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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 3
Vierter Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr C
Das »Heute« Gottes in Jesus Christus

Beitrag zum Evangelium

Einführung

Wie oft haben wir diesen Gruß schon einander zugesprochen: Der Herr sei mit euch!
In diesem Gruß ist das Versprechen gegeben, dass der Herr mit denen ist, die sich für ihn auftun und sich an ihn halten. Heute ist er an unserer Seite. Jetzt ist er uns ganz nahe.
Das entspricht auch dem Verheißungswort, das wir in der Lesung aus dem Mund des Propheten Jeremia hören: »Mögen sie dich bekämpfen, sie werden dich nicht bezwingen; denn ich bin mit dir, um dich zu retten.« Ich lade Sie und euch ein, dass wir dem Angebot unseres Herrn vertrauen und dass wir uns seiner Führung überlassen.

Kyrie-Ruf
Her Jesus Christus, du rufst uns, dir zu folgen.
Herr, erbarme dich.
Du gibst uns Mut, uns zu dir zu bekennen.
Christus, erbarme dich.
Du stehst zu uns und bist unser Begleiter.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, mit unserem manchmal schwachen Glauben, mit unserem fehlenden Vertrauen übergeben wir uns dir. Schenk uns dein Verzeihen und lass uns voll Freude aufatmen in dir.

Tagesgebet

Getreuer Gott,
in Jesus Christus ist deine Frohbotschaft menschlich greifbar geworden. Lass uns ihm begegnen in dieser Feier. Stärke unseren Glauben durch ihn. Nähre uns durch sein Wort. Belebe uns durch den Geist, der in ihm lebendig ist.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 520,1–3 »Liebster Jesu, wir sind hier«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 717/1 dazu Verse aus Psalm 71 (Die Zwischengesänge der Messfeier Lesejahr C, Seite 62) und
GL 530/3 »Halleluja« mit Vers
Gesang zur Gabenbereitung
GL 300,1–2.4–5 »Solang es Menschen gibt auf Erden«
EH 139 »Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde«
Gesang zur Kommunion
GL 538,1–2.5–6 »O heilger Leib des Herrn«
EH 76 »Strahlen brechen viele«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 558,1.5–7 »Ich will dich lieben, meine Stärke«
EH 85 »Selig seid ihr«

Vorüberlegungen

Zum Text: Lk 4,21–30 (Evangelium)

Die vorliegende Perikope ist nur im Zusammenhang mit dem vorausgehenden Evangelienabschnitt zu verstehen: dem ersten Auftreten Jesu in seiner Heimatstadt Nazaret, nachdem er seine Sendung aufgenommen hat. Der gesamte Abschnitt (Lk 4,16–30) hat gleichsam eine programmatische Bedeutung. Der erste Teil (Lk 4,16–21) spricht vom »Anfang« Jesu. Im zweiten Teil (Lk 4,21–30), dem vorliegenden Sonntagsevangelium, wird schon etwas von der Atmosphäre des »Endes« erkennbar, von der Ablehnung, von der Feindschaft, die ihm begegnet. Es scheint etwas auf von der Stunde seines Todes. Aber das selbstgewisse Hindurchschreiten Jesu durch die Menge (Lk 4,30) weist schon darauf hin, dass sein Weg nicht in der Ohnmacht des Todes endet, dass sich vielmehr Gottes Kraft an ihm zeigen wird.

Im Vers 21 erhält das Stichwort »Heute« seinen besonderen Rang. Dieses Heute ist mehr als eine reine Zeitangabe. Es drückt sich darin die Gegenwart Gottes im Wirken und in der Verkündigung Jesu aus! Und das ist voller Kraft: »Amen, das sage ich euch!« – dieses Wort Jesu stellt ihn uns als den neuen Gesetzgeber vor.

Es zeigt sich aber im Spiegel der Menschen von Nazaret auch, dass Menschen eben dieses »Heute Gottes« verfehlen können. Obwohl seine Zuhörer ihn zunächst bestaunen und sein Wort der Gnade bewundern, antworten sie schließlich auf sein Erscheinen mit Wut, Ablehnung und offener Feindseligkeit.

Dieser Spiegel ist uns vorgehalten. Uns ist das »Heute Gottes« jetzt angeboten. Wir haben die Frage zu beantworten: Welche Barrieren sind es, die uns daran hindern, das Angebot Jesu anzunehmen?

Das »Heute Gottes« in Jesus Christus fordert uns heutige Hörer dazu heraus, uns der Aufgabe zu stellen, die Sendung Jesu Christi, seinen Auftrag des Zeugnisses in der Welt zu übernehmen und mit unseren Kräften das »Heute Gottes« zur Geltung zu bringen.

So ist Jesus Christus in seiner Person durch sein »Heute« auch eine Herausforderung an uns heutige Hörer, uns ihm zu öffnen und in seine Gefolgschaft zu treten.

Predigt

Das »Heute« Jesu Christi


»Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.« Dieses Heute fällt auf. Jesus sagt es ganz betont.

Das Wort »Heute« hat im Evangelium Jesu Christi seinen ganz besonderen Platz. Es beginnt schon in Betlehem: »Heute ist euch der Heiland geboren!« Oder im Haus des Zachäus: »Heute ist diesem Haus Heil widerfahren!« Und schließlich in seiner Todesstunde noch einmal: »Noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein!« Dieses Heute ist nicht nur eine gewöhnliche Zeitangabe. »Heute« – das kennzeichnet das ganze Handeln und Wirken Jesu! In ihm ist Gott am Werk, hier und heute! In ihm ist Gottes Heilswille für diese Welt und für uns Menschen gegenwärtig, erfahrbar, spürbar, stark. Dass Gott in Jesus Christus »heutig« ist, das macht dessen besonderes Wesen und seine Sendung aus.

Ist die Kirche »heutig« genug
?

»Heutig« zu sein – das ist leider nicht so sehr die Stärke unserer Kirche! Gerade das aber wäre ihre eigentliche Sendung: Dass sie durch ihr Zeugnis, ihr heutiges Zeugnis, das Evangelium ins konkrete, heutige Leben hineinträgt, es verkündet, lebt, bezeugt! Aber – Hand aufs Herz: Sprechen davon die Bilder, die von der Kirche an die Öffentlichkeit gelangen? Und die Geschichten, die sie verkündet – bleibt da nicht manchmal eher der ermüdende Eindruck zurück: Das haben wir doch schon gestern gehört? Ja, wirklich: Oft fehlt das frische, lebendige, kraftvolle und überraschende »Heute«!

Es war ein genialer Gedanke des Papstes Johannes XXIII., dass er dem Zweiten Vatikanischen Konzil, das er einberufen hat, den Auftrag mitgab, zu einem »Aggiornamento« der Kirche beizutragen, zu einer »Verheutigung«, viel mehr als die Anpassung an einen äußerlichen Zeitgeist. An einer Kirche, die sich auf Jesus Christus beruft, soll etwas vom »Heute« Gottes in Jesus Christus ablesbar sein.

Wie das »Heute Gottes« ankommt

Doch gehen wir dem besonderen »Heute Gottes« im Wirken Jesu Christi nach: In Nazaret, seiner Heimatstadt, ist es ausgesprochen! Jesus verkündet kraftvoll und entschieden: Heute hat sich das verheißene Heil erfüllt! Heute wird wahr, was die Propheten angekündigt haben. Heute tritt die Herrschaft Gottes in Kraft. Heute wird das Unheile in dieser Welt gewendet. Heute handelt Gott selbst.


Die Menschen in der Synagoge von Nazaret spüren etwas von der gewaltigen Kraft, von der Präsenz Gottes in Jesus Christus. Sie erfahren sein Wort als ein begnadetes, als ein gottgeschenktes, gottgewirktes. Sie geben Beifall, sie staunen!

Doch dabei bleibt es nicht: Die Zeitgenossen spüren, dass Jesus keiner ist, der nach dem Mund redet, der alle Erwartungen, Wünsche und Träume für jeden und jede wahr machen will. Seine Rede ist herausfordernd. Und dass Gott in ihm so entscheidend handelt und ins Geschehen der Welt eingreift, ausgerechnet in ihm, ihrem gewöhnlichen Landsmann, dem Sohn des Josef, wie sie sagen – das passt nicht zur Vorstellung von Gottes Herrschaft im Kopf seiner Zuhörer.

Zudem: Auch wenn die Bewohner Nazarets, die sich am Sabbat in der Synagoge versammelt haben, gewiss alle die kommende Gottesherrschaft erwarten und die Sehnsucht danach in ihren Herzen tragen – dass das jetzt und hier und heute wahr werden und in ihr normales, gewohntes Leben eingreifen soll, das ist ihnen dann doch zu viel! Das stört ihre Kreise. Das bringt das vertraute, eingefahrene Leben durcheinander.

Und so kommt es sogleich zum Konflikt. Im raschen Wechsel von begeistertem Beifall zu ernster Todesdrohung leuchtet schon hier am Beginn von Jesu Wirkens etwas auf von seinem Kreuzesschicksal. Schon hier eine Ahnung, dass das »Heute« Gottes in Jesus Christus keine irdische Erfolgsgeschichte wird!

Wie wir dem »Heute Gottes« in Jesus Christus begegnen

Hält uns die Geschichte aus Nazaret nicht einen Spiegel vor? Im Licht dieses Evangeliums nehmen wir womöglich uns selbst wahr in unserem Verhalten zu Jesus Christus: Können wir in dem einfachen Mann aus Nazaret, dem Sohn des Josef, wahrhaft das Kommen Gottes erkennen? Oder suchen wir doch immer noch einen starken Auftritt Gottes in einer machtvollen und wundersamen Erlösergestalt?

Und obwohl wir ganz regelmäßig beten »Dein Reich komme!«, die Bitte um das Anbrechen der Gottesherrschaft im Munde tragen: Sind wir nicht innerlich geneigt, den Anspruch des Gottesreiches, seine drängende, herausfordernde Macht etwas weiter wegzuschieben, weil wir unseren Alltag doch gerne nach den eigenen Planungen abwickeln wollen? Gottes Herrschaft, ja, aber muss das »heute« schon sein?

Diese Fragen stellen sich uns. Und wir ahnen, welche Barrieren, welche inneren Vorbehalte in uns sind, die uns hindern, das »Heute Gottes« in Jesus Christus offen anzunehmen.

Uns dem »Heute Gottes« öffnen

Jedenfalls: Die Auseinandersetzung Jesu mit seinen Landsleuten in Nazaret fordert uns heraus, uns für das »Heute Gottes« in Jesus Christus neu aufzutun. Neu auf ihn zu hören. Neu uns auf ihn einzulassen. Uns von ihm packen zu lassen. Uns dem Anspruch und Zuspruch seiner Worte zu stellen! Uns von der Kraft anstecken zu lassen, die von ihm ausgeht. Die Stunde zu ergreifen, das »Heute«. Der weltverändernden Botschaft zu trauen, die von Jesus Christus ausgeht. Dass nicht das Unheile in der Welt das letzte Wort hat, sondern die Zusage der endgültigen Nähe und der unwiderruflichen Zuwendung unseres Gottes. Und dass uns in Jesus Christus Gott selbst entgegentritt als der Gott des neuen Anfangs! Heute!

Das »Heute Gottes« will in uns selbst wahr werden

Nein, das »Heute Gottes« kann uns nicht kalt lassen. Es drängt danach, in unserem gelebten Leben wahr zu werden. Wir sind gesandt, sein »Heute« aufleuchten zu lassen als ein Hoffnungslicht für diese Welt: Indem wir mit großer Standfestigkeit und innerer Ruhe aus dem Vertrauen auf seine stetige Gegenwart leben! Indem wir von seinem Geist beflügelt aufbrechen aus den Schützengräben der Feindschaft und Fremdheit! Indem wir klare Worte sprechen, wenn Menschen in ihrer Würde und ihren Lebenschancen beschnitten werden! Indem wir auch gegen den Strom schwimmen, weil wir spüren, dass Gott von uns neue Wege verlangt. Und das wird nicht immer nur locker, leicht und angenehm gehen!

Und ebenso wird das »Heute Gottes« im Evangelium unsere Kirche als Ganze herausfordern: All das zu beseitigen, was ihrem Zeugnis für das Entgegenkommen Gottes in Jesus Christus im Wege steht. Dazu gehört ganz gewiss das, was an ihr unbarmherzig ist; alles Pochen auf Ämter, Titel und Rangordnungen; alles Pochen auf Macht und Herrlichkeit.

Spüren Sie etwas von der Herausforderung dieses Evangeliums? Für Ihre eigene Lebenshaltung als Christin und als Christ? Und für das Erscheinungsbild unserer Kirche?

Weil ich das Empfinden habe, dass mich das »Heute Gottes« in Jesus Christus ganz enorm herausfordert, blicke ich noch einmal auf ihn im heutigen Evangelium. Er schreitet aufrecht durch die Menge hindurch – in kraftvoller Überlegenheit, schon in österlicher Siegesgewissheit. Da leuchtet seine göttliche Kraft auf. Und das macht mir Mut und sagt mir, dass auch ich in meinem kleinen und bescheidenen Zeugnis auf seine Kraft und Stärke vertrauen kann. Er geht »Heute« und jeden Tag neu mit mir.

Fürbitten

Zum Herrn der Kirche, zum Herrn unserer Gemeinde rufen wir voll Vertrauen:

– Für uns alle hier, die wir zu dir gefunden haben und zu dir gehören wollen: um die Kraft zu einem lebendigen, wachen Glauben.
(Christus, höre uns. – Christus, erhöre uns.)
– Für unsere Kirche und alle, die in ihr Verantwortung übernommen haben: um die Bereitschaft und den Mut zu stetiger Umkehr.
– Für alle, die in der Kirche, in den Kindergärten, in der Schule, bei der Tauf-, Kommunion- und Firmungsvorbereitung ihren Glauben bezeugen: um ein glaubwürdiges und einladendes Zeugnis.
– Für alle, die von unserer Glaubensgemeinschaft enttäuscht wurden: um Begegnungen, die ihnen neues Vertrauen auf deine Botschaft geben.
– Für die Mitchristen, die in Politik, Wirtschaft, Kultur und Kunst tätig sind: um ein furchtloses und entschiedenes Eintreten für deine Botschaft.

Herr Jesus Christus, du brichst mit den Hungrigen das Brot und bist uns darin heute so nahe. Dafür danken wir dir alle Tage neu und in Ewigkeit. Amen.

Wolfgang Schrenk

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