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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Dritter Sonntag der Osterzeit
Wir verlieren uns nicht
Lesejahr B
Beitrag zum Evangelium

Einführung

»Du bist ganz der Alte, du hast dich überhaupt nicht verändert.« Wenn das heißen soll: »Du bist jung und frisch geblieben«, hören wir das gerne. Wenn es aber heißt: »Du hast überhaupt nichts erreicht, du bist kaum reifer geworden«, werden wir das nicht gerade als Kompliment auffassen. Dabei ist beides wahr: Wir verändern uns und bleiben uns doch gleich. Wir sind und bleiben dieselben, auch wenn wir uns weiterentwickeln. Als Christen glauben wir, dass das nicht nur in diesem Leben so ist, sondern auch im künftigen. Bei der Auferstehung werden wir immer noch wir selbst sein, erkennbar an den Wegwunden unseres Lebens. Wir verlieren uns nicht in der Nacht des Todes, weil Gott den Ostermorgen heraufführt, der unsere Konturen wieder sichtbar macht. Ich bin ich, weil Gott zu mir du sagt – am Schöpfungsmorgen und am Ostermorgen. Zum auferweckten Christus rufen wir.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du bist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit.
Herr, erbarme dich.
Du bist leibhaft gegenwärtig, wenn wir dein Mahl miteinander halten.
Christus, erbarme dich.
Du sagst uns dein Wort, das Leben verheißt und Leben schenkt.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Lebendiger Gott,
du hast uns erschaffen als die, die wir sind, und du schaffst uns neu in der Auferstehung.
Lass uns auf Christus schauen, den du aus dem Tod zum ewigen Leben erweckt hast. Stärke in uns die Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, und lass uns zuversichtliche Zeugen der Auferstehung Jesu sein.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 329,1–5 »Das ist der Tag, den Gott gemacht«
Antwortgesang und Ruf vor dem Evangelium
GL 326,1–3 »Wir wollen alle fröhlich sein«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 325,1–3 »Bleibe bei uns, du Wandrer durch die Zeit«
Gesang zur Kommunion
GL 331,1–6 »Ist das der Leib, Herr Jesu Christ«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 336,1–4 »Jesus lebt, mit ihm auch ich«

Vorüberlegungen


Zum Text: Lk 24,35–48 (Evangelium)

Sowohl die Stärke als auch die Schwäche des Textes liegen in seiner Anschaulichkeit. Als Erzählung vermittelt er eine lebendige Vorstellung von der Begegnung des auferstandenen Jesus mit seinen Jüngerinnen und Jüngern. Diese Vorstellung ist jedoch geeignet, bei modernen Leserinnen und Lesern einem groben materialistischen Missverständnis der Auferstehung Jesu und damit der Auferstehung überhaupt Vorschub zu leisten. »Fleisch und Knochen« (Lk 24,39) werden dann mit irdischer Leiblichkeit verwechselt und Auferstehung mit einer Rückkehr in das hiesige Leben. Damit wäre allerdings nichts gewonnen. Unser Bekenntnis zur Auferstehung der Toten muss der Tatsache standhalten, dass keiner von ihnen aus dem Grab in sein hiesiges Leben zurückkehrt. Fleisch und Knochen sind und bleiben begraben. Was meint dann aber leibliche Auferstehung? Der Leib steht für die Individualität und für die Beziehung des Menschen. Der auferweckte Jesus ist derselbe wie derjenige, der gekreuzigt wurde. Man erkennt ihn an seinen Wundmalen, das heißt an seiner Geschichte, die er in den verschiedensten Beziehungen zu seinen Mitmenschen und zu seiner Mitwelt erlebt und erlitten hat. Auferstehung ist keine Reinkarnation, bei der die Seele in einen anderen Leib eingeht und dadurch eine neue Identität erhält. Der auferstandene Mensch ist derselbe, der zuvor auf Erden gelebt hat und gestorben ist. Seine bleibende Identität beruht auf seiner Leiblichkeit, die ihn für immer zu dem macht, der er ist. Dazu fügt sich in der lukanischen Darstellung ein zweiter wichtiger Aspekt: Am Ende sind es nicht Fleisch und Knochen und auch nicht der demonstrative Verzehr des Fisches, welche die Jüngerinnen und Jünger von der Wahrhaftigkeit der Auferstehung Jesu überzeugen, sondern die Erinnerung an seine eigenen Worte und die Deutung seines Lebens und Sterbens im Licht der Schriften Israels. Wer einen »Beweis« für die Glaubwürdigkeit der christlichen Auferstehungsbotschaft sucht, findet ihn nicht im leeren Grab, wo die Frauen für ihren Grabkult von den Engeln gerügt werden: »Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?« (Lk 24,5) Er muss Jesus beim Wort nehmen, der selbst auf Mose, die Propheten und die Psalmen verweist, die Deutemuster zur Verfügung stellen, um Gottes Handeln zum Heil der Menschen aus seiner Geschichte mit Israel heraus zu begreifen. In diese Geschichte gehört Jesus mit seinem Geschick hinein.

Predigt

Wiedererkennung: Jesus ist derselbe


Oft stellen Kinder genau die richtigen Fragen. So habe ich es einmal bei einem kleinen Jungen erlebt, dessen Großvater kurz nach dem Tod der Großmutter ebenfalls verstorben war. »Meint ihr, der Opa findet jetzt die Oma wieder?«, fragte er da plötzlich in die Runde der Verwandten hinein. Im ersten Moment waren alle verdutzt und überlegten, wie das Kind auf solche Gedanken käme. Doch der Junge blieb hartnäckig und wiederholte an mich gewandt seine Frage: »Meinst du, der Opa findet jetzt die Oma wieder?« Nach einer kurzen Weile gab ich ihm schließlich zur Antwort: »Ja, das glaube ich ganz bestimmt, dass der Opa die Oma jetzt wiederfindet. « Ich war selbst ein wenig erstaunt über die Gewissheit, mit der ich ihm Antwort gab. Aber sie war nicht aufgesetzt, sondern kam mir aus tiefster Seele. Erst später wurde mir bewusst, wieso ich ihm mit solcher Gewissheit antworten konnte. Im Grunde hatte der Junge gefragt, ob Oma und Opa im anderen Leben eigentlich noch sie selbst wären, ob sie einander also wiedererkennen würden. Diese Frage zielt in die Mitte unseres christlichen Auferstehungsglaubens hinein. Wir bekennen die Auferstehung der Toten als Hoffnung für uns und unsere Verstorbenen. Damit ist die leibliche Auferstehung gemeint. Es lebt also nicht nur die Seele weiter, sondern der tote Leib des Menschen wird von Gott zu einem neuen, ewigen Leben erweckt. Wie Jesus, so werden auch wir mit »Fleisch und Knochen« auferstehen. Aber was soll das heißen? Der irdische Leib wird doch verbrannt oder verwest als ganzer in der Erde. Wir kehren auch nicht auf diese Erde und in unser hiesiges Leben zurück. Die Auferstehung des Leibes meint etwas anderes: Wir werden so auferstehen, dass man uns wiedererkennt. Wir werden im neuen Leben dieselben sein, die wir in diesem Leben waren. Wir sind und bleiben einzigartig, weil Gott uns so erschaffen hat und genauso neu erschaffen wird. Zwei Menschen können denselben Gedanken haben, aber nicht exakt dieselbe Nase. Unverwechselbar sind und bleiben wir als leibliche Wesen, deren Geschichte an ihrem Leib Spuren hinterlassen hat. So erkennen die Jünger und Jüngerinnen Jesus an den Wunden seiner Kreuzigung. Er ist es, weil er die leibhaftigen Spuren seiner persönlichen Geschichte an sich trägt. Jesus ist nicht in seinen irdischen Leib zurückgekehrt; aber was er in diesem Leib erlebt hat, prägt sein Leben auf ewig.

Beziehung: Jesu Mahlgemeinschaft geht weiter


Lukas geht indes noch weiter. Er erzählt, wie Jesus vor den Augen seiner Jüngerinnen und Jünger demonstrativ ein Stück Fisch verzehrt. Drastischer schildert kein anderer Evangelist die leibliche Wirklichkeit der Auferstehung. Aber was bedeutet das, wenn Jesus gar nicht in seinen irdischen Leib zurückgekehrt ist? Wie Fleisch und Knochen die unverwechselbare Person Jesu wiedererkennen lassen, so knüpft er selbst mit dem Verzehren des Fisches an seine Beziehung zum Jüngerkreis an. Er nimmt die Mahlgemeinschaft wieder auf, die er zeit seines irdischen Lebens mit Anhängern und Gegnern, Sympathisanten und Skeptikern, besonders aber mit seinen Jüngerinnen und Jüngern gepflegt hat. Zwar verzehrt Jesus den Fisch hier allein, aber dass die Jünger »mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben« (Apg 10,41), weiß Lukas anderswo zu berichten. Die freundschaftliche Beziehung, die sie mit ihrem Meister bis kurz vor seinem Tod gepflegt haben, ist durch ihre Untreue zwar auf eine harte Probe gestellt worden, aber sie ist nicht zerbrochen. Wie der irdische Jesus kurz vor seinem Tod das Brot im Jüngerkreis brach, so tut es der Auferstandene wieder, angefangen bei den Jüngern von Emmaus bis zum heutigen Tag überall da, wo im Gedenken an Jesus sein Mahl gefeiert wird. Das Brot, das wir dabei essen, ist sein Leib, weil der Auferstandene selbst leibhaftig gegenwärtig ist, zwar nicht mit seiner irdischen Leiblichkeit, aber mit derselben Beziehung der Freundschaft, die er von Anfang an mit seinen Jüngerinnen und Jüngern gepflegt hat. Es gibt keine Beziehung zwischen Menschen, die nicht ursprünglich leibhaftig wäre. Selbst wo wir virtuelle Nachrichten versenden, tippen wir sie mit unseren knöchernen Fingern in irgendein Gerät ein, und es lesen sie leibhaftige Augen. So ist und bleibt auch die Beziehung Jesu zu uns Menschen immer eine leibhaftige, weil er wirklich und leibhaft auferstanden ist.

Erinnerung:

Jesu Worte bleiben von Bedeutung Wie sind die ersten Zeugen der Auferstehung zu dieser Überzeugung gekommen? Die vier Evangelisten erzählen, wie sie das Grab Jesu am Ostermorgen leer fanden. Es ist aber nicht das leere Grab, das sie zum Glauben an Jesu Auferweckung gebracht hat. Die Frauen, die das Grab als Erste aufsuchen, bekommen von den Engeln sogar die vorwurfsvolle Frage zu hören: »Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?« (Lk 24,5) Die Engel begründen ihren Tadel auch: »Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden « (Lk 24,6). Wenn Jesus wirklich auferweckt wurde, haben seine Jüngerinnen und Jünger im Grab nichts mehr zu suchen. Anstatt sich in der Höhle des Toten zu verkriechen, sollen sie dem Ruf des Lebendigen folgen. Sie sollen sich an Jesu eigene Worte erinnern, die er zu ihnen gesprochen hat, als er noch bei ihnen war. Diesen Aufruf der Engel im leeren Grab macht sich der Auferstandene bei seinem Erscheinen selbst zu eigen (Lk 24,6.44). Die Bedeutung des Todes Jesu lässt sich nur von seinem eigenen Leben und seiner Lehre her erfassen. Er ist den schändlichen Tod am Kreuz gestorben, aber er ist mit seiner Mission nicht gescheitert. Noch am Kreuz hat er für seine Feinde gebetet und den Sündern die Vergebung gebracht (Lk 23,34.43). So ist er als der gestorben, der er von Anfang an war: der Bote der Versöhnung, die Gott durch ihn den Sündern ermöglicht (Lk 4,18f.; 6,27f.). Jesus selbst war in seinem Sterben keineswegs verloren, sondern konnte am Ende noch beten: »Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist« (Lk 23,46). Es war kein blindes Schicksal, das sich an ihm ausgetobt hat. Die Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen ist niemals aus dem Ruder gelaufen. Wir wissen nicht, warum er diesen Weg gewählt hat, um uns Leben aus dem Tod zu eröffnen. Aber wir dürfen gewiss sein, dass Jesu Tod nicht sein Ende war, sondern der Übergang in ein neues Leben, das auch uns dereinst blühen wird.

Deutung:

Jesu Geschick versteht sich im Licht der Schrift Jesu Worte allein genügen freilich nicht, um sein Leben und Wirken zu verstehen und im Glauben richtig einzuordnen. Er gehört vielmehr mit seiner ganzen Sendung in die Geschichte Israels hinein. Zwar haben Mose, die Propheten und die Dichter der Psalmen von Jesus noch nichts gewusst. Sie bezeugen aber die Geschichte Gottes mit uns Menschen, die in der Erwählung Israels ihre alles entscheidende Mitte hat. Wer demnach begreifen will, wer Jesus für uns ist und wie Gott durch ihn an uns gehandelt hat, der muss aus den Schriften Israels lernen, wie Gott in Beziehung zum Menschen tritt und wie er an dieser Beziehung festhält, selbst wenn er abgelehnt und zurückgestoßen wird. Die Erfahrungen, die Israel mit seinem Gott über die Jahrhunderte gemacht hat und die sich nicht zuletzt im Alten Testament niedergeschlagen haben, bieten den einzig passenden Schlüssel, um die Bedeutung Jesu für uns und alle Menschen zu erschließen. Die Schrift nicht kennen heißt Christus nicht kennen, wusste schon der Kirchenvater Hieronymus. Wenn wir uns also in die Osterbotschaft vertiefen wollen, wenn sie unsere Hoffnung auf ewiges Leben aufs Neue entfachen soll, dann geht das nicht, ohne dass wir wieder und wieder das Wort Gottes hören, in seinem Licht das Leben Jesu betrachten und alles anschließend auf uns beziehen. Erst dann ist die Botschaft angekommen, wenn ich mich und dich – belehrt durch Jesu Wort und das Wort der Schrift – im Tod nicht mehr verliere.

Fürbitten

Gott, in diesen österlichen Tagen feiern wir das Leben, das du uns in Zeit und Ewigkeit schenkst. Zugleich ist das Leben vieler Menschen bedroht. Deshalb bitten wir:

- Für die Menschen, die an Leib und Leben Schaden nehmen: die unheilbar Kranken, die von Naturkatastrophen Heimgesuchten, die Hungerleidenden und die Kriegsopfer.
(Lass sie neues Leben finden.)
- Für die Menschen, die aus unserer Gesellschaft ausgeschlossen werden: die Armen, die Unansehnlichen, die weniger Leistungsfähigen, die Opfer von Mobbing und asozialem Verhalten.
- Für die Menschen, die sich im Leben nur schwer zurechtfinden: die in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen sind oder die es irgendwann aus der Bahn geworfen hat.
- Für die Menschen, die uns im Tod vorausgegangen sind unsere Verwandten und Freunde sowie die Fernen, derer niemand gedenkt.

Gott, als Menschen sind wir dem Tod geweiht und hoffen doch auf Leben. Komm uns mit deiner Schöpfermacht zu Hilfe und erwecke uns immer neu zum Leben durch Christus, unseren Herrn.
Amen.

Wilfried Eisele

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