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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
Christi Himmelfahrt
Lesejahr A
Fortgehen und bleiben

Beitrag zum Evangelium

Einführung

Christi Himmelfahrt ist ein zweites Osterfest. Schließlich ist Jesus nicht auferstanden, um in sein irdisches Leben zurückzukehren. Dann hätte er noch einmal sterben müssen. Auferstehung ist zugleich die Heimkehr zum Vater im Himmel. Der Auferstandene hat einen unverweslichen, herrlichen, starken, geistlichen Leib (1 Kor 15,43f.). Das können wir uns nicht vorstellen, wir können es nur umschreiben. Eines aber glauben wir: Wenn wir mit Christus gestorben sind, so werden wir auch mit ihm leben (Röm 6,8). Steht unsere Vollendung auch noch aus, unser neues Leben hat mit der Taufe schon begonnen.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, dir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden.
Herr, erbarme dich unser.
Du sendest uns aus, dein Wort allen Geschöpfen zu verkünden.
Christus, erbarme dich unser.
Alle Tage bleibst du bei uns mit deiner lebendigen Gegenwart.
Herr, erbarme dich unser.

Tagesgebet

Gott,
du hast Jesus von den Toten auferweckt. Er ist heimgekehrt in sein himmlisches Vaterhaus und hat auch uns den Weg dahin gewiesen.
Stärke uns durch das Bewusstsein seiner Gegenwart und nimm uns die Angst vor den Mächten dieser Welt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GLn 319/GLa 228 »Christ fuhr gen Himmel«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GLn 326,1–5/GLa 223,1–5 »Wir wollen alle fröhlich sein«
Gesang zur Gabenbereitung
GLn 329,1–5/GLa 220,1–5 »Das ist der Tag, den Gott gemacht«
Gesang zur Kommunion
GLn 361,1–3/GLa 559,1–3 »Mein schönste Zier und Kleinod bist«
Dankhymnus/Schlusslied
GLn 339,1–4/GLa 229,1–4 »Ihr Christen, hoch erfreuet euch«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mt 28,16–20 (Evangelium)

In der letzten Perikope des Matthäusevangeliums laufen zahlreiche Fäden der matthäischen Jesusgeschichte zusammen und bilden einen eindrucksvollen Abschluss. Zugleich öffnet sich die Perspektive in die jetzige Situation der Leserinnen und Leser. Sie werden aus der Erzählung in ihre eigene Gegenwart entlassen. Ein letztes Wort Jesu erinnert sie an seine ganze Lehre (Mt 28,20a), von der das Evangelium Zeugnis gibt. Das Schlusswort Jesu wird durch eine knappe Situationsangabe eingeleitet (Mt 28,16–18a). Die Jünger begeben sich nach Galiläa und folgen so dem Befehl des Auferstandenen (Mt 28,7.10). Von einem Berg war darin allerdings nicht die Rede. Dass er hier (Mt 28,16) dennoch erwähnt wird, dient dem Zweck, an zentrale Stellen des Evangeliums zu erinnern: Auf einem Berg legte der Satan Jesus alle Reiche der Erde zu Füßen (Mt 4,8–10); auf einem Berg, der an den Sinai erinnert, verkündete Jesus als der neue Mose die größere Gerechtigkeit (Mt 5,1.17–20); auf einem Berg fand die Verklärung Jesu als Ausblick auf Ostern statt (Mt 17,1–9); auf einem Berg zeigt sich schließlich der Auferstandene seinen Jüngern (Mt 28,16f.).
Die Begegnung mit Jesus beseitigt jedoch nicht den Zwiespalt, in dem sich die Elf und seither alle Jünger Jesu angesichts der Osterbotschaft befinden: Kniefällige Anbetung und bleibende Zweifel gehen ineinander und dieser innere Konflikt wird durch das Wort Jesu in keiner Weise aufgelöst. Der Kleinglaube, den Jesus im Matthäusevangelium wiederholt kritisiert hat (Mt 6,30; 8,26; 14,31), wird auch durch den Auferstandenen nicht restlos überwunden. Das Wort Jesu besteht aus drei Teilen: der Feststellung der Allmacht Jesu (Mt 28,18b), der Sendung der Jünger zur Mission (Mt 28,19–20a) und der Zusage der Gegenwart Jesu durch alle Zeiten (Mt 28,20b). Hier zeigt sich eine weitere Kontinuität: Dem unausräumbaren Zweifel steht die Verheißung der bleibenden Gegenwart Jesu gegenüber; er bleibt sich treu als »Immanuel« (= »Gott mit uns«), als der er schon vor seiner Geburt verheißen wurde (Mt 1,23). Dieser doppelten Kontinuität stehen zwei Diskontinuitäten gegenüber: Hatte der irdische Jesus gegenüber dem Satan (Mt 4,8–10) und gegenüber Petrus (Mt 16,21–23) noch alle Allmachtsfantasien von sich gewiesen, nimmt er jetzt als Auferstandener seine ganze Macht in Anspruch (Mt 28,18b); und sah der irdische Jesus sich und seine Jünger ausschließlich zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt (Mt 10,5f.), so gibt er jetzt den Auftrag zur grenzenlosen Mission unter allen Völkern (Mt 28,19–20a). Kontinuität und Diskontinuität markieren den Übergang von der Gemeinschaft mit dem irdischen Jesus zum Leben in der Gegenwart des erhöhten Herrn. Nur wo dieser Übergang gelingt, geht uns das Evangelium auch heute noch etwas an.

Predigt

Hoffnung und Zweifel

Es kommt vor, dass einem Unrecht widerfährt und man sich nicht sofort zur Wehr setzen kann. Es fehlt an Geistesgegenwart, körperlicher Kraft, juristischer Handhabe, finanziellen Möglichkeiten oder schlicht am Durchsetzungsvermögen. Dann mag man sich auf später vertrösten: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Beim nächsten Mal, wenn wir uns wiedertreffen, sitze ich vielleicht am längeren Hebel. Die Jünger sehen Jesus zum zweiten Mal. Beim ersten Mal konnten sich beide nicht helfen. Ihr gemeinsames Projekt war gescheitert. Das Reich Gottes, in dem die Liebe sogar den Feind noch erreichen sollte, hatte sich nicht durchgesetzt. Stattdessen hatte der Hass der Feinde triumphiert und Jesus ans Kreuz gebracht. Aber es gibt ein zweites Mal. Ostern gibt Jesus die Gelegenheit zur Revanche, so scheint es. Der hilflos zu Tode Gemarterte ist auferstanden, und jetzt hält er die Macht in seinen Händen. Aber so einfach ist es nicht. Wenn sich die Machtverhältnisse nur umkehren, ist nichts gewonnen. Denn Hass und Unrecht sind dann immer noch in der Welt. Vor allem kann Ostern die Zweifel nicht beseitigen, nicht einmal bei denen, die den Auferstandenen gesehen haben. Hier hat sich gar nicht viel verändert. Der Kleinglaube ist geblieben, den Jesus so oft an seinen Jüngern getadelt hatte. Gott sei Dank, muss man fast sagen. Denn so haben auch wir die Chance, als Gläubige zu leben, obwohl wir den Zweifel nicht loswerden. Wer glaubt, hat den Tod noch längst nicht überwunden und auch das Leben nicht bestanden. Aber im Zwielicht des Ostermorgens ahnt er vielleicht eine neue Welt. Er streckt sich aus nach ihr, weil seine Hoffnung größer ist als sein bescheidenes Leben. Der Zweifel bleibt, aber er bestätigt nur, dass die Hoffnung noch nicht erstorben ist. Woran sollte der Zweifel sonst zweifeln?'

Macht und Ohnmacht

Etwas hat sich aber doch verändert für den, der glaubt. Es hat ein Herrschaftswechsel stattgefunden. Vor Ostern wies Jesus alle Allmachtsfantasien von sich. Dabei stellte die Macht für ihn durchaus eine Versuchung dar. Die Welt lag ihm zu Füßen, aber er sah genau, dass sie ihm der Teufel zu Füßen gelegt hatte. Ihm hätte er huldigen müssen, um in der Welt mächtig zu werden. Auch als Petrus sich ihm in den Weg stellte, war es nicht anders. Petrus sah in ihm den glorreichen Messias, der nun die Macht an sich reißen würde. Da hatte Jesus schon erkannt, dass ihn sein Weg in Leid und Tod führen würde. Wollte er sich treu bleiben, konnte er nicht wie die Mächtigen der Welt werden, die ihre Völker unterdrücken und ihre Macht missbrauchen. Sein Leben war Dienst an den Mitmenschen und Hingabe für sie (Mt 20,24–28). So einer passt in kein System, deshalb ist er den Mächtigen stets ein Dorn im Auge: Jesus musste weg. Aber er kam wieder, diesmal als unumschränkter Herrscher über Himmel und Erde. So bezeugt es das Evangelium. Aber spricht nicht alles gegen diese Sicht der Dinge? Das Reich der Gerechtigkeit und der Liebe ist seither nicht ausgebrochen. Bis heute gibt es millionenfach Elend, Leid und Tod. Wo ist da der milde Herrscher Jesus, der lieber sich selbst hingibt, bevor einem der Seinen ein Haar gekrümmt wird? Ist der Glaube an den allmächtigen Jesus nicht schlicht und ergreifend weltfremd?

Wort und Herrschaft

Das hängt von der Betrachtungsweise ab. Jesus übt seine Herrschaft eben nicht auf die übliche Art und Weise aus. Er setzt sie nicht mit geschickter Diplomatie, riesigen Geldsummen und der Gewalt der Waffen durch. Wie der irdische Jesus vor allem durch die Macht seines Wortes wirkte, so auch der himmlische. Solange er auf Erden lebte, hat er nur zu Israel gesprochen. Nach seiner Auferstehung ging sein Wort in alle Welt hinaus. Überall hat es offene Ohren gefunden und neue Jünger gewonnen. In allen Völkern ließen sich Menschen taufen und bemühen sich um ein Leben nach dem Wort und Beispiel Jesu. Sie begründen die Allmacht Jesu, weil sein Evangelium an keiner Grenze haltmacht. Sie tragen keine Waffen und regieren nicht die Welt. Aber der Geist Jesu bleibt durch sie in der Welt lebendig und wirksam. So sieht es der Evangelist Matthäus, doch leider ist es bei seiner Sicht nicht immer geblieben. In der Kirchengeschichte hat es immer wieder Versuche gegeben, die Herrschaft Christi mit Waffengewalt auszubreiten und durchzusetzen. Mit der christlichen Mission haben sich ganz weltliche Interessen verbunden. Im Sinne des Evangeliums war das mit Sicherheit nicht. Man denke nur an die Eroberung Lateinamerikas durch die Europäer. Wo sich weltliche Herrschaft ganz ungebrochen als Christi Herrschaft ausgibt, wird der Name Jesu missbraucht. Wo aber das Evangelium in aller Bescheidenheit verkündet wird, da zeigt sich Jesu wahre Macht. Da ruft sein Wort die Menschen in die Entscheidung, ob sie seinem Weg der Gewaltlosigkeit und Liebe folgen wollen oder nicht.

Abwesenheit und Gegenwart

Christi Himmelfahrt markiert einen eigenartigen Wendepunkt. Erst danach ging die Botschaft Jesu in alle Welt hinaus. Davor war sie eine Sache der Juden gewesen, danach wurde sie zu einer Sache, die alle Menschen angeht. Nicht nur in Israel, überall auf der Welt konnte man bald die Stimme Jesu vernehmen. Andererseits ist die Begegnung mit dem Menschen Jesus von Nazaret nicht mehr so ohne weiteres möglich. Er ist uns entzogen, in den Himmel entrückt, während wir auf der Erde zurückbleiben. Wir hören seine Botschaft nicht mehr unmittelbar, sondern nur noch vermittelt durch andere Menschen. Dennoch bleibt er uns nah. Sein letztes Wort, mit dem wir aus dem Matthäusevangelium entlassen werden, ist eine Zusage seiner Gegenwart. Bei näherer Betrachtung gibt es keinen Unterschied zwischen seinen ersten Jüngern damals und uns heute. Allen, die ihm folgen, ist seine Gegenwart versprochen. Jesus bleibt sich treu. Schon vor seiner Geburt wurde er als der »Immanuel« angekündigt, der »Gott-mit-uns«. Und diese Verheißung bleibt bis ans Ende gültig: Er ist und bleibt der Immanuel. Wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, da ist er mitten unter ihnen (Mt 18,20). Wir sind nicht allein und auf uns gestellt. Jesus ist bei uns in der Gemeinschaft seiner Jüngerinnen und Jünger. Er ist bei uns, wenn wir gemeinsam auf sein Wort hören. Und er ist gegenwärtig in unserer Welt, wenn wir danach leben und handeln.

Fürbitten
Gott, im Wort deines Sohnes Jesus bist du gegenwärtig in unserer
Welt. Er selbst ist in unserer Mitte, wenn wir uns zum Gebet
versammeln. Was wir in seinem Namen erbitten, willst du uns
geben. So bitten wir voll Vertrauen:

- Für die Menschen, die schwere Zweifel plagen, ob sie richtig entschieden und gehandelt haben und wie sie weitermachen sollen.
(Herr, erbarme dich.)
- Für die Menschen, die ihre Macht missbrauchen, und für diejenigen, die unter dem Machtmissbrauch zu leiden haben.
- Für die Christen aller Konfessionen, die dein Wort in aller Welt bezeugen sollen und die sich selbst oft schwertun, ihm zu folgen.
- Für die Menschen, die einsam und verlassen sind, die einen Helfer brauchen und keinen finden.
- Für die Verstorbenen, die auf ein Leben bei dir gehofft haben, und für diejenigen, die ohne Hoffnung gestorben sind.

Gott, unser Vater, du hast deinem Sohn Jesus Christus alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Gib, dass seine Botschaft der Liebe und des Friedens sich immer mehr durchsetzt in der Welt.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn. Amen.

Wilfried Eisele

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