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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
Palmsonntag
Lesejahr A
Im Hören und Betrachten sich selbst entdecken

Beitrag zur Passion

Einführung

Wir stehen wieder an der Schwelle zur Heiligen Woche. (Mit einem feierlichen Einzug/einer Palmprozession machen wir uns auf den Weg.) Wir wollen die entscheidenden Stationen des Weges Jesu mitgehen. Wir erleben sie mit, wenn wir in den kommenden Tagen die verschiedenen Gottesdienste feiern. Wer daran nicht teilnehmen kann oder möchte, der kann sie miterleben, wenn er die biblischen Geschichten liest oder den Texten und Gesängen einer Bachschen Passion lauscht.

Der Palmsonntag ist so etwas wie eine Ouvertüre, in der die ganze kommende Woche schon anklingt. Zu Beginn hören wir vom Einzug Jesu nach Jerusalem, mit dem sein Leidensweg beginnt. Dann wird die Passion vorgetragen, wie sie Matthäus überliefert hat. Aber wir feiern auch Eucharistie, mit der wir Sonntag für Sonntag Ostern feiern. Machen wir uns auf den Weg und begleiten Jesus auf seinem Leidensweg. Dann kann er für uns zu einem Begleiter auf unseren Lebenswegen werden.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, wir begleiten dich auf deinem Weg zum Kreuz.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, wir folgen dir auf deinem Weg der unerschütterlichen Liebe.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, wir gehen mit dir auf dem Weg vom Tod zum Leben.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Gott,
aus unergründlicher Liebe ist dein Sohn Mensch geworden und hat selbst den Tod am Kreuz auf sich genommen. So hast du deine unerschütterliche Treue zu uns Menschen bezeugt.
Hilf uns, dass wir ihm auf dem Weg des Leidens nachfolgen und uns ganz dir anvertrauen, wo wir der Macht des Todes begegnen. Lass uns die Kraft der Auferstehung erfahren, hier und einmal auf ewig.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung/zum Einzug
GLn 280/GLa 815 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart)
»Singt dem König Freudenpsalmen«
GLn 291 »Holz auf Jesu Schulter«
GLa 275 »König ist der Herr«
Antwortgesang
GLn 277/GLa 163 »Aus tiefer Not schrei ich zu dir«
GLn 292 »Fürwahr, er trug unsre Krankheit«
Gesang zur Gabenbereitung
GLn 281 »Also sprach beim Abendmahle«
GLn 282/GLa 537 »Beim letzten Abendmahle«
Gesang zur Kommunion
GLn 288 »Hört das Lied der finstern Nacht«
GLn 460/GLa 183 »Wer leben will wie Gott auf dieser Erde«
Dankhymnus/Schlusslied
GLn 275 »Selig, wem Christus auf dem Weg begegnet«
GLn 461/GLa 616 »Mir nach, spricht Christus, unser Held«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mt 26,14 – 27,66 (Passion)

Die Passionsgeschichte ist – vor allem, wenn sie in der Langfassung vorgetragen wird – ein umfangreicher Text. In dramatischer Weise und mit vielen alttestamentlichen Bezügen überliefert Matthäus die einzelnen Etappen auf dem letzten Weg Jesu bis zu seinem Begräbnis und der Bewachung des Grabes. Neben der Dichte der Erzählung fällt die Fülle der beteiligten Personen und Gruppen auf. Neben den Protagonisten wie Judas, Kajaphas oder Pilatus erscheinen auch zahlreiche weniger dominante Gestalten, die ihre Rolle spielen wie Simon von Zyrene, die am Kreuz vorbeikommenden Leute oder der römische Hauptmann.
Die Predigt möchte den Blick auf die Vielzahl dieser Menschen richten, die den letzten Weg Jesu begleiten. Sie möchte einladen, den eigenen Platz in dieser Geschichte zu finden und von daher das eigene Leben und Glauben anzuschauen und die Beziehung zu Jesus Christus zu bedenken.

Predigt

Einen gotischen Schnitzaltar betrachten …

Wenn man im Kölner Dom ins rechte Querschiff geht, gelangt man zum Agilolphusaltar. Es ist einer der größten und bedeutendsten Antwerpener Schnitzaltäre, der Anfang des 19. Jahrhunderts in den Dom gelangt ist. Das Schnitz werk des Altarschreins erzählt eindrucksvoll die Passion Christi. Dem Betrachter begegnet eine schier unüberschaubare Schar an Menschen, die in der Leidensgeschichte Jesu eine Rolle spielen. Er entdeckt unzählige Personen, auch solche, die nur am Rande der Geschichte vorkommen.

… und die Leidensgeschichte hören

Beim Hören der Leidensgeschichte könnte es Ihnen ähnlich ergangen sein. Unterschiedlichste Einzelfiguren und Grup pen sind da aufgetaucht. Gut zwei Dutzend Personen spielen in dieser Geschichte eine Rolle: wichtige Gestalten wie Pilatus oder der Hohepriester Kajaphas, tragische wie Judas, zwielichtige wie die Zeugen vor dem Hohen Rat oder scheinbare Randgestalten wie Simon von Zyrene oder der Mann, der unter dem Kreuz dabei steht. Dann werden noch ein weiteres Dutzend Gruppen genannt wie die Jünger, die Menge und die Soldaten.

Bei einzelnen Figuren verweilen

Die Leidensgeschichte (in voller Länge) hören ist wie das Betrachten eines gotischen Schnitzaltars, der die Passion Jesu kunstvoll in Szene setzt. Ich stehe als Betrachter vor dem gesamten Kunstwerk und doch bleibt mein Auge bei der einen oder anderen Figur hängen. Einzelne Szenen und Personen sprechen mich an und ich betrachte sie etwas näher. Vielleicht sind auch Sie beim Hören in dieser Weise hängen geblieben, haben sich eine Person vor Ihrem inneren Auge vorge stellt, haben sich von der einen oder anderen Gestalt berührt oder herausgefordert gefühlt.

Den eigenen Platz in der Geschichte entdecken …

Das ist ein Grund, warum schon am Palmsonntag die Passion vorgetragen wird, die doch am Karfreitag ihren eigentlichen Platz hat. Uns wird am Beginn der Heiligen Woche die Leidensgeschichte Jesu vor Augen gestellt. Wir werden eingeladen, unseren Platz darin zu finden, indem wir uns wiederfinden in der einen oder anderen Gestalt. Denn – so schreibt der Benediktiner Basilius Doppelfeld – »die Betrachtung und Mitfeier dieser Tage (kann) den Gläubigen viel über sich selbst lehren, wenn er bereit ist, sich selbst in diesem Geschehen zu erkennen und seinen Platz zu überdenken«. Schließlich kommen darin grundlegende Dimensionen des Lebens und Glaubens zur Sprache. Denken wir an Petrus oder Pilatus: Wie verhalte ich mich als Einzelner, der sich von den anderen in die Enge getrieben fühlt? Denken wir an die Frauen unter dem Kreuz: Kann ich bei einem anderen bleiben, wenn es nur noch das Leid auszuhalten gilt? Denken wir an die »Ans Kreuz mit ihm!« schreiende Menge: Wo stimme ich in den Chor der Masse ein und teile Meinungen, über die ich mir gar kein eigenes Urteil gebildet habe? Denken wir an den Hauptmann: Erkenne ich in diesem ungerecht Leidenden am Kreuz die Liebe, die stärker ist als der Tod, den Gott, der an den Grenzen des Lebens mit uns ist?

… und so mein eigenes Leben und Glauben bedenken

Wenn ich die ganze Passionsgeschichte auf einmal betrachten und verstehen will, ist das fast zu viel. Deshalb kann ich es wie bei diesem Schnitzaltar im Kölner Dom machen und mir ganz bewusst das eine oder andere Detail näher anschauen. Vielleicht sind Sie schon heute in diesem Sinn irgendwo hängen geblieben. Oder Sie nehmen sich nochmals die Zeit, die Passionsgeschichte zu lesen und bei der einen oder anderen Gestalt zu verweilen. Jede Person hat ihre Aufgabe und steht in irgendeiner Weise in Beziehung zu Jesus Christus. Die Feier von Tod und Auferstehung Jesu kann auf diese Weise ein Licht auf mein eigenes Leben und Glauben werfen. Sie kann mich mit meinen dunklen Seiten in Berührung bringen, aber auch mit meinen Zweifeln und meiner Sehnsucht, meiner Kraft und meiner Hoffnung. Sie kann mir die Augen öffnen für die tödlichen Mächte dieser Welt, aber ebenso für die heilende Kraft der Liebe, für die lähmende Wirkung der Angst, aber ebenso für die verwandelnde Kraft Gottes. Für die Erfahrung, die wir an Ostern feiern und die wir für unser eigenes Leben immer wieder erhoffen und in einem Gebet in der Osternacht erbitten: »Gott, … so erfahre die Welt, was du von Ewigkeit her bestimmt hast: Was alt ist, wird neu, was dunkel ist, wird licht, was tot war, steht auf zum Leben, und alles wird wieder heil in dem, der der Ursprung von allem ist, in unserem Herrn Jesus Christus«.

Fürbitten
Herr Jesus Christus, zweifelnde und ängstliche Menschen, gewalttätige und verleumderische Gestalten, treue und helfende Begleiter entdecken wir auf deinem letzten Weg. So bitten wir für Menschen, die mit uns heute auf dem Weg sind:

- Für jene, die nicht glauben können, dass Gott sie liebt, dass sie wertvoll sind, dass andere es gut mit ihnen meinen.
(GLn 181/1/GLa 358/3 »Lasset zum Herrn uns beten«)
- Für jene, die Angst haben vor den Herausforderungen des Lebens, vor dem Bedrohlichen einer Krankheit und vor dem Dunkel des Todes.
- Für jene, die Gewalt ausüben und andere verletzen durch Worte, durch mangelnde Aufmerksamkeit, durch sexuellen Missbrauch und körperliche Gewalt.
- Für jene, die treu sind in Ehe und Partnerschaften, in der Beziehung zu Freunden, in einer Aufgabe, die sie übernommen haben.
- Für jene, die helfen, damit andere leben können: in der Erziehung von Kindern, in der Pflege von Angehörigen, in der Begleitung von Asylbewerbern und Flüchtlingen.

Gott, in Jesus Christus bist du uns zu Hilfe gekommen, damit wir einen Ausweg finden, wo Gewalt und Lüge das Leben der Menschen zerstören und Zweifel und Angst uns am Leben hindern. Dafür danken wir dir durch ihn, Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen. 

Klaus Kempter

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