichts anderes als Gewissheit könnte es ja sein, denn unterliegen wir nicht alle der Illusion, dass wir selbstverständlich an Jesus geglaubt und ihn als Sohn Gottes erkannt hätten, wären wir ihm damals begegnet?
Nur ist das mit der Gewissheit so eine Sache. Denn weder Petrus noch Maria Magdalena bekommen sie beim Anblick des leeren Grabes. Und sie werden nicht die Letzten gewesen sein, die in das Grab hineingegangen sind an diesem Ostermorgen in Jerusalem. Weitere Anhänger Jesu werden ihnen gefolgt sein. Auch berufsbedingt argwöhnische Tempelbedienstete und römisches Servicepersonal dürfen wir vermuten, die ob des verschwundenen Leichnams anfingen, wegen Betrugs zu ermitteln. Ein leeres Grab mag Neugierde erregen, aber garantiert zum Glauben bringt es niemanden.
Damit ist die Sache mit dem »Nächster sein« aber noch nicht abgehakt. Denn wir wissen, was Maria Magdalena und Petrus zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen: Jesus ist nicht einfach »weg«; er ist auferstanden. Es ist eine Erkenntnis, die wir aus der weiteren Schriftlektüre und aus unserer ganzen kirchlichen Erfahrung haben. Wir wissen, wie die Geschichte weitergeht, und wären schließlich auch nicht hier ohne alljährlichen Auferstehungsgottesdienst; und Osterferien gäbe es auch nicht. Wir wissen es aber, weil Jesus seinen Jüngern und Jüngerinnen nach dem leeren Grab begegnet ist. Sie alle sind zum Glauben gekommen, weil sich Jesus ihnen als der Auferstandene gezeigt hat: von der sehr intimen Begegnung Maria Magdalenas, die Jesus beim Namen und ins Herz anspricht, über das geteilte Frühstück am See Gennesaret, dem spektakulären Durchschreiten geschlossener Türen bis hin zu Thomas, der, wissenschaftlich redlich, erst glaubt, als er seine Finger in die Wundmale legen darf. Die Anhänger Jesu haben alle ihre persönlichen Erfahrungen mit ihm gemacht – womit sie uns wieder einen Schritt voraus sind. Oder nicht?
Wenn wir dem Zeugnis der Jüngerinnen und Jünger und so vieler weiterer Christinnen und Christen durch die Geschichte glauben dürfen, dann ist die Erfahrung des Auferstandenen nicht auf einen kleinen exklusiven Kreis von Menschen im jüdischen Umfeld der Antike beschränkt. Die Wirklichkeit von Ostern durchbricht Zeit und Raum und trifft und bewegt und belebt Menschen zu allen Zeiten. Wir wissen aber auch, dass dies kein Automatismus ist. Vielleicht haben Sie Erfahrungen der Auferstehung in Ihrem Leben bereits gemacht; vielleicht sitzen Sie aber auch wie der Puppenpinocchio noch auf der harten (Kirchen-)Bank mit der sinnbildlich gebrochenen Nase und der Wartemarke in der Hand. Das Leben, wir wissen es alle, kann verdammt schwer sein, wenn man auf Besserung, Heilung, Trost, Gerechtigkeit und Hoffnung wartet. Lassen Sie sich heute sagen, dass auch Sie einmal »Nächster« sein werden: »tür auf / einer raus / selber rein / tagherrdoktor.«

Fürbitten
Christus ist von den Toten auferweckt. Der Tod ist tot, das Leben lebt. Diese Botschaft gilt allen Menschen, aber so viele warten auf neues Leben und neue Hoffnung. Lasst uns Gott, unseren Vater, bitten:

- Für die Christen in aller Welt und in allen Konfessionen, die ihr Leben in guten und in schweren Zeiten an der Osterbotschaft auszurichten versuchen.
- Für die Regierenden, die Wohlstand, Frieden, Gerechtigkeit und Lebensmöglichkeiten ganzer Gesellschaften und Völker in ihrer Hand haben.
-Für die Notleidenden, die Arbeit, Gesundheit, Sicherheit, Vertrauen oder ihre Heimat verloren haben.
- Für die Trauernden, die wie die Jüngerinnen und Jünger Jesu an den Gräbern ihrer Partner, Familienmitglieder oder Freunde Erinnerung, Trost und Begegnung suchen.
-Für unsere Verstorbenen, für die wir im Licht von Ostern auf Freude, Erfüllung und Gemeinschaft bei dir hoffen.

Denn du, Herr, bist gütig und deine Huld währt ewig. Wir preisen
dich und danken dir durch Christus unseren Herrn. Amen.

Sabine Schratz

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