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Leseprobe 2
Allerheiligen
Lesejahr A – B – C
Gottes Liebe ganz menschlich

Beitrag zur Lesung

Einführung

Der gesunde Menschenverstand wird misstrauisch, wenn große Worte fallen. Kann unser Leben ihrem Anspruch überhaupt gerecht werden? Liebe ist so ein Wort. Es ist das christliche Urwort schlechthin, das Jesus über unsere Beziehung zu Gott und den Menschen gesetzt hat. Aber reichen wir jemals heran? Wo erfahren und wo lernen wir, Liebe zu empfangen und Liebe zu schenken? Gottes Liebe ist nicht abstrakt, sie hat im Leben Jesu Fleisch und Blut angenommen. Spuren dieser Liebe erkennen wir, wo immer uns Menschen in Liebe begegnen. Wir erkennen sie in der Geschichte der Heiligen, und wir erfahren sie in unserem eigenen Leben. Nur merken wir es manchmal nicht. Wir bringen unser Leben vor Gott, und er gibt uns Raum, seiner großen Liebe inne zu werden.

Predigt

Zum Text: 1 Joh 3,1–3 (2. Lesung)

Das Große im Kleinen »Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es.« Diesen Satz können wir groß über den heutigen Allerheiligentag setzen, gleichsam als Leitwort und Motto. Aber nicht nur heute, er ist uns ins Stammbuch geschrieben für alle Tage. Gefragt, woher wir stammen, können wir auf den Ort verweisen, an dem wir geboren wurden oder aufgewachsen sind. Wir können unsere Eltern und Großeltern nennen, unsere Familie im Kleinen und Großen. Alle diese Auskünfte gehen aber nicht weit genug, sie reichen nicht weit genug zurück, um unsere wahre Herkunft zu offenbaren: Im Letzten sind wir Kinder Gottes, von ihm gewollt, von ihm geliebt, von ihm zur Welt gebracht und am Leben erhalten. Gott ist uns allen Vater und Mutter; seine Liebe ist so groß, dass sie uns alle umfasst, so groß, dass sie unsere Sinne überflutet, unser Denken sprengt und unser Fühlen verwirrt. Dennoch gilt uns die Aufforderung des Ersten Johannesbriefs: »Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns schenkt.« Wir – das sind die Heiligen des Himmels, an denen die Liebe Gottes für alle weithin sichtbar geworden ist. Wir – das sind unsere persönlichen Heiligen: die Mütter, die sich für uns verzehrten; die Väter, die uns die Weisheit von Generationen weitergaben; die Großmütter, die uns das Beten beibrachten; die Lehrer, die uns nicht nur irgendetwas, sondern das Leben lehrten. Ich bin überzeugt, jeder von uns kann seine persönliche Heiligenlitanei schreiben und beten, eine Reihe von Menschen, die uns die Liebe Gottes als Vater und Mutter spüren ließen. Schließlich sind wir aber auch wir selbst, wie wir jetzt da sind: Menschen mit ihren Stärken und Schwächen, Menschen mit unseren Hoffnungen und Ängsten, Menschen mit ihrem Glück und ihrer Schuld – Menschen, allesamt von Gott als seine Kinder angenommen. Wie groß und weit die Liebe Gottes zu uns ist, das können wir nicht mit einem Mal begreifen. Aber wir können sie ahnen, wenn sie sich in menschlichen Gesichtern spiegelt und in den Läufen des menschlichen Lebens bricht.

Das Denkwürdige im Alltag

Das Allerheiligenfest kann uns ins Staunen versetzen, wenn wir die sichtbaren Spuren der unsichtbaren Liebe Gottes im Leben der Heiligen, der großen wie der kleinen Heiligen, erblicken. Aber auch hier kann uns die Fülle blenden und überwältigen. Ich möchte auch nicht Einzelne herausheben, weil ich nicht weiß, wo ich dabei anfangen und aufhören sollte. Aber ich möchte dazu ermuntern, über das Jahr verteilt der Liebe Gottes auf die Spur zu kommen im Lebensbild der einzelnen Heiligen. Dazu sind die Namenstage da, und die persönlichen Gedenktage kommen noch dazu: Geburts- und Sterbetage, Hochzeitstage und andere mehr. An jedem dieser Tage kommen uns bestimmte Menschen ganz besonders in den Sinn und bewegen unser Herz: Menschen, die uns zeigen, wie Gott uns liebt – ganz gleich, ob sie täglich um uns herum sind oder in weiter Ferne leben; ganz gleich, ob sie unter uns leben oder schon verstorben sind. Wie wäre es, wenn wir diese allgemeinen und besonderen Gedenktage alle einmal unter das Motto stellten: »Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns schenkt« – die Liebe, die er uns in diesen Menschen schenkt! Sie lässt uns glauben, dass auch wir Kinder Gottes sind.

Das Künftige im Blick

Aber nicht nur das, was wir sind, lässt das Fest aller Heiligen in uns lebendig werden. Es weist uns auch voraus in die Zukunft. Es zeigt, was aus uns werden soll. Freilich schauen wir die Bilder der Zukunft immer nur in Umrissen. So sagt der Erste Johannesbrief: »Liebe Brüder und Schwestern, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden.« Wohin die Fahrt unseres Lebens geht, das bleibt für uns im Ungewissen. Umso wichtiger ist es, dass wir dabei die Orientierung nicht verlieren. Denn eines wissen wir: »Wir wissen, dass wir ihm [Gott] ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.« Die Bilder, die wir sehen, prägen uns. Sie prägen uns so sehr, dass wir ihnen am Ende ähnlich werden. Deshalb ist es so wichtig, positive Leitbilder, Vorbilder im Leben und im Sterben, zu haben. Und am Ende, in Tod und Auferstehung, wird es das Bild Gottes selbst sein, das uns prägt und verwandelt. Aber wie sollte uns Gott in diesem Leben je zum Vorbild werden – Gott, den niemand jemals gesehen hat und dessen Anblick wir nicht einmal ertragen würden? Wie sollte uns Gott zum Vorbild werden, von dem uns alles Menschliche unendlich weit trennt? Gott als Gott kann uns niemals Vorbild sein; er kann es nur in dem Menschen Jesus von Nazaret und er kann es in den Heiligen, die seinem Vorbild gefolgt sind. Wenn wir also nach gelungenen Bildern Gottes suchen, um ihnen ähnlich zu werden, dann sind wir gut beraten, uns an die Heiligen zu wenden. In jedem von ihnen spiegelt sich etwas von der unvorstellbaren und unsagbaren Wahrheit und Liebe Gottes. Wenn wir heute das Fest aller Heiligen feiern, dann steht vor uns das Bild unserer eigenen Vollendung. Und dieses Bild ist mit menschlichen Farben gemalt, weil die Heiligen auch nur Menschen waren. Sie waren zeit ihres Lebens nicht nur Gerechte, sondern auch Sünder. Und gerade deshalb können sie uns helfen, unseren eigenen Weg zu finden und zu gehen. Sie ziehen uns himmelwärts, ohne uns zu überfordern. Sie lassen uns glauben, dass es einen ganz menschlichen Weg gibt, auf dem Gott uns rettend entgegenkommt. Mehr als den großen Heiligen können wir das wahrscheinlich unseren kleinen, persönlichen Heiligen glauben: dass es für uns schwache Menschen einen Weg gibt, Gott ähnlich zu werden, weil wir seine Kinder sind.

Fürbitten

Wir denken heute an die Männer und Frauen, die uns auf dem Weg der Heiligkeit vorangegangen sind. Mit ihnen gemeinsam wollen wir Gott bitten:

- Die Heiligen haben uns den Weg zum Heil gewiesen. Hilf deiner Kirche auch heute, Wegweiserin des Heils für die Menschen zu sein.
- Viele Heilige haben sich besonders eingesetzt für Frieden und Gerechtigkeit. Unterstütze auch heute die Menschen guten Willens bei ihrem Kampf gegen Unrecht und Gewalt.
- Nicht wenige Heilige haben sich den unterdrückten und notleidenden Geschwistern liebevoll zugewandt. Steh allen Menschen bei, die unter Unrecht und Gewalt leiden.
- Viele Heilige haben erst auf Irrwegen zu dir gefunden. Begleite unsere Jugend, dass sie ihren Weg zu dir findet.
- Viele Menschen haben unerkannt ein heiliges Leben geführt.Ermutige alle Menschen, die im Verborgenen ihre Kräfte fürdein Reich einsetzen.
- Du hast die Heiligen aufgenommen in deine Herrlichkeit. Lass auch unsere Verstorbenen teilhaben an der ewigen Gemeinschaft mit dir.

Großer Gott, von dir geht alle Heiligkeit aus. Lass deine Heiligen uns Vorbild sein auf dem Weg zu dir. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Wilfried Eisele

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