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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
23. Sonntag im Jahreskreis
Effata – öffne dich!
Lesejahr B
Beitrag zum Evangelium

Einführung

Die Sommerzeit neigt sich dem Ende zu. Viele von uns waren in den letzten Wochen im Urlaub. Auch in der Gemeinde war es ruhig. Wir habengespürt: In dieser besonderen Zeit ticken die Uhren langsamer als sonst. Nun brechen wir wieder auf. Nun geht vieles wieder los. Stärken wir uns in dieser Feier für alles, was kommt. Und retten wir hinüber, was uns in den Ferien kostbar geworden ist.

Kyrie-Ruf
Du öffnest unsere Ohren, damit wir auf dich hören können.
Herr, erbarme dich.
Du öffnest unsere Augen, damit wir die Menschen um uns wahrnehmen.
Christus, erbarme dich.
Du öffnest unser Herz, damit wir dich in uns aufnehmen können.
Herr, erbarme dich.
oder:
GL 437 »Meine engen Grenzen«

Tagesgebet
Gott der Liebe,
dein Wort kommt auf uns zu und lädt uns ein, dass wir uns berühren
lassen von dem, was du in unser Herz legen willst.
Nimm fort aus uns alle Angst, lass uns weit werden und weich, berührbar und verletzlich, dass wir dir begegnen und mit dir Gemeinschaft halten. Darum bitten wir dich, Gott der Liebe, heute und morgen und alle Tage unseres Lebens.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 148 »Komm her, freu dich mit uns«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 77/1 »Der Herr ist erhaben« mit 77/2 (Psalm 146) und
GL 174/1 »Alleluja«
Predigtlied
EH 281 »Wir haben Gottes Spuren festgestellt«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 378 »Brot, das die Hoffnung nährt«
Gesang zur Kommunion
GL 209 »Du teilst es aus mit deinen Händen«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 389,1–2.4–5 »Dass du mich einstimmen lässt«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mk 7,31–37 (Evangelium)

Die Erzählung von der Heilung des Taubstummen ist eindrücklich. In der Mitte steht das Wort »Effata«. Mich hat die Grundbedeutung des Wortes berührt. Es geht um Öffnung, und Öffnung macht verletzlich. Wir Menschen haben immer viele Mechanismen, uns zu schützen, beengt zu bleiben, andere auszusperren. Das macht krank und behindert unsere Entfaltung.

Die Begegnung zwischen dem taubstummen Mann und Jesus wäre nicht heilsam verlaufen, wenn der Mann sich Jesus nicht ganz und gar anvertraut hätte. Die intime Berührung, die uns fast fremd vorkommt, setzt voraus, dass der kranke Mensch sich vorbehaltlos und ungeschützt in die Hände Jesu begibt. Dass er das tut und dass Jesus mit diesem Vertrauen so zärtlich umgeht, macht ihn heil.

Ich möchte in der Predigt einladen, nachzudenken, was uns öffnet und vertrauen lässt. Und die Erfahrungen anzuschauen, die wir damit schon gemacht haben. Der Anknüpfungspunkt des Urlaubs bietet sich durch das Datum des Sonntags an.

Predigt

Urlaub: Zeit für neue Offenheit

Viele Menschen fahren im Urlaub ans Meer. Auch ich liebe es, am Meer zu sein. Das Meer ist groß und weit und öffnet den Blick für den endlosen Horizont. Ich liebe es besonders, wenn der Wind mir um die Ohren pfeift und mich gehörig durchpustet. Dann habe ich immer das Gefühl, dass vieles, was meinen Alltag bestimmt, aus meinem Kopf geradezu herausgeblasen wird, und ich empfinde eine große innere Freiheit.

Ich denke, dazu ist der Urlaub da, egal wo wir ihn verbringen: Dass wir einen weiteren Horizont bekommen, dass wir einmal über unseren Alltag hinausschauen können und wieder frei atmen. Und: dass wir uns öffnen für neue Eindrücke. Das können Eindrücke aus der Natur sein oder Eindrücke fremder Menschen, die anders leben als wir. Mit diesen Eindrücken gestärkt kehren wir dann als erneuerte Menschen zurück in unseren Alltag. Vielleicht haben auch Sie über den Sommer hin solche Erfahrungen der geistigen Freiheit, der neuen Perspektiven, der inneren Offenheit machen dürfen.

Effata –öffne dich!

Offenheit. Darum geht es auch in unserem heutigen Evangelium. Es geht um eine Offenheit, die heilt. Jesu Botschaft ist prägnant und besteht aus einem einzigen Wort: »Effata – öffne dich!« Jesus spricht dieses Wort zu einem Menschen, der taubstumm ist, aber mehr noch, er spricht es zu einem Menschen, der isoliert lebt, weil er sich mit anderen nicht austauschen kann. Nicht nur von seiner Behinderung, sondern auch von seiner Einsamkeit will Jesus den Mann befreien. Und deshalb kommt alles darauf an, dass der Taubstumme dieses eine, dieses einzige und alles entscheidende Wort hört und versteht: Effata – öffne dich!

Öffne dich – tu dich auf! Jesu Aufforderung gilt nicht nur dem Mund oder Ohr, sondern dem ganzen Menschen. Und sicherlich ist es kein leichter Schritt für jenen Mann, der bisher im Abstand zu anderen gelebt hat, der kaum in Kontakt kam. Plötzlich soll er die Nähe Jesu zulassen. Plötzlich soll er Intimität erlauben. Tu dich auf, das heißt ja: Gib deine Angst auf, lass deine Barrieren fallen, gestatte mir Zugang zu deinem Inneren!

Weil Jesus um die inneren Vorbehalte und Ängste in Menschen weiß, deshalb nimmt er den Taubstummen beiseite, weg von den Menschen, die vermutlich gaffen und alles mitansehen wollen. Die Zeugen sein wollen von dieser so nahen, verletzlichen Begegnung. Denn Jesus bedient keine Sensationslust oder Neugier. Ihn interessiert allein, wie ein Mensch heil werden kann.

Im Schutz der Abgeschiedenheit bietet Jesus dem kranken Mann seine Berührung an. Ich stelle mir vor, dass Jesus ihm Zeit lässt. Dass er ihn seine Hände sehen lässt, bevor er sie ganz langsam auf seine Ohren legt. Dass er behutsam und vorsichtig ist, als er seine Zunge mit Speichel benetzt. Öffne dich, sagt Jesus. Lass mich dir ganz nahe kommen und dich anrühren in deinem Inneren, damit alles heil wird, was sich nach Berührung sehnt.
Und der Taubstumme? Er weicht nicht zurück. Er hat Vertrauen in Jesus, mehr als in alle anderen Menschen. Wenn einer nahe kommen darf, dann der, dessen Liebe so wohltut, dessen Nähe so stärkt und befreit. Er, der niemals ausnützen wird, wenn ein Mensch sich ihm ausliefert. Und so öffnet der taubstumme Mann seine Ohren, seinen Mund und sein Herz und ist von da an ein neuer Mensch.

Und wir?

Und wir? Wann haben wir so etwas schon erlebt? Dass wir uns öffnen konnten, dass ein Mensch uns berühren durfte, sanft und wertschätzend und erlösend? Und dass dabei unsere innere Starre weichen konnte, dass wir uns befreit fühlten und tief im Innersten heil?

Und wann erleben wir es, dass wir uns Gott öffnen, dass wir ihn ohne Vorbehalt in unser Leben lassen, damit er an uns handelt, damit er uns zärtlich berührt und in der Tiefe befreit? Wann haben wir so viel Vertrauen, dass wir uns ihm ganz überlassen, sodass er uns die Angst nimmt und uns heil macht und dann auch öffnet für die anderen, die uns brauchen, die uns ihre Not mitteilen, die sich nach menschlicher Berührung sehnen?

Effata – tu dich auf! Jeder Christin, jedem Christen wird das bei der Taufe auf den Kopf hin zugesagt: Wir dürfen als offene, als aufgeschlossene Menschen durchs Leben gehen.

Platzhalter für die neue Offenheit

Ich glaube, es braucht immer wieder Anstöße, dass unser Leben befreit wird. Es braucht Erfahrungen, dass Vertrauen sich lohnt und Begegnung nicht nur verletzlich, sondern letztlich heil macht. Vielleicht haben wir das im Urlaub gespürt und eine neue Ahnung bekommen von der Größe und Weite, die das Leben bereithält.

Offen werden und offen bleiben. Dazu helfen Platzhalter mitten in unserem Alltag, die uns erinnern. Vielleicht haben Sie ein Souvenir aus Ihrem Urlaub mitgebracht, das Ihnen dabei hilft, sich noch lange in diese so besondere Zeit zurückzuversetzen. Oder Sie stellen eine Postkarte im Büro auf mit einem Bild vom Meer. Oder Sie lesen zwischen allen Verpflichtungen immer mal wieder ein gutes Buch, das Ihnen eine neue Welt erschließt. Oder Sie bauen sich immer wieder eine Zeit der Stille ein, in der Sie Gott ganz bewusst in Ihr Leben lassen.

Ich wünsche uns viele Erfahrungen, die uns offen machen, die uns bestärken, Gottes heilsamer Nähe zu trauen. Im Urlaub, mehr aber noch im Alltag, der jetzt kommt. Mögen wir immer wieder Jesu Stimme in uns vernehmen, die da sagt: Effata – tu dich auf!

Fürbitten
Wir wollen beten zu Gott, der für uns ein offenes Ohr und ein weites Herz hat:

- Schenke allen Kindern und Jugendlichen, für die ein neues Schuljahr beginnt (begonnen hat), einen guten Start, die Erfahrung von Freundschaft, Wertschätzung und Freude am Lernen.
- Öffne die Tore unserer Gemeinde, damit sie Zuflucht ist für Suchende, Notleidende, Ausgestoßene und Verzagte.
- Schenke uns einen wertschätzenden Blick und ein offenes Ohr für die Nöte von behinderten, kranken und alten Menschen.
- Lass uns in unserem Leben immer wieder die Erfahrung machen, dass du uns berührst und unsere Gebrechen heilst.
- Öffne unseren Verstorbenen dein Reich und lass sie teilhaben am Gastmahl deiner Liebe.

Gott, du bist der Freund des Lebens. Lass auch uns dem Leben dienen. So bleibe bei uns heute und alle Zeit bis in Ewigkeit.
Amen.

Claudia Schmidt

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