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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Zweiter Sonntag im Jahreskreis
Bringen wir unsere Gaben ein
Lesejahr C
Beitrag zur Lesung

Einführung


Vermutlich haben Sie sich heute schon im Spiegel gesehen. Vielleicht beim Waschen oder Haare Kämmen. Wie haben Sie sich angeschaut? Kritisch und prüfend – manchmal hat man ja etwas an sich auszusetzen – oder freundlich und liebevoll? Wir dürfen uns liebevoll anschauen. Denn Gott selbst schaut uns ja mit einem liebevollen Blick an. Jede und jeden von uns. Gleich, wer wir sind. »Du bist ein von mir geliebter Mensch«, sagt uns Gott, »und dein Nachbar ist es auch.« Freuen wir uns darüber und danken wir Gott dafür.

Predigt

Zum Text: 1 Kor 12,4–11 (2. Lesung)

Die Situation der Gemeinde in Korinth

Die Lesung aus dem 1. Korintherbrief führt uns in die christliche Gemeinde von Korinth zur Zeit des Apostels Paulus. Diese sehr lebendige Hafenstadt war ein Zentrum des Handels. Es gab ein ständiges Kommen und Gehen von Schiffen, Waren und Menschen. Unterschiedliche Kulturen, Sprachen und Religionen prallten in Korinth aufeinander. Das Leben in Korinth war schwer und der Graben zwischen dem Luxus der Reichen und dem Elend der Armen war sehr groß. In diese heftige Stadt kommt Paulus. Werktags arbeitet er als Zeltmacher; am Sabbat erzählt er in den jüdischen Gebetshäusern von Jesus Christus. Viele lehnen seine Botschaft ab. Doch einige – Juden und Griechen, viele Arme, aber auch manche Wohlhabende – glauben Paulus. Als Paulus Korinth verlässt, ist in der großen Hafenstadt eine kleine christliche Hausgemeinde entstanden.
Sie wird von einem Ehepaar geleitet, Priscilla und Aquila. In der Gemeinde entstehen jedoch Meinungsverschiedenheiten und Streitereien. Wer hat das Sagen in der Gemeinde? Wer darf am gemeinsamen Mahl teilnehmen? Wird das Essen geteilt oder isst jeder nur das, was er selbst mitgebracht hat? Es geht um den rechten Glauben, um Gemeinschaft, um Sexualität, um Ehescheidung. Es geht um Macht. Die Gemeinde droht sich zu spalten. In dieser Situation schreiben sie einen Brief an Paulus. Paulus will mit seiner Antwort für Klärung und Beruhigung sorgen und den Glauben stärken.

Die Situation bei uns heute


Fast 2000 Jahre liegen zwischen der Gemeinde von Korinth und unseren heutigen Gemeinden. Doch dürfte uns einiges bekannt vorkommen. Das Zusammentreffen unterschiedlicher Sprachen, Kulturen und Religionen erleben wir. Die Spannung zwischen Armut und Reichtum, zum Beispiel Wohnungsnot einerseits und Luxusurlaube andererseits, kennen wir. Und auch die Konflikte innerhalb der Gemeinde und innerhalb der Kirche sind uns bestens vertraut. Wer hat welche Macht? Wie wird mit dem Missbrauch von Macht umgegangen? Wie stehen wir zu Sexualität, zu Ehescheidung und Wiederverheiratung? Wer darf am Mahl teilnehmen, oder deutlicher: wer darf dazu gehören und wer wird ausgeschlossen? Und schließlich die Frage hinter allen Fragen: Was glauben und erhoffen wir uns eigentlich noch? Die zeitliche Entfernung von 2000 Jahren ist also gar nicht so groß.

Jede und jeder hat eine Gabe und eine Berufung


Mit seinem Brief will Paulus Antworten geben. Manche Abschnitte daraus sind eher bekannt, wie seine Gedanken zu Glaube, Hoffnung und Liebe. Andere Überlegungen, wie auch die der heutigen Lesung, sind es weniger. Dabei haben es diese Aussagen in sich. Denn Paulus sagt klar und deutlich: Jede und jeder bekommt durch den einen Geist eine besondere Gabe. Und jeder Mensch ist mit seiner Gabe, seinen Begabungen für die Gemeinde wichtig. Ob Frau, ob Mann, ob jung, ob alt, ob arm, ob reich, ob behindert oder nicht, ob seit langem oder erst seit kurzem dabei – alle sind begabt und tragen damit eine besondere Berufung in sich. Der morgendliche Blick in den Spiegel sagt mir deshalb nicht nur, dass ich ein von Gott geliebter Mensch bin, sondern dass ich von Gott auch eine besondere Gabe und Berufung bekommen habe. Und meine Nachbarin und mein Nachbar ebenso. Der eine hat die Gabe, die richtigen Fragen zu stellen; die andere versteht sich darauf, in ihren Mitmenschen den Glauben zu wecken. Der eine hat die Gabe, organisieren zu können; die andere weiß, wie man menschenfreundlich führen und leiten kann. Der eine tut Menschen einfach gut, so wie er da ist; die andere findet das richtige Wort zur rechten Zeit. Noch viel mehr solcher Gaben gibt es und schön wäre es, sie sich gegenseitig zu sagen. Denn oft kennt man die eigene Gabe nicht oder redet sie klein. Es geht deshalb auch nicht darum, auf die Begabung des anderen neidisch zu sein, sondern die eigene Gabe zu entdecken.

Gaben mit einem Auftrag

Zwei Gedanken sind Paulus nun sehr wichtig. Der eine Gedanke: Meine Gabe wird mir geschenkt, damit sie anderen nützt. Meine Gabe ist also ein Geschenk an mich, das ich für die anderen innerhalb wie außerhalb der Gemeinde einsetzen soll. Im eigenen Leben die eigene Gabe zu entdecken und sie zum Wohl der anderen einzusetzen, hilft den Menschen, stärkt das Zusammenleben und gibt meinem Leben Sinn. Der zweite Gedanke: Die verschiedenen Gaben kommen aus dem einen Geist und von dem einen Gott. Unsere Gaben verbinden uns mit Gott und miteinander. Niemand kann sich deshalb aufgrund seiner Gabe und seiner Berufung wichtiger oder besser als die anderen fühlen. Jede Gabe ist gleich viel wert, so wie es auch jeder Mensch ist. Denn beide – Mensch wie Gabe – kommen von Gott.
Die Gaben der Einzelnen bringen die Gemeinschaft voran. Es ist deshalb wichtig, diese Gaben in der Gemeinde und über die Gemeinde hinaus wirken zu lassen, um den Herausforderungen unserer Zeit als Christen begegnen zu können. Denn die Herausforderungen damals – kulturelle und religiöse Vielfalt, Armut und Reichtum, dazugehören oder ausgeschlossen werden, der Umgang mit Sexualität und die Verführungen der Macht – sind auch unsere Herausforderungen heute. Wir brauchen Antworten darauf. Begabte Antworten, die uns mit Gott und miteinander verbinden. Helfen wir uns gegenseitig, unsere Gaben zu entdecken, und bringen wir sie ein.

Fürbitten

Guter Gott, aus dem einen Geist heraus hast du uns unsere Begabungen geschenkt. Sie sollen uns mit dir und unseren Mitmenschen verbinden. Dich bitten wir:

- Für unsere Welt: dass die Menschen ihre einzigartigen Gaben entdecken und sie füreinander und nicht gegeneinander einsetzen.
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
- Für unsere Kirchen: dass sie den Gaben ihrer Mitglieder Raum geben, damit sich der Geist in ihnen entfalten kann.
- Für unsere Gemeinden: dass sie die Herausforderungen der Zeit erkennen und aus der Fülle ihrer Gaben darauf antworten können.
- Für unsere Verstorbenen: dass sie bei dir, von dem alle Gaben kommen, sein dürfen.
- In einem Moment der Stille bitten wir dich für unsere persönlichen Anliegen. (Kurze Stille)

Dein Geist, Herr, verbindet uns mit deinem Sohn und miteinander. Auf die Kraft deines Geistes und seine verbindende Liebe vertrauen wir, heute und alle Tage unseres Lebens. Amen.

Michael Wollek

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