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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Heiliger Josef
Der Vorname
Lesejahr A – B – C
Beitrag zum Evangelium

Einführung


Namensbücher studieren, im Internet recherchieren, die Top 10 der Vornamen anschauen, nach berühmten Persönlichkeiten suchen, Listen mit Lieblingsnamen erstellen – es gibt viele Möglichkeiten, wie junge Eltern heute einen Namen für ihr Kind finden.
Josef hatte es da einfacher. Keine Besprechung mit Maria, sondern eine göttliche Eingebung, um zu dem Namen zu kommen, der bis heute nachklingt: Jesus.
Dieser Name, der Menschen ermöglicht zu beten, den anzusprechen, der uns Gottes Nähe vermittelt. So wie jetzt, wenn wir zu ihm rufen mit all unserer Sehnsucht nach Rettung und Befreiung, die uns heute bewegt.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus, du rettest aus Angst und Tod.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du hilfst in Not und Leid.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus, du befreist von Schuld und Sünde.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Allmächtiger Gott,
du hast Jesus, unseren Heiland, und seine Mutter Maria der treuen Sorge des heiligen Josef anvertraut. Er hatte die Aufgabe, deinem Sohn den Namen Jesus zu geben.
Lass uns, wenn wir diesen Namen aussprechen, in Berührung kommen mit dem, der uns rettend und heilend zur Hilfe kommt. Lass uns, wenn sein Name erklingt, Trost und Zuversicht finden
durch ihn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir, Vater, lebt und wirkt in Ewigkeit.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 368 »O lieber Jesu, denk ich dein« oder
GL 905 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Manchmal schweigen wir und horchen«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 395 »Den Herren will ich loben« und GL 174/4 »Halleluja« oder
EH 265 »Ich lobe meinen Gott, von ganzem Herzen«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 378 »Brot, das die Hoffnung nährt« oder
GL 377 »O Jesu, all mein Leben bist du«
Gesang zur Kommunion
GL 364 »Schönster Herr Jesu« oder
EH 240 »Sei gegrüßt, Herr Jesus«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 384 »Hoch sei gepriesen unser Gott« oder
GL 856 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Gib, Herr, uns deinen Segen«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mt 1,16.18–21.24a (Evangelium)

Der Stammbaum Jesu bei Matthäus mündet in einer »Geburtsanzeige«. »Mit der Geburt Jesu Christi war es so«, beginnt der Evangelist die Beschreibung der näheren Umstände der Geburt Jesu. Josef spielt dabei eine aktive Rolle. Ein Engel ermutigt ihn, Maria als seine Frau zu sich zu nehmen. Er gibt Josef den Auftrag, dem Sohn, der bald geboren wird, »den Namen Jesus« zu geben. Auf die Namensgebung läuft dieser Abschnitt zu. Josef erfüllt seinen Auftrag. Er ist es, der für das Kind den Vornamen wählt. »Er gab ihm den Namen Jesus«, heißt es im letzten Vers des Abschnittes, der im Evangelium des Hochfestes allerdings fehlt. Ausgehend vom Film »Der Vorname« erschließt die Predigt die Bedeutung der Namenswahl und des Namens Jesu und lädt ein, über die Verehrung des Namens Jesu einen Zugang zu ihm zu finden.

Predigt

Wie soll er heißen?

E s hätte ein wunderbares Abendessen werden können, zu dem Stephan und seine Frau Elisabeth in ihr Bonner Haus eingeladen haben. Doch dann kommt es ganz anders. Thomas, der Bruder von Elisabeth, lässt die beiden und den ebenfalls eingeladenen Familienfreund René genüsslich raten, welchen Vornamen er und seine schwangere Freundin Anna ihrem Sohn geben werden. Ein heiteres Ratespiel beginnt, bis der entnervte Gastgeber Thomas auffordert. »Dann sag’s doch!« – »Adolf«, sagt Thomas in die gespannte Stille hinein. Sie werden ihren Sohn Adolf nennen. Jetzt geht es richtig rund. Man diskutiert nicht nur über die Unmöglichkeit oder Außergewöhnlichkeit dieses Namens. Man faucht einander Wahrheiten ins Gesicht, die zugunsten eines harmonischen Zusammenseins besser ungesagt geblieben wären. Der Abend eskaliert: die Diskussion über falsche und richtige Vornamen geht in ein Psychospiel über, bei dem die schlimmsten Jugendsünden und die größten Geheimnisse aller Gäste lustvoll serviert werden. Letzten Herbst kam diese Geschichte als Film unter der Regie von Sönke Wortmann in die Kinos. Mit dem Titel: »Der Vorname«. (Drehbuch: Claudius Pläging nach dem Theaterstück »Le Prénom« von Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte.)

Jesus


Was wäre wohl passiert, wenn Thomas »Jesus« gesagt hätte. »Wir nennen unseren Sohn Jesus.« Vielleicht hätte er statt der entsetzten Blicke schallendes Gelächter geerntet. Vielleicht hätten die anderen ihn gefragt, ob er jetzt besonders religiös geworden sei. Oder sie hätten darüber philosophiert, was dieser Name mit dem Sohn macht, wie er, immer wenn er einmal wütend wird oder ausrastet, zu hören bekommt: »Du bist doch Jesus.« Was er denn wohl mache, wenn er einmal nichts mit Religion anfangen kann und aus der Kirche austritt. Ja, ein Name ist nicht nur Schall und Rauch. Ein Vorname nicht nur ein Unterscheidungsmerkmal. Ein Name hat Bedeutung und prägt den, der ihn trägt.
Darum geht es auch im Evangelium am Hochfest des heiligen Josef. Dieser Abschnitt, der über die Herkunft Jesu und die Umstände seiner Geburt Auskunft geben will, endet mit der Entscheidung, mit der im Film das Unheil seinen Lauf genommen hat: mit der Wahl des Vornamens.

Einen Vornamen wählen …

Die Wahl eines Vornamens verbindet die Geschichte eines Menschen mit seiner Zukunft. Wenn Eltern für ihr Kind einen Vornamen aussuchen, fließt in ihre Überlegungen nicht selten die Frage ein: Welcher Mensch hat vor unserem Kind schon einmal diesen Namen getragen? Manches Mal wird mit dem Vornamen oder dem zweiten Vornamen an die Familientradition angeknüpft, wenn das Kind so heißen soll wie der Opa oder die Uroma. Mit dem Namen, seiner Bedeutung, seinem Klang, verbinden sich nicht selten – bewusst oder unbewusst – Hoffnungen und Wünsche im Blick auf das Leben, das vor diesem Kind liegt. Und Vornamen sagen, so sehen es Statistiker oder Pädagogen, oft viel über die Eltern aus, die ihn gewählt haben, ihre Herkunft, ihr Milieu, ihre Bildung.
ihn gewählt haben, ihre Herkunft, ihr Milieu, ihre Bildung. Bei Josef ist es ein wenig anders. Er wird bei der Namensgebung am achten Tag nach der Geburt zwar auch einmal sagen: »Wir nennen ihn Jesus.« Aber er hat diesen Namen ja nicht selbst ausgesucht. Hier hat Gott seine Finger im Spiel, sagt Matthäus. Ein Engel nimmt Josef im Traum diese für Eltern oft so schwierige Entscheidung ab: Deine Frau »wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben«.
Wenn wir Jesus hören, denken wir unweigerlich an diesen Jesus von Nazaret. In spanischsprachigen Ländern dürfte das anders sein. Da denken Menschen auch an jene Jungen und Männer, die heute Jesus als Vornamen tragen. Wie war das wohl bei Jesus? In der Reihe der Vorfahren, die Matthäus auflistet, taucht kein Jesus auf. Der Name selbst war aber gebräuchlich. Jesus, wie es bei uns heißt, übersetzt die aramäische Kurzform Jeschua oder Jeschu des hebräischen männlichen Vornamens Jehoschua. Seine Bedeutung: »Gott ist die Rettung« oder »der Herr hilft«. Wir könnten also sagen: Dieser Name ist Programm. Er steht wie eine Überschrift über dem zukünftigen Leben dieses Kindes. Und dieser Namensträger wird seine Bedeutung auf einzigartige Weise einlösen.

… der gut wirkt …

Ein Name wirkt. Im Film »Der Vorname« hat er einen gemütlichen Abend eskalieren lassen. Er hat Erinnerungen geweckt. Er hat dunkelste Geschichte wachgerufen. Er hat aber auch gezeigt, wie Menschen mit dieser Geschichte umgehen und sich heute positionieren. Er hat damit eine Dynamik entwickelt, die die Gäste dieses Abends mit ihrer eigenen Geschichte, mit ihren eigenen dunklen Seiten, mit Unausgesprochenem und nicht Ausgelebtem konfrontiert hat. Als Zuschauer staunst du, was so ein Vorname alles auslösen kann. Und du lachst, weil es kaum zu glauben ist, wie sie immer noch streiten, als längst schon klar ist, dass die Wahl dieses Namens gar nicht ernst gemeint war.
Der Name wirkt. Der Name Jesu wirkt. In seinem Namen predigen seine Jünger später und heilen, wie es zum Beispiel in der Apostelgeschichte heißt (vgl. Apg 3,6). Sein Name hat für sie eine Kraft. Und im frühen Christentum entwickelt sich eine Verehrung des Namens Jesu. In verschiedenen Gebeten wie dem Jesusgebet oder dem Rosenkranz wird der Name Jesu später angerufen. Sogar eine eigene liturgische Verehrung des Namens Jesu hat sich im Lauf der Geschichte entwickelt.

… wie der Name Jesu

Wie wirkt der Name Jesu heute, bei uns? Phantasien, warum Josef ausgerechnet diesen Namen gewählt hat, löst er wohl keine aus. Da wissen wir ja, dass er nicht ganz frei war in seiner Wahl. Kritische Anfragen sind damit auch nicht angesagt. Aber dieser Name könnte bei uns etwas zum Klingen und Schwingen bringen. Seine Bedeutung: Gott rettet, Gott hilft. Der Name kann Erinnerungen wachrufen, wo ich Rettung erfahren habe, wo ich dies als Gottesnähe und »Hilfe von oben« gedeutet habe. Er kann aber auch meine Enttäuschung wieder hochkommen lassen, wo ich vergeblich auf ihn gehofft und seine Hilfe schmerzlich vermisst habe. Der Name kann Sehnsucht wecken. Meine Sehnsucht nach einem Helfer, nach einem Retter, der mich befreit, nach einem nahen Gott, der mir beisteht. Der Name kann Nähe vermitteln. Er kann mir Jesus nahe bringen, weil in diesem Namen seine Geschichte, seine Worte und Taten, seine Liebe und Hingabe zum Klingen kommt. Er kann aber auch mich in seine Nähe bringen, weil ich mit diesem Namen ihn ansprechen, ihn nennen, zu ihm beten kann. Damit ist Jesus ein Name, der gut und heilsam wirkt, bis heute. Josef sei Dank, dass er im Traum auf den Engel gehört und diesen Vornamen gewählt hat.

Fürbitten
»Er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.« Dieser Zusage, die im Namen Jesu liegt, vertrauen wir. So bitten wir dich, Gott:

- Hilf deiner Kirche, deinen Namen so zum Klingen zu bringen, dass die Menschen unserer Tage angesprochen und berührt werden. - Stille - Jesus, unser Retter:
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
- Rette deine Schöpfung vor allem, was sie durch menschliches Handeln bedroht und gefährdet. - Stille - Jesus, unser Retter:
- Befreie alle, die in dieser Fastenzeit versuchen loszukommen von schlechten Gewohnheiten, einem ungesunden Lebensstil oder schädlichen Einflüssen. - Stille - Jesus, unser Retter:
- Führe alle Eltern, die für ihr neu geborenes Kind einen ählen, zu einer guten Entscheidung. - Stille - Jesus, unser Retter:
- Erlöse die Sterbenden aus ihrer Not. Lass sie auf die Fürsprache des heiligen Josef in Frieden aus dieser Welt scheiden. - Stille - Jesus, unser Retter:
- Löse unsere Verstorbenen aus den Fesseln des Todes und führe sie ins ewige Leben. - Stille - Jesus, unser Retter:

Gott, der heilige Josef hat Jesus den Namen gegeben, der für uns bis heute einen hoffnungsvollen Klang hat. Sei gepriesen durch ihn, deinen Sohn, und den Heiligen Geist, heute und alle Zeit bis in Ewigkeit. Amen.

Klaus Kempter

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