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Leseprobe 3
Christi Himmelfahrt
Lesejahr C
Christi Himmelfahrt spricht uns von einem Glauben, der sich der Welt zuwendet

Beitrag zum Evangelium

Einführung

Christi Himmelfahrt – feiern wir an diesem Tag Jesu Abschied von der Welt? Nein, wir feiern, dass unser Herr eine Daseinsweise angenommen hat, in der er überall bei uns sein kann. Segnend hat er sich den Blicken seiner Jünger entzogen; segnend ist er aber jetzt bei uns und dort, wo man sich in seinem Namen versammelt.

Kyrie-Ruf
GL 495/5 »Herr Jesus, du Erstgeborner von den Toten«

Tagesgebet
Herr Jesus Christus, du hast dich eingereiht in die Gemeinschaft der Menschen. Unseren Schicksalen hast du dich untergeordnet und ließest dich in die Grenzen des Todes hineinstoßen. Doch niemand konnte dich darin gefangen halten. Gesprengt hast du in der Kraft Gottes das Grab. Über alle irdischen Mächte und Gewalten hinaus lebst du nun bei Gott als unser Herr und Bruder zugleich. Dass wir dich hören und unsere Hoffnung auf dich gründen, darum bitten wir heute und alle Tage.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 228 »Christ fuhr gen Himmel«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 255 »Christus ist erhöht zum Vater« und GL 530/8 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 533 »Dir Vater Lobpreis werde«
Gesang zur Kommunion
GL 264,1.3 »Mein ganzes Herz«
Schlusslied
GL 241 »Komm Heilger Geist, der Leben schafft«

Vorüberlegungen

Zum Text: Lk 24,46–53 (Evangelium)


Anlässlich dieses Evangeliums können einem Stichworte beschäftigen, die der Volksglaube und die Kunstgeschichte sich und uns zurechtgelegt haben und die uns bis heute beeinflussen, eben die Worte Himmel und Himmelfahrt. Sie gilt es aufgeklärten Menschen vorsichtig zurechtzurücken und schlüssig zu erklären.

Auch wenn das Fest Christi Himmelfahrt heißt, geht es nicht weniger um die Jünger und das, was ihnen als Auftrag anlässlich dessen gegeben ist und allen späteren Jüngern Jesu in der christlichen Geschichte auch: allen Völkern verkünden, Jesu Zeugen sein, von der Kraft aus der Höhe schöpfen. So ist die Blickrichtung des Christen nicht so sehr nach oben, sondern hin zur Welt im Wissen und Glauben um die Begleitung des erhöhten Herrn. Man kann also etwa die folgenden Predigtgedanken formulieren:

Predigt

In unserem Glaubensbekenntnis sprechen wir bezüglich Jesu Christi: »Aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters...«

Könnten wir auf diesen Satz auch verzichten? Wenn ja, würde uns dann im Glauben etwas fehlen? Hiermit ist also die Frage gestellt, was die Himmelfahrt Jesu mit unserem Glauben zu tun hat, und vor allem, was Christi Himmelfahrt mit unserem Leben zu tun hat.

Die Grenzen unserer Sprache

Mit »Himmelfahrt Jesu« haben die Jünger etwas über das Leben Jesu im Zusammenhang mit Gott sagen wollen. Dabei dürfen wir aber nicht über das Folgende hinwegsehen: Das Evangelium redet von etwas, das die Grenzen unserer Sprache sprengt! Es redet von Erde und Himmel, von unten und oben, vom Hinausgehen und Emporheben. Das Evangelium drückt in bildlicher Sprache aus, was für uns eigentlich unanschaulich ist. Denn wir reden von der Sphäre Gottes. Die aber übersteigt alles Menschliche und Weltliche. Sie übersteigt unser Vorstellungsvermögen und darum auch unsere Sprache. Der Evangelist Lukas ist sich dessen durchaus bewusst. Fast neutral formuliert er die entscheidende Aussage und sagt: »Und während Jesus sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben.«

Wie könnte es mit unserer Sprache auch anders sein. Wir haben ja schon Schwierigkeiten manches auszudrücken, wenn es um die innersten Bereiche unserer materiellen Welt geht, beispielsweise um der Atomphysik.

Wie »Himmel« zu verstehen ist

Auf dem Ölberg nahe Jerusalems zeigt man die Fußspuren Jesu im Stein, die er bei seiner Himmelfahrt hinterlassen haben soll. Als ob er sich mit ungeheurer Kraft gegen den Felsboden hätte stemmen müssen, damit er bis zum Himmel hinauf kommt. Ist das die Naivität von Menschen früherer Zeiten? Hat man hier gemeint, man könne jeden Unsinn rechtfertigen, wenn er nur fromm aussieht?

Himmel – im Alten Testament ist dies ein Wort für Gott und für die Gegenwart des Geheimnisses, das Gott für uns darstellt. Himmel ist also genau genommen nicht ein Ort hoch über uns, auch wenn wir Sinneswesen es uns notgedrungen so vorstellen. Darum sagt die neutestamentliche Botschaft: Jesus wurde zum Himmel emporgehoben, das heißt, er ist bei Gott und Gott gleich gestellt.

Dorthin aber hat Jesus etwas mitgenommen. Nämlich das, was ihm in seinem Erdenleben wesentlich und unverwechselbar eigen war: Die Mühe seines Lebens für uns Menschen; uns Menschen, als sein innerstes Anliegen und das Schicksal, das ihm auf Grund dessen widerfuhr. All dies nimmt er in seiner Person mit zu Gott.

Jedem Menschen gräbt sich ja ein, was ihm in seinem Leben Gewichtiges und Wesentliches geschieht. Wir tragen an und in uns, was die Welt und die Menschen mit uns getan haben und was wir selbst aus uns gemacht haben. So ist es auch für Jesu menschliche Natur! Er ist »um uns und unseres Heiles willen« sowohl vom Himmel »herabgestiegen« als auch um unseres Heiles willen in den Himmel »aufgefahren«, um die Worte unseres Glaubensbekenntnisses zu gebrauchen. Und dorthin hat er mitgenommen, was ihn in seinem Erdenleben durchformt, geprägt und gestaltet hat; auch das, was an ihn herangetragen wurde:

nämlich unsere menschlichen Wünsche und Träume, unsere Verletzungen, unser vergängliches Glück; aber auch unsere Schuld, unser Versagen und unsere Gottlosigkeit. Das mag so einfach dahingesagt sein, es ist aber nicht so.

Spuren hinterlassen

Unter dieser Rücksicht ist der gar nicht so dumm gewesen, der die Fußabdrücke Jesu auf dem Felsboden bei Betanien angebracht oder in schon Vorhandenes hinein interpretiert hat. Denn es gibt tatsächlich Spuren Jesu nach zweierlei Richtung:
Jesus hat die Spuren der Menschen an und in seiner Person mit zu Gott genommen. Und Jesus hat seinerseits in der Welt entscheidende Spuren hinterlassen. Welt und Mensch sind von Jesus gezeichnet.

Natürlich ist das nicht einfach äußerlich und bequem zu sehen. Aber die Aufmerksamkeit des inneren Menschen nimmt dies war.

Zwischen Auferstehung und Himmelfahrt geben uns die Evangelien einen Einblick in den Reifungsprozess der Jünger Jesu. Nämlich hin zu einer sicheren Erfahrung, dass Jesus auch dann bei ihnen ist, wenn sie ihn nicht mit leiblichen Augen sehen. Himmelfahrt markiert den Abschluss dieses Reifungs- und Erfahrungsprozesses. Die Distanz zwischen Himmel und Erde, zwi schen dem fernen Gott und den auf der Erde weilenden Menschen ist geschrumpft. Gott ist durch Jesus Christus bei uns. Und jeder, der aus der Kraft Jesu und seines Geistes lebt, zeigt wieder nach außen sichtbar und erfahrbar Eigenschaften Jesu!

Viele Menschen, vor allem Heranwachsende, stehen noch in einem Reifungsprozess auch zum Glauben hin. Für solche ist es wichtig, dass die Merkmale des Lebens Jesu an den Mitchristen erkannt werden. Deswegen ist eine Gemeinschaft des Glaubens unverzichtbar. Wirkliche und gereifte Christen in der Kirche sind nicht zu ersetzen.

Blickrichtung Erde Nach der Himmelfahrt Jesu blieben die Jünger nicht untätig und unschlüssig zurück. Jesus hat sie als Zeugen gesandt, nachdem er ihnen die Kraft aus der Höhe gegeben hatte. Ihr Blick wurde vom Himmel zur Erde gelenkt. Sie wissen nun, dass die Menschheitsgeschichte fortan eingerahmt ist von Jesus, dem Herrn. Darum ist ein Verharren auf dem Berg der Himmelfahrt oder in Zuständen der Angst oder auf der Insel der Selbstgenügsamkeit nicht der Standort der Christen. Wir sind mit unserem Glauben auf die Welt verwiesen. In ihr muss sich der Glaube bewahrheiten und bewähren. Nicht, indem man die Welt sich selbst oder einfach dem Zeitgeist überlässt. In diesem Zusammenhang muss man sich ausdrücklich vor Augen stellen, dass Jesus die Jünger genau in die Welt hineinschickt, die ihn zuvor verkannt und gekreuzigt hatte. Jede Glaubenspraxis, die aus ihrer Welt einfach ausziehen will, schlägt einen Irrweg ein. Wir sind von Jesus nicht in einen umfriedeten Seelengarten mit Lärmschutzwänden gegen die Welt geschickt. Wir sind vielmehr in eine Welt gesandt, wo man sich in der Mühe um den Glauben auch die Finger oder vielleicht manchmal die Seele schmutzig macht.

Himmelfahrt Jesu ...

Nicht mehr der Mensch muss zu Gott gehen. Gott ist in der verklärten Person Jesu zu den Menschen gegangen. Gott ist überall, wo Menschen leben. Darum ist das Christentum ein Glaube, der die Welt nicht als Schein zu entlarven braucht, nicht als böse oder korrupt ansehen muss. Im Glauben können wir uns ganz der Welt, wie sie gerade ist, zuwenden.

Fürbitten
Herr Jesus Christus, wir bitten dich für alle, die in deinem Namen und deinem Auftrag unterwegs sind bis an die Grenzen der Erde:

– Gib ihnen deinen Geist, damit sie in einer Sprache verkünden, in der Menschen erkennen, dass es in deiner Botschaft um ihr Leben geht.
(Christus, höre uns. – Christus, erhöre uns.)
– Öffne ihnen das innere Gespür, damit sie dein Wort von Menschenworten unterscheiden. Öffne ihnen die Augen, damit sie deine Spur an jedem Ort erkennen.
– Steh ihnen bei, wenn sie müde werden und mutlos, wenn die Last der Vergeblichkeit über sie kommt.
– Lass uns als Gemeinschaft deiner Schwestern und Brüder spüren, dass du als unser Begleiter bei uns bist an jedem Tag und an jedem Ort.

Doch nicht nur bitten wollen wir, sondern dir auch Dank sagen, dich ehren und verherrlichen, heute und an jedem Tag. Amen.

Johannes Jeran

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