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Leseprobe 3
Karfreitag
Lesejahr A – B – C
In der Not ein Freund

Beitrag zur Lesung


Einführung

Der Karfreitag ist ein Tag zum Hören und nicht zum Reden. Wenn wir dem Leiden Christi begegnen und in ihm dem vielfältigen Leiden unserer Zeit, verstummt die Redseligkeit des Alltags. Innehalten ist angesagt. Im Sterben steht das ganze Leben eines Menschen auf dem Spiel. Wie sieht unser Leben aus, wenn wir es von seinem Ende her betrachten?

Predigt

Zum Text: Hebr 4,14–16; 5,7–9 (2. Lesung)

Freimut

Von einem erwachsenen Menschen erwarten wir, dass er für sich selbst einsteht, dass er aufrecht und ehrlich ist, dass er sein Handeln selbst verantwortet. Dazu braucht es äußere und innere Unabhängigkeit: Nur wer für seinen eigenen Lebensunterhalt sorgen kann, nur wer eine gesunde Urteilskraft besitzt und sich vor niemandem zu fürchten braucht – nur ein solcher Mensch besitzt auch die Freiheit und den Mut, seine Meinung zu sagen und seinen Weg zu gehen. Dieser Freimut hat nichts mit Selbstüberschätzung zu tun. Es gibt Situationen im Leben, in denen wir darauf angewiesen sind, dass andere für uns einstehen. Wer krank wird, wer seinen Arbeitsplatz verliert, wer betrogen oder verleumdet wird, wer Schuld auf sich geladen hat – ein solcher Mensch braucht Mitmenschen, die ihn unterstützen und ihre Kraft einsetzen, wo die eigenen Kräfte versagen. Wer freimütig seinen Weg geht, der tut dies nicht zuerst nur aus eigener Kraft, sondern weil er sich auf andere verlassen kann. Als derart freimütige Menschen spricht der Hebräerbrief uns Christen an: als Menschen, die ihre eigene Schwäche und Begrenztheit schmerzlich erfahren, die aber deshalb nicht niedergeschlagen sind, weil sie wissen, dass ein anderer für sie eintritt, wo sie selbst versagen. Das hat Jesus in seinem Leiden und Sterben ein für alle Mal getan: Als Hoherpriester hat er Gott und Menschen dargebracht, was wir einander immer schuldig sind – seine Hingabe und Liebe anstelle der unsrigen. »Lasst uns also mit Freimut zum Thron der Gnade hintreten, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit« (Hebr 4,16).

Mitgefühl


Hilfe erlangen wir aber nicht, indem der starke Gott uns aus den Schwierigkeiten einfach heraushaut. Gott kommt uns auf menschliche, im wahrsten Sinne des Wortes »sympathische« Weise zu Hilfe. In Jesus haben wir nicht nur einen erhabenen, sondern auch einen »sympathischen« Hohenpriester, das heißt einen, der mit uns fühlt und mit uns leidet (Hebr 4,15). »Als Christus auf Erden lebte, hat er mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte« (Hebr 5,7). Im Garten Getsemani hat er bitterlich geweint und um sein Leben gefleht. Am Kreuz hat er seine Gottverlassenheit laut hinausgeschrien. Aber nicht erst als es zum Äußersten kam, hat Jesus zu Gott gerufen, sondern sein ganzes Leben auf Erden war nach der Überzeugung des Hebräerbriefes ein einziger Schrei um Rettung aus dem Tod, weil Jesus als Mensch das ganze Elend des Menschen mitgetragen und miterlitten hat. So ist er uns in die abgrundtiefe Verlorenheit menschlichen Lebens nachgestiegen, wo das Allermenschlichste zum Allerwichtigsten wird: der starke Trost, der aller Ohnmacht zum Trotz aus der liebenden Gegenwart eines Freundes strömt. Die äußere Not bleibt unverändert bestehen, aber die innere Nacht der Angst hellt sich auf und scheint nicht mehr so undurchdringlich wie zuvor. In den schlimmsten Situationen des Lebens gibt es nichts Wichtigeres als dies: dass einer bei mir ausharrt und mich nicht einfach mir selbst überlässt. Das hat Jesus getan und tut es allezeit für uns als Hoherpriester, der mit uns fühlt.

Gehorsam


Aber lief das Beten Jesu nicht ins Leere, und gilt dasselbe dann nicht auch für unser eigenes Gebet? Der Hebräerbrief ist überzeugt, dass Jesus »seiner Frömmigkeit wegen erhört worden ist« (Hebr 5,7). Das kann nicht sein, wenn man sich darunter vorstellt, dass Jesu Bitte um sein Leben im Garten Getsemani erfüllt worden sei; denn die Erfüllung dieser Bitte ist ihm ja offensichtlich versagt geblieben. Aber Erfüllung und Erhörung einer Bitte sind nicht dasselbe, und um Erhörung geht es hier. Beten ist kein automatischer Mechanismus, sondern eine lebendige Beziehung. Wer betet, kann nicht ernsthaft damit rechnen, dass Gott ihm alle Wünsche erfüllt; aber er kann fest darauf vertrauen, dass er mit seinem Gebet nicht gegen eine Wand redet. Der Gott Jesu Christi, der mit uns fühlt und mit uns leidet, lässt sich von unserem Gebet anrühren wie ein guter Freund, der uns durch sein Ausharren in schlimmen Zeiten Trost spendet. Diesen Trost hat auch Jesus erfahren, und auf diese Weise ist er erhört worden. Aber das Hören ist keine Einbahnstraße; zu einer lebendigen Beziehung gehören zwei, und so musste auch Jesus lernen zu hören und in diesem Sinne gehorsam zu sein. Wir sind berufen, in diese Beziehung zwischen Vater und Sohn einzutreten, indem wir unsererseits auf Jesus hören und ihm immer mehr gehorsam werden: seinem Wort, seinem Leben, seiner Hingabe und Liebe bis zum Tod am Kreuz.

Fürbitten
Im Leiden Christi begegnen uns die Leidenden und Hilfsbedürftigen unserer Zeit. Zu Gott, der uns hört und aus dem Tod erretten kann, lasst uns beten:

– Für alle Christen, die in diesen Tagen den Tod und die Auferstehung Jesu feiern: um Trost in der Bedrängnis und um Freimut bei der Verkündigung des Evangeliums. Gott unser Vater: (Wir bitten dich, erhöre uns.)
– Für die Menschen aller Religionen, die als Geschöpfe Gottes zur Gemeinschaft mit ihm berufen sind: um Bewahrung in der Liebe Gottes und Kraft aus seiner Kraft. Gott unser Vater:
– Für die Menschen in unserer säkularisierten Zeit, die keine Beziehung mehr zu Gott haben: um ein waches Gewissen, durch das sie seine Stimme vernehmen. Gott unser Vater:
– Für die Menschen, deren Leben durch Krankheit, Hunger oder Krieg bedroht ist: um Trost in ihrem Leiden und ewiges Leben für die Sterbenden. Gott unser Vater:

Heiliger Gott, im Leiden deines Sohnes verbirgt sich deine Kraft und in seinem Tod deine Unsterblichkeit. Lass uns kraft des Geistes teilhaben an der Auferstehung Christi, der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit. Amen.

Wilfried Eisele

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