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Leseprobe 1
Zweiter Adventssonntag
Lesejahr B
Beitrag zur Lesung

Einführung

Die Zeit geht so schnell und die Ansprüche halten uns auf Trab – das ist eine der vorherrschenden Erfahrungen des Advents. Unser Zeitempfinden ist immer schnell, wenn ein Termin gesetzt ist und die Erwartungen sich steigern. Wir erleben Beschleunigung, wo es doch auf Verlangsamung ankäme. Der Herr ist geduldig, wird uns gesagt. Sind wir es auch miteinander und mit uns selbst. Üben wir uns ein in die Geduld derer, die wissen, dass Gott kommt, dass er da ist, auch wenn noch längst nicht alles bereit ist. Rufen wir unseren Herrn herbei, rufen wir ihn in unsere Mitte:

Herr, mit unserer schieren Hast gewähre uns beruhigende Rast.
Unser gestresstes Eilen nimm hinein in dein seliges Verweilen.
Aus Unzulänglichkeit und Schuld erlöse uns durch Güte und Geduld.

Mit der Ankunft Gottes rechnen

Predigt

Zum Text: 2 Petr 3,8–14 (2. Lesung)

Die ewige Wiederkehr des Gleichen?

Nichts hat sich geändert. Alles ist beim Alten geblieben. Die Geburt des Christus als Mensch hat die Welt nicht grundlegend verwandelt. Und was in der Vergangenheitsform gesagt wird, das lässt ich auch auf Zukunft hin formulieren: Die Verhältnisse unserer Welt werden sich nie ändern. Das Evangelium ist erbauliches Wort, aber wird auch in Zukunft nichts wirken. Eine grundlegende Verwandlung von Welt und Leben ist nicht zu erwarten.

Zweifel an der Verheißung

Die Christen der zweiten Generation waren den Vorbehalten ihrer Zeitgenossen und auch ihrem Spott ausgeliefert: Hat sich je etwas geändert? – war ihre süffisante Frage an die Christen. Und die Antwort gaben sie gleich dazu: Alles ist geblieben, wie es seit Anfang der Schöpfung war (2 Petr 3,4). Warum also mit dem ernsthaften Einbrechen Gottes in unsere Welt rechnen? Warum auf die Wiederkunft Christi warten? In den Gemeinden der Christen selbst, wohl auch in den einzelnen Seelen, kam der Zweifel auf: Ist denn die Verheißung eines neuen Himmels und einer neuen Erde wahr? Warum bleibt Christus in seiner Herrlichkeit aus? Ist das ganze Unterfangen des christlichen Glaubens nicht absurd, weil es eben nichts bewirkt?

Gnostische Behelfsmöglichkeiten

In den eigenen Reihen der Christengemeinden hat man sich anderen Lehren und Vorstellungen zugewandt. Wir nennen sie heute Gnosis. Der Kern der Lehre war die Erkenntnismöglichkeit Gottes und die Erkenntnisfähigkeit des Menschen: Der menschliche Geist vermag das Wesen Gottes zu erkennen. Und weil der Mensch Erkenntnis besitzt, sind die theologischen Lehren der Christen vielleicht gerade noch brauchbar, ihre ethischen Verpflichtungen sind hinderlich für ein glückliches Leben. Das kommt uns vielleicht bekannt vor: Es ist in unserer Gegenwart auch so, in unseren moralischen Fragen und als Zwiespalt in unserer Seele: Hat es tatsächlich etwas auf sich mit dem Christus und seiner verwandelnden Kraft? Ist sein hohes Ethos von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit tatsächlich geeignet, die Welt zu gestalten? Dürfen wir damit rechnen, dass von ihm das Leben einem letzten Gericht und einer letztlichen Vollendung unterzogen wird? Die existenziellen Fragen bleiben sich immer gleich. Und die Antworten verändern sich eher theoretisch, praktisch bleiben auch sie gleich. Damals hieß die Antwort: Wir wollen es uns gut gehen lassen! Wir fragen nicht nach Gerechtigkeit und Moral! Wir werden so gut leben, wie es uns möglich ist, weil außer der Erkenntnis Gottes alles hinfällig und gleichgültig ist. Man konnte sich damals, wie man es heute auch kann, inspiriert fühlen und vollkommen unchristlich handeln.

Das Einbrechen Gottes

Am Beispiel der Wiederkunft Christi in Herrlichkeit – Parusie heißt der theologische Begriff – muss es zur Entscheidung kommen: Rechnet die Gemeinde, rechnet der Einzelne mit dem Einbrechen der Wirklichkeit Gottes? Rechnen die Gemeinden, rechnet der Einzelne mit einem Gericht, in dem die Gerechtigkeit gegenüber allen aufgerichtet wird?
Das wäre ja die wirklich adventliche Haltung: Mit dem Einbrechen Gottes in unsere Welt und in unser Leben zu rechnen! Und umgekehrt: Unsere Welt und unser Leben dem Maß und dem Rechtsspruch Gottes hinzuhalten, wie es uns das Evangelium lehrt. Die Kirche hat seit ihrem Anfang an diesem Advent festgehalten: Christus kommt. Gott ist wirksam. Wir Menschen stehen dieser Wirklichkeit verantwortlich gegenüber!
Das Brauchtum des Advents ist ausgerichtet auf die Feier von Weihnachten – wir erinnern uns gern der Ankunft Gottes als Kind. Die Herausforderung der Kirche ist es zugleich, sich dem Wirken Gottes auszusetzen heute und auf Zukunft hin. Advent heißt so: Mit der Ankunft Gottes rechnen, im alltäglichen Leben und in der eigenen Seele! Mit der Ankunft Gottes so rechnen, dass wir uns ihm gegenüber verantworten müssen. Eine solche adventliche Haltung nimmt uns etwas vom Gemütlichen und Rührseligen, aber sie gibt uns ganz viel an Glaubwürdigkeit und Nüchternheit.

Fürbitten
Lasst uns beten zu unserem Herrn Jesus Christus, der einen neuen Himmel und eine neue Erde heraufführt:

- Für rund eine Milliarde Menschen, die weltweit hungern.
(Christus, höre uns. – Christus, erhöre uns.)
- Für die Regierenden der westlichen Industrienationen, die den Berg von Schulden gerecht und sozial verträglich abbauen müssen.
- Für die Völker, die sich ihr Recht und ihre Freiheit unter großen Opfern erkämpfen.
- Für die Menschen, die sich ständig von inneren oder äußeren Ansprüchen getrieben fühlen.
- Für die Menschen mit einem kranken Körper oder einer bedrängten Seele, die sehnlichst auf Heilung oder Linderung warten.
- Für Christen, die sich in den Tagen des Advents aufmerksam und nüchtern dem Anspruch des Evangeliums aussetzen.

Gott. Du selbst wirst den neuen Himmel und die neue Erde heraufführen, in denen die Gerechtigkeit wohnt. Wir danken dir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Anton Seeberger

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