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Leseprobe 2
Verklärung des Herrn
Mit einer Kette von Zeugen gegen Fake-News
Lesejahr A – B – C
Beitrag zur Lesung

Einführung

Mitten im Sommer erstrahlt Ostern vor unseren Augen auf. So jedenfalls verkünden es uns die Lesungen des heutigen Sonntags, auf den das Fest der Verklärung des Herrn fällt. Ein ›Gipfelerlebnis‹ der Jünger wird uns berichtet. Und in der Lesung aus dem zweiten Petrusbrief wird uns das noch einmal besonders ans Herz gelegt: Nicht klug ausgedachten Lehren folgen wir, sondern dem Zeugnis derer, die dabei waren. Ihre Erinnerungen mit ihrem Lebens- und Glaubenszeugnis sind ein Fundament, auf das auch wir unsere eigene Glaubensgeschichte gründen können. Das ist ein besonderer Aspekt von »Gemeinschaft der Glaubenden«, von Communio.

Predigt

Zum Text: 2 Petr 1,16–19 (2. Lesung)

Die Sache mit der Wahrheit


Wir leben in merkwürdigen Zeiten. Spätestens seit den letzten Präsidentschaftswahlen in den USA hat ein Begriff Einzug gehalten, den viele von uns bis dahin gar nicht kannten: Der Begriff ›Fake-News‹. ›Fake-News‹ heißt ›Lügen-Nachricht‹ oder ›Falschmeldung‹.

Es geht dabei um falsche Meldungen, die durch die Medien geistern, ja manchmal sogar bewusst eingesetzt werden, um mit ihnen Stimmung zu machen, um Wähler zu manipulieren, um eigene Interessen durchzusetzen.

Und wem der Begriff der ›Fake-News‹ nicht ausreicht oder zu sehr nach Anglizismus klingt, der kann auch von ›alternativen Fakten‹ oder von ›Postfaktischem‹ sprechen. Jenseits von blanken Fakten, jenseits der Wahrheit, so die Überzeugung, gibt es noch anderes, das letztlich über ›richtig‹ und ›falsch‹ entscheidet.

In einer Zeit, da über die sozialen Medien sich jeder von uns zu allem und jedem immer zu Wort melden kann und wir scheinbar überall und sofort an alle nur möglichen Informationen kommen, ist das eine durchaus erschreckende und verstörende Einsicht: Das, was mir hier gerade mitgeteilt wird, alle Informationen, die täglich auf mich einprasseln, könnten auch ›Fake-News‹ sein, Falschmeldungen, ja Lügen-Nachrichten.

In den letzten Monaten, so der Eindruck, ist hier gerade in der Politik manche Grenze überschritten und eingerissen worden. Wir haben erlebt, dass politisch Verantwortliche es mit der Wahrheit und den Fakten nicht sehr ernst genommen haben. Da wurden Meldungen ›herausgehauen‹, um damit Aufmerksamkeit zu erheischen und Einschaltquoten zu erhöhen. Da wurde mit Ängsten und Vorurteilen jongliert und es wurden Stimmungen erzeugt, um Stimmen zu ergattern und Mehrheiten zu sichern.

Eine sehr bedenkliche Entwicklung, die jedenfalls eines zu Folge haben dürfte: Misstrauen, Unsicherheit und Vorbehalte.

Tat prüft Wort

Wem oder was kann ich überhaupt noch trauen? Welche Nachrichten und Meldungen sind vertrauenswürdig? Worauf kann ich mich verlassen? Was kann ich glauben?

Das ist eine Erkenntnis und eine Frage, die hier in der Kirche, an einem Ort des Glaubens besonders aktuell ist.

Immer wieder begegnet uns ja die Frage nach der Wahrheit des Glaubens. Quasi von innen und von außen trifft sie uns: »Kann ich das glauben?«, »ist das wirklich wahr?« Oder hat das irgendwer erfunden? Hat sich das jemand ausgedacht?

»Schwestern und Brüder! Wir sind nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, verkündeten, sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe« (2 Petr 1,16), so haben wir vorhin in der Lesung gehört.

Der Verfasser des Petrusbriefes sieht sich dem Verdacht ausgesetzt, dass er ›Fake-News‹, Lügengeschichten verbreitet. Ein Vorwurf und ein Vorbehalt, dem gläubige Christen zu allen Zeiten ausgesetzt waren. Stimmt das, was ihr da erzählt, oder ist das alles erfunden und ja vielleicht sogar erlogen?

Glaub-würdig

Die Argumentation aus dem Petrusbrief ist nicht nur für unseren Glauben ein wichtiger Schlüssel und eine große Hilfe. Sie kann uns eigentlich in allen Lebensbereichen eine Orientierung sein.

Der Petrusbrief macht nämlich einen wichtigen Schritt. Er verweist vom Wort auf die Tat, von der eigentlichen Nachricht auf die »Zeugenschaft« der Apostel. Die Apostel stehen mit ihrem Leben dafür ein, dass die Botschaft des Glaubens auch glaubwürdig ist.

Nach der Überlieferung wurde der Petrusbrief zu einer Zeit verfasst, als der Apostel kurz vor seinem gewaltsamen Tod auf sein Lebenswerk zurückblickt. Er spiegelt also in seinem Leben das, was er verkündet. Sein Lebens- und Glaubenszeugnis wird zum Garanten für das, was er verkündet hat. Oder anders gesagt: Die Wahrheit seiner Glaubensbotschaft hat sich im Alltag seines Lebens bewährt. Das ist die entscheidende Prüfung. Das Leben wird zum Lügendetektor. Das Leben deckt auf, was wahr und falsch ist. Sein Glaube an Jesus Christus hat ihn bis hierher getragen. Mit ihm ist er durch alle Höhen und Tiefen gezogen. Und das Gelingen seines Lebens selbst legt das eigentliche Zeugnis ab.

Das scheint mir hilfreich zu sein: Das gelebte Leben als Prüfstein der Wahrheit. Das Lebenszeugnis eines Menschen als seine Qualitätsurkunde.

Prüfung bestanden

Durch alle Jahrhunderte haben Christen aus der Gewissheit gelebt und geglaubt: Die Wahrheit Gottes und die Echtheit unseres Glaubens lässt sich in der Geschichte der Glaubenden ablesen und erweist sich in ihr.

Vielleicht ist das eine Anregung, nicht nur um im Glauben zu wachsen, sondern auch so besser über die Runde zu kommen und den Durchblick nicht zu verlieren: Vertraue dem gelebten Leben!

Für die Apostel ging dieses Abenteuer auf: Sie haben dem Lebenszeugnis Jesu vertraut und sind mit ihm ihren Weg gegangen. Selbst der Abgrund des Todes ließ sie nicht untergehen. In der Auferstehung Jesu hat sich das Wort des Vaters, das wir heute gehört haben, als wahr erwiesen: »Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören!«

Ich finde, dass die Anregung des Petrusbriefes tatsächlich eine große Hilfe sein kann: Bemesse das Wort, das dir jemand sagt, an dem, was er tut und wie er lebt. Eine kluge Methode und zugleich auch ein sehr hoher Anspruch!

Denn auch wir sind ja nicht nur im Glauben Empfangende, sondern selbst gerufen, Zeugnis für Jesus Christus zu geben. Papst Franziskus hat das in seiner so treffenden Art so ausgedrückt: Wir müssen das Evangeliums bezeugen – notfalls auch mit Worten.

Notfalls auch mit Worten – aber das Entscheidende ist die Tat, das gelebte Leben. Denn das kann letztlich keine ›Fake-News‹ sein.

Fürbitten
Gott, in Jesus von Nazaret trittst du auf uns zu. In ihm schenkst du uns das Wort des Lebens. Höre unser Gebet:

- Für alle, die sich Christen nennen: Stärke sie auf dem Weg des Glaubens, ermutige sie zum Zeugnis für deine Liebe und Treue.
- Für alle Frauen und Männer, die in deinen Kirchen Verantwortung und Leitung wahrnehmen: Lass sie in ihrem Dienst aus dem Geist deines Sohnes reden und vor allem handeln.
- Für alle, denen in der Politik ein Amt und eine Aufgabe anvertraut sind: Lass sie zum Wohle aller Menschen arbeiten und sich für Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit einsetzen.
- Für alle, die von Zweifeln geplagt sind, die an die Grenzen ihrer Kräfte stoßen, die unter den Lasten ihres Lebens leiden: Lass sie Ermutigung und Trost finden.
- Für alle, die mit den hohen Ansprüchen nicht zurechtkommen, die das Leben an sie stellt: Lass sie nicht verzweifeln.

Gott, du führst uns hinaus ins Weite.
Du bist bei uns gestern, heute und in Ewigkeit.
Amen.

P. Christian Böckmann

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