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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Pfingstsonntag
Ich glaube an den Heiligen Geist
A – B – C
Beitrag II zum Evangelium

Einführung und Kyrie-Ruf

»Ich glaube an den Heiligen Geist« – das sonntägliche Bekenntnis unseres Glaubens erhält an diesen beiden Feiertagen, die wir begehen, wenig Unterstützung durch Traditionen und Bräuche, wie wir sie an Ostern und Weihnachten kennen. Aber gerade in den aktuellen Sorgen und Nöten unserer Tage, wo viele fragen, woran wir uns halten und orientieren können, wo viele den Eindruck haben, die Welt sei von allen guten Geistern verlassen, wo wir Ausschau halten nach einem »guten Geist«, der uns leitet und ermutigt, feiern wir die hoffnungsvolle Zusage Jesu: Ihr seid nicht gott-verlassen. Gottes Beistand, sein Geist atmet und lebt in euch.


Herr Jesus Christus, dein Geist zerreißt die finstre Nacht und erstrahlt als Licht für unsere Welt.
Herr, erbarme dich.

Dein Geist tröstet die Traurigen und richtet die Bedrückten auf.
Christus, erbarme dich.

Dein Geist wärmt, was kalt und hart, und löst, was in sich erstarrt und
gefangen ist.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Der mich atmen lässt,
bist du, lebendiger Gott,
der mich leben lässt,
der mich schweigen und reden lässt,
der mich warten und handeln lässt,
bist du, lebendiger Gott,
der mich wachsen und reifen lässt,
der mir Halt und Zuversicht schenkt,
der mich Mensch sein lässt,
bist du, lebendiger Gott.
Darum bitten wir am festlichen Tag:
Gott, schenke uns und unserer Welt deinen Geist, den Geist des Friedens
und der Versöhnung für heute und für alle Tage.
So bitten wir durch Christus unseren auferstandenen Bruder und Herrn.
(Nach Anton Rotzetter, Gott, der mich atmen lässt, Herder Verlag Freiburg 1985, S. 93.)

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 344 »Komm herab, o Heilger Geist«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 342 »Komm, Heilger Geist, der Leben schafft« und
GL 646 »Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 457 »Suchen und fragen, hoffen und sehn«
Gesang zur Kommunion
GL 489 »Lasst uns loben, freudig loben«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 347 »Der Geist des Herrn erfüllt das All«

Vorüberlegungen

Zum Text: Joh 20,19–23 (Evangelium)

Im interreligiösen Gespräch, besonders mit dem Islam, kommt immer wieder die Rede auf das trinitarische Glaubensbekenntnis der Christen, verbunden mit der Frage, warum der Glaube an den einen Gott auf die beiden anderen »Götter« – Jesus und der Heilige Geist – angewiesen ist. Werden dadurch die Einmaligkeit und die Größe Gottes geschwächt und »vermenschlicht«? Und in vielen katechetischen Gesprächen mit Taufeltern scheint gerade die »dritte Person« am undeutlichsten zu sein, mit der viele gar nichts anzufangen wissen.

Ich habe deshalb für die vorgelegte Predigt den Akzent auf die Ansage des auferstandenen Christus gelegt, die deutlich macht, dass mit den Hinweisen auf den Heiligen Geist Gottes lebendige Wirkmächtigkeit selber in den Mittelpunkt gerückt wird und gemeint ist. Er ist der, der er von Anfang der Heilsgeschichte an war: der schöpferisch handelnde Gott der Geschichte, der Gott, der Leben ist und Leben schafft, die Schöpfung »beatmet« und der als der Friede in seinen Friedens- und Versöhnungsdienst die Menschen hineinnimmt. Der Heilige Geist schmälert Gott nicht, sondern zeigt, wer er ist als der Ich-bin-da, und verdeutlicht sein In-Beziehung-sein mit Mensch und Welt. Und dieses Verständnis kann konfessions- und religionsverbindend sein.

Predigt

Ich glaube an den Heiligen Geist –

Punkt. Nicht mehr und nicht weniger. So formuliert das apostolische Glaubensbekenntnis aus dem 5. Jahrhundert und wir tun es ihm gleich in jeder gottesdienstlichen Feier, in der wir dieses Bekenntnis aussprechen. Auffallend ist, dass in diesem Glaubensbekenntnis über Gott, den Vater, und besonders über seinen Sohn Jesus Christus weitere Aussagen gemacht werden, die beide charakterisieren: der allmächtige Vater, der der Schöpfer Himmels und der Erde ist. Jesus wird beschrieben von seiner Empfängnis in Maria bis zu seiner Wiederkunft über Geburt, Tod und Auferstehung. Aber beim Heiligen Geist, dessen Fest wir heute feiern, fehlen solche Aussagen. Fehlen deshalb auch die äußeren Zeichen und Rituale, Symbole und Traditionen wie zu Weihnachten und Ostern? Und dabei steht doch schon am Anfang unseres Lebens in der Taufe die Zusage im Mittelpunkt: Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

In der bildenden Kunst …

ist auf vielfältige und eindrucksvolle Weise dargestellt, was die Lesung aus der Apostelgeschichte heute wiedergibt: Die Jüngerschar, zu der sich auch Maria gesellte, ist versammelt, um zu beratschlagen, wie es nach der Katastrophe des Todes Jesu weitergehen soll. Und die Künstler malen in bunten Farben, was der Verfasser der Apostelgeschichte beschreibt: Feuerzungen kommen auf die Versammelten nieder und aus Verängstigten werden Begeisterte, die erzählen, Jesu sei auferstanden. Und auf die Frage, wie das denn so plötzlich kam, sagt der biblische Schreiber Lukas: »Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt.«

Aber wer ist das denn, der Heilige Geist?

So fragen viele oder fragen sich auch nicht mehr. Das ist mir zu kompliziert, sagten mir Eltern bei der Vorbereitung auf die Taufe ihres Kindes. Reicht es nicht aus, wenn wir an Gott glauben und wir mehr oder weniger gut verstehen, wer Jesus ist?

Wir haben dann das heutige Evangelium hergenommen, es Vers für Vers gelesen und sind dabei ein wenig in die Schule Jesu gegangen und haben versucht, von ihm zu erfahren und zu lernen, wie das gemeint sein könnte: Ich glaube an den Heiligen Geist.

Jesus haucht seine Jünger an und spricht ihnen zu:

Empfangt den Heiligen Geist. Gleichsam wie bei einer großen Ouvertüre ist damit schon das ganze Thema entfaltet: Es geht um nichts und niemand anderes als um Gottes Geist. Nicht Ungeister und dämonische Mächte, Unheilsgeister und Gesinnungen des Hasses und der Rache, des Streites und der Vernichtung werden prophezeit und herbeigeschworen, keine esoterische, absonderliche Geisterwelt tut sich auf. Gottes Geist wird angerufen, in der Sprache der Bibel also Gott selber. Um ihn geht es, der der Gott der ganzen Welt und aller Menschen ist. Der, der schon auf der ersten Seite der Bibel bezeugt wird als der, aus dessen Hand und in dessen Hand alles ist, was lebt. Mit seinem Atem, mit seinem Lebenshauch, mit seinem Geist und Leben stattet Gott das von ihm ins Leben gerufene Geschöpf aus, das seither den Namen Mensch trägt. Nach der Erfahrung von Leiden und Tod, die die Jünger zutiefst getroffen hatte, werden sie daran erinnert: Gott selber tritt für euch ein. Er ist der, der sich so offenbart: Ich bin der ich-bin-da, mit euch und für euch, alle Tage. Nie seid ihr gott-verlassen und gott-los. So lange der Mensch lebt, atmet er und sein Lebensatem ist geschenktes Leben. Heiliger Geist meint: Gottes Leben lebt in mir. Mein Leben ist empfangenes und unverdient geschenktes Leben.

Und damit es noch verständlicher wird, was Heiliger Geist Gottes meint …

.. fügt Jesus vor den eingeschüchterten und angsterfüllten, in sich und vor der Welt verschlossenen Jüngern hinzu: Friede sei mit euch. Er beschreibt damit nichts anderes und niemand anderen als Gott selber, der der Friede ist. Gottes Geist, seine Absicht für den Menschen und die Welt ist Friede, Versöhnung und Gerechtigkeit. Wer Gott ist und was er den Menschen sein will, ist zusammengefasst in diesem Wort: Friede sei mit euch. Die von Gott ausgehende, lebendige Kraft, seine Wirkmacht, sind nicht auf Zerstörung und Vernichtung aus, auf Trennung und Ausgrenzung, auf Verachtung und Unterdrückung, sondern vielmehr auf Heil und Heilung. Wenn wir von einem Menschen aufgrund seiner Verhaltensweisen und seiner Äußerungen sagen: Da sieht man, wes Geistes Kind er oder sie ist, dann meinen wir: Da sieht man, was diesen Menschen im Innersten ausmacht, ihn bestimmt, sein Handeln und seine Taten leitet, was er in seiner tiefsten Bestimmung ist. Wo Friede ist, ist Gott, weil Gott der Gott des Friedens, ja der Friede selber ist. Deshalb die Ankündigung bei der Geburt des menschgewordenen Gottes: Friede den Menschen auf der Erde. Gott, der Friede, kommt dorthin, wo Menschen schreien und sich sehnen nach Befreiung und Erlösung. Und deshalb diese Zusage, die angesichts des Todes Jesu notwendig wurde: Nicht Tod ist für euch bestimmt, sondern Leben und Friede.

Und gleichsam als handgreiflicher Beweis, …

… dass dies alles nicht aus dem Reich der Phantasie und der Spekulation, aus jenseitiger Geistesspähre stammt, verweist Jesus auf das, was seine bleibenden Erkennungsmerkmale und Identitätszeichen sind: seine von den Kreuzesnägeln durchbohrten Hände und seine von der Lanze des Soldaten durchbohrte Seite. Gottes Geist, der jetzt, hier und heute an den Menschen handelnde Gott, ist der Gott, der leidet mit den Leidenden, der verwundbar wurde und die Wunden der Verspottung und Verachtung ausgehalten hat, der auf der Seite all derer zu finden ist, die um ihrer Überzeugung willen verfolgt werden, die unschuldig vergewaltigt, gequält und getötet werden. Gott ist nicht unempfindlich gegenüber dem Leid und dem Leiden der Menschen. Mitleid ist Gottes Kennzeichen, nicht als gnädiges Von-oben-herab, sondern als ein mit den Menschen leiden, sich zu ihnen beugen, mit ihnen weinen und klagen. Das hat Jesus in den Begegnungen mit den Menschen gezeigt als der, der Gottes Liebe und seine persönliche Nähe gelebt hat und den Menschen daran Anteil schenkte. Seht meine Hände und meine Seite!

Heiliger Geist, Geist Gottes, ist deshalb nicht eine Gefühlsregung, die geht, wie sie gekommen ist, …

… vielmehr ist er eine lebendige und lebendig machende Anstiftung zum Leben: Wie mich der Vater gesendet hat; so sende ich euch. Im Plural gesprochen! Keine allein individuelle und individualistische Auszeichnung und Belohnung. Sondern Auftrag, Bestimmung für die damals noch kleine Jüngergemeinde, die bald bis an die Grenzen der zu ihrer Zeit bekannten Welt auszog, um allen aus diesem Geist den Gott zu bezeugen, der der Gott des Lebens ist. Er ist nicht nur da für ein einziges Volk, für eine auserwählte Nation, für eine bestimmte Sprache und Kultur, für eine andere ausgrenzende Konfession oder Religion. Er ist nicht katholisch oder evangelisch, er gehört nicht den Christen, den Juden oder dem Islam, er gehört nicht den Weißen oder den Schwarzen, sondern er ist der Gott all derer, über die er seinen Geist ausgießt und sie in einer neuen Gemeinschaft zusammenführt. Einer Gemeinschaft, in der Vergebung und Verzeihung leben.

Deshalb und damit wir es nicht vergessen, der heutige mit zwei freien Tagen gewürdigte Festtag mit seiner Bitte: Gott, sende uns deinen Geist. Und: Komm, Heiliger Geist, strahle Licht in unsere Welt. Denn ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein und gesund.

Fürbitten
Auferstandener Herr Jesus Christus, im Vertrauen auf deine Zusage, dass du uns mit deinem Heiligen Geist bestärken willst, kommen wir mit unseren Bitten zu dir:

- Wir bitten um den Geist der Weisheit und des Mutes für alle, die den christlichen Kirchen und Gemeinden vorstehen: dass sie dem, was uns verbindet, mehr trauen als dem, was uns unterscheidet.
(GL 345/2 Veni, Sancte Spiritus)
- Wir bitten um den Geist der Wahrheit und der Offenheit für alle, die in den verschiedenen Religionen Gott suchen und anbeten: dass sie sich als Schwestern und Brüder verbünden auf dem Weg des Glaubens und der Liebe.
- Wir bitten um den Geist der Versöhnung und der Gerechtigkeit für alle, die die Völker und Staaten regieren: dass sie sich in ihren Entscheidungen leiten lassen von dem, was dem Frieden dient
- Wir bitten um den Geist der Hoffnung und der Zuversicht für alle, die an ihrem Leben zweifeln und kein Vertrauen mehr in sich selbst haben: dass ihnen Wegbegleiter zur Seite stehen, die sie ermutigen und bestärken.
- Wir bitten um den Geist der Geduld und der Achtsamkeit für alle, die Menschen pflegen und begleiten: dass sie bestärkt bleiben in der Achtung vor der Würde derer, die ihnen anvertraut sind.
- Wir bitten um den Geist des Trostes für alle, die um einen lieben Menschen trauern: dass sie Lebenskraft finden in der Zusage unseres Glaubens, dass die Toten leben in dir.

Herr Jesus Christus, du hast uns versprochen, mit deinem Leben spendenden Geist bei uns zu sein. Mit dieser Zusage dürfen wir atmen und leben. Dafür sei dir Lob und Dank gesagt heute und alle Tage bis in Ewigkeit. Amen.

Wolfgang Tripp

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