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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Allerseelen
Seine Stimme hören
Lesejahr A – B – C
Beitrag zum Evangelium

Einführung

»Das Gehör stirbt zuletzt«, heißt es. Deshalb ist es gut, mit sterbenden Menschen zu sprechen. Auch wenn das Gehör medizinisch gesehen nicht das Letzte ist, was stirbt, bleibt die Hör-Funktion relativ lange erhalten. So können Sterbende in der Tat mehr mitbekommen, als es uns manchmal scheint.
Für mich wird diese medizinische Erkenntnis zu einem Sinnbild. Vom Anfang bis zum Ende unseres Lebens tut es gut, wenn wir von einem anderen angesprochen werden. Ein Wort kann uns ganz früh und bis an die Grenze des Todes erreichen. Und wo unsere Stimme das Ohr eines Verstorbenen nicht mehr erreicht, hat Gott noch ein Wort, das ihn anspricht und in der Beziehung zu ihm hält. Das glauben wir. Diese Hoffnung trägt uns an diesem Tag, an dem wir aller Verstorbenen gedenken. Und in gewisser Weise erreicht sie dann unsere Stimme doch noch. Nämlich jetzt, wenn wir in unserem Beten mit ihnen in Beziehung bleiben.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, wir hören deine Stimme, die uns zum Glauben ruft.
Herr, erbarme dich.
Wir hören deine Stimme, die uns ins ewige Leben ruft.
Christus, erbarme dich.
Wir hören deine Stimme, die uns zum guten Handeln ruft.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Gott,
von dir kommt unser Leben und in deine Hände geben wir es zurück, wenn wir sterben.
Lass unsere Verstorbenen bei dir geborgen sein. Heile die Wunden, die das Leben geschlagen hat. Zeige dein Erbarmen, wo Versöhnung und Vergebung nötig sind. Bewahre, was an Glaube, Hoffnung und Liebe in ihrem Leben gewachsen ist. Vollende, was in dieser Zeit unvollendet und Stückwerk bleiben musste. Erhalte uns in der Gemeinschaft mit dir und unseren Verstorbenen, bis wir einst alle versammelt sind bei dir, der Fülle des Lebens.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.

Liedvorschläge

Gesang zur Eröffnung
GL 146 »Du rufst uns, Herr, an deinen Tisch« oder
GL 481,1–2.7 »Sonne der Gerechtigkeit«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 417 »Stimme, die Stein zerbricht« oder
GL 272 »Zeige uns, Herr, deine Allmacht und Güte« und
GL 174/6 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 364 »Schönster Herr Jesu« (Strophe 5!) oder
GL 740 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Brich dem Hungrigen dein Brot«
Gesang zur Kommunion
GL 554,1–2 »Wachet auf, ruft uns die Stimme« oder
GL 878,1–2.6 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Lobe, Zion, deinen Hirten«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 456,1–2 »Herr, du bist mein Leben« oder
GL 380,1.7–9 »Großer Gott, wir loben dich«

Vorüberlegungen

Zum Text: Joh 5,24–29 (Evangelium)

Dieser Abschnitt ist einem längeren Monolog Jesu entnommen, in dem er sich gegen den Blasphemie-Vorwurf wendet (vgl. Joh 5,18) und über seine Vollmacht spricht. Der Evangelist gibt uns hier einen Einblick in sein christologisches und eschatologisches Denken. Die Verse Joh 5,28f.erweitern als spätere Redaktion diesen Horizont.
Jesus sagt, worauf es ankommt, um das ewige Leben zu erlangen. Es gilt, sein Wort, die Stimme des Sohnes Gottes zu hören. Diese Stimme können die Lebenden, die noch »geistlich tot« sind, hören und zum Glauben kommen. Diese Stimme erreicht aber auch die Toten, »die in den Gräbern sind«.
Wo unsere menschlichen Kommunikationsmöglichkeiten zu Ende sind – im Leben wie im Sterben –, kann die Stimme Jesu Christi einen Menschen erreichen. Er ruft die Menschen aus den Gräbern, ins Gerichtund ins ewige Leben.

Predigt

»Wenn sie das noch hören könnte«


»Wenn sie das noch hören könnte.« – »Das hätten wir ihm gerne noch gesagt.« So oder ähnlich sprechen Angehörige von Verstorbenen manchmal. Wer so redet, bringt zum Ausdruck: Der Verstorbene hat kein Ohr mehr für unsere Stimmen. Er hört nicht mehr, was wir ihm sagen wollen. Die Möglichkeiten, miteinander zu reden, sich zu verständigen, sind oft schon mit den Beschwerden des Alters oder der Krankheit geringer geworden. Im Tod sind sie endgültig an ein Ende gekommen. Unsere Stimme kann einen Verstorbenen nicht mehr erreichen und schon gar nicht in dieses Leben zurückrufen.

Die Stimme Jesu Christi erreicht unsere Toten …


Eine Stimme gibt es aber noch, die unsere Toten erreichen kann. Eine Stimme, die »alle, die in den Gräbern sind«, hören werden. So sagt es Jesus im Evangelium. Es ist seine Stimme. Die göttliche Stimme, die in unserem Leben immer wieder zu hören war: als Sehnsucht nach Leben, als Stimme unseres Gewissens, als Wort Gottes aus der Heiligen Schrift. Es ist die Stimme des Schöpfers, der uns das Leben geschenkt hat und ewiges Leben bereithält. Die Stimme, die in Jesus Christus in unserer Welt einen vernehmbaren Klang bekommen hat und überall zu hören ist, wo er und seine Botschaft verkündet werden.

… und alle Lebenden, die unter der Macht des Todes stehen

Diese Stimme hat die Kraft, Tote zum Leben aufzuerwecken. Mit starken Worten sagt Jesus das: »Die Stunde kommt und sie ist schon da, in der die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden; und alle, die sie hören, werden leben.« Nein, hier redet Jesus nicht von den Toten, an die wir heute besonders denken, von unseren Verstorbenen. Hier redet er von uns und allen, die mitten im Leben unter der Macht des Todes stehen. Die seine Macht zu spüren bekommen in der Endlichkeit dieser Welt, in der Gebrechlichkeit unseres Leibes, in der Begrenztheit unserer Möglichkeiten, in der Unvollkommenheit unseres Lebens, in der Klage der Leidenden. Er redet von denen, die geistlich tot sind. Die mitten im Leben begraben sind von dem, was sie ängstigt, niederdrückt, mutlos macht, gefangen hält und verzweifeln lässt. Und von denen, die sich in der Enge und Begrenztheit dieser Welt und des Lebens eingerichtet haben und keinen Impuls mehr spüren, aufzustehen, aufzublicken und aufzubrechen.

Sie ruft zum Glauben …

All diese Menschen und damit im Grunde auch uns hier möchte Jesu Stimme erreichen. Die Stimme, die sagt: »Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben.« Was für eine Verheißung! Und was für ein Anspruch! Hier wird Jesu Wort und Wirken so eng mit Gott verbunden, dass wir sagen können: Wer sich dem Wort Jesu öffnet, lässt sich auf den glaubend ein, der ihn gesandt hat. Wer auf Jesus hört, glaubt an Gott, den Vater. Er »hat das ewige Leben« und »kommt nicht ins Gericht«. Damit sagt Jesus nichts anderes, als dass das Heil, das Gott schenkt, im Hier und Jetzt beginnt. Denn Glaube nimmt die Angst, in diesem Leben immer irgendwie zu kurz zu kommen. Er befreit von dem Druck, möglichst viel aus diesem kurzen Leben herauszuholen, notfalls auch auf Kosten von anderen. Er öffnet den Blick für das im Leben, was kostbar ist und bleibt. Er schenkt Hoffnung auf Vollendung und Erfüllung jenseits der Grenze des Todes. So lässt er mich am ewigen Leben, am Leben Gottes schon jetzt teilhaben. Und alle Begrenztheit und Vergänglichkeit, die wie im Gericht das letzte Urteil über mein Leben sprechen, sind schon überwunden.

… und zu einem verantwortlichen Leben


So wie Jesu Stimme mitten im Leben Menschen zum Glauben ruft, so ruft sie nach diesem Leben zum Gericht. Zur Rechenschaft darüber, was wir aus unserem Leben und aus unserem Glauben gemacht haben. Das war der jungen Christengemeinde wohl so wichtig, dass dieser Gedanke vom Gericht nach der Auferstehung der Toten in die Rede Jesu eingefügt wurde. Weil ihnen klar war: Wer im Glauben an Jesus Christus frei und mit Hoffnung beschenkt geworden ist, weiß zugleich um seine Verantwortung, die er vor Gott und den anderen Menschen gegenüber hat. Deshalb wird Jesu Stimme die Toten fragen, wo sie in ihrem Leben sein Wort gehört, ihm Glauben geschenkt, in seinem Sinne gehandelt haben. Sie wird fragen, wo sie die von Gott geschenkten Lebensmöglichkeiten genutzt und eingesetzt haben. Dann wird ans Licht kommen, wo sie sich hier seiner Stimme verschlossen haben oder wo sie ihr gefolgt sind – offen und in aller Deutlichkeit oder eher im Verborgenen und Stillen.

Damit bedeutet das Evangelium an diesem Tag für uns, die wir leben und den Tod noch vor uns haben, eine Mahnung und Ermutigung. Zum einen mahnt es uns, unser Ohr zu schärfen für Jesu Stimme, zu fragen, wo er uns anspricht – in unserem Innern, durch andere Menschen, durch das Wort der Bibel –, zu hören, was er uns zu sagen hat, was er für und von uns will. Zum andern birgt Jesu Wort eine große Verheißung: »Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben.« Es ist die Verheißung des Glaubens. Wer heute auf Jesu Stimme hört und an ihn glaubt, wer wie er in einer vertrauensvollen Beziehung zu Gott zu lebt, wer sein Leben nicht mit allen Mitteln zu sichern und selbst zu retten versucht, sondern auch hergeben und loslassen kann, der darf heute schon etwas von dem Leben verspüren, das bleibt. Und – so glaube ich – der wird einmal froh und dankbar die Stimme erkennen, die ihn an der Schwelle des Todes hineinrufen wird in Gottes Lebensfülle.

Fürbitten
Gott, durch Jesus Christus schenkst du uns Anteil an deinem Leben. Wer sein Wort hört und an dich glaubt, ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen. Wir bitten dich:

- Lass die frohe Botschaft von der Auferstehung und vom ewigen Leben in unserer Kirche laut und deutlich vernehmbar sein. – Stille – Du Gott, der Leben schenkt:
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
- Stärke die Menschen, die sich in den verschiedensten Anliegenzum Anwalt derer machen, deren Stimme in unserer Weltkein Gehör findet. – Stille – Du Gott, der Leben schenkt:
- Tröste diejenigen, die darunter leiden, dass ein versöhnendes und klärendes Wort vor dem Sterben ihres Angehörigen nicht mehr möglich war. – Stille – Du Gott, der Leben schenkt:
- Lass die Toten, deren klagendes Rufen in dieser Welt verhallt ist, nun bei dir ein offenes Ohr und ein tröstendes Wort finden.
- Stille – Du Gott, der Leben schenkt:
- Lass alle unsere Verstorbenen die Stimme deines Sohnes hören und schenke ihnen ewiges Leben. – Stille – Du Gott, der Leben schenkt:

Barmherziger Gott, wir sind zum Glauben gekommen, dass du deinen Sohn Jesus Christus gesandt hast, um uns Anteil am ewigen Leben zu geben. Vereint mit den schon Vollendeten im Himmel danken wir dir und preisen dich, heute und alle Tage bis in Ewigkeit. Amen.

Klaus Kempter

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