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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
Fest der Erscheinung des Herrn
Gott wird Mensch für alle Menschen
Lesejahr A – B – C
Beitrag I zum Evangelium

Einführung und Kyrie-Ruf


Mit dem heutigen Fest »Erscheinung des Herrn« feiern wir nochmals das Ereignis von Weihnachten. Es ist das zweite große Fest im Weihnachtsfestkreis. Nicht nur die Hirten machten sich auf zur Krippe; auch die Sterndeuter haben sich auf den Weg gemacht, um Gott zu suchen und ihm zu huldigen. Lassen wir uns von ihnen mitnehmen, damit auch wir ihn finden, den Herrn unseres Lebens. In den Gang zur Krippe reihen wir uns ein und grüßen dabei unseren Herrn Jesus Christus.

Herr, Jesus Christus, dein Licht erleuchtet alle Menschen.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus, deine Liebe schließt niemanden aus.
Christus, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus, deine Barmherzigkeit ist grenzenlos.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Gott, du Schöpfer und Herr aller Menschen.
Durch die Geburt deines Sohnes hast du die Welt mit deinem Heil erfüllt und durch dein Licht erleuchtet. In deinem Licht schauen wir das Licht und erkennen deine grenzenlose Liebe.
Mache unsere Herzen hell durch den Glanz deiner Gnade und erneuere unsere Gemeinschaft, im Hören auf dein Wort und im Brechen des Brotes.
Das erbitten wir durch Jesus Christus.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 240 »Hört, es singt und klingt mit Schalle«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 241 »Nun freut euch, ihr Christen« und GL 175/3 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 184 »Herr, wir bringen in Brot und Wein«
Gesang zur Kommunion
GL 213 »O heilge Seelenspeise«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 247 »Lobt Gott, ihr Christen alle gleich«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mt 2,1–12 (Evangelium)

Während weit über kirchliche Kreise hinaus bekannt sein dürfte, was am 6. Januar vermeintlich gefeiert wird, nämlich das Fest der Heiligen Drei Könige, ist die Bedeutung des Festes »Erscheinung des Herrn« selbst für Christen bisweilen erklärungsbedürftig. Mit Anspielungen auf die eschatologische Völkerwallfahrt (vgl. Jes 60,1–22; Ps 72,10f.; Sach 8,20–23) gibt uns der Evangelist Matthäus eine Verstehenshilfe zur Hand: Mit der Geburt Jesu ereignet sich gemäß der Völkerwallfahrtsidee die Universalisierung göttlichen Heils. Die Predigt spürt diesem Grundmotiv »Christus als das Licht aller Völker« nach und fragt, was diese Grenzenlosigkeit für die menschliche Begrenztheit bedeutet.

Predigt

Vom Ruhm der Heiligen Drei Könige

Es gibt nur wenige Personen in der Heiligen Schrift, die zu so viel Ehre gelangten und vor allem ein so reiches Brauchtum entfaltet haben, wie die drei Könige: Straßenzüge, Parteitreffen, Kuchen, Lokalitäten, Sammelaktionen, Pferderitte und vieles mehr sind nach ihnen benannt. Doch wer waren diese drei Könige eigentlich? Woher kamen sie? Was wollten sie und wie waren ihre Namen?
In der Bibel erfahren wir über all dies herzlich wenig. Im Gegenteil:Über alle die Details, die uns so bekannt und vertraut sind, schweigt sich die Schrift vollkommen aus. Weder ist dort von der Zahl drei die Rede noch von Königen und überhaupt lesen wir nichts von den Namen Kaspar, Melchior und Balthasar. Obendrein wurden sie von der Kirche nie heiliggesprochen. Alles also bloße Erfindung, Legendenbildung oder Fiktion? Was feiern wir da heute eigentlich?

Vom Ursprung des heutigen Festtages

Wie so oft, so gilt auch beim heutigen Fest, dass bei genauerem Zusehen die Dinge nicht einfacher, sondern komplizierter werden. Denn was wir heute feiern, lässt sich so einfach gar nicht sagen. Liturgisch korrekt wird der heutige Festtag nicht Dreikönigstag, sondern Epiphanie genannt. Epiphanie heißt zu Deutsch: Erscheinung. Wer aber erscheint? Gemeint sind nicht die drei Könige an der Krippe, sondern Jesus, der Herr. Weil es um die Erscheinung des Herrn geht, feiert die orthodoxe Kirche das Weihnachtsfest heute und nicht schon wie wir am 25. Dezember. Aber haben wir an Weihnachten nicht schon das Kommen Jesu Christi gefeiert? Haben wir nicht bereits gesungen: »Christ ist erschienen, uns zu versühnen«? Warum dann noch das Fest »Erscheinung des Herrn«?
Um dem tieferen Sinn des heutigen Festes näher auf die Spur zu kommen, hilft uns ein Blick in die Geschichte der Kirche. Bereits im 3. Jahrhundert wurde wohl am 6. Januar in Ägypten die Taufe Jesu im Jordan gefeiert. Der Termin legte sich insofern nahe, als an diesem Tag heidnischerseits die Geburt des alexandrinischen Sonnengottes Aion aus der Jungfrau Kore gefeiert und dazu heilbringendes Wasser aus dem Nil geschöpft wurde. Ursprünglich also hat unser heutiges Fest nichts mit den drei Königen, dafür aber mit der Taufe Jesu im Jordan zu tun. Das galt ebenso für die Kirche von Jerusalem und für viele andere Kirchen auch: Sie alle feierten am 6. Januar die Taufe Jesu, nachdem sie im 5. Jahrhundert den 25. Dezember als Weihnachtstermin übernommen hatten. Und wir? Weshalb feiern wir das Erscheinen des Gottessohnes am 25. Dezember und die Taufe Jesu am ersten Sonntag nach Epiphanie?

Von der Offenbarwerdung Jesu in der heidnischen Welt

Der Grund ist wohl, dass die Kirche von Rom schon sehr früh am 6. Januar der Anbetung Jesu durch die Sterndeuter gedacht hat. Dabei geht es nicht, wie an Weihnachten, um die Erscheinung des menschgewordenen Gottessohnes, sondern um das Offenbarwerden Jesu in der heidnischen Welt. Zwar spricht der Evangelist Matthäus lediglich von Sterndeutern und nicht von Königen und nennt nur ihre Gaben: Gold, Weihrauch und Myrrhe, doch was er uns mit diesen spärlichen Hinweisen sagen möchte ist klar: Die Menschwerdung des Gottessohns betrifft die ganze Welt, sie gilt allen Menschen aller Zeiten, oder wie Paulus formuliert: Sie ereignet sich ein für alle Mal.
»Dromedare aus Midian und Efa. Alle kommen von Saba, bringen Weihrauch und Gold und verkünden die ruhmreichen Taten des Herrn«, so malt der Prophet Jesaja die endzeitliche Völkerwallfahrt zum Berg des Herrn aus. Mit den Sterndeutern, so gibt Matthäus uns zu verstehen, erfüllt sich durch die Geburt Jesu die alttestamentliche Verheißung: Jetzt bricht die Endzeit an. Woher die Sterndeuter kommen, ist für den Evangelisten weit weniger wichtig, als dass es sich bei ihnen um Heiden, also Nicht-Juden handelt und sich mit ihnen gleichsam die geistige Elite der heidnischen Welt auf den Weg macht, um dem neugeborenen Kind die Ehre zu erweisen.
Die Geschenke, die sie mitbringen, haben es in sich. Nicht nur dass es genau die Geschenke sind, von denen Jesaja spricht, es kommt auch noch Myrrhe hinzu, sodass alle drei Ämter Jesu symbolisiert werden: Gold für den König, Weihrauch für den Hohepriester und Myrrhe für den Arzt. Aus diesen drei Gaben wurde schließlich auf die Anzahl der Sterndeuter geschlossen, die wiederum äußerst symbolträchtig war, waren es doch drei Erdteile, die in der damaligen Zeit bekannt waren.
Aus der ganzen Welt also kommen Menschen zu diesem neugeborenen Kind und erkennen seine Bedeutung. Wenn jetzt Repräsentanten aller Erdteile dem Kind in der Krippe huldigen, dann erfüllt sich Jesajas Vision von der endzeitlichen Völkerwallfahrt. Jetzt kommt das Heil auch zu den Heiden und das göttliche Licht leuchtet für alle auf: »Und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir. Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, doch über dir geht leuchtend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir. Völker wandern zu deinem Licht.«

Von der Vorwegnahme des Endes

Mit der Erzählung von den Sterndeutern legt Matthäus einen kunstvollen Rahmen um sein Evangelium, indem er im Anfang bereits das Ende vorwegnimmt. Denn am Schluss seines Evangeliums stoßen wir wiederum auf eine Epiphanie: auf das Offenbarwerden des Auferweckten, dem nun die Jünger ihrerseits die Ehre erweisen. Von Jesus werden sie sodann in alle Welt gesandt, um das Heil Gottes allen Völkern zu verkünden: »Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern« (Mt 28,19).
Die Weite des mit Jesus angebrochenen Gottesreichs wird in der Erzählung der Sterndeuter vorweggenommen und wie in einer Ouvertüre anschaulich gemacht. Mit der Menschwerdung Gottes wird sein Licht zu allen Völkern und Menschen gebracht und die Trennung von Heiden und Juden aufgebrochen.

Von der Anfrage an mich

Spätestens jetzt gerate ich ins Stocken, weil mir die Tragweite dieses Ereignisses bewusst wird: Unterschiede zwischen Menschen werden bedeutungslos, ob Jude oder Heide, Mann oder Frau, Christ oder Muslim, Einheimischer oder Migrant, Gläubiger oder Kleriker – alle sind wir eins vor Gott. Seine Menschenfreundlichkeit gilt allen ohne Unterschied.
Ohne Unterschied – das überfordert mich! Unterscheide ich nicht immer und notwendigerweise zwischen ich und du, meinem und deinem, uns und ihnen, wir und ihr? Aus Unterschieden werden dann schnell Absonderungen und Trennungen. Das alles scheint allzu menschlich und wie wir aus der Geschichte wissen, ist es gerade nicht das Menschliche, sondern das Allzumenschliche, das die Welt zu Fall bringt.
Retten und erlösen, heilen und befreien, kann darum nur, wer um das Menschliche weiß, aber dem Allzumenschlichen widersteht. Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, in allem uns gleich außer der Sünde. Das also ist das Entscheidende: Gott wurde nicht Mann oder Frau, nicht Jude oder Heide, sondern Mensch. Anstatt zu unterscheiden, gilt seine Liebe allen – ohne Unterschied. Seine grenzenlose Menschenfreundlichkeit ist meine Chance und mein Glück, zugleich aber auch meine Herausforderung. Denn auch hier gilt: Gehe hin und handle genauso.

Fürbitten
Lasst uns beten zu Jesus Christus, durch den der ganzen Welt das göttliche Licht erschienen ist, um zu erhellen, was im Schatten des Todes ist:

- Wir beten für unsere Schwestern und Brüder in der Ostkirche, die heute Weihnachten feiern.
(Erscheine du, Christus.)
- Wir beten für Menschen, die sich abgesondert und ausgegrenzt fühlen.
- Wir beten für die Menschen, in deren Leben es dunkel geworden ist durch Krankheit, Streit oder Unverständnis.
- Wir beten für die Kinder und Jugendlichen, die als Sternsinger deine Liebesbotschaft zu den Menschen unserer Gemeinden tragen.
- Wir beten für die Sterbenden, die auf die Vollendung in deinem göttlichen Licht hoffen.

Herr Jesus Christus, wie die Sterndeuter, so beugen auch wir vor dir unser Knie, beten dich an und vertrauen dir unsereSorgen und Anliegen an. Dir sei Ehre und Lob, heute und alle Tage unseres Lebens bis in Ewigkeit. Amen.

Christoph Böttigheimer

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