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Leseprobe 1
Herz-Jesu-Fest
Lesejahr A – B – C

Vom Aufbruch im Glauben

Beitrag zum Evangelium

Einführung

Wir feiern heute am Herz-Jesu-Fest im Grunde das, was uns im Glauben bekannt ist.
Wir kommen zu Jesus, der mit offenen Arme und einem weiten Herzen uns zu sich ruft. Wir kommen zu Jesus, weil wir bei ihm aufatmen können. Denn in ihm schaut Gott uns an und spricht zu unserem Herzen. Stellen wir uns in sein Erbarmen.

Kyrie-Ruf

Jesus Christus, du bist die Quelle, bei der wir unsere Sehnsucht stillen.
Herr, erbarme dich.
Bei dir findet unsere Seele Ruhe.
Christus, erbarme dich.
Dein Herz ist offen und zeigt uns Gottes Liebe.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Messbuch – Herz-Jesu-Fest

Liedvorschläge

Gesang zur Eröffnung
GLn 143/GLa 264 »Mein ganzes Herz erhebet dich«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GLn 657/3 »Dein Erbarmen, o Herr« mit GLn 657/4,1–10 (Psalm 103)
GLa 527/2 »Dein Erbarmen, o Herr« mit Psalm 103 oder
GLn 838 »Lobe den Herrn, meine Seele« (nach Psalm 103) und
GLn 176/1/GLa 531/5 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GLn 427/GLa 289 »Herr, deine Güt ist unbegrenzt« oder
GLn 826 »Dem Herzen Jesu singe«
Gesang zur Kommunion
GLn 358/GLa 558 »Ich will dich lieben«
Dankhymnus/Schlusslied
GLn 369/GLa 549 »O Herz des Königs aller Welt« oder
GLn 371/GLa 890 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart)
»Herz Jesu, Gottes Opferbrand«

Vorüberlegungen


Zum Text: Mt 11,25–30 (Evangelium)

Das Fest lässt sich besonders auf ein Ereignis, die Visionen der Margareta Maria Alacoque, zurückführen. Die Bildtradition vom Herzen Jesu ist bekannt und sicher auch dem Hörer vor Augen. Die Predigt setzt daher an diesem historischen Ereignis und seinem Kontext an.

Daneben steht der Schrifttext aus dem Matthäusevangelium. Das 11. Kapitel hat eine besondere Funktion. Dazu Sebastian Schneider (www. perikopen.de): Es »schließt nämlich den ersten Hauptteil des Evangeliums ab, in dem vor allem Jesu Verkündigung […] und vollmächtiges Wirken […] erzählt wurde, auf die das Volk positiv reagiert. Gleichzeitig leitet es aber auch schon zu dem in Kapitel 12 beginnenden zweiten Hauptteil über, in dem die zunehmend ablehnende Haltung der Frommen an Bedeutung gewinnt […]. Kapitel 11 drängt daher durchgehend zu einer Entscheidung im Blick auf Jesus.« Der Fokus der Predigt liegt auf Mt 11,28, jene berühmte Einladung Jesu an die Beladenen. Schneider merkt an, dass diese Beladenen »nicht rein passive Opfer sind, denen Lasten aufgezwungen wurden, sondern, wie das ›Sich-Mühen‹ andeutet, diese Lasten aus eigenem Entschluss tragen […]. Wäre es daher nicht sinnvoller, die in V. 28 aktiv erscheinenden ›sich Abmühenden und sich Belastenden‹ mit den auf sich selbst vertrauenden Weisen, denen Gottes Weisheit verborgen ist, in V. 25 zu verbinden, und diese dort noch ganz allgemein verstandene Personengruppe jetzt inhaltlich mit den Pharisäern zu füllen?« Jesu Worte sind dann »die zu Herzen gehende Aufforderung […], falsche Weisheit aufzugeben und zu ihm zu kommen«.

Es geht um eine geistliche Haltung, im Glauben aufzubrechen und eine neue Nähe zu Jesus Christus zu finden. Auch wenn der Kontext verschieden ist, lässt sich dieser Aufbruch im Glauben auch bei M. M. Alacoque ausmachen. In einer Zeit religiöser Unruhe (Jansenismus) und individueller geistlicher Aufbrüche (Blaise Pascal und seine Erkenntnis von der Logik des Herzens) hat sie der Frömmigkeit ein Bild geschenkt, das den Einzelnen einladen will, sich neu Jesus zuzuwenden.

Predigt


Die Vision


Am 27. Dezember 1673 kniet die Ordensschwester Margareta Maria Alacoque vor dem Altar ihrer Klosterkirche. An diesem Tag sieht sie in einer Vision das Herz Jesu. Es steht auf einem Flammenthron, nach allen Seiten strahlend, mit der Lanzenwunde. Mit diesem Ereignis beginnt in der katholischen Welt die Herz-Jesu-Verehrung.
Wir kennen bis heute die Bilder eines sanft blickenden Jesus, dessen Finger den Blick des Betrachters auf das Herz lenkt, das sich ihm entgegenflammt. Das Bild mag uns heute fremd und sentimental vorkommen.
Es erstaunt aber, welchen Siegeszug das Fest in der Frömmigkeit erlebt hat. Die vielen Bilder, die Andachten und die Patrozinien von Kirchen zeigen, wie stark es in das katholische Glaubensleben hineingewachsen ist.

Ein Jahrhundert des Herzens

Blicken wir in die Zeit der frommen Seherin. Wir sind im 17. Jahrhundert. Eine pulsierende Zeit für Wissenschaft, Philosophie und Glaube. Es ist auch ein besonderes Jahrhundert für das Thema »Herz«. Ein Mediziner entdeckte zum Beispiel den großen menschlichen Blutkreislauf.
Eine interessante Person dieses Jahrhunderts ist auch der Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal. Man sollte es von einem scharfen Denker, wie er es war, nicht erwarten, aber er merkte, dass der Verstand an eine Grenze kommt, wenn der Mensch nach Gott sucht. Der scharfe Geist vermag vieles zu erkennen. Aber in Dingen des Glaubens ist das Herz auf andere Weise fähig zu verstehen.
In seinem Mantelsaum eingenäht fand man nach seinem Tod einen Zettel. Darauf stand ein kurzes Bekenntnis. Es lautet: »Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, nicht der der Philosophen und Wissenschaftler.« Pascal ist in seinem Glauben innerlich aufgebrochen. Sein Herz hat sich aufgemacht, den Gott der christlichen Offenbarung zu entdecken.
Es ist fraglich, ob die Ordensfrau in ihrem burgundischen Kloster von diesem inneren Aufbruch des Wissenschaftlers etwas mitbekommen hat. Sie hat aus ihrer Intuition selbst der Frömmigkeit ihrer Zeit einen Aufbruch geschenkt. Sie hat eine eigene Theologie des Herzens geschaut.
Vielen ging dieser Aufbruch zu weit. Der Glaube habe sich der kühlen Vernunft unterzuordnen. Aber der Siegeszug dieser Theologie des Herzens war nicht aufzuhalten. Die Visionen haben Margarete Maria Alacoque zu einer Galionsfigur gemacht. In der Frömmigkeit wurde dem Einzelnen ein Weg gezeigt, sich in eine neue Nähe zum Herrn zu stellen. Sie hat im Grunde nur die uralte Wahrheit neu gefunden: Gott ist in Jesus Mensch geworden. Im Sohn will der unsichtbare Gott eine radikal neue Möglichkeit schaffen, unter den Menschen zu wohnen.

»Kommt alle zu mir«

Schauen wir nun in das Evangelium, das am heutigen Fest verkündet wird. »Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen« – dieser Vers gehört wohl zu den herzergreifendsten Worten, die wir aus Jesu Mund hören.
Es bleibt irgendwie unklar, wer mit den sich Abmühenden gemeint ist. Grundsätzlich kann sich jeder darin wiederfinden, denn die Schriftworte sind offen, sich mit diesen Beladenen zu identifizieren. Wenn man aber den Zusammenhang dieser Verse anschaut, dann können wir diese Menschen, die Jesu hier im Blick hat, etwas genauer greifen.
Gemeint sind jene Menschen, die auf ihre eigene Weisheit bauen. Jene Menschen, die sich in ihrer Frömmigkeit eingerichtet haben. Jene, die sich beladen mit einer vorläufigen Erkenntnis, die hängen geblieben sind in einer durchaus achtenswerten Frömmigkeit, die aber noch nicht an ihr Ziel gekommen ist, die vielleicht auch müde stecken geblieben sind auf ihrem Glaubensweg. Ihnen will Jesus das Herz öffnen. Gott, dem sie dienen wollen, ist zu finden in dem Sohn. Zu ihm sollen sie schlichten Herzens kommen, dann werden sie Ruhe finden.

Aufbrechen im Glauben


Wir haben einen weiten Bogen gespannt über das Zeitalter von Blaise Pascal und Margareta Maria Alacoque hin zu den Beladenen im Evangelium.
Die Biografien und die Seelenlagen dieser Menschen sind verschieden. Aber immer ist doch spürbar, wie sie alle eine ähnliche Erfahrung machen. Wie in einer bestimmten Phase des Lebens der Glaube sie zum Aufbruch drängt.
Der Wissenschaftler Blaise Pascal ist der Erkenntnis seines Herzens gefolgt und hat den Gott der biblischen Offenbarung neu gefunden. Die Ordensfrau Margareta Maria Alacoque hat Christus als den gefunden, der mit Herzblut dem Menschen nachgeht.
Dieses Weggehen von sich und auf den Herrn zu gründet auf der Einladung Jesu, die immer gültig ist. Er sagt sie auch uns: »Kommt alle zu mir – Ich werde euch Ruhe verschaffen.« Im Symbol des Herzens findet diese vitale Beziehung ihr Bild. Das Herz zeigt den Weg. Es ist das Grundwort, das wie kein anderes für Leben steht.

Fürbitten
»Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt!« Herr, deiner Einladung folgen wir. Dir bringen wir die Menschen und Nöte unserer Zeit:

- Wir beten für alle, die im Glauben müde geworden sind und Wege suchen, dich neu zu finden.
(Christus, höre uns. – Christus, erhöre uns.)
- Für die Menschen, deren Herz verhärtet ist, und für alle, die an deiner Barmherzigkeit für sie zweifeln.
- Wir beten für die Kirche und für alle Christen, die in ihrem Alltag deine Einladung verkünden.
- Für alle, die in den großen und kleinen Konflikten dieser Welt Gerechtigkeit und Frieden suchen.
- Wir beten für unsere Verstorbenen. Für alle, die auf einen Ruheplatz bei dir gehofft haben, und für alle, die um sie trauern.

Mit dir, Herr, preisen wir den himmlischen Vater, weil er dich zu uns gesandt hat. Heute und bis wir sind in deiner Ewigkeit. Amen.


Hansjörg Häuptle

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