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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
19. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr A

Wagen und vertrauen


Beitrag zum Evangelium

Einführung

Der Apostel Petrus beeindruckt durch seine Impulsivität. Er lässt sich leicht begeistern. Er ist ganz schnell im Bekenntnis zu Jesus. Er hat Mut und wagt Alleingänge. Im Volksmund heißt es: Wer wagt, gewinnt. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Wer zu viel wagt oder leichtfertig Risiken eingeht, kann auch verlieren. Diese Erfahrung bleibt Petrus nicht erspart. Er wagt viel und verlässt sich allein auf sich selbst und seinen Mut. Was ihm oft noch fehlt, ist die unerschütterliche Rückbindung an den, der ihn ruft.
Auch uns fehlt oft das Gottvertrauen. Immer wieder haben Verzagtheit und Sicherheitsdenken die Oberhand. Damals wie heute kann die vertiefte Beziehung zu Jesus selber neue Brücken bauen und neue Wege ermöglichen.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du rufst uns zur Nachfolge.
GLn 137 »Herr, erbarme dich unser«
Herr Jesus Christus, du lässt uns nicht allein im Wagnis des Lebens.
GLn 137 »Herr, erbarme dich unser«
Herr Jesus Christus, du streckst deine Hand aus und gibst uns Halt.
GLn 137 »Herr, erbarme dich unser«

Tagesgebet

Guter Gott,
der Ruf deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, ergeht an uns und ermutigt uns, ihm zu folgen.
Lass unseren Mut in deinem Vertrauen getragen sein, damit wir Widerstände und Ablehnungen bestehen können und nicht verzagen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GLn 409 »Singt dem Herrn ein neues Lied«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GLn 272 »Zeige uns, Herr, deine Allmacht und Güte« und
GLn 174/7 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GLn 186 »Was uns die Erde Gutes spendet«
Gesang zur Kommunion
GLn 358 »Ich will dich lieben, meine Stärke«
Dankhymnus/Schlusslied
GLn 453 »Bewahre uns Gott«

Vorüberlegungen


Zum Text: Mt 14,22–33 (Evangelium)


Die beglückende Erfahrung der Speisung der 5000 müsste eigentlich für die Jünger genügend Standfestigkeit und Durchhaltevermögen vermittelt haben. Die Perikope vom Gang Petri auf dem Wasser macht genau das Gegenteil offenkundig. Nach euphorischem Beginn kommen schnell die Verzagtheit und der Kleinmut. Angst verzerrt die Wahrnehmung. Jesus wird gar als Gespenst gesehen und Panik breitet sich aus. Jesus schenkt den verängstigten Jüngern seine beruhigende Nähe und bleibt mit ihnen im Boot. Das Schiff der Kirche, das heute auch oft hin- und hergeschüttelt wird von selbstverursachten Skandalen wie dem Missbrauch von Schutzbefohlenen und dem Versagen mancher Leitungspersonen, darf sich auf die Zusage Jesu verlassen: »Ich bin bei euch alle Tage.«
Wichtige Hinweise habe ich im Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium von Papst Franziskus gefunden.

Predigt

Wer wagt, gewinnt?


Wer wagt, gewinnt! Das Sprichwort hat schon viele Menschen beflügelt. Es ermutigt, Neues auszuprobieren. Es spornt an, hinauszuziehen in unbekanntes Gelände. Entdeckungen und Fortschritte in Wissenschaft und Technik wären ohne den Wagemut vieler Forscherinnen und Forscher nicht möglich gewesen. Der Mensch ist von Gott als Suchender und Fragender geschaffen.
Neugier und Forschergeist haben viel Gutes in die Welt gebracht. Es darf aber nicht verschwiegen werden, dass das nur eine Seite der Medaille ist. Überzogene Risikobereitschaft kostet vielen Menschen das Leben: im Straßenverkehr, bei Bergtouren und lebensgefährlichem Extremsport. Ganz zu schweigen von den Risiken beim Zocken an der Börse und bei Spekulationsgeschäften. Wie viel Elend und Not hat das Milliardenroulette der Banken und Spekulanten über die Menschheit gebracht. Offensichtlich reicht die Weisheit des Sprichworts: »Wer wagt, gewinnt«, allein nicht aus. Wir brauchen ergänzend dazu eine weitere menschliche Eigenschaft: das Vertrauen.

Wagen und vertrauen


Am Verhalten des Apostel Petrus möchte ich deutlich machen, dass das Wagen allein nicht ausreicht, um ans Ziel zu gelangen. Zunächst beeindruckt ja schon, wie mutig und entschieden er handelt. Aus einem sicheren Boot auszusteigen, dazu gehört schon eine große Portion Wagemut. Fast tollkühn geht er los und riskiert alles. Aber nach euphorischem Start gerät er schnell in die Krise. Er hatte nicht mit Gegenwind gerechnet. Und er spürt, dass er in seinem Alleingang wirklich allein ist. So verliert er sein Ziel aus den Augen. Er erkennt nicht, dass letztlich nicht Mut und Risiko lebenstragend sind, sondern personale Bindung. Freundschaften und Beziehungsnetze tragen uns. Der Glaube an Jesus geht nicht ohne personale Bindung. Als dieses Band nicht mehr da ist, beginnt er zu sinken. Nur auf sich gestellt, gerät er in die Isolation. Hier bewahrheitet sich der Spruch Jesu: »Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen« (Joh 15,5). Natürlich können wir mit eigener Kraft und eigenem Willen viel erreichen und bewegen. Aber wenn der Geist des Herrn nicht dabei ist, wenn seine Handschrift nicht mehr erkennbar ist, bleibt es Menschenwerk und baut das Reich Gottes nicht auf.

Positiv: Hinausgehen an die Ränder

Papst Franziskus wird nicht müde, die ganze Kirche immer wieder aufzufordern, aufzubrechen in die menschlichen Randgebiete: »Mir ist eine ›verbeulte‹ Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist« (Evangelii gaudium Nr. 49). Für diese Herausforderung kann uns Petrus durchaus Ansporn sein. Sein Wagemut täte uns allen gut. Allerdings nicht im egozentrischen Alleingang mit der stillschweigenden inneren Überzeugung, wie gut ich doch eigentlich bin, sondern im Hinhören und Dranbleiben am Ruf des Herrn. Der Ruf Jesu: »Komm!«, heißt nicht: »Mach dein Ding!« Vielmehr ist es eine Einladung, bei ihm zu sein und mit ihm zu gehen durch dick und dünn. Dieses Dranbleiben braucht Gemeinschaft.

Der synodale Weg

Vieles in der Kirche geschieht zu oft von oben herab oder unvermittelt. Menschen mitzunehmen und einzubeziehen auf einen gemeinsamen Weg, sie einzuladen und zu locken durch guten Umgang und geistvolle Berührung, ist eine hohe Kunst. Sie können wir lernen von Jesus selber. Er hat Menschen angesprochen, Jüngerinnen und Jünger berufen und auf einen Weg mitgenommen. Auf diesem Weg haben sie Erfahrungen gemacht, besonders im Umgang mit Kranken und Armen. Lernen am Beispiel. Dieses pädagogische Prinzip ist bis heute unübertroffen. So muss auch Petrus lernen, dass der gemeinsame Weg mit Jesus durch nichts zu ersetzen ist. Auf Griechisch heißt das: Syn-hodos – Synode, gemeinsam beraten, gemeinsam beten, gemeinsam sich auf den Weg machen. Noch einmal Papst Franziskus: »Zu den andern hinauszugehen, um an die menschlichen Randgebiete zu gelangen, bedeutet nicht, richtungslos und sinnlos auf die Welt zuzulaufen. Oftmals ist es besser, den Schritt zu verlangsamen, die Ängstlichkeit abzulegen, um dem andern in die Augen zu sehen und zuzuhören …« (EG 46).

Verbundenheit


»Lassen wir uns die Gemeinschaft nicht nehmen!«, sagt Papst Franziskus (EG Nr. 92) und meint damit nicht nur eine gemütliche Vereinsverbundenheit, sondern sieht darin eine zutiefst geistliche Aufgabe: »Es geht darum zu lernen, Jesus im Gesicht der anderen, in ihrer Stimme, in ihren Bitten zu erkennen. Und auch zu lernen, in einer Umarmung mit dem gekreuzigten Jesus zu leiden, wenn wir ungerechte Aggressionen und Undankbarkeiten hinnehmen …« (EG Nr. 91). Wer sich einsetzt, setzt sich aus und muss damit rechnen, nicht nur Lob und Dank zu erhalten. Umso wichtiger ist es, sich in eine Haltung zu begeben, die mit diesem Widerstand rechnet und ihn so annimmt, dass daraus Wachstum möglich wird. Innere geistliche Festigkeit, Gesprächsbereitschaft und Offenheit helfen hier weiter. Verbitterung und Verhärtung führen oft in die Isolation oder zu gewaltsamen Lösungen, bei denen immer einer auf der Strecke bleibt. Ganz entscheidend bleibt jedoch die Erfahrung, dass Jesus an mir festhält. Seine Hand lässt mich nicht los, auch wenn ich schwach bin oder versagt habe. Die Verbundenheit mit ihm gibt den langen Atem und die nachhaltige Geduld bei allen Engagements.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, in den Stürmen und Herausforderungen unseres Lebens bist du mit uns im Boot. Wir rufen zu dir:

- Für alle, die ihr Leben riskieren durch Übermut und mangelndes Nachdenken.
- Für alle, die nichts mehr wagen aus Angst und Resignation.
- Für alle, die nur Alleingänge wagen und vergessen, andere mitzunehmen.
- Für alle, die in der Kirche Neues wagen und Unterstützung brauchen.
- Für alle, die ihr Leben riskieren auf der Flucht aus Kriegs- und Hungergebieten.
- Für alle Verstorbenen, die uns Lebenskraft und Glaubensmut vermittelt haben.

Denn du gehst mit uns alle Wege, heute und in Ewigkeit. Amen.

Karl Kaufmann

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