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Leseprobe 2
Allerheiligen
Lesejahr A – B – C

Die aus der Bedrängnis kommen


Beitrag zur Lesung

Einführung

Aller Heiligen gedenken wir heute. Wir wissen nicht, wer sie alle und wie viele es sind. Für uns sind sie unzählbar. Aber vor Gott zählt jeder Einzelne von ihnen. In jedem Menschenleben ist wohl eine Spur von Heiligkeit zu finden, Gott allein kennt sie alle.
Heilig sein hat zu tun mit der Treue zu Gott und den Menschen, mit dem Durchhalten der christlichen Überzeugung und dem christlichen Lebensstil, mit der beharrlichen Geduld im Umgang mit den Schwächen der anderen und den eigenen und mit dem festen Vertrauen, dass der heilige Gott uns heiligt, auch wenn wir das manchmal gar nicht glauben und noch weniger spüren können.

Predigt

Zum Text: Offb 7,2–4.9–14 (1. Lesung)

Beim sechsten Siegel

Die Offenbarung des Johannes ist ein geheimnisvolles Buch, unserem Denken und Fühlen kommt es wie versiegelt vor. Tatsächlich ist im Buch von sieben Siegeln die Rede. So oft ein Siegel gebrochen wird, sieht der Seher eine neue Wende im Geschehen der Vollendung. Es geht in diesem Buch grausam zu in der Ankündigung des Gerichts über die Weltmächte und es geht sehr tröstlich zu bei der Verheißung der Vollendung für die Gerechten. Der Seher Johannes schaut die Schar der Heiligen, als das sechste Siegel gebrochen wird. Die aus den vier Windrichtungen kommenden Engel wollen das große, reinigende Gericht herbeiführen; da wird ihnen Einhalt geboten von einem anderen Engel, der aus dem Osten kommt. Er bewirkt einen Aufschub für ein letztes Werk, bevor mit dem Brechen des siebten Siegels die große Abrechnung und die wunderbare Vollendung eröffnet wird. Die Gerechten müssen noch versiegelt werden, bevor das Gericht vollzogen wird. Den Knechten Gottes soll das bewahrende Siegel auf die Stirn gedrückt werden.

Die unzählbare Menge

Zunächst sind es hundertvierundvierzigtausend, die das Siegel empfangen. Aus jedem der Stämme Israels sind es zwölftausend. Zwölf mal zwölf Tausend bezeichnet die Vollständigkeit des endzeitlichen Gottesvolkes. Gott will das Ganze, es darf niemand fehlen von denen, die dazugehören wollen und dazugehören sollen.
Wenig später wird das noch deutlicher erzählt: Eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen, niemand konnte sie zählen. Mit den Menschen aus dem Bundesvolk Gottes stehen jetzt alle anderen Gerechten auch vor Gottes Thron, eine unzählbare Menge. Der Seher kennt sie nicht und der Älteste, der vor Gottes Thron steht und fragt, ist offenbar auch überrascht. So viele! Alle unbekannt! Und doch gehören sie zum Eigentum Gottes. Was ihr Gemeinsames ausmacht, wird nicht als Heiligkeit bezeichnet, nicht als Glaube, nicht als Bewährung. Beschrieben werden sie mit dem Wort: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen!

Die aus der großen Bedrängnis kommen


Was sie getan oder geleistet, geglaubt oder gewirkt haben, wird nicht erzählt. Aber dass sie in der Bedrängnis standgehalten haben, das ist wichtig, das macht ihr Verdienst, ihre Heiligkeit und ihre Besonderheit aus.
Natürlich denkt der Seher Johannes zuerst einmal an die bedrängten Jünger zur Zeit des Kaisers Domitian, als man in allen römischen Provinzen die Christen als Sündenböcke gebraucht hat. Heute werden Christen wieder verfolgt, vertrieben und terrorisiert. Das Christentum ist die Religion, die in unseren Tagen bedrängt wird wie keine andere Glaubensgemeinschaft. Aber wir dürfen das Wort von der Bedrängnis sicher weiter gehend verstehen: Dass Menschen in der Bedrängnis die Menschlichkeit nicht verlieren, nicht selbst zu Menschen-Verächtern werden, dass sie nicht verrohen und nicht rachsüchtig werden, sondern am Menschlichen festhalten, das macht ihre Heiligkeit aus. Solche sind in allen Nationen und Stämmen, in allen Sprachen und Völkern zu finden. Vielleicht nur wenige, vielleicht aber auch mehr, als man denkt.
Unser Glaube wird nicht bedrängt, er wird eher missachtet, verschwiegen, belächelt. Ihn durchzuhalten gegenüber der Gleichgültigkeit, am Wort festhalten gegenüber einer unsäglichen Beliebigkeit, das ist unsere Bedrängnis. Sie erzeugt keine Helden, aber unscheinbare Heilige schon!
Vielleicht rührt unsere Bedrängnis auch aus uns selbst. Es sind ja bedrängende Fragen, mit denen sich jeder Glaubende auseinandersetzen muss: die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes, wo es doch so ungerecht in unserer Welt zugeht. Die bedrängende Frage, warum es immer dieselben Menschen trifft. Die Frage, warum Menschen bei klarer Sicht die Verhältnisse doch nicht verändern können. Und daraus resultierend die nicht verstummende Frage: Glaubst du immer noch? Willst du immer noch festhalten an diesem biblischen Gott und seiner Verheißung? Es sind viele, die aus der Bedrängnis kommen!

Das Siegel Gottes

In der endzeitlichen Vision des Johannes wird den Menschen ein Siegel auf die Stirn gedrückt. Es ist das Kennzeichen der Zughörigkeit. Wer das Siegel trägt, gehört zu Gott und ist gegenüber der Zerstörung und Vernichtung versiegelt. In den Hörern und Lesern des Visionärs Johannes hat das Bild des Siegels sicherlich die Erinnerung an ihre Taufe wachgerufen. In der Taufe werden Christen unter das Siegel von Jesu Tod und Auferstehung genommen. Sie sind schon eingetaucht in die Vollendung, auch wenn sie jetzt noch inmitten der Bedrängnis leben. Ein starkes Bild: Wir tragen das Siegel des lebendigen Gottes und seines Christus an uns. Das ist unsere Auszeichnung. Und wir sind aufgerufen, diese Auszeichnung durch alle Bedrängnis zu bewahren.

Fürbitten
Heiliger Gott, dein Name ist gegenwärtig in allen Nationen und Stämmen, in allen Völkern und Sprachen. Deinen heiligen Namen rufen wir an:

- Für unsere Mitchristen, die in einem unvorstellbaren Ausmaß wegen ihres Glaubens gedemütigt, verfolgt und vertrieben werden.
(GL 556/3 »Gott Vater im Himmel: Erbarme dich unser.«)
- Für die unheimlichen Gotteskrieger des Islam, die meinen, mit ihrer menschenverachtenden Gewalt der Heiligkeit Gottes zu dienen.
- Für die Gläubigen aller Religionen, die sich durch ihren Glauben auch unter schwierigen Umständen zu Menschlichkeit, Verantwortung und Nächstenliebe bewegen lassen.
- Für die Menschen in unserem persönlichen Umfeld, die durch ihre selbstverständliche Fürsorge und Treue unser Leben bereichern.
- Für uns selbst und für alle, die mit ihren Fehlern, Schwächen und Unzulänglichkeiten ringen und dennoch immer wieder versagen.

Mit den Ältesten, den Engeln und der Schar deiner Heiligen rufen wir: Lob und Herrlichkeit, Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Stärke unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen.

Anton Seeberger

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