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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
24. Sonntag im Jahreskreis
Die Liebe ist größer
Lesejahr A
Beitrag zum Evangelium

Einführung

Heute geht es – wie auch am vergangenen Sonntag – um das Thema »Schuld«. In einer Welt, in der alles perfekt sein soll, ist das Scheitern von Menschen eher störend. Und doch sind wir angefragt: Wo bleiben wir anderen etwas schuldig an Respekt und Liebe, an Verstehen und Großzügigkeit? Und wie gehen wir damit um, wenn andere uns verletzen oder kränken?

Vertrauen wir Gott unsere Erfahrungen an:

Kyrie-Ruf
Du siehst unsere Grenzen, unsere Ohnmacht und Angst.
Herr, erbarme dich.
Du bist die Liebe, du schenkst Verzeihen.
Christus, erbarme dich.
Du rufst uns zu einem Neubeginn mit dir und mit den anderen.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Gott der Liebe,
wir kommen vor dich mit unserem Leben. Unsere Hände sind leer.
Fülle sie mit deinem Erbarmen. Öffne unsere Herzen für deine Großmut.
Pflanze in uns den Geist der Weite und der Vergebung.
Darum bitten wir dich heute und morgen und an jedem Tag.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 148 »Komm her, freu dich mit uns« oder
GL 861 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Wo Menschen sich vergessen«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 57/1 »Meine Seele, preise den Herrn« mit 57/2 (Psalm 103) und
GL 176/1 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 459 »Selig seid ihr«
Gesang zur Kommunion
GL 378 »Brot, das die Hoffnung nährt«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 382 »Ein Danklied sei dem Herrn« oder
GL 860 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Vertraut den neuen Wegen«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mt 18,21–35 (Evangelium)

Schuld ist ein ständiges Thema zwischen Menschen. Es wird nicht gerne benannt, aber es spielt eine große Rolle. Die frohe Botschaft hat einen hohen Anspruch an den Umgang mit der Schuld anderer. Grenzenlose Vergebung ist die Vorgabe Jesu. Das ist schwer hineinzubuchstabieren in die Realität der Menschen. In einer Welt, in der man für alles bezahlen muss, scheint Liebe ohne Maß naiv zu sein.

Ich greife die Thematik mit einem Zitat auf, das ich im Kloster Arenberg gehört habe: »Gott ist kein Kapitalist.« Ein besonderes Bild. Gott widersetzt sich unseren Prinzipien des Zählens und Aufrechnens. Das ist verquer und doch entwaffnend. Erlösung geschieht da, wo ich mich in Gottes Bewegung der Liebe einladen lasse.

Predigt

Gott und der Schuldenberg

Mit Schulden kennen wir uns aus. Der Schuldenberg in Deutschland ist mit ca. 2,3 Billionen Euro unvorstellbar groß. Noch schlimmer ist die Situation in anderen europäischen Ländern. Sinnbild für Schulden, die nicht in den Griff zu bekommen sind, ist Griechenland, das regelmäßig auf den sogenannten »Rettungsschirm« der anderen Länder angewiesenist.

Vor diesem Hintergrund berührt mich ein Satz, den ich einmal selbst in einer Predigt gehört habe. Eine Ordensschwester sagte: »Ich glaube, Gott ist kein Kapitalist!« Alle Anwesenden horchten überrascht auf, so auch ich. »Ich glaube, Gott ist kein Kapitalist!« Das war bestimmt nicht gemeint im Hinblick auf die Finanzkrisen dieser Welt, sondern ganz grundlegend. Es sollte sagen: Gott ist keiner, der aufrechnet, der zählt. Sondern Gott ist einer, der liebt. Und wer liebt, der zählt nicht, sondern der gibt frei und der beschenkt ohne Maß.

Wie oft muss ich vergeben?

Damit sind wir schon nah dran am Thema des heutigen Evangeliums. Da geht es um zwischenmenschliche Schuldenberge. Und wie auf dem Kapitalmarkt begegnen wir auch hier dem Zählen und Abrechnen.

Schauen wir uns zunächst das Gespräch zwischen Petrus und Jesus an.»Wie oft muss ich meinem Nächsten vergeben?«, fragt Petrus. Ich findees wirklich gut, dass er nachhakt. Das ist ja eine Frage, die immer wieder auftaucht im zwischenmenschlichen Miteinander.

Und Petrus macht gleich ein großzügiges Angebot. »Siebenmal« möchte er vergeben. Ich denke, das ist für unsere Ohren schon ungeheuerlich viel. Stellen wir uns das einmal vor: Siebenmal verletzt werden und nichts heimzahlen. Siebenmal beide Augen zudrücken und dem anderen die Schuld erlassen …

Doch Jesus setzt andere Maßstäbe. Er antwortet: »Nein. Vergib nicht siebenmal. Vergib siebenundsiebzigmal.« Unglaublich. Siebenundsiebzigmal vergeben. Wer kann das schon? Das heißt doch: Nicht mehr mitzählen. Immer und immer neu vergeben ohne Maß.

Und Jesus erklärt im Gleichnis, was er meint. Da gibt es den König, der verschenkt die Schuld von 10.000 Talenten, eine ungeheuerliche Summe. Sein Herz ist weit, seine Liebe groß. Und doch bleibt der Diener bei der anderen Haltung. Er treibt seine Schulden ein, auf Heller und Pfennig, gnadenlos. Und Jesus sagt: Macht es anders! Ihr, die ihr tagtäglich so viel Gnade von Gott erfahrt, könnt doch anderen gegenüber auch großzügig sein.

Zählen oder nicht?

Zählen oder aufhören zu zählen, eine Schuld einfordern oder sie verschenken … Wo in unserem Leben, so könnten wir heute fragen, kommen wir in Berührung mit diesem Thema? Wo hat ein anderer Mensch mich in den letzten Tagen oder Wochen verletzt, enttäuscht, gekränkt? Und: Wie bin ich umgegangen damit?

Oft fällt es uns schwer, die Schuld großzügig zu vergeben. Wir machen dem anderen Vorwürfe, rechnen die Fehler auf, sind nachtragend.

Immer machst du das so …, sagen wir dann. Nie kannst du … Immer muss ich … Du hast schon wieder … Es sind Sätze, die uns verraten. Es sind Sätze, die an der Schuld festhalten und einen anderen nicht mehr herauslassen.

Die Liebe zählt nicht

Liebe zählt nicht, sagt Gott. Liebe schenkt. Liebe erlässt. Und Gott meint damit sicherlich nicht grenzenlose Naivität. Das ist ja unsere Angst. Dass wir mit dem dauernden Vergeben die Dummen sind, die sich an der Nase herumführen lassen. Aber das meint Gott nicht. Vergeben heißt nicht, den Konflikt zu verharmlosen. Vergeben heißt nicht, so zu tun, als gäbe es die Schuld nicht. Ich darf zugeben, was mich stört. Ich muss durchaus ansprechen, was mich verletzt. Ich sollte immer auch herausfordern zur Auseinandersetzung über das, was geklärt werden muss. Aber am Ende, ganz am Ende geht es um die Freiheit zu sagen: Es ist wieder gut. Die Schuld ist geschenkt. Sie steht nicht mehr zwischen uns. Du schuldest mir nichts mehr.

Der Grenzfall der Liebe


Ich gebe zu: Oft ist das eine gewaltige Herausforderung und Zumutung. Es geht ja nicht nur um die alltäglichen Scharmützel, die wir miteinander austragen. Es geht auch um schwere, belastende Konflikte, die wir erleben.

Und es gibt sogar Schuld, die ist einfach nur bodenlos. Wenn Menschen einander buchstäblich das Leben nehmen, wenn ganze Völker sich hassen und bekriegen. Ja, angesichts mancher Grauen in dieser Welt scheint Vergebung nicht mehr wirklich menschenmöglich.

Aber dennoch, aber gerade dann ist es Gott mit der Tilgung der Schuld sehr ernst. Mir hilft an dieser Stelle zum Verstehen manchmal der Blick auf Jesus selbst. Auch an ihm sind Menschen abgrundtief schuldig geworden. Er hat es getragen, hat es ausgehalten bis in den Tod, hat sich von der Liebe nicht abbringen lassen.

Die Liebe ist größer

Doch am Ende, ganz am Ende ist er nicht der Dumme. Nein, er ist der, der Recht bekommt, der aufsteht und der erlöst ist. Wo immer wir uns schwer tun, mit der Schuld anderer umzugehen, dürfen wir uns ihm anvertrauen, ihm, der all unsere Schuld weit hinter sich wirft, ihm, der nicht nachrechnet, nicht auflistet und uns auf unsere Fehler nicht festlegt, sondern der sagt: Es ist vergeben! Geschenkt! Erlassen! Erlöst! Fang wieder neu an und mache es besser. Nie wird er die Geduld mit uns verlieren, niemals einen Menschen endgültig aufgeben. Ganz nah an dieser Quelle derGroßzügigkeit zu leben kann uns helfen, selbst immer freigiebiger auf andere hin zu werden.

»Ich glaube, Gott ist kein Kapitalist.« Wie gut tut diese Wahrheit in unserer durchgerechneten Welt. Der Schuldenberg ist oft groß. Aber Gottes Liebe ist immer größer.

Fürbitten
Gott der Liebe, du kennst unser Leben bis zum Grund. Du kennst unsere Grenzen und unsere Sehnsucht nach Erlösung. Wir bitten dich:

- Für alle, die an anderen Menschen schuldig geworden sind: Führe sie zurück auf deinen Weg und lass sie die befreiende Kraft der Vergebung erfahren.
- Für alle, deren Leben durch die Gewalt anderer Menschen verletzt oder zerstört wurde: Hilf, dass Wunden heilen und dass mit deiner Hilfe der Weg zu Versöhnung und Frieden möglich wird.
- Für alle Familien, die unter Streit und Konflikten leiden: Lass sie neue Schritte aufeinander zugehen und zur Liebe zurückfinden.
- Für uns selbst: Lass uns durch dein Erbarmen zu Menschen werden, die großzügig vergeben können.
- Für unsere Toten: dass sie in deinem Frieden geborgen sind.

Gott der Liebe, höre unsere Bitten und erhöre sie. Lass uns deiner Liebe und Nähe gewiss sein heute und alle Tage unseres Lebens bis in Ewigkeit. Amen.

Claudia Schmidt

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