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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Herz-Jesu-Fest
Der Geist, der lebendig macht
Lesejahr A – B – C
Beitrag zum Evangelium

Einführung

Acht Tage nach Fronleichnam feiern wir das Herz-Jesu-Fest. Vom Herzen als der Mitte des Menschen, als Symbol für Menschlichkeit und Nähe ist von jeher die Rede. Wird von jemandem gesagt, er oder sie habe ein großes Herz, wissen wir alle, was damit gemeint ist. Dies gilt umso mehr, wenn wir vom Herzen Jesu sprechen. Unser Heil ist seine Herzensangelegenheit. Vertrauen wir uns ihm an und brechen wir nun in seinem Namen das Brot, auf dass wir Heil erfahren in seiner Gemeinschaft.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du rufst uns Menschen in das Reich deines Vaters.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, durch deinen Tod und deine Auferstehung hast du uns zu neuem Leben befreit.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du hast den Heiligen Geist über uns alle ausgegossen.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Allmächtiger Gott,
in deinem Sohn Jesus Christus hast du deine Liebe zu uns Menschen geoffenbart. Er gab sein Leben hin, um uns zu befreien. Seine Liebe kannte keine Grenzen und sie schließt auch uns mit ein.
Bereite du unsere Herzen, damit wir dein Wort verstehen, und schenke uns deinen Geist, damit Christi Liebe in uns wachse und wir zum Segen für andere werden.
Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 86 »Aus meines Herzens Grunde«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 37/1 »Der Herr ist mein Hirt« mit 37/2 (Psalm 23) und
GL 175/2 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 460 »Wer leben will wie Gott auf dieser Erde«
Gesang zur Kommunion
GL 211 »Wir rühmen dich, König der Herrlichkeit«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 405 »Nun danket alle Gott«

Vorüberlegungen

Zum Text: Joh 19,31–37 (Evangelium)

Das Herz-Jesu-Fest ist heute weithin sinnentleert, hat sich doch in der Volkfrömmigkeit das Herz Jesu auf kitschige Weise verselbstständigt
Die Predigt versucht darum, dem Gehalt des Evangeliums sowie den komplexen Ursprüngen der Herz-Jesu-Verehrung in der ephesinischen und alexandrinischen Tradition nachzuspüren und deutlich zu machen, dass lebendiges Wasser, das aus der Seitenwunde des Herrn fließt, nach biblischer und altchristlicher Theologie auf die Geistausgießung zu beziehen ist.

Predigt

Herzenssprüche

»Mein Herz sehnt sich nach dir«, »Ich liebe dich aus ganzem Herzen«,»Ich habe ein Herz für dich«, »Mein Herz ist stets bei dir«. Unser Herz spielt eine wichtige Rolle, wenn wir auszudrücken versuchen, dass uns etwas zuinnerst bewegt und uns ganz gefangen nimmt. Im Herzen scheint sich das Eigentliche unseres Lebens abzuspielen. Kein Wunder, dass es unzählige Zitate und Sprüche gibt, in denen das Herz für unsere Gefühle, Regungen und Empfindungen steht. Berühmt und gern zitiert wird der Spruch von Antoine de Saint-Exupéry: »Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.« Leo Tolstoi verstieg sich gar zu dem Satz: »Im Herzen eines Menschen ruht der Anfang und das Ende aller Dinge.«

Verkitschung des Herzens Jesu

Wir alle wissen, was es bedeutet, wenn jemand zu uns sagt: »Mein Herz schlägt für dich.« Von dieser Symbolkraft des Herzens ist es jetzt nur noch ein kleiner Schritt zum heutigen Herz-Jesu-Fest. Das durchbohrte Herz des Gekreuzigten hat in der Kirche sehr früh Anlass zur Verehrung gegeben. Aber wie bei allen Symbolen so ist es auch mit dem Symbol des Herzens: Es kann gebraucht, aber auch missbraucht werden. Letzteres war in der Volksfrömmigkeit nicht selten der Fall. Wer kennt sie nicht, die süßlichen bis kitschigen Herz-Jesu-Darstellungen und die schmalzigen und theatralischen Jesus-Figuren mit der offenen Brust und einem mit Dornen umwundenen Herz? Ist das Herz Jesu am Ende gar so verkitscht und verramscht worden, dass wir heute mit dem Herz-Jesu-Fest nichts mehr anzufangen wissen? Ist uns ein Zugang aufgrund des sentimentalen Herz-Schmerzes und der Gefühlsduselei verwehrt? Versuchen wir, Kitsch und Schund hinter uns zu lassen und zum Eigentlichen des heutigen Festes vorzustoßen.

Geistausgießung


Im Evangelium hieß es: »Einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite und sogleich flossen Blut und Wasser heraus.« Dies ist nicht die einzige Stelle im Johannesevangelium, an welcher vom Fließen des Wassers die Rede ist. In dem vorausgehenden Streit mit dem Hohen Rat lässt der Evangelist Jesus sagen: »Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt! Wie die Schrift sagt: Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen.« Was ist mit diesem Wasser gemeint? Ist es ein Hinweis auf die Taufe? Werden mit dem Durst der Lebenshunger und mit dem Wasser die Lebensfülle symbolisiert? Im Evangelium wird diese Frage sogleich beantwortet, denn der Evangelist führt kommentierend hinzu: »Damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glauben; denn der Geist war noch nicht gegeben, weil Jesus noch nicht verherrlicht war.« Hätten Sie das vermutet? Der Strom des Wassers steht für den Geist. Er wird in der uralten prophetischen Bildsprache als lebendiges Wasser bezeichnet. Jetzt wird deutlich, was am Kreuz oder in der Sprache des Evangelisten Johannes bei der Verherrlichung Jesu geschieht: Der verheißene Geist wird ausgegossen.

Kirche als Herzensgabe


Aber worum geht es nun beim Herz-Jesu-Fest: um den Geist spendenden Herrn oder um die Liebe Jesu zu uns? In der alten Kirche wurde das Hervorquellen des lebendigen Wassers als Geistausgießung verstanden. Was sich am Kreuz bildlich vollzieht, wird am Pfingstfest Realität, ebenso wie bei der Begegnung des Auferstandenen mit seinen Jüngern: »Er hauchte sie an und sprach, empfangt den Heiligen Geist.« Der Geist ist die vornehmste Gabe aller Heilsgüter und Christus als Geber aller Gaben gießt ihn aus; er ist der gespaltene Fels, seine geöffnete Seitenwunde ist der Quell des Geistwassers, das von Schuld und Sünde reinigt und einen Neuanfang schenkt, eine Neugeburt in der Taufe. Gottes Geist führt zur Kirche als der Gemeinschaft der Getauften zusammen. So ist die Kirche die eigentliche Gabe des Herzens Jesu; in der Kirche verwirklicht sich der Geist, der mit der Verherrlichung Christi ausgegossen wurde. Und wie die Kirche aus den Sakramenten der Taufe und der Eucharistie lebt, so wurden darum auch Wasser und Blut auf diese beiden Sakramente hin gedeutet. Kennen Sie die Bilder, in denen die Kirche in der Gestalt einer Braut oder Königin dargestellt wird, mit einem Kelch in der Hand, mit dem sie den springenden Quell von Wasser und Blut auffängt?

Herz als Quelle der Weisheit

Wenn Sie bislang das Herz Jesu weniger mit dem Geist und der Kirche als vielmehr mit dem Innersten Jesu in Verbindung gebracht haben, mit seiner Güte und Herzlichkeit, mit seiner Liebe und seinem Erbarmen, dann lagen Sie damit aber keineswegs falsch. Denn in der kirchlichen Tradition herrschte von Anfang auch eine solche zweite, weniger theologische als vielmehr fromme, spirituelle Deutung vor. Symbolisch wurde sie durch den am Herzen Jesu ruhenden Lieblingsjünger Johannes zum Ausdruck gebracht. Das Herz wird hier als Teilhabe an der tiefinnerlichen, mystischen Erkenntnis Jesu verstanden. Jesu Herz ist die Quelle der geheimnisvollen Weisheit und überströmender Liebe. Im Zuge der Herz-Jesu-Verehrung wurde dieser Traditionsstrang immer bedeutender: Jesus hat nicht nur ein Herz für uns, er schenkt uns sein Herz, das für alle offen ist. Aus Liebe gibt er sich für uns hin, so, wie er durchbohrt wird, lässt sich sein Herz aus Liebe und Sorge um uns Menschen zerreißen.

Lebendiges Christsein

Beide Deutungen lassen sich miteinander verbinden, schließlich ist Jesus mit dem geöffneten Herzen ja auch das Haupt unserer Kirche. Wenn wir heute darum das Herz-Jesu-Fest feiern, feiern wir im Grunde die Geburt der Kirche, ausgehend von dem Heilsstrom, der sich von Christus her ergießt. Aber wir feiern die Geburt nicht so, als ob wir eines vergangenen Ereignisses gedenken würden; vielmehr ereignet sich diese Geburt unserer Kirche je aufs Neue. Denn wir alle leben aus der Gabe des Herzens Jesu, aus dem Heiligen Geist, der uns lebendig macht, und aus der Kraft, die uns der Geist in und durch die Sakramente schenkt. Spüren Sie diesen Geist? Bemerken Sie seine Kraft? Wo immer Menschen sich herzlich begegnen, ist er zugegen, und wo die Liebe und die Güte wohnt, dort wohnt der Herr, dort ist Kirche, da wird Christsein lebendig.

Fürbitten

Herr Jesus, du hast ein Herz für die Nöte und Sorgen von uns Menschen. Dir vertrauen wir uns an:

- Für deine Kirche: dass sie zur Einheit findet und dem Frieden in der Welt dient.
- Für die Politiker in unserem Land: dass sie sich mit ganzem Herzen für das Gemeinwohl einsetzen.
- Für alle, deren Herz zerbrochen ist: dass sie Trost und Ermutigung erfahren.
- Für jene, die uns ans Herz gewachsen sind: Begleite ihre Wege.
- Für unsere Verstorbenen: dass sie in deiner Liebe geborgen sind.

Herr, du kennst uns und weißt auch um unsere unausgesprochenen Bitten und Anliegen. Was immer uns im Herzen bewegt, dürfen wir dir anvertrauen. Dir sei Lobpreis in Zeit und Ewigkeit.
Amen.

Christoph Böttigheimer

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