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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
24. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B
Leidenschaft für Gott

Beitrag zum Evangelium

Einführung

Entscheidungen bedeuten im Leben oft schmerzhafte Einschnitte. Sind wir aber durch das enge Tor der Entscheidung geschritten, kann ein neuer Horizont sich auftun. Jesus mutet seinen Jüngern zu, den mühsamen und harten Weg mitzugehen, und das beinhaltet Kreuz und Leid. Aus Leidenschaft für Gott und die Menschen geht er diesen »Kreuzweg«. Bitten wir um Entscheidungskraft und Durchhaltevermögen, gehalten von der liebenden Barmherzigkeit Gottes:

Kyrie-Ruf
GL 437 »Meine engen Grenzen«

Tagesgebet
Messbuch – Tagesgebete zur Auswahl Nr. 30

Liedvorschläge

Gesang zur Eröffnung
GL 461,1–2 »Mir nach, spricht Christus«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 361 »Mein schönste Zier« und GL 174/5 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 185 »Du hast, o Herr, dein Leben«
Gesang zur Kommunion
GL 453 »Bewahre uns Gott«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 385 »Nun saget Dank«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mk 8,27–35 (Evangelium)

In der Mitte seines Evangeliums eröffnet Markus den Weg Jesu nach Jerusalem. Die Entscheidung, mit ihm zu gehen, stellt sich nun den Jüngern. Es ist eine harte Kost für die Jünger und Markus lässt Jesus dreimal seine Leidens- und Todesankündigung aussprechen. Trotzdem verstehen sie nicht seine Botschaft und versagen immer wieder. Jesus lässt sie nicht fallen, sondern nimmt sie mit und ermöglicht ihnen mit klaren Worten Umkehr und Nachfolge. Dieser barmherzige Umgang mangelt nicht an Deutlichkeit und Konsequenz. Vielmehr ist er für mich auch Modell für die Kirche heute. Menschen mitnehmen auf einen Weg des Glaubens und der Umkehr im Miteinander des Volkes Gottes ist unser Auftrag. Barmherzigkeit eingeschlossen. Ausgeschlossen ist Ausschluss.

Predigt

Leidenschaft für Gott geht nicht ohne Leiden

Auf seinem Weg kommt Jesus mit seinen Jüngern an den entferntesten Punkt von Jerusalem.Hier im Norden, in Caesarea Philippi, am Fuße des Hermongebirges, werden der Hirtengott Pan verehrt und der Kaiser Augustus. Von ihm hat die Stadt ihren Namen Caesarea – die Kaiserliche. Also kein schlechter Ort, um die Entscheidungsfrage zu stellen. Mit wem wollt ihr endgültig gehen? Seid ihr bereit, die Konsequenzen zu tragen, die der Weg nach Jerusalem unweigerlich mit sich bringt – nämlich Leiden, Verfolgung und Tod am Kreuz?

Leiden vermeiden ist menschlich

Ich kann Petrus gut verstehen, dass er diese Härten mildern oder vermeiden will. Jeder Mensch möchte Schmerzen vermeiden. Jeder Mensch möchte sein Leben sichern. Jeder Mensch möchte gut alt werden. Aber Petrus treibt noch eine andere Sorge um: So hat er sich den Messias nicht vorgestellt! Eher einen kraftvollen und durchsetzungsfähigen wie Mose und Elija. Einen, der allen klar macht, um was es geht, nämlich Befreiung von Krankheit und Not, aber auch von politischer Unterdrückung. Bis heute erwarten die Menschen von religiösen und politischen Führern Wohltaten und Heil. Sobald Mühseliges und Hartes benannt wird, laufen die Wähler davon. Jesus muss auch die Erfahrung machen, dass seine Jünger von dieser Welt sind, um Rangfolge streiten und Ansehen haben möchten. An anderer Stelle im Johannesevangelium wird berichtet, wie die Jünger sich empören: »Was er sagt, ist unerträglich!« Worauf viele nicht mehr mit ihm zogen. Offensichtlich war die Rede vom leidenden Messias so anstößig, dass Markus in den folgenden Kapiteln nochmal zwei Leidensankündigungen einbaut, um den Kontrast zwischen dem Verhalten der Jünger und ihren Erwartungen und der Verkündigung Jesu deutlich zu machen.

Leidenschaft für die Menschen

Jesus ist kein Masochist. Er sucht nicht das Leiden um des Leidens willen. Vielmehr ist er konsequent. Er stellt die Kleinen in den Mittelpunkt, die Ausgestoßenen und Kranken. Damit setzt er sich Anfeindungen aus und bringt die bestehende religiöse Ordnung durcheinander. Der Weg nach Jerusalem ist ein Entscheidungsweg. Dort, im Zentrum der Macht, wird die Treue zu seinem Auftrag auf die Nagelprobe gestellt. Er hätte genauso leicht im beschaulichen Galiläa am See Gennesaret bleiben können. Eine Botschaft light hätte es doch auch getan: Harmonie, Wohlgefühl und Einssein mit der Natur als sinnliches Angebot für individuelle religiöse Verwirklichung. Jesus nimmt in der Tradition der Propheten den schwierigeren und härteren Weg an, weil er sich von Gott gesandt weiß, den Armen eine Frohbotschaft zu verkünden, den Kranken Heilung und den Zerschlagenen Befreiung. Das geht nur mit einer Option – einer Entscheidung für diese Menschen. Bis heute beeindrucken solche Menschen, die eigenes Leid und Verfolgung auf sich nehmen, um sich für ihr Volk einzusetzen, denken wir nur an Mahatma Gandhi, Nelson Mandela und Martin Luther King.

Leidenschaft und Barmherzigkeit

Obwohl seine Jünger immer wieder versagen, hält Jesus an ihnen fest, redet aber Klartext. Zuerst Petrus. Nach dem Messiasbekenntnis möchte er Jesus von seinem Weg abbringen und wird hart zurechtgewiesen. Nach der zweiten Leidensankündigung streiten die Jünger um die Rangfolge. Wieder macht Jesus zeichenhaft klar, dass es um die Kleinen geht und nicht um die eigene Größe. Er stellt ein Kind in ihre Mitte. Und bei der dritten Leidensankündigung streiten Jakobus und Johannes um die besten Plätze. Er muss ihnen klar machen, dass es ums Dienen und nicht ums Herrschen geht.

Es ist sehr tröstlich zu sehen, wie Jesus an seiner Mannschaft festhält, obwohl es genügend Gründe gegeben hätte, sie in die Wüste zu schicken. Er möchte seinen Weg jedoch nicht mit einer Elitegruppe ohne Macken gehen, sondern mit Menschen wie du und ich. »Ich bin gekommen, die Sünder zu berufen, nicht die Gerechten«, heißt es an anderer Stelle (Mt 9,13).

Leidenschaft ohne Fanatismus

Wo Menschen mit Begeisterung voll dabei sind, ist meist Leidenschaft im Spiel. Emotionen und Gefühle schwingen mit. Leicht kann aber Leidenschaft in Fanatismus umschlagen. Im Fußball erleben wir regelmäßig solche Ausbrüche. Religion kann genauso missbraucht werden, um Menschen zu Macht und zu Zerstörung zu verführen.
Davon ist bei Jesus nichts zu spüren. Er gebraucht klare Worte und ruft deutlich zur Entscheidung. Aber immer verbunden mit dem Friedensauftrag: »Wenn ihr in ein Haus kommt, so wünscht als erstes: Friede diesem Haus!« Er nimmt den Tod auf sich, um den Teufelskreis der Gewalt zu durchbrechen. Seine Botschaft soll durch die Kraft des Geistes wirken. Pfingsten steht für Verständigung, Vielfalt und Kraft durch das Feuer des Geistes.
Möge dieser Geist unsere Leidenschaft für Gott und die Nöte der Menschen tragen.

Fürbitten
Ewiger Gott, dein Sohn Jesus Christus hat das Kreuz auf sich genommen aus Liebe zu uns. Wir rufen zu dir:

- Für alle Menschen, die unsäglichem Leid ausgesetzt sind durch Krieg, Vertreibung und Hunger. Wir bitten um Beistand und Solidarität.
(GL 182 »Du sei bei uns in unsrer Mitte«)
- Für alle, die den Schmerz der Krankheit und Einsamkeit kaum noch tragen können. Wir bitten um Nähe und Linderung der Schmerzen.
- Für alle, die sich um unangenehme Entscheidungen drücken. Wir bitten um Kraft und Durchhaltevermögen.
- Für alle, die uns schon vorausgegangen sind. Wir bitten um dankbare Erinnerung.

Gott, unser Vater, bleibe du Licht auf unserem Weg bis in die Ewigkeit. Amen.

Karl Kaufmann

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