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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
16. Sonntag im Jahreskreis
Gesellige Einsamkeit
Lesejahr B
Beitrag zum Evangelium

Einführung

Gar nichts zu müssen und einfach da sein dürfen – das ist die Einladung Jesu an seine Jünger am heutigen Sonntag. Es ist genug, was wir in der vergangenen Woche gedacht, gesprochen, gewirkt, erlebt und erfahren haben. Wir sammeln uns vor Gott, bringen die Fülle oder das Karge unseres Lebens dar und vertrauen darauf, dass wir es aus seiner Hand wieder empfangen als Gabe zum Leben.
Halten wir ein paar Augenblicke inne und rufen wir Christus, sein Erbarmen an. – Stille –

Kyrie-Ruf
Herr, Jesus Christus, im Vertrauen auf die Fürsorge Gottes bist du durch Stadt und Land gezogen.
Herr, erbarme dich.
In der Gemeinschaft der Menschen und bei ihren Festen hast du dich niedergelassen.
Christus, erbarme dich.
Um dich deines Auftrags zu vergewissern, hast dich zurückgezogen in die Einsamkeit.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Herr,
deine Hausgemeinschaft ist versammelt. Wir stehen dir zu Diensten, um dein Haus zu bestellen.
Wir bitten dich: Sei bei uns, wenn wir arbeiten und ausruhen, wenn wir reden und still sind, wenn wir aus uns herausgehen und uns zurückziehen.
Darum bitten wir dich durch Jesus Christus.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 421 »Mein Hirt ist Gott, der Herr«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 37/1 »Der Herr ist mein Hirt« mit 37/2 (Psalm 23) und GL 174/4 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 366 »Jesus Christus, guter Hirte«
Danklied nach der Kommunion
GL 456 »Herr, du bist mein Leben«
Abschluss der Feier als Reisesegen
GL 451 »Komm, Herr, segne uns«
GL 13/5 Gebet »Du Gott des Aufbruchs«
Aaronitischer Segen

Vorüberlegungen

Zum Text: Mk 6,30–34 (Evangelium)

Die Perikope ist ein Zwischenstück, in dem die Rückkehr der ausgesandten Jünger erzählt wird und das hinführt auf die Überlieferung der wunderbaren Brotvermehrung. Sie geschieht, nachdem Jesus sie lange lehrte, und es am abgelegenen Ort schon spät geworden ist. Mich hat der einsame Ort angesprochen. Den Titel meines Beitrags habe ich den beiden gleichnamigen Bänden mit den gesammelten Schriften von Friedhelm Kemp entliehen. Ich vermute, dass die Formulierung auf Arthur Schopenhauer zurückgeht. Einsamkeit scheint ein ebenso vermisstes wie gefürchtetes Gut zu sein. Dazu ein paar Literaturhinweise: Wunibald Müller, Allein – aber nicht einsam, Münsterschwarzach 2005; Patricia Tudor-Sandahl, Verabredung mit mir selbst. Von der Kraft, die im Alleinsein liegt, Freiburg 2013; Odo Marquardt, Plädoyer für die Einsamkeitsfähigkeit, in: Rudolf Walter (Hg.), Von der Kraft der sieben Einsamkeiten, Freiburg 1983, 127– 142; Thomas Merton, Meditationen einen Einsiedlers, Ostfildern 2013, darin vor allem: Die Liebe zur Einsamkeit, 112–141.

Predigt

Erreichbar …

… zu sein, ist notwendig, wenn menschliche Beziehungen gelingen sollen. Freundschaften zu pflegen bedeutet, füreinander erreichbar zu sein in einem ganz konkreten und auch im übertragenen Sinn. Ich will einen Freund anrufen können, ihm eine Kurznachricht schicken oder ihn treffen können, wenn ich ihn brauche oder wenn es mir einfach danach ist, den Kontakt zu pflegen. Und ich möchte, dass ich meine inneren Konflikte, meine Sorgen, Probleme und Nöte mit meinen Freunden teilen und austauschen kann. Was ich mitteilen möchte, soll nicht abprallen oder ins Leere fallen, sondern Herz und Verstand meiner Freunde erreichen. Aber auch das Umgekehrte muss gelten. Ich möchte auch selbst für meine Freunde erreichbar bleiben, wann immer sie mich brauchen. Es gibt so etwas wie eine innere Verbindung, die mich genau spüren lässt, wenn ein Freund mich braucht. Und fast immer gibt es dann auch eine Möglichkeit, die Verbindung herzustellen und zu pflegen.

Es ist das Privileg unter Freunden, für den anderen immer und überall erreichbar zu sein. Freunde wissen, wann, wo und wie sie einander erreichen können. Und sie können sich darauf verlassen, dass diese Erreichbarkeit gehütet wird wie ein kostbarer Schatz.

Erreichbarkeit ist heute zum Problem geworden. Die Erwartung, zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar zu sein, ist mit den technischen Errungenschaften tatsächlich möglich. In der Antike – zur Zeit Jesu – musste man sich selbst auf den Weg machen oder einen Boten schicken, um den Freund zu erreichen. Dann ist der Briefverkehr möglich geworden. Die Möglichkeit, telegrafisch oder telefonisch Kontakt aufzunehmen und zu halten, ist rund 180 Jahre alt und jetzt ist die ständige Erreichbarkeit für jedermann nicht nur technisch möglich, sondern meist auch erwartet. Der Segen, jemanden erreichen zu können, ist zum Fluch geworden, ständig erreichbar sein zu müssen oder zu wollen. Erreichbar zu sein oder sich unerreichbar zu machen, scheint seit Menschengedenken ein Problem zu sein, das man bewältigen muss.

Unauffindbar und unbelangbar …

… zu werden, war das Anliegen Jesu, das er mit seinen Freunden teilen wollte. Er selbst war verausgabt und seine Freunde waren es auch. Er hatte sie losgeschickt mit seiner Botschaft und ausgestattet mit der Kraft, die unreinen Geister zu bändigen, zur Umkehr einzuladen, die Kranken zu heilen und die Nachricht vom Reich Gottes zu überbringen. Sie kamen zurück aus den benachbarten Dörfern und von den Menschen. Sie wollten von ihren Erfahrungen berichten und ausruhen. Da lädt er sie ein: »Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.« Freunde dürfen sich das Recht herausnehmen, für jeden anderen unauffindbar zu sein. Es soll nicht Menschenfurcht sein, die einen an einsame Orte führt. Aber man darf geheime Plätze, Treffpunkte, Wege haben, an denen das ungestörte freundschaftliche Gespräch und ein geschützter persönlicher Austausch möglich sind. Sei dieser Ort in der menschenleeren Wüste, sei er mein persönlicher Rückzugsort in der Umgebung oder bestünde er sogar im Untertauchen in einer unüberschaubaren Masse von Menschen – Rückzug muss sein! Es gehört nicht nur zu den Bedingungen unserer seelischen Gesundheit, unauffindbar und unbelangbar zu sein, es gehört zu den Essentials unserer Glaubenspraxis. »Das wahre Wort der Ewigkeit wird in der Einsamkeit gesprochen«, weiß Meister Eckhart und mit ihm alle gotterfahrenen Menschen.

Das Erlebte einholen, …


um es sich zu eigen zu machen, Erlebnisse als Erfahrungen an sich zu nehmen, dafür braucht es Rückzug, zeitliche Unterbrechung, vertrautes Gespräch oder einfach nur Stille. Jesus hat viel, hat alles, was er von Gott erhalten und in sich getragen hat, entäußert. Er hat alles gegeben! Aber die Evangelien berichten auch, dass er sich unauffindbar gemacht hat, um an einem einsamen Ort und in der Stille der Nacht zu beten, um bei sich und bei Gott zu sein! Er will diese Erfahrung seinen Jüngern ermöglichen und mit ihnen teilen. Lassen wir uns von ihm auch in die Stille führen: Es muss für uns alle die Möglichkeit geben, uns zurückziehen zu können, und sei es nur für kurze Zeitspannen. Es muss möglich sein, Atem zu holen, still zu sein, nachdenken zu können, allein zu sein. So sehr der christliche Glaube auf Gemeinschaft und Bestärkung angewiesen ist, so sehr ist er auch auf Stille und Inspiration angewiesen.

Kommt mit an einen einsamen Ort, …


wo wir allein sind – so war die Einladung Jesu an seine Jünger. So lautet seine Einladung auch an uns, an mich. Ich weiß nicht genau, wohin er mich führt. In der Regel gar nicht weit weg. Er führt mich in die Tiefe meiner selbst, in die Weite meiner Seele, vielleicht in die Höhe meiner Gedanken. Er führt mich, wenn ich mich führen lasse. Ich muss nur mitgehen, ohne Angst und Vorbehalt, mit dem Vertrauen, dass der einsame Ort ein Platz ist, um bei mir selbst und bei Gott zu sein. Die Einsamkeit des Gläubigen ist eine gesellige Einsamkeit. Wo mich niemand erreichen kann, da erreicht Gott mich. Wenn niemand mehr da ist, dann werde ich gewahr, dass Gott der »Ich bin da« heißt und dass ich ihn erfahren darf. Es gibt diesen einsamen Ort, nicht irgendwo draußen, sondern in mir. Ich gelange zu ihm, wenn Christus mich einladen und führen darf.

Fürbitten

Herr, Jesus Christus, du hast deinen Jüngern Ruhe und Erholung verschafft. Dich bitten wir:

– Für die Opfer des Terrors in allen Teilen unserer Welt und für Täter, die nichts als Angst und Leid verbreiten.
(Christus, höre uns. – Christus, erhöre uns.)
- Für die Machthaber, die sich kaum an Verträge und Vereinbarungen halten, wenn sie ihren eigenen Machtinteressen entgegenstehen.
- Für Journalisten, die ihren Mut zu wahrhaftiger Berichterstattung mit Bedrohung, Verfolgung und mit dem Leben bezahlen.
- Für alleinstehende, trauernde und gebrechliche Menschen, für die der Sonntag der einsamste Tag der Woche ist.
- Für Familien, die sich aus finanziellen Gründen keinen Urlaub leisten können oder weil sie durch die Pflege eines Angehörigen gebunden sind.
- Für jeden Menschen, der sich nach Rückzug in seinen sozialen Verpflichtungen, nach Unterbrechung seines anspruchsvollen Alltags und nach Ruhe in den Anforderungen von Beruf, Ehrenamt und Familie sehnt.

Herr, unser Gott, du erweist deine Kraft in der Schwachheit; du begegnest uns in der Einsamkeit und sprichst uns zu Herzen in der Stille. Dir sei Lob und Ehre in Ewigkeit. Amen.

Anton Seeberger

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